Krisenmanagement und -kommunikation

Drs. A. Grynko & O. Baeriswyl


KB-A1 Codiersystem kontextuelle Moderatoren

KMK-RESSOURCE KB-A1

Codiersystem kontextuelle Moderatoren

Ver­si­on2.0
Stand05.10.2026
Gilt ab15.08.2026
ErsetztVer­si­on 1.0 vom 25.04.2026
ModulADAM
Ebe­neKon­text (nicht­si­tua­tiv)
Gel­tungs­artMess­vor­schrift
Kon­ven­tio­nenKB-00 Codebuch-Konventionen
System­ver­si­onKMK 2.0

Mass­geb­li­che Fas­sung für KMK-Ana­ly­sen (KI-Abruf). Bei jeder Ana­ly­se live abru­fen, nie aus dem Cache.


1 Zweck

Der Bogen erfasst die nicht­si­tua­ti­ven Fak­to­ren einer Orga­ni­sa­ti­on – alles, was vor der Kri­se gilt und unab­hän­gig von ihr besteht. Er wird aus­schliess­lich in ADAM aus­ge­füllt; FRAMI und EVI über­neh­men die Ergeb­nis­se, ohne sie nachzurechnen.

2 Faktoren

Kate­go­rieFak­torCodie­rung und Punk­teGeht ein in
1 Deskrip­tivBran­che und RisikoklasseHoch­ri­si­ko (Che­mie, Ener­gie, Phar­ma, Behör­de): +2 · Mit­tel­ri­si­ko (Indu­strie, Han­del): +1 · Nied­ri­g­ri­si­ko (Dienst­lei­stung, NGO): 0FALLHOEHE
1 Deskrip­tivOrga­ni­sa­ti­ons­grös­seGross­un­ter­neh­men oder natio­nal: +1 · KMU: 0 · lokal oder klein: −1FALLHOEHE
1 Deskrip­tivKri­sen­ge­schich­te (letz­te 24 Monate)Histo­ri­en­ta­bel­le mit den Pflicht­spal­ten nach Abschnitt 4 (Datum, Vor­fall, Kri­sen­typ, Schwe­re 1–5, Sach­ge­biet, Ähn­lich­keit mit Begrün­dung, Bewäl­ti­gungs­qua­li­tät).
Kei­ne Vor­fäl­le: −2 · 1–2 leich­te: 0 · 3 und mehr oder schwe­re: +2
FALLHOEHE und INT_HIST
1 Deskrip­tivMarkt­stel­lungMono­pol oder Markt­füh­rer­schaft: +1 · Nische: 0 · Mar­gi­nal­an­bie­ter: −1FALLHOEHE
1 Deskrip­tivGeo­gra­fi­scher und kul­tu­rel­ler Kon­textPri­mä­re Kri­sen­re­gi­on (Deutsch­schweiz / Roman­die / Tes­sin / inter­na­tio­nal / ande­re); wei­te­re Sprach­re­gio­nen betrof­fen ja/nein; kul­tu­rel­le Sen­si­ti­vi­tät hoch / mit­tel / niedrigSCHNUFFI (Spra­chen), EVI (Stra­te­gie)
2 Nor­ma­tivTrans­pa­renzerwar­tungHoch (Behör­de, öffent­li­che Insti­tu­ti­on): +2 · mit­tel (bör­sen­no­tiert, regu­liert): +1 · nied­rig (pri­vat, nicht regu­liert): 0FALLHOEHE
2 Nor­ma­tivSicher­heits­nor­men und ComplianceStren­ge gesetz­li­che Auf­la­gen: +1 · Bran­chen­stan­dards: 0 · kei­ne beson­de­ren Nor­men: −1FALLHOEHE
2 Nor­ma­tivSozia­le Ver­ant­wor­tung (CSR, Ethik-Kodex)Expli­zi­te CSR-Ver­spre­chen oder Ethik-Kodex: +1 (erhöht das Heu­che­lei-Risi­ko bei Dis­kre­panz) · kei­ne expli­zi­ten Ver­spre­chen: 0EVI (Kohä­renz-Check), TRAP_NORM_HYPO
2 Nor­ma­tivKern­wer­te und WerteversprechenKom­mu­ni­zier­te Kern­wer­te (Cla­im, Mis­si­on) doku­men­tie­ren. Mora­lisch auf­ge­la­den (Nach­hal­tig­keit, Fair­ness, Sicher­heit): +1 · funk­tio­nal (Effi­zi­enz, Preis): 0EVI (Kohä­renz-Check), FRAMI (Aus­wer­tung NORM_HYPO_TEXT)
3 Emo­tivBasis-Repu­ta­ti­on (Sym­pa­thie­wert vor der Kri­se)Sehr posi­tiv: −1 · posi­tiv: 0 · neu­tral: 0 · nega­tiv: +1 · sehr nega­tiv: +2FALLHOEHE und INT_REP
3 Emo­tivBran­chen-ImageHohes Ver­trau­en (NGO, Bil­dung): −1 · neu­tral: 0 · Skep­sis vor­han­den (Phar­ma, Ban­ken): +1 · hohe Skep­sis (Rüstung, Tabak): +2FALLHOEHE
3 Emo­tivBekannt­heits­gradInter­na­tio­nal oder natio­nal bekannt: +1 · regio­nal bekannt: 0 · lokal oder wenig bekannt: −1FALLHOEHE
4 Stake­hol­derWich­tig­ste AnspruchsgruppenListe der rele­van­te­sten Stake­hol­der (Kund­schaft, Mit­ar­bei­ten­de, Behör­den, NGO, Inve­sto­ren, Medi­en)EVI und FRAMI (Stake­hol­der­be­zug der Pro­gno­se), SCHNUFFI
4 Stake­hol­derErwar­tungs­ni­veau der StakeholderHoch (Behör­den, Medi­en): +1 · mit­tel: 0 · nied­rig: −1EVI, FRAMI
4 Stake­hol­derMacht­stel­lung der StakeholderHohe Macht (Regu­la­to­ren, Gross­ab­neh­mer): +1 · mitt­le­re Macht: 0 · gerin­ge Macht: −1EVI (Stra­te­gie)

