Version 2.0 · Stand: 25.09.2026 · Massgebliche Fassung für KMK-Analysen (KI-Abruf)
Kennung RS-B1 · Regal III Repertoire und Doktrin. Diese Seite ist die massgebliche Fassung des Botschaftsstrategien-Sets im KMK-Analysesystem. Sie führt achtunddreissig Strategien in sechs Gruppen, jede mit Kurzdefinition, Beispielformulierung und – wo eine Entsprechung besteht – der Zuordnung zur SCCT. EVI verwendet sie als Strategierepertoire. Welche Strategie situativ angezeigt ist, entscheidet nicht diese Seite, sondern das Wenn-Dann-Regelwerk (RW-R2) zusammen mit der SCCT. Die Gruppierung folgt Band 5 des Handbuchs.
Aufbau und Lesart
Jede Zeile beschreibt eine Strategie in sechs Spalten: Strategie-Code des KMK-Systems, die entsprechende SCCT-Strategie, deren Cluster, ein Memo als Kurzdefinition, eine Beispielformulierung und der Verweis auf den Enzyklopädie-Eintrag. Die Codierregel steht am Kopf jeder Gruppe, weil sie innerhalb einer Gruppe nicht variiert.
Die Arbeitsteilung zwischen Regelwerk und Repertoire ist genau: RW-R2 führt von der Zuschreibung zum Cluster, diese Seite vom Cluster zur ausformulierten Strategie. Die Clusterspalte ist die Fuge zwischen beiden und deshalb für jede Zeile besetzt. Sie führt sechs Werte:
| Wert | Bedeutung |
|---|---|
Denial (Verleugnung) | SCCT-Cluster: Zurückweisung von Verantwortung |
Diminish (Mindern) | SCCT-Cluster: Minderung von Verantwortung oder Schaden |
Rebuild (Wiederherstellung) | SCCT-Cluster: Zugeständnis und Wiederaufbau |
Bolstering (Stärkung) | SCCT-Cluster: flankierende Stärkung, nie allein einzusetzen |
Basisreaktion (instructing und adjusting) | Kein Cluster: bei Coombs die in jeder Krise geschuldete Grundreaktion |
kein SCCT-Cluster | Keine Entsprechung in der SCCT – kommunikative Grundhaltung und der grösste Teil der emotionalen Rahmung |
Achtung: Ein leeres Feld in der Spalte SCCT-Strategie bedeutet nicht, dass keine Zuordnung möglich wäre. Coombs führt nur neun benannte Strategien; die übrigen KMK-Codes sind über den Cluster angeschlossen, nicht über eine Einzelstrategie. Die Kontraindikation
STR-K1aus RW-R2 gilt unabhängig davon: Bei geringer oder starker Zuschreibung sind Deny-Strategien ausgeschlossen, und zwar nicht abwägbar.
Kommunikationsstrategie
Die kommunikative Grundhaltung der Organisation: ob, wie offen und mit welchem Verantwortungsanspruch überhaupt kommuniziert wird.
Codierregel für diese Gruppe: nur eine Strategie pro Textelement.
