Krisen systematisch verstehen. Strategisch fundiert entscheiden.
Wie eine organisationale Krise verläuft, hängt nicht allein vom auslösenden Ereignis ab. Ebenso entscheidend sind öffentliche Deutungen, Verantwortungszuschreibungen, emotionale Dynamiken und die Kommunikation der betroffenen Organisation.
Das KMK-Analysetool verbindet wissenschaftliche Modelle der Krisenkommunikation mit KI-gestützter Recherche und Inhaltsanalyse. Daraus entsteht eine nachvollziehbare Grundlage für kommunikative Entscheidungen – während einer laufenden Krise oder für die rückblickende Auswertung eines abgeschlossenen Krisenfalls.
KMK-Testbericht anfordernVKK-Mitglieder können einen laufenden oder abgeschlossenen Krisenfall für einen Testbericht einreichen.
Vier Module, ein nachvollziehbarer Analyseweg
Die Module bauen aufeinander auf. Jeder Schritt dokumentiert seine Quellen, Annahmen und Unsicherheiten, damit die abschliessenden Empfehlungen überprüfbar bleiben.
Kontext verstehen
Organisation, Reputation, Stakeholder und Risikofallen einordnen.
Medien recherchieren
Relevante Beiträge systematisch suchen und dokumentieren.
Deutungen analysieren
Frames, Emotionen, Rollen und Verantwortung erfassen.
Strategien ableiten
Handlungsoptionen gewichten und nachvollziehbar begründen.
Was wird untersucht – und welches Ergebnis entsteht?
Kontextanalyse
ADAM untersucht die Ausgangslage der betroffenen Organisation: ihre Reputation vor der Krise, frühere Krisenerfahrungen, öffentliche Werteversprechen, branchenspezifische Erwartungen sowie Interessen und Einfluss wichtiger Anspruchsgruppen.
Das Modul macht Voraussetzungen der Krisenwahrnehmung und mögliche kommunikative Risikofallen sichtbar – etwa Widersprüche zwischen öffentlich vertretenen Werten und dem Verhalten in der Krise.
Ergebnis: Problem- und Kontextanalyse mit Organisationsprofil, Stakeholder-Prioritäten, Reputationsrisiken und Einschätzung der Datenqualität.
Medienrecherche
SCHNUFFI stellt das Untersuchungskorpus zusammen. Recherchiert werden relevante Beiträge aus journalistischen Medien und – soweit zugänglich – aus sozialen Medien. Zeitraum, geografischer Raum, Sprachen und Medientypen werden für jeden Fall festgelegt.
Quellen, Suchwege und erkennbare Lücken werden dokumentiert. So bleibt nachvollziehbar, auf welcher Materialbasis die Analyse beruht.
Ergebnis: Strukturiertes Medienkorpus mit Quellen, Metadaten, Suchparametern und Relevanzeinschätzungen.
Framing-Analyse
FRAMI untersucht, wie der Krisenfall öffentlich dargestellt und bewertet wird. Analysiert werden Ursachen und Folgen, Rollen und Verantwortungszuschreibungen, moralische Bewertungen, vermittelte Emotionen sowie wiederkehrende Deutungsmuster.
Auch Veränderungen im Zeitverlauf werden sichtbar: Welche Aspekte treten in den Vordergrund, welche Interpretationen gewinnen an Bedeutung?
Ergebnis: Framing-Bericht mit qualitativen und quantitativen Befunden zu Problemdeutung, Verantwortung, Rollen und emotionaler Rahmung.
Strategieentwicklung
EVI führt Kontext- und Framing-Analyse zusammen. Auf Basis des dokumentierten KMK-Regelwerks entsteht eine begründete Rangfolge möglicher Botschaftsstrategien.
Berücksichtigt werden unter anderem Sicherheits- und Informationsbedürfnisse, wahrgenommene Verantwortung, dominante Emotionen, Stakeholder, Handlungsdruck sowie die Übereinstimmung mit den Werten der Organisation.
Ergebnis: Strategiebericht mit priorisierten Handlungsoptionen, Begründungen, Stakeholder- und Timing-Empfehlungen sowie Beobachtungskriterien.
Was leistet eine KMK-Analyse?
Eine KMK-Analyse verbindet vier Perspektiven und führt sie in einem strukturierten Bericht zusammen.
