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Be Bo

Ver­si­on 2.3 · Stand: 06.08.2026

Für die Wahl und Ana­ly­se von Kri­sen­re­ak­tio­nen ste­hen drei eta­blier­te Bot­schafts­stra­te­gie- und Ver­hal­tens­mo­del­le zur Ver­fü­gung: die Situa­tio­nal Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on Theo­ry von Coombs, die Image-Repair-Theo­rie von Benoit und die legi­ti­mi­täts­ba­sier­ten Ver­hal­tens­stra­te­gien nach Breit­sohl. Alle drei sind situa­tiv: Sie lei­ten die ange­mes­se­ne Reak­ti­on aus einer Ana­ly­se der Kri­sen­si­tua­ti­on ab («Wenn-Dann»-Logik) – unter­schei­den sich aber grund­le­gend dar­in, wel­ches Situa­ti­ons­merk­mal die Stra­te­gie­wahl steuert.

Kategoriensystem für Botschaftsstrategien (KMK-Modell)

Das KMK-System arbei­tet mit einem Kate­go­ri­en­sy­stem auf der Basis der Kri­sen­ver­laufs­kar­te, das die Theo­rien von Coombs und Benoit wie auch die Ver­hal­tens­mu­ster nach Breit­sohl berück­sich­tigt (sie­he die tabel­la­ri­sche Über­sicht der Bot­schafts­stra­te­gien). Der Vor­teil eines ein­heit­li­chen Systems für Inhalts­ana­ly­sen liegt dar­in, dass die Fall­stu­di­en ver­gleich­bar gemacht wer­den können.

Die drei Modelle im Vergleich

Alle drei Model­le ver­fol­gen das Ziel, den Scha­den einer Kri­se für die Orga­ni­sa­ti­on zu mini­mie­ren. Sie unter­schei­den sich jedoch in ihrer theo­re­ti­schen Funk­ti­ons­wei­se und in der Ver­knüp­fung von Kri­se und Reak­ti­on (dem «Wenn-Dann»-Mechanismus):

  • Hei­ko Breit­sohl (Fokus: Legi­ti­mi­tät): Eine Kri­se beschä­digt die Legi­ti­mi­tät der Orga­ni­sa­ti­on – prag­ma­tisch, mora­lisch, kogni­tiv oder regu­la­tiv. Eine Reak­ti­on ist nur dann effek­tiv, wenn die gewähl­te Stra­te­gie exakt die Legi­ti­mi­täts­di­men­si­on anspricht, die durch den spe­zi­fi­schen Kri­sen­typ ver­letzt wur­de (Breit­sohl, 2009; → Ver­hal­tens­stra­te­gien nach Breit­sohl).
  • W. Timo­thy Coombs (SCCT) (Fokus: Attri­bu­ti­on und Repu­ta­ti­on): Die SCCT baut auf der Attri­bu­ti­ons­theo­rie auf. Der Grad der Schuld- und Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung durch die Stake­hol­der (Opfer‑, Unfall- oder ver­meid­ba­re Kri­se) bestimmt, wie stark die Repu­ta­ti­on bedroht ist. Die «Wenn-Dann»-Regeln schrei­ben vor, wie ent­ge­gen­kom­mend die Bot­schaft je nach Schuld­schwe­re und Inten­si­vie­rern (Kri­sen­hi­sto­rie, Vor­be­zie­hung) sein muss (Coombs, 2007).
  • Wil­liam Benoit (IRT) (Fokus: rhe­to­ri­scher Image-Wie­der­auf­bau): Benoits Ansatz ist im Gegen­satz zu Coombs’ prä­dik­ti­vem Modell pri­mär reak­tiv und bot­schafts­ori­en­tiert (mes­sa­ge-dri­ven). Er ver­steht die Kri­se als aku­te Bedro­hung des Anse­hens, sobald das Publi­kum ein Fehl­ver­hal­ten wahr­nimmt, und bie­tet ein fle­xi­bles Reper­toire rhe­to­ri­scher Tak­ti­ken (Leug­nung, Aus­re­den, Scha­dens­min­de­rung, Ent­schul­di­gung), aus denen die Orga­ni­sa­ti­on die pas­sen­den Argu­men­te aus­wählt (Benoit, 1997).

Wäh­rend sich Coombs und Benoit aus­schliess­lich mit Bot­schafts­stra­te­gien (Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­hal­ten) befas­sen, unter­schei­det Breit­sohls Typo­lo­gie nicht zwi­schen De-fac­to-Stra­te­gien auf der Pro­blem­ebe­ne und eigent­li­chen Bot­schafts­stra­te­gien. Coombs’ drei Kri­sen­clu­ster (Opfer‑, Unfall‑, ver­meid­ba­re Kri­se) kom­men dabei dem KMK-Kon­zept der Kri­sen­rol­len des Unter­neh­mens sehr nahe. Die fol­gen­den drei Sze­na­ri­en ver­deut­li­chen, wie die drei Model­le eine spe­zi­fi­sche Kri­sen­si­tua­ti­on ana­ly­sie­ren («Wenn») und wel­che Bot­schaft («Dann») sie jeweils empfehlen.

