KMK-RESSOURCE RW-R2
Strategieregeln (STR)
| Version | 2.0 |
|---|---|
| Stand | 15.08.2026 |
| Gilt ab | 15.08.2026 |
| Ersetzt | «Wenn … Dann … – Regeln (während Krise)» Version 1.0 vom 24.04.2026, Handlungsanteil |
| Modul | EVI |
| Ebene | Massnahmenebene (setzt auf der Prognose von RW-R1 auf) |
| Geltungsart | Handlungsregel; widerlegbar durch Strategieerfolg über Fälle hinweg |
| Systemversion | KMK 2.0 |
Massgebliche Fassung für KMK-Analysen (KI-Abruf). Bei jeder Analyse live abrufen, nie aus dem Cache.
1 Zweck und Eingangsgrössen
Diese Seite sagt, was die Organisation tun soll. Sie berechnet dazu nichts neu. Die Lagebeurteilung – wie stark zugeschrieben wird, welche Emotion und welches Verhalten erwartbar sind – kommt aus FRAMI und steht in RW-R1 Rezeptionsregeln (REZ). EVI setzt darauf auf.
Die Arbeitsteilung dahinter: Die Zuschreibungsprognose ist eine diagnostische Grösse. Sie gehört zur Lagebeurteilung, nicht zur Massnahmenplanung. Ein Beratungsmodul soll auf einer Diagnose aufsetzen, nicht sie nebenbei miterzeugen.
| Eingangsgrösse | Quelle | Bedeutung |
|---|---|---|
REZ_ZUSCHREIBUNG | FRAMI | minimal / gering / stark – bestimmt die Strategiefamilie |
REZ_EMOTION | FRAMI | bestimmt Tonalität und Reihenfolge |
REZ_ESKALATION | FRAMI | geht in die Alarmstufe ein |
Forderungsprofil NORM_FORD_* | FRAMI | was der Diskurs verlangt – Filter für die Strategiewahl |
INT_SUM (0–4) | ADAM | Attributionsverstärker; steuert die Eskalationsstufe |
FALLHOEHE (−12…+12) | ADAM | Reputations-Fallhöhe; Konsequenzachse, zweite Achse der Alarmstufe |
TRAP_* | ADAM | fünf strukturelle Risikofallen; machen bestimmte Frames verfügbar |
Achtung: Zwei Achsen, keine gemeinsame Zählung.
INT_SUMbeantwortet «wie stark wird zugeschrieben»,FALLHOEHEbeantwortet «wie schwer wiegt eine gegebene Zuschreibung». Beide beruhen teilweise auf denselben Fakten – Krisenhistorie und Vorreputation stecken bereits im Fallhöhen-Score –, gehen aber in verschiedene Gleichungen ein. Sie dürfen nicht addiert werden.
Grundregel: Meta-Regel: Kein späterer Reputationsgewinn kompensiert einen frühen Vertrauensverlust.
2 Basis-Protokoll (Override, gilt immer)
Diese zehn Regeln gehen allen übrigen vor. Sie sind nicht abwägbar.