Öffentlich zugängliche Medienbeiträge und Quellen
Frames, Emotionen, Rollen und Verantwortung
Botschaftsoptionen und ihre Voraussetzungen
Entscheidungshilfe – kein Entscheidungsautomat
Der Bericht kennzeichnet unsichere Angaben, Schätzungen und Quellenlücken. Empfehlungen sind begründete Handlungsoptionen, keine automatisch richtigen Lösungen. Das Tool ersetzt weder Krisenberatung noch die fachliche, rechtliche, sicherheitsbezogene oder operative Beurteilung. Verantwortung und abschliessender Entscheid bleiben bei den zuständigen Menschen.
Nutzen für Praxis, Wissenschaft und Lehre
Für die Praxis
Kommunikationsverantwortliche, Krisenstäbe und Beratungen erhalten eine strukturierte Entscheidungsgrundlage.
- Krisensituationen systematisch ordnen
- Stakeholder und Erwartungen priorisieren
- Frames, Emotionen und Verantwortungszuschreibungen erkennen
- Kommunikative Risiken und Widersprüche aufdecken
- Strategien, Timing, Absender und Kanäle vergleichen
- Annahmen, Quellen und Entscheide dokumentieren
Für Wissenschaft und Lehre
Das KMK-System ist zugleich Forschungs- und Lerninfrastruktur. Codiersysteme, Analyseschritte und Regeln werden dokumentiert und weiterentwickelt.
- Qualitative und quantitative Fallanalysen
- Vergleiche zwischen Krisen, Branchen und Zeiträumen
- Längsschnitt- und Sekundäranalysen
- Vergleich menschlicher und KI-gestützter Codierung
- Validierungs- und Wirkungsstudien
- Fallbasiertes Lernen in Studium und Weiterbildung
Das Tool entwickelt Strategien und strategische Leitlinien. Die konkrete Formulierung einer Medienmitteilung, eines Statements oder eines Social-Media-Beitrags ist ein nachgelagerter Arbeitsschritt.
Wissenschaftlich fundiert und transparent dokumentiert
Die KMK-Methodik verbindet Framing- und Attributionstheorie mit etablierten Ansätzen der strategischen Krisenkommunikation. Sie unterscheidet deskriptive, normative und emotionale Dimensionen der öffentlichen Krisendarstellung.
Codiersysteme, Kategorien und Regeln werden auf krisenkom.ch dokumentiert und kontinuierlich weiterentwickelt. Damit sollen Analyseschritte zitierbar, überprüfbar und für wissenschaftliche Validierung zugänglich bleiben.
Das Projekt befindet sich in der Testphase
Das KMK-Analysetool ist eine Arbeitsgrundlage und noch kein abgeschlossenes Produkt. Module, Codiersysteme, Schnittstellen und Berichtsausgaben werden anhand realer Krisenfälle geprüft und weiterentwickelt.
Im Zentrum der Validierung stehen diese Fragen:
- Sind die Analyseschritte verständlich und nachvollziehbar?
- Werden relevante Quellen, Frames und Risiken zuverlässig erkannt?
- Sind die Berichte für Krisenstäbe praktisch nutzbar?
- Wie gut stimmen KI-gestützte und menschliche Codierungen überein?
- Wo entstehen Unsicherheiten oder systematische Verzerrungen?
- Welche Anforderungen ergeben sich aus Branchen und Sprachregionen?
Einen laufenden oder abgeschlossenen Krisenfall untersuchen lassen
VKK-Mitglieder können einen KMK-Testbericht anfragen. Untersuchungszeitraum, Quellenlage, Fragestellung und Rahmenbedingungen werden vor Beginn gemeinsam geklärt. Rückmeldungen aus der Praxis tragen unmittelbar zur Prüfung und Verbesserung des Systems bei.
Der Prozess beginnt mit ADAM, der eine fundierte Kontextanalyse der betroffenen Organisation durchführt, woraufhin SCHNUFFI eine strukturierte Medienrecherche zur aktuellen Nachrichtenlage übernimmt. Anschliessend entschlüsselt FRAMI durch qualitative Inhaltsanalysen die dominierenden Deutungsrahmen sowie emotionale Reaktionen in der Öffentlichkeit. Basierend auf diesen Erkenntnissen entwickelt EVI massgeschneiderte Strategieempfehlungen und Handlungsanweisungen unter Berücksichtigung bewährter Kommunikationstheorien. Das System gewährleistet durch standardisierte Codierbögen und eine strikte Übergabelogik zwischen den Modulen eine konsistente und transparente Entscheidungsgrundlage. Die gesamte Analyse mündet in praxisnahen Berichten, Dashboards und Präsentationen für das Krisenmanagement.