| Nr. · Strategie-Code | SCCT-Strategie | Cluster | Memo | Beispiel | Enzyklopädie |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 · Proaktive Kommunikation | — | kein SCCT-Cluster | Frühzeitiges, aktives Kommunizieren gegenüber Öffentlichkeit/Medien. | Wir möchten die Öffentlichkeit sofort umfassend informieren. | Grundmuster: proaktive Informationsstrategie |
| 2 · Zurückhaltende Kommunikation | — | kein SCCT-Cluster | Defensive, selektive Kommunikation, nur das Notwendigste wird kommuniziert. | Wir nehmen zur laufenden Untersuchung keine Stellung. | Grundmuster: verhaltene Informationspolitik |
| 3 · Réduit-Strategie | — | kein SCCT-Cluster | Fokus auf einen engen Kreis von Stakeholdern; Öffentlichkeit weitgehend ausschliessen. Abwarten | Wir richten uns mit weiteren Informationen ausschliesslich an unsere Partner. | Grundmuster: Réduit-Strategie |
| 4 · Ablenkung | — | kein SCCT-Cluster | Kommunikative Strategie, die gezielt die Aufmerksamkeit von der Krise weg auf andere Themen lenkt (z. B. durch neue Themen oder Nachrichten). | Wir möchten an dieser Stelle auch unsere neue Umweltinitiative vorstellen. | Grundmuster: Ablenkung |
| 5 · No-Comment-Strategie | — | kein SCCT-Cluster | Aktives Schweigen; keine Auskunft gegenüber Medien/Öffentlichkeit. | Kein Kommentar zur aktuellen Situation. | Grundmuster: No-Comment-Strategie |
| 6 · Verantwortungsübernahme | — | Rebuild (Wiederherstellung) | Die Organisation übernimmt Verantwortung für die Krise ohne Ausflüchte oder Schuldabwehr. | Wir tragen die volle Verantwortung für das, was geschehen ist. | Verantwortungsübernahme |
| 8 · Rechtfertigung | Justification | Diminish (Mindern) | Die Organisation rechtfertigt ihr Handeln, etwa durch Verweis auf höhere Ziele oder auf Nichtwissen. | Wir haben nach bestem Wissen und im Interesse der Sicherheit gehandelt. | sich rechtfertigen (gute Absichten) |
Sofortkommunikation nach Krisenausbruch
Was in den ersten Stunden geschuldet ist. Diese Gruppe entspricht bei Coombs der Basisreaktion aus instructing und adjusting information und ist in jeder Krise angezeigt, unabhängig vom Krisentyp.
Codierregel für diese Gruppe: Mehrfachcodierung erlaubt.
| Nr. · Strategie-Code | SCCT-Strategie | Cluster | Memo | Beispiel | Enzyklopädie |
|---|---|---|---|---|---|
| 9 · Empathie und Betroffenheit zeigen | — | Basisreaktion (instructing und adjusting) | Ausdruck von Empathie für Betroffene / Opfer. | Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Betroffenen und ihren Familien. | Empathievermittlung (Mitgefühl zeigen) |
| 10 · Überprüfbare Fakten kommunizieren | — | Basisreaktion (instructing und adjusting) | Klare, belegbare Informationen zum Vorfall bereitstellen. | Der Vorfall ereignete sich um 12:00 Uhr, es gab drei Verletzte. | Instructing und Adjusting Information |
| 11 · Verhaltensempfehlungen geben | — | Basisreaktion (instructing und adjusting) | Praktische Hinweise zur Schadensbegrenzung oder Sicherheit. | Bitte meiden Sie das betroffene Gebiet aus Sicherheitsgründen. | Instructing und Adjusting Information |
| 12 · Kontakt- und Dialogangebote | — | Basisreaktion (instructing und adjusting) | Informationen zu Hotlines, Pressekonferenzen, Dark Site etc. | Weitere Informationen finden Sie auf unserer Krisenwebseite. | Dark Site |
| 13 · Transparenz zeigen | — | Basisreaktion (instructing und adjusting) | Hinweis auf umfassende, ehrliche Aufklärung und vollständige Information. | Wir werden den Vorfall lückenlos und transparent untersuchen. | Transparenz zeigen |
Deskriptives Framing
Wie Ursache und Schaden dargestellt werden – der Anspruch auf Wahrheit.
