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Be Bo

Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

In sei­ner Image Repair Theo­ry (IRT) behan­delt Wil­liam L. Benoit Bot­schafts­stra­te­gien und Ant­wort­mög­lich­kei­ten, die Unter­neh­men im Kon­text einer Kri­se zur Mini­mie­rung des Image­scha­dens ver­wen­den kön­nen. Benoits Theo­rie stammt aus dem Jahr 1995 (als «Image Resto­ra­ti­on Theo­ry»), ist seit 2008 als Image Repair Theo­ry bekannt und stellt eine Erwei­te­rung des Cor­po­ra­te-Apo­lo­gia-Kon­zepts dar (sie­he auch Coombs).

Einordnung

Da die Repu­ta­ti­on eines Unter­neh­mens einen mass­geb­li­chen Ein­fluss auf den wirt­schaft­li­chen Erfolg hat und die Wahr­neh­mung einer Unter­neh­mens­kri­se vom Ein­druck der Stake­hol­der bestimmt wird, wird der Image Repair Theo­ry in der Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on eine gros­se Bedeu­tung zuge­schrie­ben. Benoit geht davon aus, dass Kom­mu­ni­ka­ti­on immer eine ziel­ge­rich­te­te Hand­lung ist und dass das Ziel der Kom­mu­ni­ka­ti­on die Auf­recht­erhal­tung oder Her­stel­lung einer vor­teil­haf­ten Repu­ta­ti­on dar­stellt (vgl. Benoit, 2015, S. 14 ff.).

Voraussetzungen

Die Theo­rie von Benoit geht von zwei Vor­aus­set­zun­gen aus: a) eine Hand­lung mit uner­wünsch­ten Aus­wir­kun­gen ist ein­ge­tre­ten, und b) das Unter­neh­men ist ver­ant­wort­lich für die­se Hand­lung (vgl. Benoit, 2015, S. 20) – also die Inter­pre­ta­ti­on als Fehl­ver­hal­ten des Unter­neh­mens, wobei auch Unter­las­sen eine Fehl­hand­lung ist. Im Unter­schied zu Coombs argu­men­tiert Benoit hier auf der genui­nen Ebe­ne und nicht auf jener der öffent­li­chen Wahr­neh­mung (sie­he Kri­sen­ver­laufs­kar­te).

Der Stake­hol­der muss davon über­zeugt sein, dass die­se bei­den Kom­po­nen­ten wahr sind, um ein Image zu gefähr­den – und es bedarf der Über­zeu­gung des betrof­fe­nen Unter­neh­mens, dass sein Image Scha­den genom­men hat, um sich für eine Wie­der­her­stel­lung zu enga­gie­ren. Die Wahr­neh­mung der inter­es­sier­ten Öffent­lich­keit ist ent­schei­dend, denn sie bestimmt dar­über, ob die Image-Repair-Stra­te­gien des Unter­neh­mens sie anspre­chen und über­zeu­gen (vgl. Benoit, 2015, S. 20).

Strategien

Benoits Theo­rie umfasst fünf Stra­te­gien, die Unter­neh­men bei der Wie­der­her­stel­lung ihres Images hel­fen sol­len: Deni­al, Eva­ding Respon­si­bi­li­ty, Redu­cing Offen­si­ve­ness, Cor­rec­ti­ve Action und Mortification.

Haupteigenschaften von Botschaftsstrategien nach Benoit
Abbil­dung 1: Haupt­ei­gen­schaf­ten von Bot­schafts­stra­te­gien nach Benoit

Denial (Verneinung)

Die Stra­te­gie Deni­al wird in zwei Kate­go­rien unter­teilt: Simp­le Deni­al und Shif­ting the Bla­me. Ist ein Unter­neh­men in der Situa­ti­on, sich gegen Unter­stel­lun­gen oder Attacken ande­rer ver­tei­di­gen zu müs­sen, hat es zwei Mög­lich­kei­ten: Bei Simp­le Deni­al weist der Beschul­dig­te die Ver­ant­wor­tung für eine Hand­lung von sich und behaup­tet, es nicht getan zu haben. Shif­ting the Bla­me bezeich­net die Stra­te­gie, Ver­ant­wor­tung für das Ereig­nis abzu­weh­ren, indem das Unter­neh­men die Schuld auf eine ande­re Per­son oder ein ande­res Unter­neh­men schiebt. Nach einem Ereig­nis mit uner­wünsch­ten Aus­wir­kun­gen suchen Men­schen auto­ma­tisch nach einem Schul­di­gen, der ihnen mit die­ser Stra­te­gie gezielt auf­ge­zeigt wird – wes­halb sie nach Benoit vor­teil­haf­ter ist als Simp­le Deni­al (vgl. Benoit, 2015, S. 22 f.). Bei­spiel die­ser Stra­te­gie des Schwar­zen Peters ist der Fall Costa Con­cor­dia.

