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Be Bo

Ver­si­on 2.0 · Stand: 17.07.2026

Einordnung in die SCCT

In der SCCT ist die Ent­schä­di­gung (Com­pen­sa­ti­on) eine Rebuild-Stra­te­gie: Den Geschä­dig­ten wer­den mate­ri­el­le oder sym­bo­li­sche Lei­stun­gen ange­bo­ten; die Orga­ni­sa­ti­on demon­striert Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me durch Taten.

nor­ma­ti­ves Framing

Die Stra­te­gie, Opfer zu ent­schä­di­gen und öffent­lich dar­über zu infor­mie­ren, ist eine effek­ti­ve Metho­de in der Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on, um Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und das Ver­trau­en der Öffent­lich­keit sowie der betrof­fe­nen Par­tei­en wie­der­her­zu­stel­len. Die­se Vor­ge­hens­wei­se zeigt, dass das Unter­neh­men nicht nur die Aus­wir­kun­gen sei­ner Hand­lun­gen aner­kennt, son­dern auch bereit ist, kon­kre­te Schrit­te zur Wie­der­gut­ma­chung zu unternehmen. 

Geeignete Situationen

  • Bran­che: Bran­chen, die direkt mit End­ver­brau­chern inter­agie­ren, wie das Gast­ge­wer­be, Gesund­heits­we­sen, Ein­zel­han­del oder Finanzdienstleistungen.
  • Kri­sen­typ: Pro­dukt­feh­ler, Unfäl­le, Daten­schutz­ver­let­zun­gen, Umwelt­ka­ta­stro­phen oder ande­re Vor­fäl­le, die direk­te nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf Kun­den oder die Öffent­lich­keit haben.
  • Framing: “Wir haben Maß­nah­men ergrif­fen, um alle betrof­fe­nen Per­so­nen zu ent­schä­di­gen”, “Wir ver­pflich­ten uns, den Scha­den, den wir ver­ur­sacht haben, voll­stän­dig zu ersetzen”.
  • Ver­ant­wort­lich­keits­zu­schrei­bung: Das Unter­neh­men akzep­tiert sei­ne Rol­le in der Ver­ur­sa­chung des Pro­blems und nimmt die Ver­ant­wor­tung für die Ent­schä­di­gung der Opfer an.

Chancen und Gefahren

Chancen

  • Wie­der­her­stel­lung des Ver­trau­ens: Eine schnel­le und fai­re Ent­schä­di­gung kann das Ver­trau­en in das Unter­neh­men wie­der­her­stel­len und zei­gen, dass es sich um sei­ne Kun­den und die Öffent­lich­keit kümmert.
  • Posi­ti­ve öffent­li­che Wahr­neh­mung: Das pro­ak­ti­ve Han­deln des Unter­neh­mens kann zu einer posi­ti­ven Bericht­erstat­tung in den Medi­en füh­ren und das Image des Unter­neh­mens verbessern.
  • Ver­mei­dung recht­li­cher Aus­ein­an­der­set­zun­gen: Durch das Ange­bot einer Ent­schä­di­gung kön­nen poten­zi­el­le Kla­gen und recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen ver­mie­den oder mini­miert werden.

Gefahren

  • Finan­zi­el­le Bela­stun­gen: Die Ent­schä­di­gung der Opfer kann erheb­li­che finan­zi­el­le Res­sour­cen bean­spru­chen, was beson­ders für klei­ne­re oder finan­zi­ell ange­schla­ge­ne Unter­neh­men pro­ble­ma­tisch sein kann.
  • Erwar­tungs­ma­nage­ment: Wenn die Ent­schä­di­gung als unzu­rei­chend wahr­ge­nom­men wird oder nicht alle Betrof­fe­nen gleich behan­delt wer­den, kann dies zu wei­te­rer Kri­tik und Unzu­frie­den­heit führen.
  • Risi­ko der Mani­pu­la­ti­on der öffent­li­chen Mei­nung: Wenn die Öffent­lich­keit denkt, dass die Ent­schä­di­gung nur ein Mit­tel zur Scha­dens­be­gren­zung ist, kann dies die Glaub­wür­dig­keit der Akti­on untergraben.
  • Abhän­gig­keit von der Ent­schä­di­gung als Lösung: Das Unter­neh­men könn­te in die Fal­le tap­pen, zu glau­ben, dass finan­zi­el­le Ent­schä­di­gun­gen aus­rei­chen, um alle Pro­ble­me zu lösen, ohne tie­fer­ge­hen­de struk­tu­rel­le Ände­run­gen vorzunehmen.

Die Stra­te­gie, Opfer zu ent­schä­di­gen und dar­über zu infor­mie­ren, soll­te sorg­fäl­tig geplant und auch durch­ge­führt wer­den (kei­ne “lee­ren Ver­spre­chen”), um sicher­zu­stel­len, dass die Maß­nah­men als auf­rich­tig und gerecht wahr­ge­nom­men wer­den. Es ist wich­tig, dass das Unter­neh­men trans­pa­rent kom­mu­ni­ziert, wie die Ent­schä­di­gun­gen berech­net und ver­teilt wer­den und dass es sich um eine umfas­sen­de Lösung der Pro­ble­me bemüht, die über die finan­zi­el­le Wie­der­gut­ma­chung hinausgeht.

Bedeutung im KMK-System

In der Bot­schafts­stra­te­gien-Über­sicht des KMK-Systems gehört die­se Stra­te­gie zum Rebuild-Clu­ster (Wie­der­auf­bau). Nach den Wenn-Dann-Regeln ist sie bei ver­meid­ba­ren Kri­sen zwin­gend und bei Kri­sen mit Kon­text-Inten­si­vie­rern (Vel­cro-Effekt) zu prü­fen; ohne struk­tu­rel­le Mass­nah­men wirkt sie bei Wie­der­ho­lung leer.

Literatur

Coombs, W. T., & Holl­aday, S. J. (2008). Com­pa­ring apo­lo­gy to equi­va­lent cri­sis respon­se stra­te­gies: Cla­ri­fy­ing apology’s role and value in cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on. Public Rela­ti­ons Review, 34(3), 252–257. https://doi.org/10.1016/j.pubrev.2008.04.001
Coombs, W. T. (2007). Pro­tec­ting orga­nizati­on repu­ta­ti­ons during a cri­sis: The deve­lo­p­ment and appli­ca­ti­on of Situa­tio­nal Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on Theo­ry. Cor­po­ra­te Repu­ta­ti­on Review, 10(3), 163–176. https://doi.org/10.1057/palgrave.crr.1550049