Codierregel für diese Gruppe: Mehrfachcodierung erlaubt.
| Nr. · Strategie-Code | SCCT-Strategie | Cluster | Memo | Beispiel | Enzyklopädie |
|---|---|---|---|---|---|
| 14 · Problem abstreiten / verleugnen | Denial | Denial (Verleugnung) | Die Organisation bestreitet, dass der Sachverhalt besteht oder das ihm zugeschriebene Ausmass hat. Die Frage der Verantwortung stellt sich damit nicht – sie wird in Zeile 23 geführt. | An der Darstellung ist nichts dran. Einen solchen Vorfall hat es nicht gegeben. | Problemexistenz abstreiten, verleugnen |
| 15 · Problem relativieren | — | Diminish (Mindern) | Verharmlosen durch Vergleiche oder Kontextualisierung. | Im Vergleich zu ähnlichen Fällen ist der Schaden gering. | Problem relativieren |
| 16 · Externe sachliche Ursachen betonen (Umwelt) | Excuse | Diminish (Mindern) | Naturereignisse, externe Faktoren als Hauptursache. | Das Hochwasser war der Auslöser für den Produktionsausfall. | Problemursache auf äussere Umstände zurückführen |
| 17 · als Angriff von Aussen darstellen (Fehlverhalten extern) | — | Denial (Verleugnung) | Das Problem als Angriff (z. B. Sabotage) rahmen. | Es handelt sich um einen externen Cyberangriff. | Problem auf Angriff von Aussen zurückführen |
| 18 · als Interner Unfall / Störung (Zufall) darstellen | — | Diminish (Mindern) | Darstellung als interner technischer Fehler oder Unfall. | Ein technischer Defekt führte zum Stromausfall. | Problem als internen Unfall oder interne Störung darstellen (begründen) |
| 19 · internen Fehler als Ursache benennen (Ursache intern) | — | kein SCCT-Cluster | Ursache in internem Handeln oder Entscheiden benennen, ohne die handelnden Personen moralisch verantwortlich zu machen; die Organisation bleibt Absender der Aussage. | Eine Fehlberechnung in der Planung hat zur Verzögerung geführt. | Problem auf Fehlverhalten von Mitarbeitern zurückführen |
| 20 · auf spätere Ursachenaufklärung vertrösten | — | Basisreaktion (instructing und adjusting) | Hinweis auf laufende Untersuchungen, keine Details. | Wir klären die Ursachen aktuell und werden informieren. | Vertrösten |
| 21 · Schaden verharmlosen, relativieren | Justification | Diminish (Mindern) | Folgen werden heruntergespielt. | Der finanzielle Schaden ist marginal. | Schaden verharmlosen |
| 22 · sich selbst als Opfer darstellen | Victimage | Bolstering (Stärkung) | Das Unternehmen als geschädigte Partei inszenieren. | Auch wir sind Opfer der Ereignisse. | Unternehmen als Opfer darstellen |
Hinweis: Wahl innerhalb der Diminish-Familie bei minimaler Zuschreibung. Wird eine Opferkrise über die Attributionsverstärker auf Diminish gehoben (RW-R2,
STR-R21oderSTR-R22), ist die Ausprägung nicht frei. Zulässig ist Zeile 16, externe sachliche Ursachen betonen: Die Ursache liegt nachweislich ausserhalb der Organisation, und sie zu benennen verlangt weder ein Schuldeingeständnis noch eine Schuldzuweisung an Dritte. Nicht zulässig sind Zeile 15, das Problem relativieren, und Zeile 21, den Schaden verharmlosen, solange die Organisation selbst Abwehrmassnahmen ankündigt oder Mitarbeitende, Partner oder Kundschaft betroffen sind. Wer den Schaden kleinredet und zugleich alle Mittel dagegen ankündigt, widerspricht sich selbst und öffnet den Heuchel-Frame, denSTR-R36beschreibt. Die Reihenfolge nachSTR-R61bleibt: erst Instruktion, dann Deskription. Die Regel ist aus einem einzigen Fall abgeleitet (Nestlé / Zwangsverwaltung Russland, 2026), beruht auf der Kohärenzlogik des KMK-Regelwerks, nicht auf Coombs, und gilt vorerst nur für diese Lage 🔴 EST. Ob sie auch bei Unfallkrisen mit laufenden Abwehrmassnahmen trägt, ist nicht geprüft. NEU 23.09.2026
