Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Kri­sen­vor­be­rei­tung (anti­zi­pa­ti­ves Kri­sen­ma­nage­ment) umfasst sämt­li­che in der ordent­li­chen Lage getrof­fe­nen Mass­nah­men und Instru­men­te, die dar­auf abzie­len, eine poten­zi­el­le Kri­se opti­mal zu bewältigen.

Einordnung

Die Kri­sen­vor­be­rei­tung gehört zur Kri­sen­prä­ven­ti­on im wei­te­ren Sinn. Wäh­rend Issues-Manage­ment und Risi­ko­ma­nage­ment Kri­sen mög­lichst ver­hin­dern sol­len, anti­zi­piert die Kri­sen­vor­be­rei­tung den Ernstfall:

«Wäh­rend im Rah­men der Kri­sen­prä­ven­ti­on Früh­warn­sy­ste­me ein­ge­setzt wer­den, um den Aus­bruch von Kri­sen zu ver­hin­dern, die­nen Mass­nah­men der Vor­be­rei­tung auf den aku­ten Fall dem geplan­ten und schnell koor­di­nier­ba­ren Ein­satz von Instru­men­ten der aku­ten Kri­sen­be­wäl­ti­gung.» (Schwarz & Löf­fel­holz, 2019, S. 4)

Obwohl jedes Kri­sen­fach­buch auf die Bedeu­tung der Kri­sen­vor­be­rei­tung hin­weist, wird ihr in der Pra­xis nach wie vor zu wenig Beach­tung geschenkt – mit dem ent­spre­chen­den Feh­ler­ri­si­ko im Ernst­fall. Einer der bekann­te­sten Fäl­le ist Schwei­zer­hal­le, als der Bas­ler Che­mie­kon­zern Ciba-Gei­gy über Nacht völ­lig über­ra­schend mit einer öffent­lich-publi­zi­sti­schen Kri­se kon­fron­tiert wor­den ist.

«Wem eine Kri­se droht, soll­te vor­her sei­ne Haus­auf­ga­ben gemacht und Vor­be­rei­tun­gen getrof­fen haben. Denn die gute alte Vogel-Strauss-Poli­tik, die noch immer weit­ver­brei­tet scheint, ist im Kri­sen­fall gefähr­li­cher denn je. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, soll­ten Ent­schei­der die Kom­mu­ni­ka­ti­on und das Defi­nie­ren von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­li­ni­en für den Kri­sen­fall rigo­ros zur Chef­sa­che erklä­ren.» (Stof­fels, 2012, S. 102 🔴 Voll­an­ga­be in Zote­ro nach­tra­gen)

Handlungsfelder der Krisenvorbereitung

Das KMK-System unter­schei­det vier Hand­lungs­fel­der: Vor­be­rei­tun­gen auf stra­te­gisch-kon­zep­tio­nel­ler Ebe­ne, orga­ni­sa­tio­na­le Mass­nah­men, Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on & Medi­en sowie Mass­nah­men bezüg­lich IT-Infrastruktur.

Handlungsfelder der Krisenvorbereitung
Abbil­dung 1: Die vier Hand­lungs­fel­der der Krisenvorbereitung

1. Strategisch-konzeptionelle Ebene

Dazu gehö­ren die Bil­dung von Kri­sen­sze­na­ri­en, die Ablei­tung vor­be­hal­te­ner Ent­schlüs­se (mög­li­che Stra­te­gien) und das Üben mit simu­lier­ten Ernst­fäl­len auf der Basis der erar­bei­te­ten Szenarien.

2. Organisationale Massnahmen

Vor­be­rei­ten­de orga­ni­sa­to­ri­sche Mass­nah­men bezwecken vor allem zeit­ge­rech­te und koor­di­nier­te Abläu­fe – an erster Stel­le die Rege­lung des Infor­ma­ti­ons­flus­ses. Dazu braucht es nach Coombs «a plan, team and spo­kesper­son» (Coombs, 2010, S. 26). Die wich­tig­sten Instrumente:

3. Instrumente & Massnahmen Kommunikation & Medien

Es han­delt sich in erster Linie um Mass­nah­men instru­men­tel­ler Art, die in den Ein­satz for­mal bzw. tech­nisch stan­dar­di­sier­ter Instru­men­te der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on ein­flies­sen (Schwarz & Löf­fel­holz, 2019, S. 5). Dazu gehören:

4. Instrumente & Massnahmen IT-Infrastruktur

Im Inter­net­zeit­al­ter spielt die IT-Infra­struk­tur eine zen­tra­le Rol­le – zur Sicher­stel­lung der über­le­bens­not­wen­di­gen Pro­zess­ab­läu­fe wie auch der Infor­ma­ti­ons­pro­zes­se und der Kom­mu­ni­ka­ti­on wäh­rend der Kri­se nach innen und aus­sen. Wie aktu­el­le mili­tä­ri­sche Kon­flik­te zei­gen, kann die Stö­rung oder Zer­stö­rung der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­fra­struk­tur die ope­ra­ti­ve Füh­rung erschwe­ren, wenn nicht verunmöglichen.

Bedeutung im KMK-System

Die Qua­li­tät der Kri­sen­vor­be­rei­tung ent­schei­det mit, wie schnell und kon­si­stent eine Orga­ni­sa­ti­on im Ernst­fall kom­mu­ni­zie­ren kann – sie beein­flusst damit die Bewäl­ti­gung ent­lang der gesam­ten Kri­sen­ver­laufs­kar­te. Vor­be­rei­te­te Sze­na­ri­en und vor­be­hal­te­ne Ent­schlüs­se ver­kür­zen die Reak­ti­ons­zeit in der ersten Schock­pha­se; feh­len­de Vor­be­rei­tung zeigt sich dage­gen in unzeit­ge­rech­ter, unko­or­di­nier­ter und unglaub­wür­di­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on, die von Medi­en und Öffent­lich­keit rasch als sol­che wahr­ge­nom­men wird.

Literatur

Coombs, W. T. (2010). Para­me­ters for Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on. In W. T. Coombs & S. J. Holl­aday (Hrsg.), The Hand­book of Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on (S. 17–53). Wiley. https://doi.org/10.1002/9781444314885.ch1

Coombs, W. T. (2019). Ongo­ing cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on: Plan­ning, mana­ging, and respon­ding (5. Aufl.). SAGE.

Schwarz, A., & Löf­fel­holz, M. (2019). Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on: Vor­be­rei­tung, Umset­zung, Erfolgs­fak­to­ren. In A. Zer­fass, M. Piwin­ger & U. Rött­ger (Hrsg.), Hand­buch Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on (S. 1–17). Sprin­ger Fach­me­di­en. https://doi.org/10.1007/978–3‑658–03894-6_46‑1

🔴 Stof­fels, H. (2012). Voll­an­ga­be in Zote­ro nachtragen.