| ID | Wenn | Dann | Begründung |
|---|---|---|---|
| STR-R01 | Eine Krise liegt vor | Instruktions-Information und Adjusting-Information zuerst; Mitarbeitende vor der Öffentlichkeit informieren | Grundpflicht: Sicherheitshinweise und Bewältigungshilfe. Instruktion vor Reputation. |
| STR-R02 | Das Basis-Protokoll ist gefährdet | Sofortiger Stopp aller übrigen Inhalte | Sicherheit und Menschlichkeit gehen der Strategie vor. |
| STR-R03 | Unsicherheit hoch und Informationslage unvollständig | Transparente Prozesskommunikation: was wir wissen, was wir prüfen, wann wir wieder informieren | Verhindert Gerüchtebildung und ein Frame-Vakuum. |
| STR-R04 | Juristische Vorsicht spricht gegen das Basis-Protokoll | Basis-Protokoll bleibt in Kraft | Juristische Risiken sind gegenüber Sicherheits- und Coping-Bedürfnissen sekundär. |
| STR-R05 | Die Offenlegung eines Sachverhalts ist aus rechtlichen (Personen‑, Vertraulichkeits‑, Datenschutz, laufende Ermittlung) oder wirtschaftlichen Gründen ausgeschlossen | Die Zurückhaltung wird öffentlich begründet: Umfang und Grund werden benannt, ohne den geschützten Inhalt preiszugeben | Unbegründete Zurückhaltung wird als Verschleierung gelesen und erzeugt genau den Vorwurf, den sie vermeiden soll. Die Begründungspflicht ersetzt nicht die Information, sondern das Schweigen über das Schweigen. NEU 14.08.2026 |
| STR-R06 | Eine Gefährdungslage besteht und die verfügbare Information ist unvollständig | Die Warnung wird dennoch publiziert und laufend ergänzt, nicht zurückgezogen | Rechtzeitigkeit vor Vollständigkeit. Die Exposition läuft weiter, während auf Vollständigkeit gewartet wird. Der Rückzug einer publizierten Warnung ist nur zulässig, wenn die Gefahr selbst entfällt. |
| STR-R07 | Eine Instruktion an Betroffene ergeht | Der Kanal für Rückfragen wird gleichzeitig aufgeschaltet, nicht nachgereicht | Rückfragekanal gleichzeitig. Fehlt der Kanal, nimmt der Handlungsdruck fremde Kanäle – im schlimmsten Fall den Notruf. |
| STR-R08 | Besonders schützenswerte Daten sind abgeflossen und die Betroffenen sind zu benachrichtigen | Die Kapazität für Auskunfts- und Löschbegehren wird vor der ersten Mitteilung sichergestellt | Kapazität vor Mitteilung. Die Mitteilung löst die Ersuchen aus und erzeugt eine Rechtspflicht mit Frist. |
| STR-R09 | Eine Warnung ermöglicht Schutzverhalten und benennt dabei Tatmuster oder Erkennungsmerkmale | Der Zielkonflikt zwischen Schutzwirkung und Trittbrettverhalten wird benannt und entschieden | Nachahmungsrisiko der Warnung. Warnungen, die Schutzverhalten ermöglichen, erzeugen zugleich Nachahmung und vorgetäuschte Betroffenheit. Der Konflikt ist nicht mit dem Transparenzgrundsatz zu überspielen. |
| STR-R10 | Eine moralische Zuschreibung wird öffentlich und die Organisation hat exponierte Partner | Partnerkommunikation zeigt dem Partner, dass er nicht mitgemeint ist | Ansteckungsabwehr statt Beziehungspflege. Partner mit eigener Reputationsexposition sanktionieren früher und vollständiger als die Kundschaft; ihr Entzug ist Ansteckungsabwehr. |
3 Strategiewahl nach übergebener Zuschreibung
Grundlage: SCCT-Kern, ergänzt um die Frame-Sensitivität nach Baeriswyl. Die Zuschreibung wird übergeben, nicht hier bestimmt.
3.1 REZ_ZUSCHREIBUNG = minimal (Victim Cluster)
| ID | Wenn | Dann | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| STR-R11 | Zuschreibung minimal | Basis-Response ausreichend; Bolstering erlaubt. Bei Gerüchten: Denial oder Attack the Accuser | Die Organisation ist im Diskurs selbst Geschädigte. |
| STR-R12 | Zuschreibung minimal, aber im Korpus moralisieren die Medien normativ (NORM_ORG auffällig) | Frühzeitige Frame-Korrektur: warum die Organisation nicht Verursacherin ist – ohne aggressiven Ton | Zu spätes Reframing lässt die Opferrolle kippen. Das Zeitfenster ist der Abstand zwischen SCCT_TEXT und SCCT_REKON. |
3.2 REZ_ZUSCHREIBUNG = gering (Accident Cluster)
| ID | Wenn | Dann | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| STR-R13 | Zuschreibung gering | Diminish: Justification oder Excuse | Excuse ist keine Schuldabwehr. Betont wird die fehlende Kontrolle, nicht die fehlende Sorgfalt. |
| STR-R14 | Zuschreibung gering und REZ_EMOTION = Angst | Diminish erst nach Instruktion und Sicherheitskommunikation | Angst erzeugt ein Informations‑, kein Urteilsbedürfnis. Reihenfolge vor Inhalt. |
Hinweis: Terminologische Korrektur gegenüber Fassung 1.0. Das Accident Cluster löst nach Coombs eine geringe Verantwortungszuschreibung aus (minimal / low / strong). Die frühere Bezeichnung «mittlere Verantwortung» war sachlich falsch und ist gestrichen. Sie hatte eine Folgewirkung: die Kontraindikation
STR-K1griff ins Leere, weil «mittel» in keiner anderen Systemkomponente vorkam.