Szenario 1: Technischer Unfall (z. B. unvorhersehbare Explosion in einer Fabrik, technischer Systemausfall)

Breitsohls «Wenn-Dann»-Logik

  • Wenn (Ana­ly­se): Ein Unfall (gerin­ge Kon­trol­lier­bar­keit, tech­ni­sche Ursa­che) beschä­digt pri­mär die kogni­ti­ve Legi­ti­mi­tät. Stake­hol­der hin­ter­fra­gen in die­sem Moment nicht die mora­li­sche Inte­gri­tät des Unter­neh­mens, son­dern die Bere­chen­bar­keit und Sta­bi­li­tät des nor­ma­len Betriebs.
  • Dann (emp­foh­le­ne Bot­schaft): Das Unter­neh­men soll­te sich auf neu­tra­le Reak­tio­nen wie das sach­li­che Erklä­ren (Expl­ana­ti­on) und kogni­ti­ve Defi­nie­ren (Defi­ning) kon­zen­trie­ren, um die Situa­ti­on plau­si­bel und ver­ständ­lich zu machen.
  • Muster­bot­schaft: «Es han­del­te sich um ein äus­serst sel­te­nes, unvor­her­seh­ba­res tech­ni­sches Ver­sa­gen in einem hoch­kom­ple­xen System. Wir legen die genau­en tech­ni­schen Ursa­chen lücken­los offen, um die kogni­ti­ve Nach­voll­zieh­bar­keit und Betriebs­si­cher­heit sofort wiederherzustellen.»

Coombs’ (SCCT) «Wenn-Dann»-Logik

  • Wenn (Ana­ly­se): Der Vor­fall fällt in das Acci­den­tal Clu­ster (Unfall­kri­se) mit mode­ra­ter Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung. Sofern kei­ne nega­ti­ve Kri­sen­hi­sto­rie vor­liegt, ist die Repu­ta­ti­ons­be­dro­hung moderat.
  • Dann (emp­foh­le­ne Bot­schaft): Das Unter­neh­men soll­te Dimi­nish-Stra­te­gien (Abschwä­chen) anwen­den. Es muss zwin­gend instru­ie­ren­de und anpas­sen­de Infor­ma­tio­nen lie­fern (Sicher­heits­an­wei­sun­gen) und kann die eige­ne Ver­ant­wor­tung durch Aus­re­den relativieren.
  • Muster­bot­schaft: «Wir bedau­ern die­sen Vor­fall zutiefst. Da es sich um einen unvor­her­seh­ba­ren tech­ni­schen Defekt han­delt, lag das Ereig­nis aus­ser­halb unse­rer direk­ten betrieb­li­chen Absicht. Wir haben sofort alle nöti­gen Sicher­heits­mass­nah­men eingeleitet.»

Benoits (IRT) «Wenn-Dann»-Logik

  • Wenn (Ana­ly­se): Das Publi­kum nimmt wahr, dass das Unter­neh­men mit dem Unfall in Ver­bin­dung steht und sein Image gefähr­det ist.
  • Dann (emp­foh­le­ne Bot­schaft): Da kein Vor­satz vor­liegt, emp­fiehlt Benoit rhe­to­ri­sche Tak­ti­ken zur Ver­ant­wor­tungs­min­de­rung (Eva­ding Respon­si­bi­li­ty), ins­be­son­de­re das Plä­die­ren auf man­geln­de Kon­trol­le über die Situation.
  • Muster­bot­schaft: «Wir hat­ten kei­ner­lei Absicht, die­sen Scha­den her­bei­zu­füh­ren, und plä­die­ren dar­auf, dass die­ses rein tech­ni­sche Ver­sa­gen unter den gege­be­nen hoch­kom­ple­xen Umstän­den von uns nicht kon­trol­liert wer­den konnte.»

Szenario 2: Produktsicherheitsvorfall / Produktfehler (z. B. technischer Defekt führt zu einem Produktrückruf)

Breitsohls «Wenn-Dann»-Logik

  • Wenn (Ana­ly­se): Ein Pro­dukt­si­cher­heits­vor­fall (mitt­le­re Kon­trol­lier­bar­keit, Mischung aus Tech­nik und Mensch) beschä­digt pri­mär die prag­ma­ti­sche Legi­ti­mi­tät. Die Stake­hol­der zwei­feln an der Zuver­läs­sig­keit des Unter­neh­mens als nütz­li­cher und siche­rer Transaktionspartner.
  • Dann (emp­foh­le­ne Bot­schaft): Das Unter­neh­men muss akkom­mo­da­tive (ent­ge­gen­kom­men­de) Reak­tio­nen zei­gen, die direkt auf der trans­ak­tio­na­len Ebe­ne anset­zen und den prag­ma­ti­schen Nut­zen wiederherstellen.
  • Muster­bot­schaft: «Wir rufen alle betrof­fe­nen Pro­duk­te sofort zurück und lei­sten den Kun­den voll­stän­di­gen Scha­den­er­satz. Zudem füh­ren wir eine neue, unab­hän­gi­ge Qua­li­täts­kon­trol­le ein, um Ihre Sicher­heit als unser Part­ner dau­er­haft zu garantieren.»

