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Be Bo

Ver­si­on 2.1 · Stand: 16.09.2026

Einordnung in die SCCT

Das Infor­mie­ren über Pro­blem­lö­sungs­mass­nah­men ent­spricht der Cor­rec­ti­ve Action der Image-Repair-Theo­rie (Benoit) und flan­kiert in der SCCT die Rebuild-Logik: Es demon­striert Hand­lungs­fä­hig­keit und ver­hin­dert das Frame-Vaku­um – Grund­la­ge jeder lösungs­ori­en­tier­ten Darstellung.

Die Stra­te­gie, über Pro­blem­lö­sungs­mass­nah­men zu infor­mie­ren, kon­zen­triert sich dar­auf, das Unter­neh­men als aktiv und enga­giert in der Bewäl­ti­gung der Kri­se dar­zu­stel­len. Die­se Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wei­se zielt dar­auf ab, Ver­trau­en und Zuver­sicht zu stär­ken, indem gezeigt wird, dass das Unter­neh­men kon­kre­te Schrit­te unter­nimmt, um den Scha­den zu begren­zen und zukünf­ti­ge Pro­ble­me zu ver­mei­den. Hier sind geeig­ne­te Situa­tio­nen sowie Chan­cen und Gefah­ren die­ser Strategie:

Geeignete Situationen

  • Bran­che: Jede Bran­che, beson­ders aber sol­che, die häu­fig mit öffent­lich sicht­ba­ren Kri­sen kon­fron­tiert sind, wie die Che­mie­in­du­strie, Trans­port­we­sen, Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on oder Dienstleistungssektor.
  • Kri­sen­typ: Pro­dukt-Rück­ru­fe, Umwelt­ka­ta­stro­phen, Daten­schutz­ver­let­zun­gen, Dienstleistungsstörungen.
  • Framing: “Wir haben umfas­sen­de Mass­nah­men ein­ge­lei­tet, um sicher­zu­stel­len, dass die­ses Pro­blem nicht wie­der auf­tritt”, “Wir arbei­ten eng mit den Behör­den zusam­men, um den Scha­den zu beheben”.
  • Ver­ant­wort­lich­keits­zu­schrei­bung: Das Unter­neh­men zeigt Ver­ant­wor­tung für die Lösung des Pro­blems und betont sei­ne pro­ak­ti­ve Rol­le bei der Schadensbegrenzung.

Chancen und Gefahren

Chancen

  • Wie­der­her­stel­lung des Ver­trau­ens: Durch die trans­pa­ren­te Kom­mu­ni­ka­ti­on über die ein­ge­lei­te­ten Mass­nah­men kann das Unter­neh­men Ver­trau­en und Glaub­wür­dig­keit bei Kun­den, Inve­sto­ren und der Öffent­lich­keit wiederherstellen.
  • Demon­stra­ti­on von Ver­ant­wor­tung und Kom­pe­tenz: Das Infor­mie­ren über Pro­blem­lö­sungs­mass­nah­men zeigt, dass das Unter­neh­men fähig und ent­schlos­sen ist, auf die Kri­se zu reagie­ren und zukünf­ti­ge Vor­fäl­le zu verhindern.
  • Posi­ti­ve Medi­en­be­richt­erstat­tung: Akti­ve Pro­blem­lö­sungs­mass­nah­men kön­nen zu posi­ti­ver Medi­en­be­richt­erstat­tung füh­ren, die das Image des Unter­neh­mens verbessert.

Gefahren

  • Erwar­tungs­ma­nage­ment: Wenn das Unter­neh­men die ergrif­fe­nen Mass­nah­men nicht kor­rekt umsetzt oder die­se nicht aus­rei­chend sind, kann dies zu wei­te­rer öffent­li­cher Kri­tik führen.
  • Res­sour­cen­bin­dung: Umfas­sen­de Pro­blem­lö­sungs­mass­nah­men kön­nen erheb­li­che Res­sour­cen bin­den, was beson­ders in klei­ne­ren oder finan­zi­ell ange­spann­ten Unter­neh­men eine Her­aus­for­de­rung dar­stel­len kann.
  • Gefahr der Über­kom­mu­ni­ka­ti­on: Zu detail­lier­te oder zu häu­fi­ge Updates kön­nen das Publi­kum ermü­den oder den Ein­druck erwecken, dass das Unter­neh­men die Kri­se nicht effek­tiv bewältigt.
  • Unvor­her­ge­se­he­ne Kon­se­quen­zen: Manch­mal kön­nen die ein­ge­führ­ten Mass­nah­men uner­war­te­te Neben­wir­kun­gen haben, die das Pro­blem ver­schär­fen oder neue Pro­ble­me schaffen.