3.3 REZ_ZUSCHREIBUNG = stark (Preventable Cluster)
| ID | Wenn | Dann | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| STR-R15 | Zuschreibung stark | Rebuild zwingend. Vollständige Apology = Verantwortungsübernahme + Reue + Bitte um Vergebung, dazu Kompensation | Teilentschuldigungen erfüllen die Bedingung nicht. |
| STR-R16 | Zuschreibung stark und INT_HIST > 0 (Wiederholungsfall) | Rebuild nur zusammen mit strukturellen Massnahmen | Rebuild ohne Strukturmassnahme wirkt bei Wiederholung leer. |
Achtung: KONTRAINDIKATION STR-K1
WennREZ_ZUSCHREIBUNG= gering oder stark (Accidental oder Preventable), dann dürfen keine Deny-Strategien eingesetzt werden – kein Bestreiten, keine Schuldabwehr, keine Sündenbockstrategie.
Begründung: Sie führen nachweislich zu Reputationsschäden und Reaktanz. Die Regel ist nicht abwägbar und geht der Strategiewahl aus Abschnitt 3 vor.
Achtung: KONTRAINDIKATION STR-K2
Wenn ein Verfahren oder eine Untersuchung zum Krisengegenstand hängig ist, dann werden Werbung und Marketingkommunikation zum betroffenen Gegenstand ausgesetzt.
Begründung: Der Widerspruch zwischen Werbebotschaft und Krisenlage wird als Zynismus gelesen und liefert den Medien ein eigenes Thema. Die Regel folgt dem Grundsatz der integrierten Kommunikation und ist nicht abwägbar. NEU 14.08.2026
4 Eskalation (Kumulationsregel auf INT_SUM)
| ID | INT_SUM | Dann | entspricht Fassung 1.0 |
|---|---|---|---|
| — | 0 | keine Verstärkung | — |
| STR-R21 | 1–2 | Strategie mindestens eine Stufe höher | «Intensivierer ≥ 1» |
| STR-R22 | 3–4 | Rebuild plus strukturelle Massnahmen zwingend prüfen; kommunikative Notfalllogik | «Intensivierer ≥ 2» |
Damit ist die frühere Formulierung «Intensivierer kumulieren nicht linear, sondern exponentiell» als Schwellenlogik ausformuliert und nicht mehr auslegungsbedürftig.
Hinweis: Was hier nicht mehr steht. Die Attributionsverschiebung («Negative History → Unfall wird preventable») ist keine Strategieregel, sondern eine Rezeptionsprognose. Sie steht als
REZ-R02inRW-R1und ist im übergebenen Wert vonREZ_ZUSCHREIBUNGbereits enthalten. Sie hier ein zweites Mal anzuwenden, hiesse denselben Sachverhalt zweimal zu eskalieren.
Achtung: «Human Error» ist aus der Intensivierer-Tabelle gestrichen. Menschliches Versagen ist in SCCT ein Cluster-Kriterium: es verschiebt die Krise nach Preventable und steckt damit bereits im Basisniveau. Als zusätzlicher Verstärker gezählt, ginge dieselbe Tatsache zweimal in die Rechnung.
Herkunft der Skala
INT_SUM = INT_HIST (Krisenhistorie, 0–2) + INT_REP (Vorreputation, 0–2). Berechnung ausschliesslich in ADAM, definiert im Codierbogen KB-A1 kontextuelle Moderatoren. FRAMI und EVI rechnen nichts nach.