Hin­weis: Bran­che und Risi­koklas­se bezie­hen sich auf den Fall. Bewer­tet wird die Risi­koklas­se der Tätig­keit, um die es in der Kri­se geht, nicht die der Orga­ni­sa­ti­on als Gan­zes. Bei einer Orga­ni­sa­ti­on mit meh­re­ren Geschäfts­fel­dern zählt das betrof­fe­ne Seg­ment: Ein Nah­rungs­mit­tel­kon­zern erhält bei einer Kri­se um Säug­lings­nah­rung einen ande­ren Wert als bei der Ent­eig­nung einer Aus­lands­ge­sell­schaft. Die Fall­hö­he misst, was die Kri­se auf dem Spiel ste­hen lässt. Das bewer­te­te Seg­ment wird im ADAM-Bericht genannt; die übri­gen Fak­to­ren blei­ben organisationsbezogen.

Hin­weis: Basis-Repu­ta­ti­on und Pas­sung. Eine Schutz­wir­kung guter Vor­re­pu­ta­ti­on ist nur am obe­ren Rand belegt; posi­ti­ve und neu­tra­le Vor­re­pu­ta­ti­on unter­schei­den sich in ihrer Wir­kung nicht, ungün­sti­ge scha­det (Coombs & Holl­aday, 2002, 2006; Klein & Dawar, 2004). «Sehr posi­tiv» trägt des­halb −1, «posi­tiv» 0. NEU 28.09.2026

Der Bonus von −1 ent­fällt, wenn bei­de Bedin­gun­gen erfüllt sind:

  1. Die Orga­ni­sa­ti­on hat ein aus­drück­li­ches mora­li­sches Ver­spre­chen abge­ge­ben: Kern­wer­te «mora­lisch auf­ge­la­den» (+1) oder «expli­zi­te CSR-Ver­spre­chen oder Ethik-Kodex» (+1).
  2. Der Vor­wurf der aktu­el­len Kri­se betrifft den­sel­ben Wer­te­be­reich (Inte­gri­tät statt Leistung).

Für die zwei­te Bedin­gung wird der Vor­wurf der aktu­el­len Kri­se bewer­tet, wie er im Auf­trag und in den ersten Schlag­zei­len steht; der Nach­weis steht im ADAM-Bericht. Die übri­gen Fak­to­ren blei­ben orga­ni­sa­ti­ons­be­zo­gen. Grenz­fäl­le wer­den als Span­ne aus­ge­wie­sen. Ein zusätz­li­cher Malus ent­fällt: Die ver­schär­fen­de Wir­kung einer ver­letz­ten Wer­te­pas­sung läuft über TRAP_NORM_HYPO (Sohn & Laris­cy, 2015; Ammann, Matz­in­ger & Kroh­mer, 2026). Stellt FRAMI im Kor­pus einen ande­ren Wer­te­be­reich fest, mel­det es das als Befund an EVI; FALLHOEHE bleibt unver­än­dert (MI-00, Kern­re­gel 7).