Coombs’ (SCCT) «Wenn-Dann»-Logik

  • Wenn (Ana­ly­se): Ein tech­ni­scher Pro­dukt­feh­ler gehört zum Acci­den­tal Clu­ster. Aber Ach­tung: Liegt eine nega­ti­ve Kri­sen­hi­sto­rie oder eine schlech­te Vor­be­zie­hung vor, greift der Vel­cro-Effekt: Die Kri­se eska­liert und wird wie eine ver­meid­ba­re Kri­se mit hoher Schuld­zu­wei­sung wahrgenommen.
  • Dann (emp­foh­le­ne Bot­schaft): Ohne Histo­rie: Dimi­nish-Stra­te­gien rei­chen aus. Mit Histo­rie: Das Unter­neh­men muss zwin­gend eine Rebuild-Stra­te­gie (Wie­der­auf­bau) wählen.
  • Muster­bot­schaft (mit Histo­rie): «Wir über­neh­men die vol­le Ver­ant­wor­tung für die­sen Feh­ler. Wir ent­schul­di­gen uns unein­ge­schränkt bei unse­ren Kun­den und bie­ten allen Betrof­fe­nen kosten­lo­sen Ersatz sowie eine finan­zi­el­le Ent­schä­di­gung an.»

Benoits (IRT) «Wenn-Dann»-Logik

  • Wenn (Ana­ly­se): Das Image der Pro­dukt­qua­li­tät und das Ver­trau­en der Kon­su­men­ten in die Zuver­läs­sig­keit der Mar­ke sind beschädigt.
  • Dann (emp­foh­le­ne Bot­schaft): Benoit emp­fiehlt eine Kom­bi­na­ti­on aus rhe­to­ri­scher Scha­dens­min­de­rung (Redu­cing Offen­si­ve­ness) und der akti­ven Ankün­di­gung von Kor­rek­tur­mass­nah­men (Cor­rec­ti­ve Action).
  • Muster­bot­schaft: «Wir bedau­ern die Unan­nehm­lich­kei­ten zutiefst und kom­pen­sie­ren jeden ent­stan­de­nen Scha­den. Wir haben den Feh­ler im Pro­duk­ti­ons­pro­zess bereits beho­ben und unse­re Stan­dards so ange­passt, dass die­ser Feh­ler in Zukunft aus­ge­schlos­sen ist.»

Szenario 3: Vorsätzlicher Verhaltensskandal (z. B. illegale Absprachen, Bestechung oder Gesetzesverstösse durch das Management)

Breitsohls «Wenn-Dann»-Logik

  • Wenn (Ana­ly­se): Ein Skan­dal (hohe Kon­trol­lier­bar­keit, mensch­li­che Ursa­che) zer­stört die regu­la­ti­ve Legi­ti­mi­tät (Geset­zes­kon­for­mi­tät) und die moralische/normative Legi­ti­mi­tät (ethi­sche Inte­gri­tät des Unter­neh­mens) fundamental.
  • Dann (emp­foh­le­ne Bot­schaft): Es müs­sen zwin­gend wert­schät­zen­de (app­re­cia­ti­ve) und sub­stan­zi­el­le akkom­mo­da­tive Stra­te­gien gewählt wer­den. Rein sym­bo­li­sche Ent­schul­di­gun­gen ohne tief­grei­fen­de struk­tu­rel­le Kon­se­quen­zen grei­fen zu kurz und scha­den dem Ver­trau­en.
  • Muster­bot­schaft: «Wir ver­ur­tei­len die­ses unethi­sche Ver­hal­ten aufs Schärf­ste und ent­schul­di­gen uns auf­rich­tig. Wir tren­nen uns mit sofor­ti­ger Wir­kung von den ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen und unter­wer­fen unse­re Com­pli­ance-Struk­tu­ren einer exter­nen, unab­hän­gi­gen Über­wa­chung, um die strik­te Ein­hal­tung aller Geset­ze lücken­los zu garantieren.»

Coombs’ (SCCT) «Wenn-Dann»-Logik

  • Wenn (Ana­ly­se): Der Skan­dal fällt in das Pre­ven­ta­ble Clu­ster (ver­meid­ba­re Kri­se). Die Stake­hol­der schrei­ben dem Unter­neh­men die vol­le, bewuss­te Ver­ant­wor­tung zu – die maxi­ma­le Reputationsbedrohung.
  • Dann (emp­foh­le­ne Bot­schaft): Das Unter­neh­men muss immer Rebuild-Stra­te­gien anwen­den. Zudem gilt ein strik­tes Misch­ver­bot: Ver­su­che, sich her­aus­zu­re­den (Dimi­nish) oder abzu­strei­ten (Deny), dür­fen unter kei­nen Umstän­den mit dem Wie­der­auf­bau gemischt wer­den, da dies jeg­li­che Glaub­wür­dig­keit vernichtet.
  • Muster­bot­schaft: «Wir über­neh­men die unein­ge­schränk­te Ver­ant­wor­tung für die­ses inak­zep­ta­ble Fehl­ver­hal­ten. Wir ent­schul­di­gen uns in aller Form bei der Öffent­lich­keit, lei­sten vol­le finan­zi­el­le Wie­der­gut­ma­chung und set­zen tief­grei­fen­de inter­ne Refor­men um.»

