Version 2.0 · Stand: 27.07.2026
Krisenkommunikation ist konzeptgesteuerte Kommunikation, die darauf abzielt, mittels Informations- und Kommunikationsinstrumenten Probleme nicht zu öffentlichen Krisen werden zu lassen (Prävention) respektive publizistisch-öffentliche Krisen im Interesse der Organisation bestmöglich zu bewältigen – um in jedem Fall eine Katastrophe zu verhindern (→ konzeptgesteuerte Kommunikation). Da das zugrunde liegende Kommunikationskonzept eine Strategie enthält, spricht die Management-Literatur auch von strategischer Krisenkommunikation:
Der Begriff “strategische Krisenkommunikation” bezeichnet das Kommunikationsmanagement von Organisationen zur proaktiven Prävention und Früherkennung von Krisen, Vorbereitung auf Krisen, akuten Bewältigung von Krisen und Nachbearbeitung bzw. Evaluation organisationsbezogener Krisenkommunikation.” (Schwarz & Löffelholz, 2019, S. 4)
Element der Integrierten Unternehmenskommunikation
Krisenkommunikation kann als Sonderform der Integrierten Unternehmenskommunikation verstanden werden, die interne, gesellschaftsorientierte und Marketingkommunikation umfasst (→ Integrierte Unternehmenskommunikation). Im Unterschied zur weitgehend plan- und steuerbaren Werbung findet Krisenkommunikation jedoch in Situationen statt, in denen Ungewissheit, Zeitdruck und fremdbestimmte Themensetzung dominieren.

Traditionelle und postmoderne Ansätze
Die traditionelle, managementorientierte Sicht versteht Krisenkommunikation als plan- und steuerbaren Prozess der Organisation (Sender-Perspektive, Phasenmodelle, Strategiewahl). Sozialkonstruktivistische bzw. «postmoderne» Ansätze betonen demgegenüber, dass Krisen in vielstimmigen öffentlichen Arenen ausgehandelt werden – mit heterogenen Publika, Gegendarstellungen und Eigendynamiken, die sich zentraler Steuerung entziehen (Falkheimer & Heide, 2006; → Rhetorical Arena). Beide Perspektiven ergänzen sich: Die erste liefert die Planungsinstrumente, die zweite schärft den Blick für Deutungskämpfe und Emotionen.
Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
Die Krisenkommunikation ist der Gegenstandsbereich des gesamten KMK-Systems. Dessen Module operationalisieren die vier Aufgabenfelder der strategischen Krisenkommunikation: Prävention und Früherkennung (Issues Management, Kontextanalyse ADAM), Lagebeurteilung während der Krise (Medienrecherche SCHNUFFI, Frame-Analyse FRAMI), akute Bewältigung (Strategieentwicklung EVI mit Botschaftsstrategien nach SCCT und Wenn-Dann-Regeln) sowie Nachbearbeitung und Evaluation (→ Krisenmanagement, → Krisenkommunikationskonzept).
Literatur
Coombs, W. T. (2019). Ongoing crisis communication: Planning, managing, and responding (5. Aufl.). SAGE.
Falkheimer, J., & Heide, M. (2006). Multicultural crisis communication: Towards a social constructionist perspective. Journal of Contingencies and Crisis Management, 14(4), 180–189. https://doi.org/10.1111/j.1468–5973.2006.00494.x
Schwarz, A., & Löffelholz, M. (2019). Strategische Krisenkommunikation von Organisationen. In A. Zerfass, M. Piwinger & U. Röttger (Hrsg.), Handbuch Unternehmenskommunikation (3. Aufl.). Springer Gabler.