Erster Prüf­stein. NEU 05.10.2026 In der Rück­pro­be Raiff­ei­sen Schweiz / Vin­cenz 2018 vom 05.10.2026 waren bei­de Bedin­gun­gen erfüllt; der Bonus ent­fiel, das Band blieb hoch. Im Kor­pus wur­de die ver­letz­te Pas­sung nur schwach akti­viert (NORM_HYPO_TEXT 4,8 Pro­zent, erst ab dem drit­ten Tag nach dem Aus­lö­ser). Ein Fall, nicht blind; die Regel bleibt unverändert.

«Sehr posi­tiv» wird nur mit Beleg codiert, etwa einer publi­zier­ten Repu­ta­ti­ons­mes­sung oder einem Ran­king mit der Orga­ni­sa­ti­on in der Spit­zen­grup­pe; ohne Beleg höch­stens «posi­tiv». Der Beleg steht im ADAM-Bericht. NEU 28.09.2026 Mass­geb­lich ist die Gesamt­rang­li­ste; als Spit­zen­grup­pe gilt das obe­re Fünf­tel der dort bewer­te­ten Orga­ni­sa­tio­nen. Rang­li­sten ein­zel­ner Befrag­ten­grup­pen – nach Alter, Sprach­re­gi­on oder Kun­den­seg­ment – wer­den im Bericht genannt, tra­gen die Aus­prä­gung aber nicht. Die Gren­ze ist eine KMK-Set­zung, 🔴 EST. NEU 03.10.2026

3 Reputations-Fallhöhe FALLHOEHE

Sum­me der Punk­te der neun Fak­to­ren, die in der Spal­te «Geht ein in» mit FALLHOEHE bezeich­net sind.

ScoreInter­pre­ta­ti­on
−4 und tiefergerin­ge Fall­hö­he, Reputations-Bonus
−3 bis +3mitt­le­re Fallhöhe
+4 und höherhohe Fall­hö­he, Reputations-Malus

Ach­tung: Die Fall­hö­he bedient die Kon­se­quenz­ach­se. Sie beant­wor­tet, wie schwer eine gege­be­ne Zuschrei­bung wiegt – nicht, wie stark zuge­schrie­ben wird. Sie geht des­halb nicht in die Zuschrei­bungs­rech­nung ein. Kri­sen­ge­schich­te und Basis-Repu­ta­ti­on stecken bereits in die­sem Score; sie zusätz­lich als Ver­stär­ker in die­sel­be Glei­chung zu geben, hies­se die­sel­ben Fak­ten mehr­fach zu ver­rech­nen. Die bei­den Ach­sen tref­fen erst in der Alarm­stu­fe von EVI wie­der aufeinander.

Hin­weis: Wer­te­be­reich. Der Score reicht von −8 bis +14. Von den fünf­zehn Fak­to­ren tra­gen drei­zehn Punk­te, aber nur neun gehen in die Fall­hö­he ein: mass­geb­lich ist die Spal­te «Geht ein in». Der geo­gra­fi­sche und kul­tu­rel­le Kon­text und die wich­tig­sten Anspruchs­grup­pen tra­gen gar kei­ne Punk­te; sozia­le Ver­ant­wor­tung, Kern­wer­te, Erwar­tungs­ni­veau und Macht­stel­lung der Stake­hol­der tra­gen Punk­te, gehen aber an EVI, FRAMI und TRAP_NORM_HYPO und nicht in den Score. Die Bän­der sind des­halb nach unten und oben offen. Die Roh­sum­me wird immer mitausgewiesen.