5 Moral, Sanktion, Integrität
Hier liegt der grösste Mehrwert des Modells gegenüber der klassischen SCCT – und zugleich die Stelle, an der Kommunikation an ihre Grenze stösst.
| ID | Wenn | Dann | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| STR-R31 | Scansis-Lage: NORM_FORD_SANKTION ist dominante Forderung (siehe REZ-R03) | Kommunikation allein löst die Krise nicht. Eine reale Konsequenz ist zwingender Bestandteil der Strategie, nicht ihre Begleitmassnahme | Die Öffentlichkeit verlangt Sanktion, nicht Erklärung. Neu: gegen das gemessene Forderungsprofil geprüft, nicht bloss diagnostiziert. |
| STR-R32 | Scansis-Lage und eine unabhängige Instanz ist verfügbar | Third-Party Punishment der Selbstsanktion vorziehen | Signalisiert moralische Objektivität. |
| STR-R33 | Management Misconduct (Integritätsbruch) | Entschuldigung und personelle Konsequenzen | Integrität ist nicht Kompetenz. Ohne personelle Konsequenz keine Re-Legitimierung. |
| STR-R34 | Sanktionsforderung dominant, aber nur kommunikative Massnahmen geplant | KONTRAINDIZIERT – Kommunikationsaktivismus ohne reale Konsequenz eskaliert die Lage | Die häufigste vermeidbare Fehlreaktion in dieser Lage. |
| STR-R35 | REZ_EMOTION = WutREZ_EMOTION = AngstREZ_EMOTION = Empörung | → Rebuild zwingend → Instruktion und Selbstwirksamkeit vor Image → moralische Sprache: Werte und Normen benennen | Tonalitätsregel. Die zugehörige Rezeptionsaussage steht als REZ-R09 in RW-R1. |
| STR-R36 | Heuchelei-Vorwurf im Korpus (NORM_HYPO_TEXT) oder TRAP_NORM_HYPO bestätigt | Walk the Talk: Taten müssen den Worten folgen, sonst kippt die Krise in den Skandal | Ein Widerspruch zwischen erklärtem Wert und Verhalten erzeugt Scansis. |
6 Framing und Botschaftsgestaltung
| ID | Wenn | Dann | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| STR-R41 | Katastrophen-Frame dominant | Empathie und Hilfeleistung vor Sachdarstellung | Zahlen ohne Mitgefühl erzeugen einen Herzlosigkeits-Frame. |
| STR-R42 | Schuld-Frame dominant und die Faktenlage ist gegen die Organisation | Stealing Thunder: selbst und früh offenlegen | Schweigen wirkt als Eingeständnis, sobald es im Bericht thematisiert wird (COMM_SCHWEIGER). |
| STR-R43 | Schuld-Frame dominant und die Faktenlage trägt ihn nicht | Wechsel auf Lösungs- oder Schicksals-Frame, um die Deutungshoheit zurückzugewinnen | Nur bei belegbarer Faktenlage. Ein nicht gedeckter Frame-Wechsel erzeugt den Heuchelei-Vorwurf und damit die Lage aus STR-R36. KMK-Setzung |
| STR-R44 | Ambige Verantwortungslage | Bedauern ohne Schuldeingeständnis ist legitim – aber als reversible Strategie zu führen. Kippt die Beweislast, sofortiger Wechsel auf Rebuild | Diese Strategie ist zeitlich instabil. Der Wechselzeitpunkt ist vorab zu definieren, nicht im Moment zu entscheiden. |
| STR-R45 | Eine Botschaft richtet sich an Betroffene | Sie enthält beides: die ausdrückliche Anerkennung der affektiven Lage und die Zusage konkreter Massnahmen mit Zuständigkeit und Zeithorizont (Emo-Action Language) | Fehlt der erste Teil, wirkt die Botschaft kalt; fehlt der zweite, wirkt sie als blosse Rhetorik. Damit ist die Regel an jeder einzelnen Aussage prüfbar – anders als «empathisch kommunizieren». Herkunft: Integrated Crisis Mapping. NEU 14.08.2026 |
| STR-R46 | Ein Vorwurf, ein Gerücht oder eine Falschbehauptung ist zu widerlegen | Wiederholt wird das Gegennarrativ, nicht der Vorwurf | Wiederholte Wahrnehmung erhöht die gefühlte Wahrheit unabhängig vom Wahrheitsgehalt (Truth-Effekt; Dechêne et al., 2010). Wer den Vorwurf zitiert, um ihn zu bestreiten, verstärkt ihn. NEU 14.08.2026 |
7 Absender und Kanäle
Grundregel: Die Quelle verstärkt die Botschaft – sie ersetzt sie nicht.
