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Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Von einem Unter­neh­men wird erwar­tet, dass es sein Han­deln nicht nur nach wirt­schaft­li­chen, son­dern eben­so nach ethi­schen, sozia­len und öko­lo­gi­schen Wer­ten aus­rich­tet. Wider­hand­lun­gen gegen die­se Wer­te betrach­tet man – wie eine gesetz­wid­ri­ge Hand­lung – als Norm­bruch oder als Fehl­ver­hal­ten. Aus Sicht des Stake­hol­ders hat in einem sol­chen Fall das Unter­neh­men sei­ne Erwar­tun­gen nicht erfüllt (sie­he auch Kri­sen­merk­mal «uner­füll­te Erwar­tun­gen»).

Einordnung

Neben sol­chen Norm­brü­chen gibt es auch indi­vi­du­el­le Erwar­tungs­hal­tun­gen von Bezugs­grup­pen (oder Anspruchs­grup­pen) gegen­über dem Unter­neh­men, sei­nem Pro­dukt oder sei­ner Dienst­lei­stung. Ana­log zum Fehl­ver­hal­ten als Norm­bruch kann man auch hier von nicht erfüll­ten Erwar­tun­gen spre­chen und die­se auf Fehl­ver­hal­ten zurück­füh­ren (sie­he Stake­hol­der).

Von nicht erfüll­ten Erwar­tun­gen als Kri­sen­merk­mal spricht man, wenn aus der Sicht einer Bezugs­grup­pe eine Dis­kre­panz zwi­schen dem Erlebten/Kommunizierten/Wahrgenommenen (SEIN) und dem von der Bezugs­grup­pe Erwar­te­ten (SOLL) besteht. Dies löst emo­tio­na­le Reak­tio­nen aus und hat unmit­tel­ba­re Kon­se­quen­zen auf der Ver­hal­tens­ebe­ne von Anspruchs­grup­pen. Es wirkt eben­so nega­tiv auf die Repu­ta­ti­on, ins­be­son­de­re auf das Ver­trau­en: So spricht man von einem Ver­trau­ens­bruch, wenn das Unter­neh­men oder das Pro­dukt etwas ver­spricht oder pro­phe­zeit, das es nicht ein­hält oder ein­hal­ten kann. Nicht von unge­fähr ist die Erwar­tungs­hal­tung eng ver­knüpft mit Ver­trau­en.

Erwartungen der Schweizer Bevölkerung an Unternehmen

Das Schwei­zer For­schungs­in­sti­tut soto­mo hat Ende 2022 eine reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­ge zu den Hal­tun­gen und Erwar­tun­gen der Schwei­zer Bevöl­ke­rung durch­ge­führt. Danach erwar­tet die Schwei­zer Bevöl­ke­rung von Unter­neh­men glei­cher­mas­sen ein Enga­ge­ment im wirt­schaft­li­chen, sozia­len und öko­lo­gi­schen Bereich: «Geht es um kon­kre­te For­de­run­gen an Unter­neh­men, steht das sozia­le Enga­ge­ment für die Schweiz im Vor­der­grund. 67 Pro­zent der Befrag­ten erwar­ten, dass sich Unter­neh­men mehr für älte­re Arbeit­neh­men­de und stär­ker für Aus­zu­bil­den­de enga­gie­ren sol­len.» Dabei setzt die Bevöl­ke­rung auf die Eigen­ver­ant­wor­tung des Unter­neh­mens, wäh­rend sich die Mehr­heit im öko­lo­gi­schen Bereich für eine poli­ti­sche Regu­lie­rung über Geset­ze und Ver­ord­nun­gen aus­spricht. (soto­mo, 2023: Unter­neh­men in der Ver­ant­wor­tung; 🔴 die ursprüng­lich ein­ge­bun­de­ne Gra­fik ist nicht mehr in der Media­thek vor­han­den – Ersatz folgt)

Bedeutung im KMK-System

Nicht erfüll­te Erwar­tun­gen sind eines der zen­tra­len Kri­sen­merk­ma­le: Sie bestim­men, ob ein Zustand von Anspruchs­grup­pen über­haupt als Miss­stand emp­fun­den wird. In der Kon­text­ana­ly­se (ADAM) wird des­halb erho­ben, wel­che Erwar­tun­gen wel­cher Bezugs­grup­pen ver­letzt wur­den – dar­aus lei­ten sich Betrof­fen­heit, Emo­tio­na­li­sie­rung und die prio­ri­tä­ren Ziel­grup­pen der Bot­schafts­stra­te­gien ab.