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Ver­si­on 2.0 · Stand: 27.07.2026

Kon­zept­ge­steu­er­te Kom­mu­ni­ka­ti­on beginnt mit der Situa­ti­ons­ana­ly­se – der Ana­ly­se der Aus­gangs­la­ge (IST) als Basis für Zie­le und Stra­te­gie (→ kon­zept­ge­steu­er­te Kom­mu­ni­ka­ti­on). Der fol­gen­de Fra­gen­ka­ta­log ist nach den vier Ebe­nen der Kri­sen­ver­laufs­kar­te struk­tu­riert und dient als Hilfs­mit­tel, um vor und wäh­rend einer Kri­se schnel­le und zugleich über­leg­te Ent­schei­de zu tref­fen. Vor­ab zu klä­ren ist, ob sich die anste­hen­de oder lau­fen­de Kri­se einem Kri­sen­typ oder SCCT-Clu­ster zuord­nen lässt (→ Krisentypen).

Ebene 1: genuine Problemebene

  1. Wo liegt das aktu­el­le Pro­blem?
  2. Ursa­che. Was hat zu die­sem Pro­blem geführt (Ursa­chen-Matrix): Ereig­nis­se, Hand­lun­gen (beab­sich­tigt, unge­wollt, fahr­läs­sig)?
    Wel­che Rol­le spie­len dabei das Unter­neh­men, das Manage­ment, die Mit­ar­bei­ten­den (Fehl­ver­hal­ten: Schuld­fra­ge, Absicht, Inter­es­se, Normen)?
  3. Fol­gen. Wel­che Aus­wir­kun­gen hat das Pro­blem tat­säch­lich auf wen? Was sind die abseh­ba­ren Fol­gen für das Unter­neh­men und die Bezugsgruppen?
  4. Wel­che Rol­le spielt wel­che Instanz? Wel­che Rol­le könn­te wel­che Instanz in Zukunft spielen?

Mög­li­che Lösung des Pro­blems: Was kön­nen Unter­neh­men, Manage­ment und Mit­ar­bei­ten­de tun, um das Pro­blem auf genui­ner Ebe­ne zu behe­ben oder den Scha­den zu redu­zie­ren?
Worst Case Ebe­ne 1: Ein­schrän­kung der Hand­lungs­frei­heit des Unter­neh­mens so weit, dass des­sen Exi­stenz gefähr­det ist.

Ebene 2: Kommunikation/Medien/Soziale Medien

  • Wie gross ist das Risi­ko, dass der pro­ble­ma­ti­sche Zustand in den Medi­en dar­ge­stellt und dis­ku­tiert wird? Ist das The­ma für (wel­che?) jour­na­li­sti­schen Medi­en attrak­tiv (Nach­rich­ten­fak­to­ren)?
  • Wie inten­siv und in wel­chem Zeit­raum wird das Pro­blem in wel­chen Medi­en dargestellt?
  • Wie wird es gedeu­tet (Framing)? Was wird akzen­tu­iert (Akzen­tu­ie­rung)?
  • Wel­che Emo­tio­nen ver­mit­telt die media­le Dar­stel­lung (Plut­chik)?
  • Prä­senz in den Social Media. Wird das Pro­blem in den sozia­len Medi­en the­ma­ti­siert? In wel­chen? Wel­che Grup­pen neh­men an Dis­kus­sio­nen teil? Wie wird gedeu­tet, was akzen­tu­iert (Frames)? Wel­che Emo­tio­nen ver­mit­teln die User (Plut­chik)?
  • Dem Unter­neh­men zuge­schrie­be­ne Rol­le. Wel­che Rol­le wird dem Unter­neh­men, dem Manage­ment, den Mit­ar­bei­ten­den zuge­schrie­ben (Instan­zen-Rol­len)? Wird das Unter­neh­men bei einer Akzen­tu­ie­rung der Ursa­chen ver­ant­wort­lich gemacht (Matrix Fehl­ver­hal­ten)? Wird es bei einer Akzen­tu­ie­rung der Aus­wir­kun­gen als Opfer dargestellt?

Worst Case Ebe­ne 2:
a) Das Unter­neh­men wird als ver­ant­wort­lich bei höchst­mög­li­cher Ein­schät­zung des Scha­dens dar­ge­stellt (Ver­ant­wort­lich­keit).
b) Der Scha­den für das Unter­neh­men wird als so gra­vie­rend dar­ge­stellt, dass die Exi­stenz des Unter­neh­mens infra­ge gestellt ist.

Ebene 3: Wahrnehmung

  • Wie neh­men ver­schie­de­ne Stake­hol­der das Pro­blem wahr (oder könn­ten es wahr­neh­men)? Wie wirkt sich dies auf ihre Ein­stel­lun­gen und Erwar­tungs­hal­tung gegen­über dem Unter­neh­men aus? Wel­che Emo­tio­nen wer­den geweckt?
  • Wel­che Erwar­tun­gen wel­cher Stake­hol­der sind beim Pro­blem nicht erfüllt?
  • Wie wirkt sich das Pro­blem auf das Image, lang­fri­stig auf die Repu­ta­ti­on des Unter­neh­mens aus?

Worst Case Ebe­ne 3:
a) Öffent­lich­keit und Bezugs­grup­pen geben dem Unter­neh­men die Schuld und machen es für den ent­stan­de­nen Scha­den ver­ant­wort­lich.
b) Öffent­lich­keit und Bezugs­grup­pen ver­lie­ren das Ver­trau­en und stel­len die Exi­stenz­be­rech­ti­gung des Unter­neh­mens infrage.

Ebene 4: Verhaltensebene

  • Wie wirkt sich das Pro­blem auf das Ver­hal­ten wel­cher Stake­hol­der aus? Wie könn­te es sich in Zukunft auf wel­che Stake­hol­der auswirken?
  • Wel­che Aus­wir­kun­gen haben die­se Reak­tio­nen auf das Unter­neh­men auf genui­ner Ebene?

Worst Cases Ebe­ne 4:
a) Die Inve­sti­ti­ons­be­reit­schaft der Finanz­ge­mein­de sinkt.
b) Ver­kaufs­schwund.
c) Die Moti­va­ti­on der Mit­ar­bei­ten­den sinkt (bis hin zu Streiks).
d) Regu­lie­run­gen, Ver­bo­te und Stra­fen wie Bussen.

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Der Fra­gen­ka­ta­log ope­ra­tio­na­li­siert die Situa­ti­ons­ana­ly­se ent­lang der Kri­sen­ver­laufs­kar­te und bil­det das kon­zep­tio­nel­le Rück­grat der KMK-Modu­le: Ebe­ne 1 ent­spricht der Kon­text­ana­ly­se (ADAM), Ebe­ne 2 der Medi­en­re­cher­che und Frame-Ana­ly­se (SCHNUFFI/FRAMI), die Ebe­nen 3 und 4 den Wahr­neh­mungs- und Ver­hal­tens­fra­gen, die in die Stra­te­gie­ent­wick­lung (EVI) ein­flies­sen. Die Worst-Case-For­mu­lie­run­gen die­nen als Refe­renz­punk­te für die Sze­na­rio­pla­nung (→ Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zept).