| ID | Wenn | Dann | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| STR-R51 | FALLHOEHE hoch | CEO als Sprecher (COMM_CEO) | Signalisiert Ernsthaftigkeit – aber nur, wenn die Person glaubwürdig, empathisch und medienkompetent ist. Andernfalls schadet der Auftritt mehr, als das Signal nützt. |
| STR-R52 | Sachverhalt fachlich komplex | Fachexperte als Sprecher (COMM_EXPERT) | Sachliche Fundierung. |
| STR-R53 | Shitstorm-Entwicklung | Kanalgleichheit zwingend; Reaktion unter 60 Minuten | Geschwindigkeit vor Vollständigkeit. Eine Antwort auf einem anderen Kanal zählt nicht als Antwort. |
| STR-R54 | Berechtigte Kritik in Social Media | Entschuldigung | — |
| STR-R55 | Trolle | Humor oder Ignorieren | Humor nie bei Opfern oder bei moralischer Empörung. KONTRAINDIZIERT |
| STR-R56 | Eine Gruppe ist unmittelbar betroffen | Sie wird direkt angesprochen – Mail oder Versammlung statt Intranet-Hinweis, persönliche Kundeninformation statt Website-Notiz – und erhält eine benannte Ansprechstelle für Rückfragen | Die Reihenfolge intern vor extern (STR-R01) und die Kanalwahl direkt vor indirekt sind zwei verschiedene Regeln. NEU 14.08.2026 |
| STR-R57 | Eine Krise ist öffentlich | Alle Stellen mit Aussenkontakt – Sekretariat, Telefondienst, Aussendienst – und die internen Meinungsführer erhalten die Statements schriftlich und eine Sprachregelung. Mehrere Sprecher stimmen ihre Aussagen vorgängig ab | «One voice» ist keine Haltung, sondern eine organisatorische Massnahme. Ohne sie entstehen die Widersprüche im eigenen Haus. NEU 14.08.2026 |
| STR-R58 | Ein Shitstorm zielt auf Produktqualität oder einen Normbruch | Korrektur auf der Problemebene, Entschuldigung über denselben Kanal, Beleg der Behebung (Rebuild) | Kritik aus der Kundschaft schlägt bei anhaltender Dauer auf das Kaufverhalten durch. NEU 14.08.2026 |
| STR-R59 | Ein Shitstorm verspottet eine Kommunikations- oder Marketingpanne | Abwarten oder humorvolle Gegenrede | Zensur und «No Comment» sind ausgeschlossen – Schweigen wird als Schuldeingeständnis gewertet (Coombs, 2007, S. 78 ff.). Die Humor-Kontraindikation aus STR-R55 gilt weiter. NEU 14.08.2026 |
8 Sequenz und Timing
| ID | Wenn | Dann | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| STR-R61 | Zeitkritische Phase 1 | 1. Instruktion → 2. Deskription → 3. Emotion | Folgt den logischen Informationsbedürfnissen. Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar, die Ausgestaltung schon. |
| STR-R62 | Neue gesicherte Erkenntnisse liegen vor | Es wird nachkommuniziert – auch ohne Anfrage | Die Bringschuld endet nicht mit der Akutphase. NEU 14.08.2026 |
| STR-R63 | Die Krise ist abgeschlossen | Es wird über die umgesetzte Prävention informiert, nicht über die geplante | Angekündigte Massnahmen ohne späteren Beleg ihrer Umsetzung erzeugen im Wiederholungsfall die Hypokrisie-Lage aus STR-R36. Diese Regel ist deren Prävention. NEU 14.08.2026 |
9 Alarmstufe
Die Alarmstufe wird nicht mehr aus Rohgrössen aufgezählt, sondern aus zwei Achsen gebildet: der übergebenen Zuschreibung und der Fallhöhe.
