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Ver­si­on 2.0 · Stand: 27.07.2026

Repu­ta­ti­on meint den «Ruf», das Anse­hen – die kom­mu­ni­zier­te Form der Wert­schät­zung einer Orga­ni­sa­ti­on, Per­son oder Sache. Es han­delt sich um eine zusam­men­fas­sen­de Ein­schät­zung des­sen, was Öffent­lich­keit und Bezugs­grup­pen über ein Unter­neh­men den­ken und sagen («Das Unter­neh­men hat einen guten/schlechten Ruf»). Repu­ta­ti­on ist ein Kon­strukt – ein Platz­hal­ter für all das, was über jeman­den gesagt wird und mit kon­kre­ten Hand­lun­gen, Lei­stun­gen oder Ein­stel­lungs­kom­po­nen­ten wie Ver­trau­ens- und Glaub­wür­dig­keit begrün­det wird.

Reputation als verdichtete Pauschalbewertung

Wäh­rend ziel­grup­pen­ori­en­tier­te Ansät­ze zwi­schen den Repu­ta­tio­nen ein­zel­ner Bezugs­grup­pen unter­schei­den, ver­ste­hen Fom­brun und Wied­mann Repu­ta­ti­on als Pau­schal­ur­teil sämt­li­cher rele­van­ter Bezugs­grup­pen:

„die Sum­me der Wahr­neh­mun­gen aller rele­van­ten Stake­hol­der hin­sicht­lich der Lei­stun­gen, Pro­duk­te, Ser­vices, Per­so­nen etc. eines Unter­neh­mens und der sich hier­aus jeweils erge­ben­den Ach­tung vor die­sem Unter­neh­men.“ (Fombrun/Wiedmann, 2001, S. 3)

Nie­der­häu­ser und Rosen­ber­ger (2017) ergän­zen: Repu­ta­ti­on ist die in der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­are­na ver­han­del­te Bewer­tung eines Unter­neh­mens hin­sicht­lich Kom­pe­tenz, Inte­gri­tät und Sym­pa­thie. Ver­trau­en wird geschaf­fen, indem die Erwar­tun­gen wich­ti­ger Bezugs­grup­pen zuver­läs­sig erfüllt wer­den – bezo­gen auf den Lei­stungs­auf­trag (funk­tio­na­le Repu­ta­ti­on, Kri­te­ri­um Kom­pe­tenz), auf gesell­schaft­li­che Nor­men und Wer­te (sozia­le Repu­ta­ti­on, Kri­te­ri­um Inte­gri­tät) und auf die Attrak­ti­vi­tät (expres­si­ve Repu­ta­ti­on, Kri­te­ri­um Sym­pa­thie). Nach heu­ti­gem For­schungs­stand ist Repu­ta­ti­on ein «ein­stel­lungs­ähn­li­ches Kon­strukt» mit kogni­ti­ver und affek­ti­ver Kom­po­nen­te (Hall, 1992; Schwai­ger, 2004). Im Ver­gleich zum Image, das ein ein­zel­nes Bild dar­stellt, gleicht die Repu­ta­ti­on einem Bil­der­buch; Images bil­den die Basis des Repu­ta­ti­ons­auf­baus (→ Image).

Reputation als «weicher» Unternehmenswert

Als imma­te­ri­el­les Gut schafft ein guter Ruf Akzep­tanz und Good­will – gün­sti­ge Prä­dis­po­si­tio­nen für das Ver­hal­ten der Bezugs­grup­pen. Der Unter­neh­mens­wert der Repu­ta­ti­on liegt dar­in, dass sich Ein­stel­lun­gen auf Ver­hal­ten aus­wir­ken: Ein Repu­ta­ti­ons­scha­den drückt auf Akti­en­kurs und Absatz, pro­vo­ziert regu­lie­ren­de Ein­grif­fe oder Boy­kot­te. Empi­risch viel­fach unter­sucht ist der Zusam­men­hang zwi­schen Repu­ta­ti­on und Verhaltensbereitschaften:

Zusammenhänge zwischen Reputation und Verhalten

Viel­fach unter­such­te Zusam­men­hän­ge zwi­schen Repu­ta­ti­on und der Kauf­be­reit­schaft sowie der Bereit­schaft, pri­va­te Daten preis­zu­ge­ben (End­res, 2018, S. 43)

Messung

Erfasst wird Repu­ta­ti­on unter ande­rem mit dem Repu­ta­ti­ons­quo­ti­en­ten nach Fom­brun, der sechs Dimen­sio­nen bei ver­schie­de­nen Stake­hol­der-Grup­pen misst und zu einem Koef­fi­zi­en­ten ver­dich­tet (→ Ana­ly­se der Repu­ta­ti­on); das Image wird dem­ge­gen­über mit dem seman­ti­schen Dif­fe­ren­zi­al erho­ben (→ Ana­ly­se des Images). End­res (2018, S. 45) stellt die gän­gi­gen Mess­mo­del­le tabel­la­risch zusammen:

Modelle der Reputationsanalyse

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Eine Unter­neh­mens­kri­se lässt sich als Zustand beschrei­ben, in dem die Repu­ta­ti­on gefähr­det ist (→ Repu­ta­ti­ons­kri­se). In der SCCT ist die Repu­ta­ti­ons­be­dro­hung die zen­tra­le abhän­gi­ge Grös­se; die Vor­kri­sen-Repu­ta­ti­on wirkt als Inten­si­vie­rer: Eine ungün­sti­ge Bezie­hungs­re­pu­ta­ti­on erhöht die zuge­schrie­be­ne Ver­ant­wor­tung (Vel­cro-Effekt), eine sehr gute Repu­ta­ti­on kann kurz­fri­stig als Schutz­schild wir­ken – erhöht aber die Fall­hö­he. Im KMK-System erfasst die Kon­text­ana­ly­se (ADAM) die Repu­ta­ti­ons-Fall­hö­he als kon­tex­tu­el­len Mode­ra­tor, der in die Stra­te­gie­emp­feh­lun­gen des EVI-Moduls einfliesst.

Literatur

Coombs, W. T., & Holl­aday, S. J. (2006). Unpack­ing the halo effect: Repu­ta­ti­on and cri­sis manage­ment. Jour­nal of Com­mu­ni­ca­ti­on Manage­ment, 10(2), 123–137. https://doi.org/10.1108/13632540610664698
End­res, H. (2018). Repu­ta­ti­on und Repu­ta­ti­ons­mes­sung von Unter­neh­men. Sprin­ger Gab­ler.
Fom­brun, C. J., & Wied­mann, K.-P. (2001). Repu­ta­ti­on Quo­ti­ent (RQ): Ana­ly­se und Gestal­tung der Unter­neh­mens­re­pu­ta­ti­on auf der Basis fun­dier­ter Erkennt­nis­se. Schrif­ten­rei­he Mar­ke­ting Manage­ment, Uni­ver­si­tät Han­no­ver.
Hall, R. (1992). The stra­te­gic ana­ly­sis of intan­gi­ble resour­ces. Stra­te­gic Manage­ment Jour­nal, 13(2), 135–144. https://doi.org/10.1002/smj.4250130205
Nie­der­häu­ser, M., & Rosen­ber­ger, N. (2017). Unter­neh­mens­po­li­tik, Iden­ti­tät und Kom­mu­ni­ka­ti­on: Modell – Pro­zes­se – Fall­bei­spie­le (2. Aufl.). Sprin­ger Gab­ler.
Schwai­ger, M. (2004). Com­pon­ents and para­me­ters of cor­po­ra­te repu­ta­ti­on: An empi­ri­cal stu­dy. Schma­len­bach Busi­ness Review, 56(1), 46–71. https://doi.org/10.1007/BF03396685