Hin­weis: Grenz­fall an der Band­gren­ze. Die Band­gren­zen sind Set­zun­gen, und vie­le Fak­to­ren beru­hen auf Schät­zung. Liegt die Roh­sum­me so nahe an einer Gren­ze, dass ver­tret­bar ande­re Ein­stu­fun­gen sie auf die ande­re Sei­te brin­gen, wird das Band als Span­ne aus­ge­wie­sen, etwa «mit­tel bis hoch», nicht als ein ein­zi­ges Band. Geprüft wird so: Jeder Fak­tor, des­sen Ein­stu­fung auf Schät­zung beruht, wird um eine ver­tret­ba­re Stu­fe in Rich­tung der näch­sten Band­gren­ze ver­scho­ben. Wech­selt die Sum­me dadurch das Band, gilt die Span­ne. Aus­ge­wie­sen wer­den immer die Roh­sum­me, der Abstand zur näch­sten Band­gren­ze und die Zahl der geschätz­ten Fak­to­ren. Das­sel­be Vor­ge­hen gilt für INT_HIST bei feh­len­der Schwe­re (Abschnitt 4). Wel­che Fol­ge eine Span­ne für die Alarm­stu­fe hat, regelt RW-R2 in Abschnitt 9. Anlass: In den ersten fünf ana­ly­sier­ten Fäl­len lag die Fall­hö­he im Band «hoch», und der ein­zi­ge Fall, in dem das Band über die Alarm­stu­fe ent­schied, lag auf der Gren­ze. 🔴 EST Auf der Bonus­sei­te der Basis-Repu­ta­ti­on ist eine Ver­schie­bung von «neu­tral» nach «posi­tiv» wir­kungs­los, weil bei­de Stu­fen 0 Punk­te tra­gen; ver­tret­bar ist dort nur die Ver­schie­bung nach «sehr posi­tiv» oder in Gegen­rich­tung. NEU 28.09.2026

4 Attributionsverstärker INT_HIST, INT_REP, INT_SUM

Neu in Ver­si­on 2.0. Zwei defi­nier­te Ska­len statt einer unbe­stimm­ten «Anzahl Inten­si­vie­rer», voll­stän­dig aus den oben erho­be­nen Wer­ten ableitbar.

INT_HIST – Krisenhistorie (aus Kategorie 1)

Gezählt wer­den nur ähn­li­che Vor­fäl­le: Vor­fäl­le des­sel­ben Kri­sen­typs oder des­sel­ben Sach­ge­biets wie die aktu­el­le Kri­se, im 24-Monats-Fen­ster. Coombs knüpft die Ver­stär­kung an frü­he­re Kri­sen ähn­li­cher Art («simi­lar cri­ses»; Coombs, 2007, S. 173, Tabel­le 3). Vor­fäl­le ande­rer Art wer­den in der Histo­ri­en­ta­bel­le erfasst und aus­ge­wie­sen, gehen aber nicht in INT_HIST ein; wo sie das Anse­hen bela­stet haben, wir­ken sie über INT_REP. NEU 23.09.2026

WertBedin­gung
0kei­ne ähn­li­chen Vor­fäl­le in den letz­ten 24 Monaten
11–2 leich­te ähn­li­che Vor­fäl­le (Schwe­re 1–3), oder ein schwe­rer ähn­li­cher Vor­fall (Schwe­re 4–5) mit guter Bewältigungsqualität
23 oder mehr ähn­li­che Vor­fäl­le, oder ein schwe­rer ähn­li­cher Vor­fall (Schwe­re 4–5) mit mitt­le­rer bis schlech­ter Bewältigungsqualität

Histo­ri­en­ta­bel­le. Pflicht­spal­ten je Vor­fall: Datum · Vor­fall · Kri­sen­typ (Scan­dal / Acci­dent / Vic­tim / Ent­scheid) · Schwe­re 1–5 · Sach­ge­biet · ähn­lich ja/nein mit Begrün­dung in einem Satz · Bewäl­ti­gungs­qua­li­tät (gut / mit­tel / schlecht). Fehlt die Schwe­re, ist die Stu­fe bei einem ein­zi­gen ähn­li­chen Vor­fall nicht ent­scheid­bar; dann wird INT_HIST als Band aus­ge­wie­sen (etwa «1 bis 2»), nicht als Zahl. NEU 23.09.2026

Zähl­ein­heit und Kri­sen­typ «Ent­scheid». Ein Vor­fall ist ein öffent­lich eigen­stän­dig berich­te­tes Ereig­nis mit eige­nem Datum und eige­ner Zuschrei­bung. Hängt die Stu­fe dar­an, ob ein Ereig­nis als eige­ner Vor­fall oder als Teil eines frü­he­ren zählt – etwa Kün­di­gun­gen an einem Stand­ort eini­ge Wochen nach einer ange­kün­dig­ten Reor­ga­ni­sa­ti­on –, wird INT_HIST eben­falls als Band aus­ge­wie­sen und die strit­ti­ge Zäh­lung in der Histo­ri­en­ta­bel­le begrün­det. Der Kri­sen­typ «Ent­scheid» bezeich­net einen ange­kün­dig­ten Unter­neh­mens­ent­scheid ohne beleg­tes Fehl­ver­hal­ten, etwa einen Stel­len­ab­bau; Clu­ster und Son­der­re­geln ste­hen in KB-F1 Abschnitt 4.1. NEU 03.10.2026