Hinweis: Abgrenzung der Zeilen 18, 19 und 27. Zeile 18 führt das Problem auf einen technischen Defekt oder Zufall zurück, Zeile 19 auf internes Handeln oder Entscheiden. Beide beschreiben eine Ursache, keine Schuld; die Frage der Verantwortung gehört zum normativen Framing. Codiert wird nach drei Prüffragen: (1) Wird die handelnde Person bewertet oder sanktioniert, oder grenzt sich die Organisation von ihr ab – «ein Mitarbeiter ist schuld», «wurde freigestellt»? Dann ist es Zeile 27. (2) Übernimmt die Organisation für den Fehler Verantwortung oder entschuldigt sie sich? Dann zusätzlich Zeile 6 oder 24. (3) Wird nur die interne Ursache genannt, und die Organisation bleibt Absender der Aussage? Dann ist es Zeile 19. Zeile 19 trägt keinen SCCT-Cluster: Anders als bei Zeile 16 senkt eine interne Ursache die Verantwortungszuschreibung nicht, sie hebt sie eher – menschliches Versagen verschiebt eine Krise in den Cluster Preventable (MI-01, Schritt 5b). Wer eine interne Ursache nennt, ohne anschliessend Verantwortung zu übernehmen (Zeile 6 oder 24), gibt damit ein halbes Eingeständnis ab. 🔴 EST
Hinweis: Zeile 20 und Zeile 28. Der Hinweis auf eine laufende Abklärung ist Information zur Bewältigung der Lage, ob die abklärende Instanz benannt wird (Zeile 28) oder nicht (Zeile 20). Beide Zeilen gehören deshalb zur Basisreaktion (Coombs, 2007, adjusting information). Zeile 28 ist die bestimmtere Form: Sie nennt ein Gremium und verpflichtet die Organisation auf dessen Ergebnis.
Normatives Framing
Wie die Verantwortungsfrage beantwortet wird – der Anspruch auf Richtigkeit.
Codierregel für diese Gruppe: Mehrfachcodierung erlaubt.
| Nr. · Strategie-Code | SCCT-Strategie | Cluster | Memo | Beispiel | Enzyklopädie |
|---|---|---|---|---|---|
| 23 · Schuld zurückweisen, Verantwortung bestreiten | Denial | Denial (Verleugnung) | Die Organisation bestreitet die eigene Verantwortung für einen Sachverhalt, dessen Bestehen sie nicht in Abrede stellt. Sie benennt keinen Ersatzverantwortlichen und führt keine entlastende Ursache an. | Die Vorwürfe gegen uns sind unbegründet. Mit diesem Vorfall haben wir nichts zu tun. | Schuld zurückweisen, abstreiten |
| 24 · Mitschuld eingestehen (Fahrlässigkeit) | — | Diminish (Mindern) | Organisation hätte das Problem vermeiden können. | Die Firma ignorierte jahrelang Warnungen der Fachabteilung. | Mitschuld eingestehen (Fahrlässigkeit) |
| 25 · Hauptschuld eingestehen (Kniefall) | Apology (Entschuldigung) | Rebuild (Wiederherstellung) | Der Schaden wurde absichtlich oder grob fahrlässig herbeigeführt. | Die Manipulation von Abgaswerten war ein bewusster Täuschungsversuch. | Schuld eingestehen, um Vergebung bitten |
| 26 · gezielte Schuldumkehr (externen Gegner/Angreifer beschuldigen) | Scapegoat | Denial (Verleugnung) | Verantwortlichkeit nach aussen verschieben; Schuldabwehr | Die eigentliche Ursache liegt bei den internationalen Zulieferern. | andere organisationsexterne (Gegner/Konkurrenten) beschuldigen (“externe Sündenbockstrategie”) |
| 27 · interne Mitarbeiter, das Management beschuldigen | Scapegoating | Denial (Verleugnung) | Verantwortung nach Innen abgeben; Schuldabwehr nach innen | Ein Mitarbeiter ist schuld | organisationsinterne Organe/Personen beschuldigen (verantwortlich machen) (“Sündenbock” intern) |