Evasion of Responsibility (Umgehung der Verantwortung)

Die­se Stra­te­gie besteht aus vier Sub­ka­te­go­rien – für Fäl­le, in denen ein Unter­neh­men die Ver­ant­wor­tung nicht gänz­lich von sich wei­sen kann. Pro­vo­ca­ti­on ist die Behaup­tung, die eige­ne Hand­lung sei eine not­wen­di­ge Reak­ti­on auf die Hand­lung eines ande­ren gewe­sen, sodass dem Pro­vo­ka­teur die eigent­li­che Ver­ant­wor­tung zuge­schrie­ben wird. Defe­a­si­bi­li­ty führt die eige­ne Hand­lung auf feh­len­de Infor­ma­tio­nen oder feh­len­de Kon­trol­le zurück, was dem Unter­neh­men weni­ger Ver­ant­wor­tung zukom­men lässt, da Men­schen dazu nei­gen, ande­re nur für Fak­to­ren ver­ant­wort­lich zu machen, die die­se auch kon­trol­lie­ren und beein­flus­sen kön­nen. Als Acci­dent bezeich­net Benoit die Stra­te­gie, die uner­wünsch­te Hand­lung auf einen Unfall zu schie­ben, was die Ver­ant­wor­tung eben­falls mini­miert. Die vier­te Stra­te­gie Good Inten­ti­ons stellt die guten Absich­ten in den Vor­der­grund, die der Hand­lung zugrun­de lagen: Die Hand­lung wird kei­nes­wegs ver­leug­net, aber gute Absich­ten wir­ken abmil­dernd, auch wenn sie nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen mit sich brin­gen (vgl. Benoit, 2015, S. 23 f.).

Reducing Offensiveness (Verringerung der Anrüchigkeit)

Die­se Stra­te­gie wird in sechs Sub­ka­te­go­rien unter­teilt. Bol­ste­ring beschreibt die Beto­nung bis­he­ri­ger Erfol­ge, um die nega­ti­ven Effek­te abzu­schwä­chen und posi­ti­ve Asso­zia­tio­nen zum Unter­neh­men zu schaf­fen. Mini­mizati­on ist die Beto­nung der gerin­gen Aus­wir­kun­gen der Hand­lun­gen, um die Öffent­lich­keit zu über­zeu­gen, dass die Aus­wir­kun­gen weni­ger schlimm sind, als sie erschei­nen. Bei der Dif­fe­ren­tia­ti­on ver­gleicht das Unter­neh­men sei­ne Hand­lung mit ande­ren, harm­lo­se­ren Hand­lun­gen und lässt sie so in einem ande­ren Licht erschei­nen. Die eige­ne Hand­lung in einem ande­ren, über­ge­ord­ne­ten Kon­text zu deu­ten, erfolgt unter der Stra­te­gie Tran­s­cen­dence. Eine wei­te­re Mög­lich­keit ist, die Anschul­di­gun­gen von sich zu wei­sen, indem der Anschul­di­gen­de ange­grif­fen wird (Attack­ing the Accu­ser) – etwa durch das Infra­ge­stel­len der Glaub­wür­dig­keit des Anschul­di­gen­den. Als letz­te Mög­lich­keit kann ein Unter­neh­men mit der Com­pen­sa­ti­on-Stra­te­gie die Ver­lu­ste bei­spiels­wei­se mit Geld oder Waren kom­pen­sie­ren (vgl. Benoit, 2015, S. 24 f.).

Corrective Action und Mortification

Benoit nennt zwei wei­te­re eigen­stän­di­ge Stra­te­gien ohne Sub­ka­te­go­rien. Unter Cor­rec­ti­ve Action ver­spricht das Unter­neh­men, das Pro­blem zu lösen und zukünf­tig prä­ven­tiv dage­gen vor­zu­ge­hen (vgl. Benoit, 2015, S. 26). Die Stra­te­gie Mor­ti­fi­ca­ti­on bie­tet dem Unter­neh­men die Mög­lich­keit, sich für sei­ne Hand­lung zu ent­schul­di­gen und Reue zu zei­gen. Erscheint die Ent­schul­di­gung als auf­rich­tig, sind Men­schen geneigt, nega­ti­ve Hand­lun­gen zu ver­zei­hen (vgl. Benoit, 2015, S. 26 f.).

Bedeutung im KMK-System

Die IRT ist neben der SCCT von Coombs eine der bei­den theo­re­ti­schen Säu­len des KMK-Bot­schafts­stra­te­gien-Sets (sie­he tabel­la­ri­sche Über­sicht). Ihre Stra­te­gie­ka­te­go­rien flies­sen in das Kate­go­ri­en­sy­stem der Ana­ly­se der Bot­schafts­stra­te­gie ein.

Weiterführend

Benoits Theo­rie im Über­blick (Video)

Literatur

Benoit, W. L. (1997). Image repair dis­cour­se and cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on. Public Rela­ti­ons Review, 23(2), 177–186. https://doi.org/10.1016/S0363-8111(97)90023–0

Benoit, W. L. (2015). Accounts, excu­ses, and apo­lo­gies: Image repair theo­ry and rese­arch (2. Aufl.). SUNY Press.