Schwe­reAnhalts­punkt
1lokal, kaum Bericht­erstat­tung, kei­ne Folgen
2regio­na­le Bericht­erstat­tung, kei­ne behörd­li­che oder per­so­nel­le Folge
3natio­na­le Bericht­erstat­tung von kur­zer Dau­er, ohne Verfahren
4natio­na­le Bericht­erstat­tung über meh­re­re Tage oder ein behörd­li­ches oder gericht­li­ches Ver­fah­ren oder eine per­so­nel­le Kon­se­quenz in der Leitung
5anhal­ten­de Kri­se mit Fol­gen für Füh­rung, Geschäfts­mo­dell oder Fortbestand

Als schwer gilt ein Vor­fall ab Schwe­re 4. Die Gren­ze und die Anhalts­punk­te sind eine KMK-Set­zung und als 🔴 EST zu kenn­zeich­nen; SCCT nennt kei­ne Ska­la der Schwere.

INT_REP – Vorreputation (aus Kategorie 3)

WertAus­prä­gung
0sehr posi­tiv / positiv
1neu­tral
2nega­tiv / sehr negativ

INT_REP wird an der Aus­prä­gung der Basis-Repu­ta­ti­on abge­le­sen, nicht an ihren Punk­ten. Die Pas­sungs­re­gel (Abschnitt 2) ändert die Punk­te für FALLHOEHE, nicht INT_REP. NEU 28.09.2026

INT_SUM = INT_HIST + INT_REP, Wertebereich 0–4

Das 24-Monats-Fen­ster ist eine KMK-Set­zung und als 🔴 EST zu kenn­zeich­nen (Evi­denz­grad E3) – SCCT nennt für cri­sis histo­ry kei­ne Frist. Die frü­he­re Zusatz­re­gel, nach der ein typ­glei­cher Vor­fall INT_HIST um eine Stu­fe anhob, ent­fällt: Die Ähn­lich­keit ist jetzt Vor­aus­set­zung dafür, dass ein Vor­fall über­haupt zählt.

Hin­weis: Fall­hö­he und INT_HIST zäh­len ver­schie­den. Der Fak­tor «Kri­sen­ge­schich­te» in Abschnitt 2 bewer­tet für FALLHOEHE wei­ter­hin alle Vor­fäl­le des Fen­sters, denn die Fall­hö­he misst die gesam­te Vor­be­la­stung. Für INT_HIST zäh­len nur die ähn­li­chen. Bei­de Wer­te wer­den aus der­sel­ben Histo­ri­en­ta­bel­le abge­lei­tet; in der Tabel­le ist je Vor­fall zu ver­mer­ken, ob er ähn­lich ist, mit einer Begrün­dung in einem Satz.

Hin­weis: Zurech­nung bei ver­bun­de­nen Orga­ni­sa­tio­nen. Ein Vor­fall eines ver­bun­de­nen Betriebs – einer Toch­ter­ge­sell­schaft, eines bun­des­na­hen oder beauf­sich­tig­ten Unter­neh­mens – zählt zur Histo­rie der Kri­sen­or­ga­ni­sa­ti­on, wenn die­se damals öffent­lich als ver­ant­wort­lich ange­spro­chen wur­de, etwa als Auf­sicht, Eig­ne­rin oder Auf­trag­ge­be­rin. Mass­geb­lich ist die dama­li­ge Zuschrei­bung, nicht die recht­li­che Ver­bin­dung; der Nach­weis steht im ADAM-Bericht. Fehlt er, wird der Vor­fall aus­ge­wie­sen, aber nicht gezählt. NEU 23.09.2026

Ach­tung: «Human Error» ist kein Attri­bu­ti­ons­ver­stär­ker. Mensch­li­ches Ver­sa­gen ist in SCCT ein Clu­ster-Kri­te­ri­um: es ver­schiebt die Kri­se nach Pre­ven­ta­ble und wirkt bereits auf das Basis­ni­veau. Es gehört zur Clu­ster­be­stim­mung in FRAMI (KB-F1), nicht in INT_SUM.