Die Stra­te­gie, über Pro­blem­lö­sungs­mass­nah­men zu infor­mie­ren, soll­te daher sorg­fäl­tig geplant und umge­setzt wer­den. Unter­neh­men müs­sen sicher­stel­len, dass ihre Mass­nah­men wohl­über­legt sind und rea­li­stisch umge­setzt wer­den kön­nen. Es ist wich­tig, dass alle Kom­mu­ni­ka­tio­nen klar, kon­si­stent und trans­pa­rent sind, um das Ver­trau­en der Stake­hol­der zu stär­ken und das Unter­neh­men durch die Kri­se zu führen.

Von allen Stra­te­gie­fa­mi­li­en ist der Wie­der­auf­bau die­je­ni­ge, die sich in der Medi­en­be­richt­erstat­tung am deut­lich­sten aus­zahlt. Otter­pohl (2019) misst für Bei­trä­ge, in denen Stra­te­gien des Wie­der­auf­baus the­ma­ti­siert wer­den, den stärk­sten posi­ti­ven Zusam­men­hang sei­ner gesam­ten Unter­su­chung mit der Dar­stel­lung des betrof­fe­nen Unter­neh­mens: bei der ver­meid­ba­ren Kri­se eine Kor­re­la­ti­on von 0,78 (Signi­fi­kanz­ni­veau 0,001), bei der Unfall­kri­se eine von 0,37 (Signi­fi­kanz­ni­veau 0,05). Dass der Zusam­men­hang bei der ver­meid­ba­ren Kri­se deut­lich stär­ker aus­fällt, erklärt er damit, dass dort eine höhe­re Kri­sen­schuld zuge­schrie­ben wird und es ent­spre­chend mehr Gewicht hat, ob die Orga­ni­sa­ti­on mit auf Wie­der­auf­bau ange­leg­ten Mass­nah­men reagiert (S. 286 f.). Hin­zu kommt ein Befund zur Sicht­bar­keit, der die ande­ren Stra­te­gie­fa­mi­li­en von die­ser unter­schei­det: Stra­te­gien des Wie­der­auf­baus wer­den in Medi­en­bei­trä­gen auch tat­säch­lich am häu­fig­sten the­ma­ti­siert, mit Schwer­punkt auf Kom­pen­sa­ti­on und Kor­rek­tur (S. 285 f.). Der Befund stammt aus einer Unter­su­chung zwei­er Lebens­mit­tel­skan­da­le in vier deut­schen Pres­se­leit­me­di­en; er misst Zusam­men­hän­ge, kei­ne Ursa­chen, und deckt den Kri­sen­typ Opfer­kri­se nicht ab. Den Zusam­men­hang zwi­schen Stra­te­gie und media­ler Dar­stel­lung behan­delt der Ein­trag Media­le Rah­mung von Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on.

Bedeutung im KMK-System

In der Bot­schafts­stra­te­gien-Über­sicht des KMK-Systems gehört die­se Stra­te­gie zum Rebuild-Clu­ster (Wie­der­auf­bau). Nach den Wenn-Dann-Regeln ist sie bei ver­meid­ba­ren Kri­sen zwin­gend und bei Kri­sen mit Kon­text-Inten­si­vie­rern (Vel­cro-Effekt) zu prü­fen; ohne struk­tu­rel­le Mass­nah­men wirkt sie bei Wie­der­ho­lung leer.

Literatur

Benoit, W. L. (1997). Image repair dis­cour­se and cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on. Public Rela­ti­ons Review, 23(2), 177–186. https://doi.org/10.1016/S0363-8111(97)90023–0
Coombs, W. T. (2007). Pro­tec­ting orga­nizati­on repu­ta­ti­ons during a cri­sis: The deve­lo­p­ment and appli­ca­ti­on of Situa­tio­nal Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on Theo­ry. Cor­po­ra­te Repu­ta­ti­on Review, 10(3), 163–176. https://doi.org/10.1057/palgrave.crr.1550049
Otter­pohl, M. (2019). Die media­le Rah­mung von Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on: Eine theo­re­ti­sche und empi­ri­sche Unter­su­chung zu Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gien bei Lebens­mit­tel­skan­da­len und ihrer Reso­nanz in den Medi­en [Dis­ser­ta­ti­on, Freie Uni­ver­si­tät Berlin].