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Ver­si­on 2.0 · Stand: 27.07.2026

Glaub­wür­dig­keit bezieht sich auf die Rela­ti­on zwi­schen dem Inhalt einer Aus­sa­ge und dem rea­len Sach­ver­halt: Ent­spricht der Inhalt dem Sach­ver­halt, gilt die Aus­sa­ge als wahr. Als glaub­wür­dig wer­den Aus­sa­gen ein­ge­schätzt, bei denen man annimmt, dass die ver­mit­tel­ten Inhal­te wahr sind, ohne dass der Wahr­heits­ge­halt veri­fi­ziert wird oder wer­den kann. Als glaub­wür­dig gilt ent­spre­chend ein Unter­neh­men, von dem man annimmt, dass sei­ne Aus­sa­gen der Wahr­heit ent­spre­chen. Glaub­wür­dig­keit von Aus­sa­ge und Unter­neh­men beein­flus­sen sich gegen­sei­tig: Eine Aus­sa­ge gewinnt an Glaub­wür­dig­keit, wenn das Unter­neh­men als glaub­wür­dig ein­ge­stuft wird – stellt sich eine Aus­sa­ge als falsch her­aus, büsst auch das Unter­neh­men Glaub­wür­dig­keit ein (vgl. zur Quel­len-Glaub­wür­dig­keit bereits Hov­land & Weiss, 1951).

 Ver­trau­enGlaub­wür­dig­keit
UrteilVer­trau­ens­wür­digGlaub­wür­dig
beur­teil­tes ObjektUnter­neh­menUnter­neh­men, Aussage
Annah­menDie Aus­sa­ge über (zukünf­ti­ges) Han­deln wird sich bewahrheiten.Die Aus­sa­ge über einen Sach­ver­halt ist wahr.
Das ange­kün­dig­te Han­deln ist rich­tig (welt­bild­kon­form). 

Ver­gleich Ver­trau­en und Glaubwürdigkeit

Abgrenzung: Glaubhaftigkeit

In engem Zusam­men­hang steht der Begriff Glaub­haf­tig­keit – aller­dings kei­ne Ein­stel­lungs­kom­po­nen­te im hier ver­stan­de­nen Sinn: Glaub­haft ist ein rein situa­ti­ves Urteil über eine Aus­sa­ge auf­grund ihrer Logik oder Plau­si­bi­li­tät, ohne dass der Urtei­len­de sie veri­fi­zie­ren kann. Eben­so drücken For­mu­lie­run­gen wie «er wirkt ver­trau­ens­wür­dig» kein kate­go­ri­sches Urteil über die Per­son aus, son­dern eine vor­sich­ti­ge, situa­ti­ve Ein­schät­zung auf­grund von Auf­tritt und Aus­strah­lung. Für jour­na­li­sti­sche Medi­en ist Glaub­wür­dig­keit ein zen­tra­ler «wei­cher» Wert, der mit­ent­schei­det, wie kom­mu­ni­zier­te Inhal­te wahr­ge­nom­men werden.

Glaubwürdigkeit von Botschaften

Für die kon­zept­ge­steu­er­te Kom­mu­ni­ka­ti­on gilt: Eine Kern­bot­schaft muss für das Ziel­pu­bli­kum glaub­wür­dig sein, das heisst als wahr akzep­tiert wer­den. Die Glaub­wür­dig­keit einer Bot­schaft lässt sich stei­gern durch logi­sche Beweis­füh­rung, For­schungs­er­geb­nis­se, Erfah­rungs­wer­te und Bei­spie­le, Testi­mo­ni­als glaub­wür­di­ger Per­so­nen (Wis­sen­schaft­ler, Exper­ten, Zeu­gen; → Testi­mo­ni­als), Pro­blem­ori­en­tiert­heit und Ver­ständ­lich­keit. Häu­fig wer­den zudem Umfra­ge­er­geb­nis­se ange­führt, die zei­gen, dass ein State­ment der öffent­li­chen Mei­nung ent­spricht – Indi­vi­du­en ori­en­tie­ren sich gern am Kon­sens (→ Social Pro­of). Wie umkämpft Glaub­wür­dig­keit in Kri­sen ist, zeigt die Affä­re um das Kan­tons­spi­tal Frei­burg: Der Beob­ach­ter-Redak­tor zitier­te nicht direkt betrof­fe­ne Exper­ten und Ärz­te ande­rer Spi­tä­ler, um die Glaub­wür­dig­keit sei­ner Vor­wür­fe zu unter­mau­ern, und unter­grub zugleich die Glaub­wür­dig­keit der defen­siv agie­ren­den Spi­tal­di­rek­ti­on (Bae­ris­wyl, 2018, S. 173 ff.).

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Glaub­wür­dig­keit ist die Wir­kungs­vor­aus­set­zung jeder Bot­schafts­stra­te­gie: Bestrei­ten ohne Glaub­wür­dig­keit beschleu­nigt die Kri­se, und das Mischen wider­sprüch­li­cher Stra­te­gien (Deny plus Rebuild) unter­gräbt die Glaub­wür­dig­keit der Gesamt­re­ak­ti­on. Offen­si­ve Stra­te­gien wie das Unter­gra­ben der Glaub­wür­dig­keit von Zeu­gen und Medi­en sind im Bot­schafts­stra­te­gien-Set als hoch­ris­kant mar­kiert (→ Stein-im-Glas­haus-Fal­le). In der Frame-Ana­ly­se (FRAMI) ist der Glaub­wür­dig­keits­ver­lust ein zen­tra­ler Indi­ka­tor der Eska­la­ti­on, etwa in Kom­bi­na­ti­on mit dem Heu­che­lei-Vor­wurf (NORM_HYPO).

Literatur

Bae­ris­wyl, O. (2018). Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on: Fall­stu­di­en und Stra­te­gien. media­ta.
Ben­tele, G. (1988). Der Fak­tor Glaub­wür­dig­keit: For­schungs­er­geb­nis­se und Fra­gen für die Sozia­li­sa­ti­ons­per­spek­ti­ve. Publi­zi­stik, 33(2–3), 406–426.
Hov­land, C. I., & Weiss, W. (1951). The influence of source cre­di­bi­li­ty on com­mu­ni­ca­ti­on effec­ti­ve­ness. Public Opi­ni­on Quar­ter­ly, 15(4), 635–650. https://doi.org/10.1086/266350