STR-R71 | Fallhöhe gering | Fallhöhe mittel | Fallhöhe hoch |
|---|---|---|---|
| Zuschreibung minimal | 🟢 | 🟢 | 🟡 |
| Zuschreibung gering | 🟢 | 🟡 | 🟡 |
| Zuschreibung stark | 🟡 | 🔴 | 🔴 |
| ID | Wenn | Dann | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| STR-R72 | Scansis-Lage oder Management Misconduct | Alarmstufe 🔴, unabhängig von der Matrix | Override, geht STR-R71 vor. |
| STR-R73 | REZ_ESKALATION = hoch | Alarmstufe mindestens 🟡; bei starker Zuschreibung 🔴 | Die Eskalationstendenz ist die zeitliche Komponente, die die Matrix allein nicht abbildet. |
| STR-R74 | Die EVI-Einschätzung weicht von der FRAMI-Prognose ab | Abweichung im Feld «Divergenz zur FRAMI-Prognose» dokumentieren, nicht stillschweigend überschreiben | Divergenzen sind der Rohstoff der Kalibrierung. Wer sie überschreibt, vernichtet die Prüfdaten. |
10 Was diese Seite nicht enthält
| Gegenstand | Ressource | Grund |
|---|---|---|
| Zuschreibungs- und Reaktionsprognose | RW-R1 | Diagnose, nicht Massnahme |
| Katalog der Botschaftsstrategien mit Wortlaut und Beispielen | Botschaftsstrategien-Set | Repertoire, keine Regel – es schreibt nichts vor |
| Allgemeine Kommunikationsgrundsätze | Grundsätze allgemein | Doktrin, nicht fallabhängig |
| Situative Grundsätze | Grundsätze situativ | Doktrin |
Berechnung von INT_SUM und FALLHOEHE | KB-A1 | eine berechnende Stelle: ADAM |
11 Änderungsprotokoll
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 2.1 | 14.08.2026 | Zehn Regeln aus dem Regelgehalt der Enzyklopädie ergänzt: STR-R05 (Grenzen der Transparenz, Begründungspflicht), STR-R45 (Emo-Action Language), STR-R46 (Widerlegung ohne Wiederholung des Vorwurfs), STR-R56 (Direktansprache Betroffener), STR-R57 (Sprachregelung und Kontaktstellen), STR-R58 und STR-R59 (Shitstorm nach Thema), STR-R62 und STR-R63 (Nachkommunikation), Kontraindikation STR-K2 (Werbestopp bei hängigem Verfahren).Herkunft je Regel in der Bemerkungsspalte; Grundlage ist die Durchsicht aller Enzyklopädie-Einträge vom 14.08.2026. |
| 2.0 | 13.08.2026 | Prognoseanteil nach RW-R1 ausgelagert; diese Seite führt nur noch Handlungsregeln.Durchgehende Regelkennungen STR-Rxx eingeführt (Fassung 1.0 hatte 13 Tabellenregeln ohne Kennung).Accident Cluster von «mittlerer» auf geringe Verantwortungszuschreibung korrigiert; Kontraindikation STR-K1 entsprechend neu formuliert.«Human Error» aus der Intensivierer-Tabelle gestrichen (Cluster-Kriterium). Intensivierer auf die Skala INT_SUM 0–4 umgestellt, Schwellen 1–2 und 3–4 ausformuliert.Alarmstufe als Kreuztabelle Zuschreibung × Fallhöhe ( STR-R71) statt als Aufzählung von Rohgrössen.Divergenzregel STR-R74 neu.Scansis-Regel gegen das gemessene Forderungsprofil geprüft statt bloss diagnostiziert ( STR-R31).Frame-Wechsel STR-R43 um die Bedingung «nur bei belegbarer Faktenlage» ergänzt.Redaktionsspuren der Fassung 1.0 bereinigt: Du-Form, Tippfehler («Kompetentzvertrauen», «spätre»), Zählung «Neue Regel B–E» ohne A. |
| 2.0 | 15.08.2026 | Nachtrag 15.08.: STR-R06 bis STR-R10 im Basis-Protokoll ergänzt (Rechtzeitigkeit vor Vollständigkeit, Rückfragekanal gleichzeitig, Kapazität vor Mitteilung, Nachahmungsrisiko der Warnung, Ansteckungsabwehr statt Beziehungspflege). |
Zitation: KMK-Analyse-System (2026): Strategieregeln (STR), Ressource RW-R2, Version 2.0. krisenkom.ch.
Verwandte Ressourcen: RW-R1 Rezeptionsregeln (REZ) · Botschaftsstrategien-Set · Grundsätze situative Kommunikation · Grundsätze Kommunikation allgemein · KB-A1 kontextuelle Moderatoren · KB-A2 Risikofallen
Grundlage: SCCT nach Coombs, Image-Repair-Theorie nach Benoit, KMK-Regelwerk.
© 2026 mediata sa · krisenkom.ch · Drs. A. Grynko & O. Baeriswyl