| 28 · über Gremium zur Abklärung der Verantwortlichkeitsfrage informieren | — | Basisreaktion (instructing und adjusting) | Verweis auf externe/unabhängige Untersuchung, Betonung von Transparenz | Wir haben eine Expertenkommission eingesetzt, um die Vorgänge aufzuarbeiten. | über ein Gremium zur Abklärung informieren |
| 29 · über Wiedergutmachungsaktionen, Entschädigung von Opfern informieren | Compensation | Rebuild (Wiederherstellung) | Signal der Verantwortung und Verantwortungsübernahme | Wir werden alle Betroffenen schnell und unbürokratisch entschädigen. | Opfer entschädigen und über Wiedergutmachung informieren |
| 30 · über technisch / wirtschaftliche Massnahmen informieren | — | Rebuild (Wiederherstellung) | Fokus auf sachliche Aufgaben zur Schadensbegrenzung. | Wir haben bereits ein neues Sicherheitssystem installiert. | über Problemlösungsmassnahmen informieren |
Abgrenzung der Zeile 23
Zeile 23 codieren, wenn die Aussage die Zurechnung bestreitet und den Sachverhalt selbst unbestritten lässt: Der Mangel, der Vorfall, der Schaden wird nicht geleugnet – die Verbindung zur Organisation wird geleugnet.
- Gegen Zeile 14 (Problem abstreiten / verleugnen): Zeile 14 bestreitet, dass der Sachverhalt besteht oder das behauptete Ausmass hat («Es gab keinen Austritt»). Zeile 23 bestreitet die eigene Verantwortung dafür («Der Austritt stammt nicht aus unserer Anlage»). Trägt eine Botschaft beides nacheinander vor, werden beide Zeilen codiert – die Aussagen liegen auf verschiedenen Ebenen und sind keine Doppelzählung derselben Aussage.
- Gegen die Zeilen 26 und 27 (Schuldumkehr): Dort wird die Verantwortung einem benannten Dritten oder einer internen Stelle zugewiesen. Sobald ein Ersatzverantwortlicher benannt ist, gilt 26 oder 27, nicht 23.
- Gegen Zeile 16 (externe sachliche Ursachen betonen, Excuse): Dort wird eine entlastende Ursache angeführt, die Zurechnung also inhaltlich bestritten. Zeile 23 bestreitet sie ohne Angabe einer Ursache.
- Gegen Zeile 37 (Glaubwürdigkeit von Medium, Zeugen, Dialogpartnern untergraben): Dort richtet sich die Aussage gegen die Quelle des Vorwurfs, hier gegen den Vorwurf selbst.
Regelbezug: STR-R11 (bei Gerüchten zulässig), STR-K1 (bei geringer und starker Zuschreibung ausgeschlossen).
Theoretische Einordnung der beiden Denial-Zeilen
Die Trennung ist nicht bloss eine Ordnungsfrage des Sets, sie bildet eine Unterscheidung ab, die in den beiden Bezugstheorien verschieden gefasst ist. Die SCCT versteht unter der Einzelstrategie Denial die Behauptung, es liege keine Krise vor (Coombs, 2010, S. 36) – das entspricht Zeile 14. Die Deny-Haltung als Ganzes reicht weiter: Entweder hat die Krise nicht stattgefunden, oder jemand anderes ist für sie verantwortlich (Coombs, 2010, S. 40). Über diese Haltung ist Zeile 23 dem Cluster zugeordnet. Die Image-Repair-Theorie kennt zwei Formen der Verleugnung, die einfache Verleugnung und das Verschieben der Schuld auf andere (Benoit, 1997, S. 178 f.). Die einfache Verleugnung ist dort weit gefasst: Bestritten werden kann, dass die Tat geschah, dass die Organisation sie beging oder dass sie jemandem schadete. Zeile 14 deckt die erste Spielart ab und, soweit das Ausmass bestritten wird, die dritte; Zeile 23 entspricht der zweiten. Das Verschieben der Schuld entspricht den Zeilen 26 und 27.
