Merkmale: Möglichkeit der Katastrophe als Bedingung

Kri­se ist durch­aus eine Chan­ce.; man muss ihr nur den bit­te­ren Bei­geschmack der Kata­stro­phe neh­men. (Max Frisch)

Auch wenn der Aus­gang ambi­va­lent ist, so ist die Mög­lich­keit der Kata­stro­phe eine Bedin­gung, dass eine Kri­se als sol­che wahr­ge­nom­men wird.

Der Begriff Kata­stro­phe stammt aus dem Grie­chi­schen und bedeu­tet Umwen­dung. Er steht als Syn­onym für ein schwe­res Unglück oder den Zusammenbruch.

Die Medi­en ver­wen­den dafür Begrif­fe wie GAU, Super-Gau, Worst Case oder Grounding.

Aus betriebs­wirt­schaft­li­cher Sicht ist eine Kata­stro­phe dann ein­ge­tre­ten, wenn die äus­se­ren Rah­men­be­din­gun­gen wie recht­li­che Erlas­se oder die inter­nen Vor­aus­set­zun­gen wie Streiks oder Maschi­nen­de­fek­te die Hand­lungs­frei­heit des Unter­neh­mens so arg ein­zu­schrän­ken, dass die­ses sei­nen Ziel­set­zun­gen nicht mehr nach­kom­men kann und sei­ne Exi­stenz gefähr­det ist. (Sie­he Bruhn)

Umgangs­sprach­lich bezeich­net man Natur­er­eig­nis­se mit Scha­dens­fol­gen (Natur­ka­ta­stro­phen) und gra­vie­ren­de Unfäl­le (Flug­zeug­ab­sturz mit Todes­fol­gen) füh­ren direkt in die Kata­stro­phe für die betrof­fe­ne Bevöl­ke­rung (Mit­ar­bei­ter, Insas­sen, Regi­on, usw.)

Land­läu­fig bezeich­net man auch klei­ne­re pro­ble­ma­ti­sche Ereig­nis­se als Kri­sen oder Kata­stro­phen, um damit die Pro­ble­ma­tik des Sach­ver­halts zu beto­nen. So wer­ten heu­te die Medi­en die sich abzeich­nen­den pro­ble­ma­ti­schen Kli­ma­ver­hält­nis­se (Kli­ma­er­wär­mung) als Kli­ma­ka­ta­stro­phe. Streng genom­men han­delt es sich nicht um eine Kata­stro­phe, son­dern um eine in gewis­sen Regio­nen bereits exi­sten­te und in ande­ren um eine sich anbah­nen­de Kri­se. In eine Kata­stro­phe im Sin­ne der Exi­stenz­ge­fähr­dung der Mensch­heit könn­te die­se Kri­se mün­den, wenn nichts dage­gen unter­nom­men wird. Das­sel­be trifft zu für klei­ne, an sich lös­ba­re Pro­duk­ti­ons­pro­ble­me oder Unfäl­le, die in den Medi­en vor­schnell als Kata­stro­phe oder als Super-GAU pro­ble­ma­ti­siert wer­den. Aller­dings kön­nen gera­de die­se media­len Über­zeich­nun­gen des Pro­blems als Miss­stand eine Kri­se ver­stär­ken oder gar aus­lö­sen (Mas­sen­hy­ste­rie).

Kata­stro­phe ist übri­gens aus makro­öko­no­mi­scher Sicht ein zwei­schnei­di­ges Schwert: “Des einen Lied, des andern Freud.” So hat in einem gesät­tig­ten Markt mit einer kon­stan­ten Nach­fra­ge der Ver­lust von Markt­an­tei­len eines kri­sen­ge­schüt­tel­ten Unter­neh­mens für die Kon­kur­renz eine Zunah­me von des­sen Markt­an­tei­len zur Fol­ge. Selbst bei Umwelt­ka­ta­stro­phen gilt die­ses Prin­zip der Umver­tei­lung: Ein Tsu­ma­mi zer­stört zwar die Tou­ris­mus­bran­che, beschäf­tigt aber die Bau­bran­che. Shits­torms scha­den der Repu­ta­ti­on eines Unter­neh­mens, geben der Kund­schaft aber auch die Chan­ce, bes­se­re Pro­duk­te und Dienst­lei­stun­gen zu erhal­ten. Die Umwelt­ka­ta­stro­phe im Golf von Mexi­ko von 2010 (Deep­wa­ter Hori­zon, sie­he Bae­ris­wyl, 2018, S. 51) war ein Schlag auf die Repu­ta­ti­on der gesam­ten Erd­öl­bran­che und hat­te für den betrof­fe­nen Kon­zern BP eine “saf­ti­ge” Bus­se zur Fol­ge. Für erneu­er­ba­re Ener­gien bedeu­te­te die­ser Unfall aller­dings eine Chance.

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