Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
In Krisenzeiten spielen die Mitarbeiterschaft als Instanz auf der Krisenverlaufskarte und die – gerne vernachlässigte – Mitarbeiterkommunikation eine zentrale Rolle. Ob sich Mitarbeitende in unsicheren Zeiten im Interesse des Unternehmens verhalten und kommunizieren, hängt massgeblich von der Unternehmenskultur und der internen Kommunikation ab.
Rollen der Mitarbeitenden im Krisenverlauf
- Krisenauslöser: durch Fehlmanipulation, Unachtsamkeit oder Diebstahl – oft zurückführbar auf fehlende Motivation, Konflikte am Arbeitsplatz oder mangelnde Identifikation mit dem Unternehmen.
- Zeugen und Informationsvermittler: Als (Augen-)Zeugen und unmittelbar Betroffene geniessen sie hohe Glaubwürdigkeit im sozialen Umfeld (Fall Forsmark; Baeriswyl, 2018, S. 84). Sie können – bewusst oder unachtsam – eine mediale Krise entfachen (Fall Meili), verstärken oder durch ihre Glaubwürdigkeit abschwächen.
- Social-Media-Akteure: Sie können Shitstorms auslösen oder befeuern (Fall Domino’s Pizza 2009; Stoffels, 2012, S. 13), Gerüchte verbreiten oder als Opinion Leader bzw. Influencer wirken.
- Anspruchsgruppen-Mitglieder: Als Lohnempfänger, Gewerkschaftsmitglieder, Kunden oder Aktionäre können sie auf enttäuschte Erwartungen reagieren – ein Mitarbeiter gehört oft mehreren Anspruchsgruppen zugleich an (44% der Schweizer Wohnbevölkerung sind Aktivmitglieder in Vereinen und Verbänden; BFS, 2019).
Bedeutung im KMK-System
Das Basis-Protokoll der Wenn-Dann-Regeln verlangt: Mitarbeitende zuerst informieren. In der Akteursrollen-Codierung treten Mitarbeitende typischerweise als COMM_ZEUGE oder COMM_ZEUGE_BETROFFENER auf – mit der stärksten Emotionalisierungswirkung im Krisendiskurs – und im Extremfall als COMM_WHISTLEBLOWER mit höchster Skandalisierungswirkung. Interne Kommunikation ist damit immer auch präventive Krisenkommunikation.
Literatur
Baeriswyl, O. (2018). Unternehmenskrisen im Informationszeitalter [in Zotero präzisieren].
Stoffels, M. (2012). [in Zotero nachzutragen]