Benoits (IRT) «Wenn-Dann»-Logik

  • Wenn (Ana­ly­se): Die mora­li­sche Schuld des Unter­neh­mens liegt offen auf dem Tisch; das Anse­hen ist mora­lisch diskreditiert.
  • Dann (emp­foh­le­ne Bot­schaft): Benoit emp­fiehlt in die­sem Extrem­fall die rhe­to­ri­sche Stra­te­gie der Reue/Selbstbezichtigung (Mor­ti­fi­ca­ti­on) in direk­ter Kom­bi­na­ti­on mit weit­rei­chen­den Kor­rek­tur­mass­nah­men.
  • Muster­bot­schaft: «Wir schä­men uns für die­se Ver­feh­lun­gen, geste­hen unse­re Schuld rück­halt­los ein und bit­ten demü­tig um Ver­ge­bung. Wir set­zen ab heu­te dra­sti­sche orga­ni­sa­to­ri­sche Kor­rek­tur­mass­nah­men um, um sicher­zu­stel­len, dass ein sol­ches Fehl­ver­hal­ten in unse­rem Unter­neh­men nie wie­der vor­kom­men kann.»

Zusammenfassende Übersicht der «Wenn-Dann»-Logiken

Kri­sen­sze­na­rioBreit­sohl (Fokus: Legi­ti­mi­tät)Coombs (SCCT) (Fokus: Schuld & Attri­bu­ti­on)Benoit (IRT) (Fokus: Image-Rhe­to­rik)
Tech­ni­scher Unfall
(z. B. unver­schul­de­te Werksexplosion)
Wenn: Kogni­ti­ve Legi­ti­mi­tät bedroht.
Dann (Bot­schaft): Neu­tra­le Erklä­rung (Expl­ana­ti­on) zur Wie­der­her­stel­lung der Plausibilität.
Wenn: Unfall­kri­se (mode­ra­te Schuld).
Dann (Bot­schaft): Abschwä­chen (Dimi­nish) durch Aus­re­den (Excu­se).
Wenn: Image bedroht, aber unab­sicht­lich.
Dann (Bot­schaft): Plä­die­ren auf man­geln­de Kon­trol­le über die Situation.
Pro­dukt­feh­ler
(z. B. tech­ni­scher Defekt an Bauteil)
Wenn: Prag­ma­ti­sche Legi­ti­mi­tät beschä­digt.
Dann (Bot­schaft): Akkom­mo­da­tive Wie­der­gut­ma­chung (Resti­tu­ti­on) auf Transaktionsebene.
Wenn: Unfall­kri­se (mit Histo­rie = Eska­la­ti­on!).
Dann (Bot­schaft): Wie­der­auf­bau (Rebuild): vol­le Apo­lo­gie und Kompensation.
Wenn: Ver­trau­en der Kon­su­men­ten gefähr­det.
Dann (Bot­schaft): Scha­den kom­pen­sie­ren und Behe­bung zusa­gen (Cor­rec­ti­ve Action).
Ver­hal­tens­skan­dal
(z. B. Bestechung durch das Management)
Wenn: Regu­la­ti­ve & mora­li­sche Legi­ti­mi­tät bedroht.
Dann (Bot­schaft): Wert­schät­zen­de Ent­schul­di­gung gekop­pelt mit sub­stan­zi­el­len Taten (Divorce / Restruc­tu­ring).
Wenn: Ver­meid­ba­re Kri­se (vol­le Schuld).
Dann (Bot­schaft): Rebuild (Apo­lo­gie + Kom­pen­sa­ti­on). Strik­tes Mischverbot!
Wenn: Mora­li­sche Inte­gri­tät zer­stört.
Dann (Bot­schaft): Demü­ti­ges Schuld­ein­ge­ständ­nis (Mor­ti­fi­ca­ti­on) und radi­ka­le Korrekturmassnahmen.

Verhaltensmuster im Krisenverlauf: Empfehlungen aus der Praxis

In der Regel hält ein Unter­neh­men wäh­rend einer Kri­se nicht an einem Ver­hal­tens­mu­ster fest: Mit der Zuspit­zung der Kri­se wech­selt es die Posi­ti­on von aus­wei­chend bis hin zu anpas­send; in einer publi­zi­stisch-öffent­li­chen Liti­ga­ti­ons­kri­se wird es zu einer aner­ken­nen­den und anpas­sen­den Hal­tung ver­pflich­tet. Nach Armin Töp­fer (2014, S. 281 🔴 Voll­an­ga­be in Zote­ro nach­tra­gen) läuft die Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on ent­spre­chend schritt­wei­se ab: Unmit­tel­bar nach Kri­sen­ein­tritt soll­te sich das Unter­neh­men ent­schul­di­gen, die per­sön­li­che Betrof­fen­heit über all­fäl­li­ge Scha­dens­ein­wir­kun­gen bei Drit­ten aus­spre­chen und die unein­ge­schränk­te Auf­klä­rung des Kri­sen­falls samt Ursa­chen zusi­chern. Kon­kre­te Mass­nah­men zur Wie­der­gut­ma­chung – etwa Rück­ruf­ak­tio­nen – wer­den bekannt gemacht und auch umge­setzt. Par­al­lel dazu wer­den Kon­se­quen­zen für die Zukunft for­mu­liert, damit sich sol­che Kri­sen nicht wiederholen.