Dass zwei Zeilen dieselbe SCCT-Strategie tragen, ist im Set kein Sonderfall: Die Zeilen 26 und 27 teilen sich Scapegoat, unterschieden nach der Richtung der Zuweisung. Zeile 14 und Zeile 23 unterscheiden sich entsprechend nach dem Gegenstand des Bestreitens.
Hinweis: Am Originaltext geprüft am 16.09.2026: Benoit (1997) und Coombs (2010); dieselbe Denial-Definition steht in Coombs’ Überblick für das Institute for Public Relations vom Oktober 2007. Der Aufsatz Coombs (2007) in der Corporate Reputation Review lag nicht vor. Als Auslegung bleibt, dass Zeile 23 in der Spalte SCCT-Strategie «Denial» führt: Coombs beschränkt die Einzelstrategie auf das Bestreiten der Krise, die Zeile ist nur über die Deny-Haltung angeschlossen. 🔴 EST
Emotionale Kommunikation
Welche Emotion die Organisation ausdrückt – der expressive Anspruch.
Codierregel für diese Gruppe: Mehrfachcodierung erlaubt.
| Nr. · Strategie-Code | SCCT-Strategie | Cluster | Memo | Beispiel | Enzyklopädie |
|---|---|---|---|---|---|
| 31 · Unsicherheit / Ungewissheit / Angst / Ohnmacht zeigen | — | kein SCCT-Cluster | Unsicherheit, Angst oder Bedrohungsgefühle (z. B. Verlustängste). | Wir wissen im Moment selbst nicht, wie gross das Ausmass ist. | emotionale Rahmung: Unsicherheit |
| 32 · Empathie / Mitgefühl zeigen | — | Basisreaktion (instructing und adjusting) | Mitgefühl und Anteilnahme gegenüber Betroffenen; emotionale Zuwendung. | Wir sind tief betroffen und unsere Gedanken sind bei den Familien der Opfer. | Empathievermittlung (Mitgefühl zeigen) |
| 33 · Schock und Sprachlosigkeit zum Ausdruck bringen | — | kein SCCT-Cluster | Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit oder Erschütterung angesichts des Ereignisses. | Wir sind fassungslos über das Geschehene. | emotionale Rahmung: Schock |
| 34 · Empörung, Enttäuschung, Misstrauen zeigen | — | kein SCCT-Cluster | Ärger, Misstrauen oder moralische Empörung; emotionale Distanzierung von Fehlverhalten. | Wir sind zutiefst enttäuscht von den beteiligten Partnern. | emotionale Rahmung: Empörung |
| 35 · Besänftigen | — | kein SCCT-Cluster | Deeskalation, Beruhigung, Reduktion von Angst/Panik | Die Situation ist unter Kontrolle, es besteht keine Gefahr mehr. | emotionale Rahmung: Besänftigen |
| 36 · Hoffnung zum Ausdruck bringen | — | Bolstering (Stärkung) | Zukunftsorientierung, Zuversicht, Stärkung der Resilienz | Wir sind zuversichtlich, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. | emotionale Rahmung: Hoffnung |
Kontextbezogene Strategien
Strategien, die nicht den Sachverhalt, sondern das Umfeld der Botschaft bearbeiten: die Glaubwürdigkeit der Gegenseite und die eigene.
Codierregel für diese Gruppe: Mehrfachcodierung erlaubt.
