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Be Bo

Ver­si­on 2.0 · Stand: 17.07.2026

Die Stra­te­gie, ein Pro­blem abzu­strei­ten oder zu ver­leug­nen, ist eine ris­kan­te Form der Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on, bei der das Unter­neh­men ent­we­der leug­net, dass ein Pro­blem exi­stiert, oder behaup­tet, dass das Unter­neh­men nicht ver­ant­wort­lich ist. 

Einordnung in die SCCT

In der SCCT ent­spricht die­se Stra­te­gie der Deni­al-Stra­te­gie im Deny-Clu­ster: Die Orga­ni­sa­ti­on bestrei­tet die Exi­stenz der Kri­se oder ihre Ver­wick­lung. Sie ist der Opfer­kri­se (Vic­tim-Clu­ster) zuge­ord­net und setzt vor­aus, dass die Vor­wür­fe tat­säch­lich unbe­grün­det sind – andern­falls droht die Doppelkrise.

Geeignete Situationen

  • Bran­che: Bran­chen mit hoher Sen­si­bi­li­tät für öffent­li­che Wahr­neh­mung, wie Phar­ma­zeu­ti­ka, Lebens­mit­tel, oder Automobil.
  • Kri­sen­typ: Unbe­grün­de­te Vor­wür­fe, Miss­ver­ständ­nis­se oder Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen, die kei­nen wirk­li­chen Skan­dal verursachen.
  • Framing: “Es gibt kein Pro­blem”, “Die Vor­wür­fe sind unbegründet”.
  • Ver­ant­wort­lich­keits­zu­schrei­bung: Das Unter­neh­men behaup­tet, nicht ver­ant­wort­lich zu sein, und ver­sucht, den Fokus auf exter­ne Fak­to­ren oder Miss­ver­ständ­nis­se zu lenken.

Chancen und Gefahren

Chancen

  • Scha­dens­be­gren­zung: Durch das Abstrei­ten oder Ver­leug­nen kann das Unter­neh­men poten­zi­el­len Scha­den oder nega­ti­ve öffent­li­che Auf­merk­sam­keit reduzieren.
  • Medi­en­kon­trol­le: Wenn das Unter­neh­men erfolg­reich Zwei­fel an der Exi­stenz des Pro­blems weckt, kann dies die Medi­en­be­richt­erstat­tung beein­flus­sen und die Auf­merk­sam­keit ablenken.
  • Zeit­ge­winn: Das Abstrei­ten kann dem Unter­neh­men mehr Zeit ver­schaf­fen, um das Pro­blem intern zu lösen, ohne zusätz­li­chen öffent­li­chen Druck.

Gefahren

  • Ver­trau­ens­ver­lust: Wenn das Pro­blem spä­ter bestä­tigt oder die Täu­schung auf­ge­deckt wird, kann dies zu erheb­li­chem Ver­trau­ens­ver­lust führen.
  • Repu­ta­ti­ons­schä­den: Die Öffent­lich­keit und Medi­en könn­ten das Unter­neh­men als unehr­lich oder unzu­ver­läs­sig wahrnehmen.
  • Juri­sti­sche Kon­se­quen­zen: Abstrei­ten oder Ver­leug­nen kann zu recht­li­chen Pro­ble­men füh­ren, ins­be­son­de­re wenn es um schwer­wie­gen­de Vor­wür­fe oder Ver­ge­hen geht.
  • Image­pro­ble­me: Die­se Stra­te­gie kann das Image des Unter­neh­mens lang­fri­stig beschä­di­gen und zukünf­ti­ge Geschäfts­be­zie­hun­gen beeinträchtigen.

Die Ver­leug­nung eines Pro­blems soll­te mit gro­ßer Vor­sicht ver­wen­det wer­den, da die Risi­ken oft die kurz­fri­sti­gen Vor­tei­le über­wie­gen. Unter­neh­men soll­ten sich dar­auf kon­zen­trie­ren, offe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on zu pfle­gen und Ver­ant­wort­lich­keit zu über­neh­men, um das Ver­trau­en der Öffent­lich­keit zu erhalten.

Bedeutung im KMK-System

In der Bot­schafts­stra­te­gien-Über­sicht des KMK-Systems gehört die­se Stra­te­gie zum Deny-Clu­ster (Zurück­wei­sung). Nach den Wenn-Dann-Regeln ist sie nur bei Opfer­kri­sen zuläs­sig – nament­lich bei Gerüch­ten und unbe­grün­de­ten Anfech­tun­gen – und bei mitt­le­rer oder hoher Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung (Unfall- und ver­meid­ba­re Kri­sen) kontraindiziert.

Literatur

Coombs, W. T. (1995). Choo­sing the right words: The deve­lo­p­ment of gui­de­lines for the sel­ec­tion of the “appro­pria­te” cri­sis-respon­se stra­te­gies. Manage­ment Com­mu­ni­ca­ti­on Quar­ter­ly, 8(4), 447–476. https://doi.org/10.1177/0893318995008004003
Coombs, W. T. (2007). Pro­tec­ting orga­nizati­on repu­ta­ti­ons during a cri­sis: The deve­lo­p­ment and appli­ca­ti­on of Situa­tio­nal Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on Theo­ry. Cor­po­ra­te Repu­ta­ti­on Review, 10(3), 163–176. https://doi.org/10.1057/palgrave.crr.1550049
Benoit, W. L. (1997). Image repair dis­cour­se and cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on. Public Rela­ti­ons Review, 23(2), 177–186. https://doi.org/10.1016/S0363-8111(97)90023–0