Verhalten bei offensichtlichem Fehlverhalten

Ableug­nen oder Abweh­ren kann kurz­fri­stig als Not­lö­sung gel­ten, ist jedoch län­ger­fri­stig eine schlech­te Stra­te­gie, da man über kurz oder lang damit rech­nen muss, dass die Wahr­heit ans Licht kommt. Die­se Reak­ti­on kann aller­dings in spe­zi­el­len Situa­tio­nen auf­grund wirt­schaft­li­cher oder recht­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen gerecht­fer­tigt sein: So hät­te etwa ein kate­go­ri­sches Zuge­ständ­nis der Tabak­in­du­strie, Rau­chen ver­ur­sa­che Krebs, in den 1960er- bis 1990er-Jah­ren eine Wel­le an Pro­duk­te­haft­pflicht­kla­gen aus­ge­löst, die für die Tabak­kon­zer­ne kata­stro­pha­le Fol­gen gehabt hätte.

Die Stra­te­gie der Schuld­zu­wei­sung an ande­re wird in Kri­sen infol­ge von Fehl­ver­hal­ten gern ein­ge­setzt, hat aber erfah­rungs­ge­mäss kur­ze Bei­ne, da die Wahr­heit in unse­rer Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft frü­her oder spä­ter ans Licht kommt. Ent­wickelt sich dar­aus ein nach­hal­ti­ger Streit um Schuld und Ver­ant­wor­tung, ist dies für die Repu­ta­ti­on in jedem Fall abträg­lich – unab­hän­gig davon, ob das Unter­neh­men Recht erhält oder nicht (typisch: der Skan­dal des Hed­wig-Kran­ken­hau­ses in Ber­lin, 2007). Sol­che Schuld­ab­wei­sun­gen sind in der aku­ten publi­zi­stisch-öffent­li­chen Kri­sen­si­tua­ti­on höchst gefähr­lich, da sie erstens den Miss­stand bestä­ti­gen und zwei­tens den Ein­druck hin­ter­las­sen, man wol­le die Ver­ant­wor­tung abschie­ben; Chan­cen haben sie nur, wenn die Unschuld klar bewie­sen wer­den kann und die Aus­sa­ge erst in der Pha­se der abklin­gen­den Kri­se ein­ge­bracht wird.

Ana­log zur Réduit-Stra­te­gie kann das schwei­gen­de Abwar­ten gerecht­fer­tigt sein, wenn noch nicht ein­deu­tig erwie­sen ist, wer den Miss­stand ver­ur­sacht hat und wie gra­vie­rend er für die Betrof­fe­nen ist – oder wenn die Kri­se erkenn­bar am Abklin­gen ist und ein Kom­men­tar unnö­tig Öl ins Feu­er gies­sen würde.

Die Ankün­di­gung von Kor­rek­tu­ren, Ver­bes­se­run­gen oder ins­künf­ti­gem Unter­las­sen ist in den mei­sten Fäl­len ange­mes­sen, wenn das Unter­neh­men als schul­di­ge Instanz dar­ge­stellt und wahr­ge­nom­men wird. Das Prin­zip der öffent­li­chen Ent­schul­di­gung erleich­tert die Dis­kus­si­on und ermög­licht eine nach vorn gerich­te­te Infor­ma­ti­ons­ar­beit: «In psy­cho­lo­gi­schen Expe­ri­men­ten wur­de nach­ge­wie­sen, dass Per­so­nen, die sich bei den ande­ren ent­schul­di­gen, von die­sen posi­ti­ver bewer­tet wer­den.» (Homu­th, 1997, S. 13, in Anleh­nung an Furcher, 1996, S. 21, und Piwinger/Niehüser, 1991, S. 26 🔴 Voll­an­ga­ben in Zote­ro nach­tra­gen) Über Ent­schul­di­gungs­stra­te­gien lie­gen inzwi­schen vie­le Unter­su­chungs­er­geb­nis­se vor, die unter der Bot­schafts­stra­te­gie «Schuld ein­ge­ste­hen, um Ver­ge­bung bit­ten» behan­delt werden.

Bei pro­ble­ma­ti­schen Zustän­den infol­ge von offen­sicht­li­chem oder ver­mu­te­tem Fehl­ver­hal­ten, die in den Medi­en publik wer­den, emp­fiehlt es sich, die Wahr­heit früh­zei­tig auf den Tisch zu legen – falls dies nicht mög­lich ist, zu ver­si­chern, dass nach den Ursa­chen gesucht wird. Denn: Die Wahr­schein­lich­keit ist gross, dass die Wahr­heit frü­her oder spä­ter ans Licht kommt, da die Medi­en recher­chie­ren. Und ver­mu­te­te Ver­schul­dun­gen sind der beste Nähr­bo­den für Gerüch­te und Spe­ku­la­tio­nen, über die so lan­ge öffent­lich dis­ku­tiert wird, bis die Wahr­heit ans Licht kommt – oder schlim­mer: bis eine Spe­ku­la­ti­on unab­hän­gig von ihrem Wahr­heits­wert in der Öffent­lich­keit als Wahr­heit akzep­tiert wird.