| Nr. · Strategie-Code | SCCT-Strategie | Cluster | Memo | Beispiel | Enzyklopädie |
|---|---|---|---|---|---|
| 37 · Glaubwürdigkeit von Medium, Zeugen, Dialogpartnern untergraben | Attack the Accuser | Denial (Verleugnung) | Zweifel an der Verlässlichkeit von Medien, Zeugen oder Dialogpartnern säen. | Die Aussagen dieses Informanten sind nicht belastbar. | Glaubwürdigkeit von Kritikern, Zeugen, Medien und Dialogpartnern untergraben |
| 38 · Auf vergangene gute Taten der Organisation hinweisen | Reminding | Bolstering (Stärkung) | Verweis auf frühere Leistungen und Verdienste der Organisation. | Wir engagieren uns seit dreissig Jahren für die Region. | auf vergangene gute Taten hinweisen |
| 39 · Glaubwürdigkeit der eigenen Botschaft untermauern | — | Bolstering (Stärkung) | Verweis auf Aussagen von Zeugen usw. | Direkte oder indirekte Rede von Zeugen, Experten | Glaubwürdigkeit |
Verhältnis zum Enzyklopädie-Eintrag
Eine zusammenfassende Darstellung für Leserinnen und Leser der Wissensplattform steht im Enzyklopädie-Eintrag Botschaftsstrategien: tabellarische Übersicht. Bei Abweichungen gilt die Fassung auf dieser Seite.
Änderungsprotokoll
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 2.0 | 25.09.2026 | Zeile 19 neu gefasst: «internen Fehler als Ursache benennen (Ursache intern)» statt «als Fehlverhalten im Unternehmen deklarieren»; Cluster von Rebuild auf kein SCCT-Cluster, Memo und Beispiel auf die deskriptive Ursachenbenennung ohne moralische Verantwortungszuschreibung eingegrenzt. Zeile 20 von kein SCCT-Cluster auf Basisreaktion, gleich wie Zeile 28 seit dem 03.09.2026. Zwei Hinweiskästen unter der Gruppe Deskriptives Framing: Abgrenzung der Zeilen 18, 19 und 27 mit drei Prüffragen; Verhältnis der Zeilen 20 und 28. Achtung für ältere Codierungen: Codierungen, die vor dem 25.09.2026 entstanden sind, können unter «19» auch Schuldzuweisungen an Mitarbeitende oder Management enthalten, die heute Zeile 27 sind; bei einem Vergleich über Fälle hinweg nachprüfen. Anlass: Befund aus dem Projekt «KMK-Analysetool» vom 24.09.2026, Entscheid vom 25.09.2026. |
| 2.0 | 23.09.2026 | Hinweis unter der Gruppe Deskriptives Framing: Wahl innerhalb der Diminish-Familie, wenn eine Opferkrise über STR-R21 oder STR-R22 auf Diminish gehoben wird – Zeile 16 zulässig, Zeilen 15 und 21 nicht, solange Abwehrmassnahmen angekündigt sind oder Betroffenheit besteht (🔴 EST, ein Fall). Anlass: Formulierungsvorschlag aus dem Fall Nestlé / Zwangsverwaltung Russland. |
| 2.0 | 16.09.2026 | Theoretische Einordnung der beiden Denial-Zeilen am Originaltext geprüft und präzisiert: Benoits einfache Verleugnung umfasst auch das Bestreiten des Sachverhalts und nicht nur der eigenen Tat; die Deny-Haltung nach Coombs (2010) ist ergänzt. Der Hinweiskasten ist auf den verbleibenden Auslegungspunkt eingegrenzt, die SCCT-Strategie der Zeile 23. |
| 2.0 | 16.09.2026 | Versionsbezeichnungen im Änderungsprotokoll nach der Versionsregel vom 05.09.2026 zurückgeführt: Die Versionsnummer bezeichnet den Systemstand (KMK 2.0), das Datum die redaktionelle Änderung. Die zuvor als 2.1 bis 2.5 geführten Zeilen tragen deshalb «2.0»; ihr Inhalt und ihre Daten bleiben unverändert. Keine inhaltliche Änderung. |
| 2.0 | 16.09.2026 | Selbstbeschreibung berichtigt: Die Ressource gehört zu EVI und dient dort als Strategierepertoire. Der Hinweis, FRAMI verwende sie als Codierset, ist gestrichen; FRAMI lädt RS-B1 nicht, und das Ressourcenverzeichnis in MI-00 weist sie allein EVI zu. |