Hin­weis: Neu­tra­le Vor­re­pu­ta­ti­on ist kein Ver­stär­ker. Eine neu­tra­le Vor­re­pu­ta­ti­on (INT_REP = 1) fliesst in INT_SUM ein, löst allein aber kei­ne Eska­la­ti­on aus: STR-R21 greift nur, wenn INT_HIST ≥ 1 oder INT_REP = 2. Nach Coombs (2007, Tabel­le 3, Leit­li­ni­en 3–5) ver­stär­ken nur Kri­sen­ge­schich­te und ungün­sti­ge Vorreputation.

5 Schnittstellen-Output

AnÜber­ge­ben wird
SCHNUFFISuch­be­grif­fe · Zeit­raum · Spra­chen · geo­gra­fi­scher Fokus
FRAMIKern­wer­te · INT_HIST / INT_REP / INT_SUM · alle fünf TRAP_* mit erwar­te­ter Frame-Signa­tur · FALLHOEHE zum Durch­rei­chen · Stake­hol­der-Prio­ri­tä­ten
EVIFALLHOEHE mit Inter­pre­ta­ti­on · INT_SUM mit Teil­wer­ten · Kern­wer­te · Stake­hol­der-Prio­ri­tä­ten · geo­gra­fi­scher und kul­tu­rel­ler Kon­text

Hin­weis: Ohne die Stake­hol­der-Prio­ri­tä­ten kann FRAMI kei­ne grup­pen­dif­fe­ren­zier­te Pro­gno­se stel­len – und eine Pro­gno­se ohne Stake­hol­der­be­zug ist wert­los. Bis Ver­si­on 1.0 gin­gen sie nur an EVI.

6 Moderatoren der Verhaltensebene NEU 15.08.2026

Die fol­gen­den Kon­text­merk­ma­le sind von ADAM zu erhe­ben. Sie steu­ern die Ver­hal­tens­pro­gno­se in RW-R1 und sind kei­ne Pro­gno­se, son­dern Lagemerkmale.

Merk­malAus­prä­gun­genLeit­fra­ge
Wahr­neh­mungs­reich­wei­teflä­chen­deckend / tei­löf­fent­lich / nicht öffentlichKommt die Lage bei den Anspruchs­grup­pen über­haupt an?
Kon­kret­heit der Gefährdunggegen­ständ­lich / abstraktGibt es einen Gegen­stand, an dem sich die Gefahr zeigt?
Trä­ger der GefahrenabwehrBetrof­fe­ne / Orga­ni­sa­ti­on / Dritt­in­stanz / niemandWer wen­det die Gefahr fak­tisch ab?
Hand­lungs­an­ge­botWirk­sam­keit, Recht­zei­tig­keit, VollständigkeitWas kön­nen Betrof­fe­ne tun, ab wann wis­sen sie es, und wo fra­gen sie nach?
Umsetz­bar­keit des Verzichtserkenn­bar / nicht erkenn­bar; Alter­na­ti­ven; WechselkostenKönn­te man die Orga­ni­sa­ti­on über­haupt meiden?
Kapa­zi­tät für Betroffenenrechtevor­han­den / nicht vorhandenKann die Orga­ni­sa­ti­on Aus­kunfts- und Lösch­be­geh­ren bewältigen?
Bekann­te reich­wei­ten­lo­se Vorwürfevor­han­den / keineWel­che Alt­last war­tet auf einen reich­wei­ten­star­ken Träger?

Hin­weis: Das letz­te Merk­mal stammt aus einer wie­der­keh­ren­den Beob­ach­tung: In drei von neun geprüf­ten Fäl­len lag die Offen­le­gung Jah­re vor der Kri­se öffent­lich vor und blieb ohne Wir­kung. Die Fra­ge der Früh­erken­nung lau­tet nicht, ob etwas bekannt ist, son­dern wer es auf­grei­fen könnte.