Verhalten bei fehlerhaften Produkten

Das­sel­be trifft bei man­gel­haf­ten Pro­duk­ten oder schlech­ten Dienst­lei­stun­gen zu, die sich in der Regel auf Fehl­ver­hal­ten zurück­füh­ren las­sen. Aller­dings ist hier die Schuld­fra­ge von zweit­ran­gi­ger Bedeu­tung; zen­tral sind die Glaub­wür­dig­keit des Unter­neh­mens und das Ver­trau­en der Kund­schaft in Pro­dukt oder Dienst­lei­stung. Wie beim Fehl­ver­hal­ten sind kon­ti­nu­ier­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on und Trans­pa­renz die Erfolgs­fak­to­ren: «Nur wer in sei­ner Unter­neh­mens­stra­te­gie den Umgang mit eige­nen Feh­lern kodi­fi­ziert, sich zu ihnen bekennt und dies an 356 Tagen im Jahr umsetzt, behält sei­ne Glaub­wür­dig­keit auch in har­ten Zei­ten. Hier hel­fen kei­ne schlag­licht­ar­ti­ge, reak­ti­ve Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on, kein hart­näcki­ges Ver­nei­nen offen­kun­di­ger Fehl­ent­wick­lun­gen und kein tem­po­rä­rer Ein­satz exter­ner Inter­ven­ti­ons­teams.» (Stein­ke, 2014, S. 19)

Wann immer mög­lich soll­te der Miss­stand auf der Pro­blem­ebe­ne so schnell wie mög­lich kor­ri­giert und dies auch publi­ziert wer­den. Ent­schei­dend ist, dass die Öffent­lich­keit die­ses Ver­hal­ten als ernst gemein­tes Bemü­hen akzep­tiert – sol­che Mass­nah­men kön­nen selbst dann gerecht­fer­tigt sein, wenn sie rea­li­ter wenig zur Pro­blem­lö­sung bei­tra­gen (bekannt: die Abwrackung von Brent Spar auf Druck von Green­peace, die Rück­ruf­ak­ti­on von Mer­ce­des-Benz nach dem miss­lun­ge­nen Elch­test der A‑Klasse). Rück­ruf­ak­tio­nen in der Kon­sum­gü­ter­bran­che gel­ten – wenn auch kosten­in­ten­siv – als effek­ti­ve Mass­nah­men bei bekannt gewor­de­nen Pro­dukt­feh­lern: Sie wer­den von den Medi­en posi­tiv auf­ge­nom­men und stel­len das Ver­trau­en der Kund­schaft wie­der her; die Rück­ruf­ak­ti­on nach dem Elch­test-Deba­kel trug zum posi­ti­ven Geschäfts­ver­lauf von Daim­ler-Benz bei, weni­ger spek­ta­ku­lär ver­lief die BMW-Rück­ruf­ak­ti­on 2007 wegen feh­ler­haf­ter Motor­rad-Brems­sy­ste­me. Rück­ru­fe kön­nen aber auch gericht­lich ver­ord­net wer­den – pro­ble­ma­tisch, wenn die Kosten das Unter­neh­men in die Insol­venz trei­ben: So muss­te die japa­ni­sche Auto­zu­lie­fe­rin Taka­ta 2017 infol­ge der Rück­ruf­ak­tio­nen defek­ter Air­bags Insol­venz anmel­den. In sol­chen Fäl­len ist die Rück­ruf­ak­ti­on kei­ne Mass­nah­me gegen die Kri­se, son­dern ein zusätz­li­cher Krisentreiber.

Einordnung in die übergreifenden Theorien der Krisenkommunikation

Die bis­her ver­gli­che­nen Model­le bestim­men, wel­che Bot­schaft in wel­cher Lage trag­fä­hig ist. Sie ste­hen jedoch in einem grös­se­ren theo­re­ti­schen Feld, das jeweils ande­re Fra­gen beant­wor­tet: war­um Publi­ka über­haupt Ver­ant­wor­tung zuschrei­ben, wel­che Emo­tio­nen dar­aus ent­ste­hen, über wel­che Kanä­le die Bot­schaft läuft und was nach der Kri­se geschieht. Die fol­gen­de Syn­the­se ord­net die sie­ben für das KMK-System tra­gen­den Theo­rien; die voll­stän­di­gen Bele­ge ste­hen jeweils im ver­link­ten Einzeleintrag.

Theo­rieHaupt­fo­kusPer­spek­ti­veRol­le des Sen­dersVor­den­ker
Cor­po­ra­te Apo­lo­gia und Image Repair (rhe­to­ri­sche Tradition)Rhe­to­ri­sche Selbst­ver­tei­di­gung; Wie­der­her­stel­lung der sozia­len und mora­li­schen LegitimitätRetro­spek­tiv, absenderzentriertRitu­ell: Die Füh­rung tritt in den «öffent­li­chen Beichtstuhl»Ware & Lin­ku­gel; Hea­rit; Benoit
Attri­bu­ti­ons­theo­rieUrsa­chen- und Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung durch das Publi­kum und die dar­aus fol­gen­den EmotionenKogni­tiv-affek­tiv, publi­kums­zen­triert; erklä­rend statt präskriptivIndi­rekt: Die Zuschrei­bung lässt sich nur über Fak­ten­la­ge und Framing beeinflussenHei­der; Wei­ner; Kelley
SCCTZuord­nung von Ant­wort­stra­te­gien zur zuge­schrie­be­nen KrisenverantwortungRetro­spek­tiv, repu­ta­ti­ons­zen­triert, attributionsbasiertSteu­ernd: Stra­te­gie­wahl nach ClusterlageCoombs; Holl­aday
Kon­tin­genz­theo­riePosi­ti­on der Orga­ni­sa­ti­on auf dem Kon­ti­nu­um zwi­schen Advo­ca­cy und AccommodationSitua­tiv-dyna­misch, organisationsinternAbwä­gend: Die Hal­tung wird lau­fend neu justiertCame­ron; Can­cel, Sal­lot & Mit­rook; Pang
Dis­cour­se of RenewalOrga­ni­sa­tio­na­les Ler­nen, Erneue­rung und Wie­der­auf­bau nach der Kri­sePro­spek­tiv, wertebasiertVisio­när: Die Füh­rung stif­tet Sinn und lebt Wer­te vorUlmer, Sell­now & See­ger; Lippitt
Inte­gra­ted Cri­sis MappingDomi­nan­te Emo­tio­nen der Publi­ka auf zwei Kon­ti­nua (orga­ni­sa­tio­na­les Enga­ge­ment, Bewältigungsstrategie)Emo­ti­ons­zen­triert, publikumsgetriebenEmpa­thisch-han­delnd: emo­tio­na­le Vali­die­rung plus ope­ra­ti­ves VersprechenJin, Pang & Came­ron; Lazarus
SMCCInfor­ma­ti­ons­strö­me, Kanal­wahl und Publi­kums­seg­men­te im digi­ta­len ÖkosystemNetz­werk­ori­en­tiert, dezentralPar­ti­zi­pa­tiv: ein Akteur unter vie­len, mode­rie­rend statt verlautbarendJin, Liu & Austin
Die rhe­to­ri­sche Tra­di­ti­on ist zusam­men­ge­fasst, weil Benoits Image Repair Theo­ry aus der Apo­lo­gia-For­schung her­vor­ge­gan­gen ist; auf der Ebe­ne der Bot­schafts­stra­te­gien wer­den bei­de oben getrennt behandelt.

