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Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

«Wenn das Den­ken die Spra­che kor­rum­piert, kor­rum­piert die Spra­che auch das Den­ken.» (Geor­ge Orwell)

Frame meint in deut­scher Über­set­zung «Deu­tungs­rah­men»; im Kon­text der Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on trifft Kepp­lin­gers Begriff des Deu­tungs­mu­sters den Kern bes­ser (Kepp­lin­ger, 2018, S. 47 ff.): Der Mensch ord­net Neu­in­for­ma­tio­nen einem gedank­li­chen Grund­mu­ster zu, das ihm hilft, sie schnell zu ver­ste­hen und zu deu­ten. Nach Goff­man (1974) struk­tu­rie­ren Frames die Erfah­rung und hel­fen bei der Defi­ni­ti­on und Ein­ord­nung der Rea­li­tät. «Frames sind also struk­tu­rier­te Inter­pre­ta­ti­ons­mu­ster, mit deren Hil­fe die Beschrei­bung, die Ursa­chen, der Ver­lauf und die Fol­gen von Ereig­nis­sen auf eine bestimm­te Wei­se inter­pre­tiert wer­den.» (Badr, 2017, S. 177)

Framing in der Medienwirkungsforschung

«Das Framing-Kon­zept basiert auf der Annah­me, dass die Medi­en durch Selek­ti­on, Her­vor­he­bung, Beto­nung [Akzen­tu­ie­rung], aber auch durch Exklu­si­on, bestimm­te Aus­schnit­te der Rea­li­tät deut­lich machen und dadurch beim Rezi­pi­en­ten eine bestimm­te Sicht­wei­se eines Pro­blems, kau­sa­le Inter­pre­ta­ti­on und Bewer­tung aus­zu­lö­sen ver­mö­gen.» (Schenk, 2007, S. 314; vgl. Sche­ufe­le, 2003, S. 46) Im Unter­schied zum The­ma, das sich auf den text­im­ma­nen­ten Inhalt bezieht, impli­ziert ein Frame eine Wir­kung beim Rezi­pi­en­ten – das Deu­ten der Infor­ma­ti­on nach einem Grund­mu­ster. Die­ser Vor­gang ist unbe­wusst und intui­tiv und in Kri­sen meist von Emo­tio­nen beglei­tet. Neben der Beto­nung von Kri­sen­aspek­ten spie­len Wort­wahl, rhe­to­ri­sche Stil­mit­tel und Bild­wahl eine zen­tra­le Rol­le (→ Wort­wahl und Stilmittel).

Vier Forschungsperspektiven

Nach Schenk (2007, S. 324 ff.) las­sen sich unterscheiden:

  • Jour­na­li­sten­per­spek­ti­ve: Wie ent­ste­hen Nach­rich­ten-Frames und wie prä­gen sie die Berichterstattung?
  • Inhalt­s­zen­trier­te Per­spek­ti­ve: Wel­che Frames fin­den sich tat­säch­lich in der Bericht­erstat­tung (gene­ri­sche vs. the­men­spe­zi­fi­sche Frames)? Metho­disch induk­tiv (text­wis­sen­schaft­lich, inter­pre­ta­tiv-quan­ti­ta­tiv, com­pu­ter­ba­siert) oder deduk­tiv (Prü­fung lite­ra­tur­ba­sier­ter Frames wie Skan­dal oder Kon­flikt) – der gän­gi­ge Ansatz der Medieninhaltsanalyse.
  • Öffent­lich­keits­zen­trier­te Per­spek­ti­ve: Wel­che Akteu­re kön­nen ihre Frames in den Medi­en lancieren?
  • Wir­kungs­zen­trier­te Per­spek­ti­ve: Wie beein­flusst Medi­en-Framing Vor­stel­lun­gen, Inter­pre­ta­tio­nen und Bewer­tun­gen der Rezipienten?

Kognitive Linguistik

Nach Lakoff und Fill­mo­re sind Frames kogni­ti­ve Struk­tu­ren aus seman­ti­schen Fel­dern und kon­no­ta­ti­ven Asso­zia­tio­nen: Spra­che akti­viert men­ta­le Frames, in denen Wis­sen, Emo­ti­on und Bewer­tung bereits ver­bun­den sind. Bei­spiel: «Steu­er­last» akti­viert einen Frame, in dem Steu­ern als Bür­de erschei­nen. Die­ser Zugang ist für KI-gestütz­te Framing-Ana­ly­sen beson­ders anschlussfähig.

Bedeutung im KMK-System

Framing ist der theo­re­ti­sche Kern des FRAMI-Moduls: Die Codier­sy­ste­me deskrip­ti­ves Framing, nor­ma­ti­ves Framing und emo­tio­na­le Rah­mung ope­ra­tio­na­li­sie­ren die inhalt­s­zen­trier­te Per­spek­ti­ve für die Kri­sen­ana­ly­se; die Rück­ge­win­nung der Deu­tungs­ho­heit über Ref­raming ist eine Kern­re­gel des EVI-Moduls (Schuld-Frame domi­nant → Wech­sel zu Schick­sals- oder Lösungs-Frame).

Literatur

Badr, H. (2017). Framing von Ter­ro­ris­mus im Nah­ost­kon­flikt. Sprin­ger VS.
Goff­man, E. (1974). Frame ana­ly­sis: An essay on the orga­nizati­on of expe­ri­ence. Har­per & Row.
Kepp­lin­ger, H. M. (2018). [Titel in Zote­ro prä­zi­sie­ren]
Schenk, M. (2007). Medi­en­wir­kungs­for­schung (3. Aufl.). Mohr Sie­beck.
Sche­ufe­le, B. (2003). Frames – Framing – Framing-Effek­te. West­deut­scher Verlag.

Weiterführend

Die Macht der Spra­che: Framing (jol­ly­words)