Belege

  • Ammann, C. L., Matz­in­ger, J., & Kroh­mer, H. (2026). The dou­ble-edged power of brand pur­po­se: How strong pur­po­se helps and hurts brands facing cri­ti­cism. Jour­nal of Pro­duct & Brand Manage­ment. Advan­ce online publi­ca­ti­on. https://doi.org/10.1108/JPBM-11-2025-6518
  • Coombs, W. T., & Holl­aday, S. J. (2006). Unpack­ing the halo effect: Repu­ta­ti­on and cri­sis manage­ment. Jour­nal of Com­mu­ni­ca­ti­on Manage­ment, 10(2), 123–137. https://doi.org/10.1108/13632540610664698 – Coombs & Holl­aday (2002) zitiert nach die­ser Quelle.
  • Klein, J., & Dawar, N. (2004). Cor­po­ra­te social respon­si­bi­li­ty and con­su­mers’ attri­bu­ti­ons and brand eva­lua­tions in a product–harm cri­sis. Inter­na­tio­nal Jour­nal of Rese­arch in Mar­ke­ting, 21(3), 203–217. https://doi.org/10.1016/j.ijresmar.2003.12.003
  • Sohn, Y. J., & Laris­cy, R. W. (2015). A «buf­fer» or «boo­me­rang?» – The role of cor­po­ra­te repu­ta­ti­on in bad times. Com­mu­ni­ca­ti­on Rese­arch, 42(2), 237–259. https://doi.org/10.1177/0093650212466891