Für die prak­ti­sche Arbeit ent­schei­dend ist die zwei­te Ebe­ne: Unter wel­chen Bedin­gun­gen greift wel­che Theo­rie, und was folgt daraus?

Theo­rie«Wenn»: Bedin­gun­gen«Dann»: Stra­te­gienGren­zen
Cor­po­ra­te Apo­lo­gia und Image RepairVor­wurf halt­los oder unbe­wie­sen · Vor­fall als Ein­zel­fall ohne System­be­zug · Ver­ant­wor­tung belegt und mora­lisch eindeutigDeni­al nur bei beleg­ba­rer Nicht­ver­ant­wor­tung · Dif­fe­ren­tia­ti­on beim Ein­zel­fall · Mor­ti­fi­ca­ti­on und Kom­pen­sa­ti­on bei beleg­ter VerantwortungDecou­pling: ritu­el­le Ent­schul­di­gung ohne struk­tu­rel­le Kon­se­quenz · Haf­tungs-Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Para­do­xon · stark US-geprägt
Attri­bu­ti­ons­theo­rieKova­ria­ti­on: Kon­sen­sus, Kon­si­stenz, Distinkt­heit · Ursa­chen­di­men­sio­nen Lokus, Sta­bi­li­tät, KontrollierbarkeitIntern und kon­trol­lier­bar attri­bu­iert → Wut → Bestra­fungs­ver­hal­ten · unkon­trol­lier­bar → Sym­pa­thie → Nach­sicht. Kom­mu­ni­ka­ti­on muss an der wahr­ge­nom­me­nen Kon­trol­lier­bar­keit ansetzenErklärt Wir­kun­gen, lie­fert selbst kei­ne Stra­te­gien · fun­da­men­ta­ler Attri­bu­ti­ons­feh­ler und selbst­wert­dien­li­che Ver­zer­rung ver­zer­ren bei­de Seiten
SCCTClu­ster Vic­tim / Acci­den­tal / Pre­ven­ta­ble · ver­stär­kend: Kri­sen­hi­sto­rie und BeziehungsreputationDeny bei Vic­tim · Dimi­nish bei Acci­den­tal · Rebuild bei Pre­ven­ta­ble · Ins­truc­ting und Adju­sting Infor­ma­ti­on in jedem Fall zuerstRatio­na­li­stisch; Emo­tio­nen nur als Neben­pfad · kaum Aus­sa­gen zu Kanal, Dia­log und Zeitverlauf
Kon­tin­genz­theo­rieRund 87 Ein­fluss­va­ria­blen in drei Grup­pen: prä­dis­po­nie­rend, situa­tio­nal, proskriptivKei­ne all­ge­mein beste Stra­te­gie · proskrip­ti­ve Varia­blen (Recht, Regu­lie­rung, mora­li­sche Über­zeu­gung) kön­nen Akkom­mo­da­ti­on ganz ausschliessenHohe Varia­blen­zahl erschwert die Ope­ra­tio­na­li­sie­rung · deskrip­tiv stark, pro­gno­stisch schwach
Dis­cour­se of RenewalKumu­la­tiv: ethi­sches Fun­da­ment vor der Kri­se · star­ke Stake­hol­der­be­zie­hun­gen · extern oder unver­schul­det ver­ur­sacht · lern­be­rei­te FührungPro­spek­tiv kom­mu­ni­zie­ren: Wie­der­auf­bau, Wer­te und Chan­cen statt Schuld­ab­wehr · recht­li­che und mone­tä­re Fra­gen zügig klä­ren, damit sie nicht blockierenBei Eigen­ver­schul­den unbrauch­bar · Span­nung zum Haf­tungs­recht · der Refe­renz­fall Mal­den Mills ende­te öko­no­misch im Konkurs
Inte­gra­ted Cri­sis MappingQua­dran­ten­la­ge aus Enga­ge­ment und Coping · Angst als Default-Emo­ti­on · kogni­ti­ves Coping geht dem kona­ti­ven vorausWut → vol­le Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me · Angst → Instruk­ti­on und Sicher­heits­zu­sa­ge · Trau­er → Empa­thie vor Sach­in­for­ma­ti­on · Emo-Action Lan­guage statt Qua­li­fi­ed Rhetoric-MixKlei­ne US-Stich­pro­ben, Qua­drant 4 schwach belegt · kul­tu­rel­le Varia­ti­on · weni­ger trenn­schar­fe Stra­te­gie­zu­ord­nung als die SCCT
SMCCKanal des Kri­sen­ur­sprungs · Kanal-Kom­ple­men­ta­ri­tät · Seg­men­te Crea­tors, Fol­lo­wers, Inac­ti­ves · Quel­le: Orga­ni­sa­ti­on oder DritteIm Kanal des Ursprungs reagie­ren – ohne die tra­di­tio­nel­len Medi­en zu ver­nach­läs­si­gen, die empi­risch höhe­re Bot­schafts­ak­zep­tanz erzie­len · Dia­log mit Crea­tors · unter­stüt­zen­de Bot­schaf­ten über glaub­wür­di­ge DritteRes­sour­cen­in­ten­siv · Echt­zeit­druck kol­li­diert mit Frei­ga­be­pro­zes­sen · kul­tur- und platt­form­ab­hän­gig · Algo­rith­men und syn­the­ti­sche Inhal­te nicht abgebildet

