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Be Bo

Ver­si­on 2.0 · Stand: 17.07.2026

Einordnung in die SCCT

In der SCCT liegt die­se Stra­te­gie zwi­schen Scape­goa­ting (Deny) und dem Ein­ge­ständ­nis inter­nen Fehl­ver­hal­tens: Das Pro­blem wird als ver­meid­ba­re Kri­se (Pre­ven­ta­ble) aner­kannt, die Ver­ant­wor­tung aber auf ein­zel­ne Mit­ar­bei­ten­de begrenzt. Das redu­ziert die Distanz zur Orga­ni­sa­ti­on nur schein­bar – der Vel­cro-Effekt bleibt.

Die Stra­te­gie, ein Pro­blem auf Fehl­ver­hal­ten von Mit­ar­bei­tern zurück­zu­füh­ren, wird oft in Kri­sen­si­tua­tio­nen ver­wen­det, um die Ver­ant­wor­tung des Unter­neh­mens auf Ein­zel­per­so­nen oder eine Grup­pe von Mit­ar­bei­tern abzu­wäl­zen. Die­se Stra­te­gie kann in bestimm­ten Situa­tio­nen effek­tiv sein, birgt jedoch Risi­ken in Bezug auf Ver­trau­en, Moral und recht­li­che Konsequenzen. 

Geeignete Situationen

  • Bran­che: Tech­no­lo­gie, Ban­ken, Phar­ma­zie. Bran­chen, in denen Fehl­ver­hal­ten von Mit­ar­bei­tern schwer­wie­gen­de Aus­wir­kun­gen haben kann.
  • Kri­sen­typ: Betrug, Unter­schla­gung, Sabo­ta­ge, unsach­ge­mä­ße Hand­lun­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen von Mit­ar­bei­tern, die zu einer Kri­se führen.
  • Framing: “Die­ses Pro­blem wur­de durch das Fehl­ver­hal­ten eines Mit­ar­bei­ters ver­ur­sacht”, “Es han­delt sich um das Fehl­ver­hal­ten einer Ein­zel­per­son (CEO/Manager)”.
  • Ver­ant­wort­lich­keits­zu­schrei­bung: Das Unter­neh­men ver­sucht, die Schuld auf Mit­ar­bei­ter oder ein­zel­ne Abtei­lun­gen zu ver­schie­ben, um die eige­ne Ver­ant­wor­tung zu minimieren.

Chancen und Gefahren

Chancen

  • Schuld­zu­wei­sung an Ein­zel­per­so­nen: Durch die Fokus­sie­rung auf das Fehl­ver­hal­ten ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter kann das Unter­neh­men die Ver­ant­wor­tung für das Pro­blem von sich weisen.
  • Scha­dens­be­gren­zung: Die­se Stra­te­gie kann hel­fen, die Aus­wir­kun­gen einer Kri­se zu mini­mie­ren, indem sie das Pro­blem auf indi­vi­du­el­le Hand­lun­gen begrenzt.
  • Wie­der­her­stel­lung der Glaub­wür­dig­keit: Durch die Ent­las­sung oder Dis­zi­pli­nie­rung der ver­ant­wort­li­chen Mit­ar­bei­ter kann das Unter­neh­men zei­gen, dass es die Situa­ti­on ernst nimmt und Maß­nah­men ergreift.

Gefahren

  • Ver­trau­ens­ver­lust: Wenn das Unter­neh­men ver­sucht, die Schuld auf ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter abzu­wäl­zen, könn­te dies als man­geln­de Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me wahr­ge­nom­men wer­den und das Ver­trau­en der Öffent­lich­keit schädigen.
  • Moral der Mit­ar­bei­ter: Die Fokus­sie­rung auf Fehl­ver­hal­ten von Mit­ar­bei­tern kann die Moral und Loya­li­tät des Per­so­nals beein­träch­ti­gen, ins­be­son­de­re wenn das Pro­blem tie­fe­re struk­tu­rel­le Ursa­chen hat.
  • Recht­li­che Risi­ken: Wenn das Fehl­ver­hal­ten von Mit­ar­bei­tern als Aus­re­de benutzt wird, um syste­mi­sche Pro­ble­me zu ver­schlei­ern, könn­te dies zu recht­li­chen Kon­se­quen­zen führen.
  • Repu­ta­ti­ons­schä­den: Wenn die Öffent­lich­keit das Unter­neh­men als unehr­lich oder mani­pu­la­tiv wahr­nimmt, kann dies die Repu­ta­ti­on lang­fri­stig schädigen.

Die Stra­te­gie, das Pro­blem auf Fehl­ver­hal­ten von Mit­ar­bei­tern zurück­zu­füh­ren, soll­te sorg­fäl­tig und ver­ant­wor­tungs­voll ein­ge­setzt wer­den. Unter­neh­men soll­ten sicher­stel­len, dass sie nicht nur ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter oder Abtei­lun­gen für Pro­ble­me ver­ant­wort­lich machen, son­dern auch tie­fer­ge­hen­de Ursa­chen und syste­mi­sche Ver­bes­se­run­gen berück­sich­ti­gen. Ein trans­pa­ren­ter und respekt­vol­ler Ansatz ist ent­schei­dend, um das Ver­trau­en der Öffent­lich­keit und der Mit­ar­bei­ter zu erhalten.

Bedeutung im KMK-System

In der Bot­schafts­stra­te­gien-Über­sicht des KMK-Systems gehört die­se Stra­te­gie zum Deny-Clu­ster (Zurück­wei­sung). Nach den Wenn-Dann-Regeln ist sie nur bei Opfer­kri­sen zuläs­sig – nament­lich bei Gerüch­ten und unbe­grün­de­ten Anfech­tun­gen – und bei mitt­le­rer oder hoher Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung (Unfall- und ver­meid­ba­re Kri­sen) kontraindiziert.

Literatur

Coombs, W. T. (1995). Choo­sing the right words: The deve­lo­p­ment of gui­de­lines for the sel­ec­tion of the “appro­pria­te” cri­sis-respon­se stra­te­gies. Manage­ment Com­mu­ni­ca­ti­on Quar­ter­ly, 8(4), 447–476. https://doi.org/10.1177/0893318995008004003
Coombs, W. T. (2007). Pro­tec­ting orga­nizati­on repu­ta­ti­ons during a cri­sis: The deve­lo­p­ment and appli­ca­ti­on of Situa­tio­nal Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on Theo­ry. Cor­po­ra­te Repu­ta­ti­on Review, 10(3), 163–176. https://doi.org/10.1057/palgrave.crr.1550049
Benoit, W. L. (1997). Image repair dis­cour­se and cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on. Public Rela­ti­ons Review, 23(2), 177–186. https://doi.org/10.1016/S0363-8111(97)90023–0