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Ver­si­on 2.0 · Stand: 27.07.2026

“Ver­trau­en ist die Erwar­tung, sich auf eine Per­son oder ein System vor­be­halt­los ver­las­sen zu kön­nen.”
Kirch­ler et al., 2020, S. 17

Ver­trau­en ist eine zen­tra­le Ziel­grös­se der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on und wird hier als Ein­stel­lungs­kom­po­nen­te ver­stan­den (→ Ein­stel­lung). Wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­che Ansät­ze zäh­len Ver­trau­en zu den «wei­chen Wer­ten» (Piwin­ger & Zer­fass, 2007), die die Repu­ta­ti­on mit­be­stim­men. Ver­trau­en beschreibt eine gefühls­mäs­si­ge, nicht veri­fi­zier­te Sicher­heit gegen­über einer Orga­ni­sa­ti­on, dass deren (zukünf­ti­ge) Hand­lun­gen rich­tig sind – Bewei­se, Begrün­dun­gen und Recht­fer­ti­gun­gen erüb­ri­gen sich damit. Begrün­det wird Ver­trau­en mit Kon­se­quenz, Zuver­läs­sig­keit, Ehr­lich­keit, Kom­pe­tenz und Glaub­wür­dig­keit; als Mecha­nis­mus der Reduk­ti­on sozia­ler Kom­ple­xi­tät hat es Luh­mann (1968) grund­le­gend beschrie­ben. «Rich­tig» ist dabei an Wer­te und Nor­men gebun­den: Aus Sicht der Bezugs­grup­pen an deren Erwar­tungs­hal­tung, aus Sicht des Unter­neh­mens an die Unternehmensziele.

Vertrauen als Zielgrösse der Unternehmenskommunikation

Ein Unter­neh­men gilt als ver­trau­ens­wür­dig, wenn man sicher ist, dass das, was es ver­spricht oder ankün­digt, rich­tig ist und rea­li­siert wird. Ver­trau­en kann nicht erkauft, son­dern muss erwor­ben wer­den – indem eine Orga­ni­sa­ti­on kon­ti­nu­ier­lich zeigt, dass ihre Aus­sa­gen wahr sind, Ver­spre­chen ein­ge­löst wer­den und ihr Han­deln mora­lisch ver­tret­bar ist. Ver­trau­ens­bil­dung und ‑erhal­tung sind damit ein kon­ti­nu­ier­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zess. Wel­chen mate­ri­el­len Wert die­ser imma­te­ri­el­le Fak­tor hat, zeig­te der Unter­gang der Cre­dit Suisse:

“Es ist wahr, aus­ge­löst wur­de der Sturm auf die Cre­dit Suis­se letz­te Woche durch den Zusam­men­bruch der Sili­con Val­ley Bank in den USA, die nichts mit der Schwei­zer Gross­bank zu tun hat. Und doch ist der Unter­gang der Cre­dit Suis­se haus­ge­macht. Ange­sichts ihrer vie­len Skan­da­le, Fehl­grif­fe, enor­men bis­he­ri­gen und wei­ter zu erwar­ten­den Ver­lu­ste ver­fügt sie über kein Ver­trau­en mehr. Die­ses Ver­trau­en ist wich­ti­ger als Kapi­tal- oder Liqui­di­täts­puf­fer. Es ist zum einen Grund­la­ge des Haupt­ge­schäfts der Schwei­zer Gross­ban­ken, der Ver­mö­gens­ver­wal­tung der Reich­sten der Welt. Und vor allem wegen des ver­lo­re­nen Ver­trau­ens war die Cre­dit Suis­se prä­de­sti­niert dazu, ange­sichts der Stür­me auf den Finanz­märk­ten letz­te Woche ein­zu­knicken.” (Mar­kus Diem Mei­er, Han­dels­zei­tung, 19. März 2023)

Vertrauensbruch und Enttäuschung

Ver­trau­en ist asym­me­trisch: Ein ein­zi­ger Ver­trau­ens­miss­brauch kann zer­stö­ren, was über Jah­re auf­ge­baut wur­de – etwa durch Ver­spre­chen, die nicht ein­ge­löst, oder Pro­gno­sen, die wider­legt wer­den. Als Prä­dis­po­si­ti­on beein­flusst das Ver­trau­en der Anspruchs­grup­pen den Kri­sen­ver­lauf mass­geb­lich: Sei­ne Nega­tiv­be­set­zung führt zu Vertrauens‑, Image- oder Repu­ta­ti­ons­kri­sen und kann das Fol­ge­ver­hal­ten – etwa das Kauf­ver­hal­ten – nach­hal­tig ver­än­dern (→ Glaub­wür­dig­keit, → Reputationskrise).

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Im KMK-System ist das Vor­kri­sen-Ver­trau­en ein kon­tex­tu­el­ler Mode­ra­tor der Kon­text­ana­ly­se (ADAM): Hohes Ver­trau­en wirkt als Puf­fer (Halo-Effekt), ent­täusch­tes Ver­trau­en als Ver­stär­ker der Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung. Die Grund­sät­ze der situa­ti­ven Kom­mu­ni­ka­ti­on zie­len im Kern auf Ver­trau­ens­er­halt: Wahr­haf­tig­keit, Kon­si­stenz von Wort und Tat sowie das Ver­mei­den nicht ein­lös­ba­rer Ver­spre­chen. Auf der Ver­hal­tens­ebe­ne der Kri­sen­ver­laufs­kar­te ent­schei­det das ver­blie­be­ne Ver­trau­en dar­über, ob ent­täusch­te Erwar­tun­gen in schä­di­gen­des Ver­hal­ten münden.

Literatur

Kirch­ler, E., Hof­mann, E., & Gangl, K. (2020). Wirt­schafts­psy­cho­lo­gie: Indi­vi­du­en, Grup­pen, Märk­te, Staat. Hog­re­fe.
Luh­mann, N. (1968). Ver­trau­en: Ein Mecha­nis­mus der Reduk­ti­on sozia­ler Kom­ple­xi­tät. Enke.
Piwin­ger, M., & Zer­fass, A. (Hrsg.). (2007). Hand­buch Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on. Gabler.