Version 2.0 · Stand: 27.07.2026
Konzeptgesteuerte Kommunikation ist zielgerichtete, geplante Kommunikation – meist im Interesse einer Organisation oder Gruppierung (Partikularinteresse). Grundlage ist ein Konzept: ein gedankliches Gebilde, das auf der Basis einer Situationsanalyse (IST) strategische Ziele (SOLL) und zielgerechte Kommunikationsstrategien ableitet. In Organisationen liegt es meist schriftlich vor; erfahrene Manager können allerdings auch konzeptionell agieren, ohne dass es schriftlich festgehalten ist. In Anlehnung an das militärische Vokabular spricht das betriebswirtschaftliche Management auch von strategischer Kommunikation oder strategischem Kommunikationsmanagement:
“Management von Kommunikation beruht auf der Anfertigung einer strategischen Konzeption für Kommunikation und diese gilt mittlerweile als der Königsweg aller PR und allen Managements und zugleich als beinharter Test auf Kommunikations-Kompetenz: Hier müssen ein gerütteltes Maß an theoretischem Wissen, praktische Kenntnisse und vor allem große Erfahrung abgerufen und unter strategischer Perspektive sinnvoll genutzt werden.” (Merten, 2013, S. 9)
Einordnung
Strategische Kommunikation dient dazu, die Ziele einer Organisation zu verwirklichen (Holtzhausen & Zerfass, 2013). Diese «präskriptive, rationalistisch-positivistische» Sichtweise (Wehmeier & Schoeneborn, 2018), prominent vertreten etwa durch Bruhn (2015), hat einen bitteren Beigeschmack, wenn der Zweck – oder das dahinterliegende, meist wirtschaftliche Interesse – mit ethischen, sozialen oder ökologischen Werten konkurriert; kritisch spricht man von Manipulation oder persuasiver Kommunikation (→ persuasive Kommunikation), im politischen und militärischen Bereich von Propaganda (→ Propaganda). Konzeptgesteuert arbeiten in der Unternehmenskommunikation die professionelle PR, Public Affairs und die Werbung.
Elemente konzeptgesteuerter Kommunikation
Am Anfang steht die Situationsanalyse (→ Situationsanalyse). Artreine Zielgrössen des kommunikativen Handelns sind Wissen (Bekanntheitsgrad), Einstellungskomponenten (Vertrauen), Haltung, Verhalten und Handeln von Menschen, Gruppen oder der Gesellschaft; im ökonomischen Kontext werden auch Positionierung, Profilierung, Image und Reputation als Zielgrössen genannt. Merten und Künneth definieren die PR-Konzeption entsprechend als «Plan zur optimalen Erzeugung vorzugebender Kommunikationswirkungen bei vorzugebenden Zielgruppen, mit vorzugebenden Maßnahmen, vorgegebenen Fristen und Ressourcen unter Einbeziehung von Feedback» (Merten, 2013, S. 12). Die strategische Entscheidfindung umfasst Definition und Gewichtung der Zielgruppen (→ Zielgruppe), der Inhalte (Themen, Botschaften) und der Handlungsfelder (→ Handlungsfelder); als Hilfsmittel dient etwa der morphologische Kasten. Die Kombination der gewichteten Elemente führt zu Strategievarianten (optimal, mittel, minimal), bewertet nach Aufwand und erwarteter Wirkung. Zur Herausforderung wird die Kombination, wenn Anspruchsgruppen aus unterschiedlichen Werthaltungen heraus kontroverse Erwartungen stellen – etwa bei global tätigen Schweizer Banken zwischen internationalem Finanzmarkt und nationaler Verwurzelung.
Botschaften
Jeder Zielgruppe ist eine eigene Botschaft zuzuordnen, die deren spezifisches Wording trifft; alle weiteren Texte werden daraus abgeleitet (Dörrbecker & Fissenewert, 1997; Merten, 2013). Botschaften sind keine Werbeslogans, sondern Aussagen, die beim Zielpublikum als zutreffend akzeptiert werden sollen (→ Glaubwürdigkeit). Für Krisenreaktionen identifiziert Schmid (2014, S. 286) vier essenzielle Botschaften: Betroffenheitsbotschaft, Faktenbotschaft, Aktionsbotschaft und Untersuchungsbotschaft.
Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
In der Krise sind die strategischen Optionen durch die Rahmenbedingungen eingeschränkt – konzeptionelles Denken bleibt aber möglich, wenn vor der Krise vorbereitende Überlegungen getroffen wurden (Krisenplan, → Krisenkommunikationskonzept); erst diese Vorbereitung ermöglicht die entscheidenden Sofortmassnahmen bei plötzlichen Krisen. Das KMK-System operationalisiert die konzeptgesteuerte Logik für den Krisenfall: Situationsanalyse (ADAM/SCHNUFFI/FRAMI) und Strategieentwicklung mit Botschaftsstrategien und Wenn-Dann-Regeln (EVI) folgen dem IST-SOLL-Schema der Konzeptlehre.
Literatur
Bruhn, M. (2015). Kommunikationspolitik: Systematischer Einsatz der Kommunikation für Unternehmen (8. Aufl.). Vahlen.
Dörrbecker, K., & Fissenewert-Gossmann, R. (1997). Wie Profis PR-Konzeptionen entwickeln. IMK.
Holtzhausen, D., & Zerfass, A. (2013). Strategic communication – Pillars and perspectives of an alternative paradigm. In A. Zerfass, L. Rademacher & S. Wehmeier (Hrsg.), Organisationskommunikation und Public Relations (S. 73–94). Springer VS.
Merten, K. (2013). Konzeption von Kommunikation: Theorie und Praxis des strategischen Kommunikationsmanagements. Springer VS.
Schmid, V. (2014). Krisenkommunikation: Botschaften in der Krise. In A. Thiessen (Hrsg.), Handbuch Krisenmanagement (2. Aufl., S. 281–292). Springer VS.
Wehmeier, S., & Schoeneborn, D. (Hrsg.). (2018). Strategische Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Intention und Emergenz. Springer VS.