| 2.0 | 16.09.2026 | Zeile 23 neu besetzt mit «Schuld zurückweisen, Verantwortung bestreiten» (Denial). Die Zeile schliesst die normative Skala nach unten und bindet den seit Juli bestehenden Enzyklopädie-Eintrag an das Set; Abgrenzung und theoretische Einordnung stehen unter der Gruppe Normatives Framing. Memo und Beispiel der Zeile 14 wurden auf die Problemexistenz eingegrenzt, weil beide Zeilen zuvor dieselbe Aussage abdeckten. Zahl der Strategien im Einleitungsabsatz auf achtunddreissig berichtigt (Nummern 1 bis 39, Nummer 7 unbesetzt). Doppelte Auszeichnung «Achtung:» im Hinweiskasten entfernt. Achtung: Codierungen, die vor dem 03.09.2026 entstanden sind, meinen mit «23» die am 03.09.2026 gestrichene Zeile. |
| 2.0 | 03.09.2026 | Zeile 7 gestrichen: Sie beschrieb mit Zeile 26 denselben Sachverhalt – die Zuweisung der Verantwortung an externe Dritte –, trug denselben Cluster und verwies auf denselben Eintrag; ein eigener Gehalt bestand nicht. Die Nummer 7 bleibt unbesetzt. In Zeile 26 die SCCT-Strategie von «Attack the Accuser» auf «Scapegoat» berichtigt: Die Zuweisung an einen Zulieferer ist Scapegoating; der Angriff auf den Ankläger richtet sich gegen die Quelle des Vorwurfs, nicht gegen einen Dritten als Verursacher. «Attack the Accuser» trägt damit nur noch Zeile 37. |
| 2.0 | 03.09.2026 | Nummerierung der Strategiezeilen fest in die Spalte Strategie-Code aufgenommen; die Nummern sind damit nicht mehr positionell und bleiben bei künftigen Änderungen gültig. Zeile 23 gestrichen: Bezeichnung und Enzyklopädie-Verweis deckten den internen Sündenbock ab (Zeile 27), Memo und Beispiel den Angriff auf den Ankläger (Zeile 37); ein eigener Gehalt bestand nicht. Die Nummer 23 bleibt unbesetzt, alle übrigen Nummern behalten ihre Bedeutung. Zeile 28 von Rebuild auf Basisreaktion umgestellt: Ein Untersuchungsgremium ist corrective action und gehört bei Coombs zur adjusting information, nicht zu Compensation und Apology. |
| 2.0 | 15.08.2026 | Spalte Enzyklopädie für fünfzehn zuvor unbelegte Zeilen besetzt: Zeilen 1 bis 5 verweisen mit Sprungmarke auf die Grundmuster (dort neu der Abschnitt Ablenkung), Zeile 7 auf die externe Sündenbockstrategie, die Zeilen 6, 13, 24 und 28 auf neue Einträge, die Zeilen 31 sowie 33 bis 36 mit Sprungmarke auf den neuen Sammeleintrag zur emotionalen Rahmung. Zeile 37 auf den zusammengelegten Eintrag umbenannt. |
| 2.0 | 14.08.2026 | Von TablePress auf native Blockfassung umgestellt; damit letzte Plugin-Abhängigkeit des Ressourcenbestands aufgelöst. Nach den sechs Gruppen gegliedert. Spalte SCCT-Krisentyp gestrichen – sie war in jeder besetzten Zeile eine strenge Funktion des Clusters und führte die von RW-R2 verworfene Terminologie fort. Clusterspalte für alle neununddreissig Strategien besetzt, ergänzt um die Werte Basisreaktion und kein SCCT-Cluster. SCCT-Strategien Justification, Excuse, Victimage und Attack the Accuser nachgetragen; damit ist STR-R13 auflösbar, das zuvor auf ein in der Tabelle nicht vorhandenes Excuse verwies. Codierregel von der Spalte in den Gruppenkopf verschoben. Schreibfehler, ß‑Schreibungen und die verschobenen Memofelder der emotionalen Gruppe korrigiert. |
| 1.0 | 24.04.2026 | Erstfassung als TablePress-Tabelle. |