Die Theo­rien kon­kur­rie­ren weni­ger, als es die Gegen­über­stel­lung nahe­legt – sie arbei­ten auf ver­schie­de­nen Ebe­nen und in ver­schie­de­nen Pha­sen. Die Attri­bu­ti­ons­theo­rie lie­fert das Wir­kungs­mo­dell, auf dem SCCT und Apo­lo­gia auf­set­zen. Die SCCT bestimmt, wel­che Stra­te­gie zuläs­sig ist, das ICM, in wel­cher Tona­li­tät sie for­mu­liert wer­den muss, und das SMCC, über wel­chen Kanal und durch wen sie aus­ge­spro­chen wird. Die Kon­tin­genz­theo­rie erklärt, wes­halb die theo­re­tisch rich­ti­ge Stra­te­gie an inter­nen Wider­stän­den schei­tern kann, und der Dis­cour­se of Rene­wal über­nimmt dort, wo die Ver­tei­di­gung endet und der Wie­der­auf­bau beginnt. Erst in die­ser Staf­fe­lung ergibt sich eine voll­stän­di­ge Wenn-Dann-Logik – von der Zuschrei­bung über die Stra­te­gie­wahl und die Tona­li­tät bis zur Kanal­ent­schei­dung und zur Nachkrisenphase.

Vierstufiges Schema der Theorienstaffelung: Lagebeurteilung, Strategiewahl, Ausführung, Nach der Krise – mit den jeweils zuständigen Theorien und ihren Leitfragen.
Die Staf­fe­lung der Theo­rien ent­lang der Leit­fra­gen des Kri­sen­ver­laufs. Dar­stel­lung krisenkom.ch.

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Die Ana­ly­se der Bot­schafts­stra­te­gie ist Kern­be­stand­teil der Fall­ana­ly­se: Sie macht sicht­bar, wel­che Stra­te­gien eine Orga­ni­sa­ti­on im Kri­sen­ver­lauf tat­säch­lich ein­ge­setzt hat, und erlaubt – im Abgleich mit Kri­sen­rol­le und Kon­text – die Beur­tei­lung, ob die Stra­te­gie­wahl situa­ti­ons­ge­recht war. Der Modell­ver­gleich zeigt dabei: In vie­len Situa­tio­nen kon­ver­gie­ren die Emp­feh­lun­gen (etwa beim Skan­dal: sub­stan­zi­el­le Wie­der­gut­ma­chung statt blos­ser Wor­te), in ande­ren set­zen die Model­le unter­schied­li­che Akzen­te – Breit­sohl fragt nach der ver­letz­ten Legi­ti­mi­täts­di­men­si­on, Coombs nach der zuge­schrie­be­nen Schuld, Benoit nach der rhe­to­risch wirk­sam­sten Ver­tei­di­gung. Im KMK-System flies­sen alle drei Per­spek­ti­ven in das Codier­set der Bot­schafts­stra­te­gien (FRAMI) und in die Wenn-Dann-Regeln der Stra­te­gie­ent­wick­lung (EVI) ein.

Literatur

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See­ger, M. W., & Ulmer, R. R. (2002). A post-cri­sis dis­cour­se of rene­wal: The cases of Mal­den Mills and Cole Hard­woods. Jour­nal of Applied Com­mu­ni­ca­ti­on Rese­arch, 30(2), 126–142. https://doi.org/10.1080/00909880216578
Stein­ke, L. (2014). Bedie­nungs­an­lei­tung für den Shits­torm: Wie gute Kom­mu­ni­ka­ti­on die Wut der Mas­se bricht. Sprin­ger Fach­me­di­en.
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Wei­ner, B. (1986). An attri­bu­tio­nal theo­ry of moti­va­ti­on and emo­ti­on. Sprin­ger.