Änderungsprotokoll

Ver­si­onDatumÄnde­rung
2.013.08.2026Abschnitt 4 neu: Berech­nungs­re­gel für INT_HIST, INT_REP und INT_SUM mit zwei E3-Zusatz­re­geln – damit ist die Num­me­rie­rungs­lücke der Vor­fas­sung (5 auf 7) geschlos­sen. Klar­stel­lung, dass die Fall­hö­he die Kon­se­quenz­ach­se bedient und bei­de Attri­bu­ti­ons­ver­stär­ker bereits ent­hält. «Human Error» als Ver­stär­ker aus­ge­schlos­sen. Schnitt­stel­len-Out­put an FRAMI um INT_SUM, alle fünf TRAP_* und die Stake­hol­der-Prio­ri­tä­ten erwei­tert. Offe­ne Posi­ti­on zu den Inter­pre­ta­ti­ons­bän­dern ver­merkt. Tipp­feh­ler «Des­krit­piv» korrigiert.
2.015.08.2026Nach­trag 15.08.: Abschnitt 6 «Mode­ra­to­ren der Ver­hal­tens­ebe­ne» ergänzt (sie­ben Merk­ma­le, die die Ver­hal­tens­re­geln in RW-R1 steuern).
2.016.09.2026Fall­hö­he: Bän­der nach unten und oben offen («−4 und tie­fer», «+4 und höher»), rech­ne­ri­scher Wer­te­be­reich −11 bis +18 aus­ge­wie­sen, offe­ne Posi­ti­on auf­ge­löst. Abschnitt 4: Hin­weis, dass neu­tra­le Vor­re­pu­ta­ti­on allein kei­ne Eska­la­ti­on aus­löst (STR-R21).
2.021.09.2026Wer­te­be­reich der Fall­hö­he auf −9 bis +14 berich­tigt: In den Score gehen nur die neun Fak­to­ren ein, die in der Spal­te «Geht ein in» mit FALLHOEHE bezeich­net sind. Die bis­he­ri­ge Anga­be −11 bis +18 sum­mier­te alle drei­zehn punk­te­tra­gen­den Fak­to­ren, auch jene, die an EVI, FRAMI und TRAP_NORM_HYPO gehen.
2.023.09.2026Abschnitt 2: Fak­tor «Bran­che und Risi­koklas­se» fall­be­zo­gen – bewer­tet wird das von der Kri­se betrof­fe­ne Seg­ment (Ent­scheid vom 23.09.2026). Abschnitt 3: Sum­men­re­gel auf die neun mit FALLHOEHE bezeich­ne­ten Fak­to­ren präzisiert.
2.023.09.2026Nach­trag 23.09., zwei­ter Teil: INT_HIST zählt nur ähn­li­che Vor­fäl­le (des­sel­ben Kri­sen­typs oder Sach­ge­biets) nach Coombs (2007); Zusatz­re­gel «Typ­gleich­heit hebt um eine Stu­fe» ent­fällt. Die Fall­hö­he zählt wei­ter­hin alle Vor­fäl­le. Neue Zurech­nungs­re­gel für ver­bun­de­ne Orga­ni­sa­tio­nen nach der dama­li­gen öffent­li­chen Zuschrei­bung. Histo­ri­en­ta­bel­le um Sach­ge­biet und Ähn­lich­keit ergänzt. Anlass: Prüf­auf­trag am Fall Nest­lé / Zwangs­ver­wal­tung Russ­land, Nach­rech­nung über vier Fälle.
2.023.09.2026Nach­trag 23.09., drit­ter Teil: Pflicht­spal­ten der Histo­ri­en­ta­bel­le voll­stän­dig genannt; Schwe­re 1–5 mit Anhalts­punk­ten beschrie­ben, schwer ab Schwe­re 4 (🔴 EST). Ohne Schwe­re wird INT_HIST als Band aus­ge­wie­sen. Anlass: Nach­trag zum Fall F‑35, in dem die Stu­fe an der Schwe­re eines ein­zi­gen Vor­falls hing.
2.025.09.2026Abschnitt 3: Hin­weis «Grenz­fall an der Band­gren­ze» – Fall­hö­he als Span­ne, wenn ver­tret­bar ande­re Ein­stu­fun­gen der geschätz­ten Fak­to­ren das Band wech­seln las­sen; Pflicht­an­ga­ben Roh­sum­me, Abstand zur näch­sten Band­gren­ze, Zahl der geschätz­ten Fak­to­ren. Kei­ne neue Band­gren­ze. Anlass: Befund aus dem Pro­jekt «KMK-Ana­ly­se­tool» vom 24.09.2026 (fünf Fäl­le, alle im Band «hoch», einer auf der Grenze).
2.028.09.2026Abschnitt 2: Basis-Repu­ta­ti­on neu sehr posi­tiv −1, posi­tiv 0 (bis­her −2 / −1); Hin­weis «Basis-Repu­ta­ti­on und Pas­sung» mit Pas­sungs­re­gel (Bonus ent­fällt bei mora­li­schem Ver­spre­chen und Vor­wurf im sel­ben Wer­te­be­reich). Abschnitt 3: Wer­te­be­reich −8 bis +14; Satz zur Grenz­fall­prü­fung auf der Bonus­sei­te. Abschnitt 4: INT_REP nach Aus­prä­gung statt nach Punk­ten, Wer­te unver­än­dert. Bele­ge ergänzt. Anlass: Lite­ra­tur­prü­fung Halo- und Bume­rang-Effekt vom 27.09.2026; Rück­pro­be über sie­ben Fäl­le ohne Band- oder Alarm­stu­fen­wech­sel (KMK-Ana­ly­se­tool, 27.09.2026).
2.028.09.2026Nach­trag nach der Abnah­me durch das KMK-Ana­ly­se­tool: Abschnitt 2, «sehr posi­tiv» nur mit Beleg (Ent­scheid vom 28.09.2026). Abschnitt 3, Anlass­satz im Hin­weis «Grenz­fall an der Band­gren­ze» an die Band­be­set­zung ange­passt (seit dem 25./26.09.2026 zwei Fäl­le im Band «mit­tel»). DOIs als Link, damit die Web­site-Typo­gra­fie die Bin­de­stri­che nicht in Halb­ge­viert­stri­che umwandelt.
2.003.10.2026Abschnitt 4: Wer­te­ta­bel­le INT_HIST nennt in allen drei Stu­fen aus­drück­lich «ähn­li­che» Vor­fäl­le (bis­her nur im Fliess­text und in MI-01). Histo­ri­en­ta­bel­le: Kri­sen­typ «Ent­scheid» (ange­kün­dig­ter Unter­neh­mens­ent­scheid ohne Fehl­ver­hal­ten, KB-F1 Abschnitt 4.1); Zähl­ein­heit «Vor­fall» bestimmt, Aus­weis als Band auch bei strit­ti­ger Zähl­ein­heit. Abschnitt 2, Basis-Repu­ta­ti­on: «sehr posi­tiv» nur über die Gesamt­rang­li­ste, Spit­zen­grup­pe = obe­res Fünf­tel (🔴 EST), Teil­grup­pen­rang­li­sten nur nen­nend. Anlass: Rück­pro­be Man­or / Stel­len­ab­bau 2020 vom 03.10.2026.
2.005.10.2026Abschnitt 2, Hin­weis «Basis-Repu­ta­ti­on und Pas­sung»: erster Prüf­stein der Pas­sungs­re­gel ver­merkt (Rück­pro­be Raiff­ei­sen Schweiz / Vin­cenz 2018 vom 05.10.2026). Regel unverändert.

Zita­ti­on: KMK-Ana­ly­se-System (2026): Codier­sy­stem kon­tex­tu­el­le Mode­ra­to­ren, Res­sour­ce KB-A1, Ver­si­on 2.0. krisenkom.ch.

Ver­wand­te Res­sour­cen: KB-A2 · MI-01 · MI-03 · MI-04 · RW-R2

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