KMK-RESSOURCE KB-A1
Codiersystem kontextuelle Moderatoren
| Version | 2.0 |
|---|---|
| Stand | 16.09.2026 |
| Gilt ab | 15.08.2026 |
| Ersetzt | Version 1.0 vom 25.04.2026 |
| Modul | ADAM |
| Ebene | Kontext (nichtsituativ) |
| Geltungsart | Messvorschrift |
| Konventionen | KB-00 Codebuch-Konventionen |
| Systemversion | KMK 2.0 |
Massgebliche Fassung für KMK-Analysen (KI-Abruf). Bei jeder Analyse live abrufen, nie aus dem Cache.
1 Zweck
Der Bogen erfasst die nichtsituativen Faktoren einer Organisation – alles, was vor der Krise gilt und unabhängig von ihr besteht. Er wird ausschliesslich in ADAM ausgefüllt; FRAMI und EVI übernehmen die Ergebnisse, ohne sie nachzurechnen.
2 Faktoren
| Kategorie | Faktor | Codierung und Punkte | Geht ein in |
|---|---|---|---|
| 1 Deskriptiv | Branche und Risikoklasse | Hochrisiko (Chemie, Energie, Pharma, Behörde): +2 · Mittelrisiko (Industrie, Handel): +1 · Niedrigrisiko (Dienstleistung, NGO): 0 | FALLHOEHE |
| 1 Deskriptiv | Organisationsgrösse | Grossunternehmen oder national: +1 · KMU: 0 · lokal oder klein: −1 | FALLHOEHE |
| 1 Deskriptiv | Krisengeschichte (letzte 24 Monate) | Anzahl Vorfälle, Krisentyp (Scandal / Accident / Victim), Schwere 1–5, Bewältigungsqualität (gut / mittel / schlecht). Keine Vorfälle: −2 · 1–2 leichte: 0 · 3 und mehr oder schwere: +2 | FALLHOEHE und INT_HIST |
| 1 Deskriptiv | Marktstellung | Monopol oder Marktführerschaft: +1 · Nische: 0 · Marginalanbieter: −1 | FALLHOEHE |
| 1 Deskriptiv | Geografischer und kultureller Kontext | Primäre Krisenregion (Deutschschweiz / Romandie / Tessin / international / andere); weitere Sprachregionen betroffen ja/nein; kulturelle Sensitivität hoch / mittel / niedrig | SCHNUFFI (Sprachen), EVI (Strategie) |
| 2 Normativ | Transparenzerwartung | Hoch (Behörde, öffentliche Institution): +2 · mittel (börsennotiert, reguliert): +1 · niedrig (privat, nicht reguliert): 0 | FALLHOEHE |
| 2 Normativ | Sicherheitsnormen und Compliance | Strenge gesetzliche Auflagen: +1 · Branchenstandards: 0 · keine besonderen Normen: −1 | FALLHOEHE |
| 2 Normativ | Soziale Verantwortung (CSR, Ethik-Kodex) | Explizite CSR-Versprechen oder Ethik-Kodex: +1 (erhöht das Heuchelei-Risiko bei Diskrepanz) · keine expliziten Versprechen: 0 | EVI (Kohärenz-Check), TRAP_NORM_HYPO |
| 2 Normativ | Kernwerte und Werteversprechen | Kommunizierte Kernwerte (Claim, Mission) dokumentieren. Moralisch aufgeladen (Nachhaltigkeit, Fairness, Sicherheit): +1 · funktional (Effizienz, Preis): 0 | EVI (Kohärenz-Check), FRAMI (Auswertung NORM_HYPO_TEXT) |
| 3 Emotiv | Basis-Reputation (Sympathiewert vor der Krise) | Sehr positiv: −2 · positiv: −1 · neutral: 0 · negativ: +1 · sehr negativ: +2 | FALLHOEHE und INT_REP |
| 3 Emotiv | Branchen-Image | Hohes Vertrauen (NGO, Bildung): −1 · neutral: 0 · Skepsis vorhanden (Pharma, Banken): +1 · hohe Skepsis (Rüstung, Tabak): +2 | FALLHOEHE |
| 3 Emotiv | Bekanntheitsgrad | International oder national bekannt: +1 · regional bekannt: 0 · lokal oder wenig bekannt: −1 | FALLHOEHE |
| 4 Stakeholder | Wichtigste Anspruchsgruppen | Liste der relevantesten Stakeholder (Kundschaft, Mitarbeitende, Behörden, NGO, Investoren, Medien) | EVI und FRAMI (Stakeholderbezug der Prognose), SCHNUFFI |
| 4 Stakeholder | Erwartungsniveau der Stakeholder | Hoch (Behörden, Medien): +1 · mittel: 0 · niedrig: −1 | EVI, FRAMI |
| 4 Stakeholder | Machtstellung der Stakeholder | Hohe Macht (Regulatoren, Grossabnehmer): +1 · mittlere Macht: 0 · geringe Macht: −1 | EVI (Strategie) |
3 Reputations-Fallhöhe FALLHOEHE
Summe der Punkte aller bewerteten Faktoren.
| Score | Interpretation |
|---|---|
| −4 und tiefer | geringe Fallhöhe, Reputations-Bonus |
| −3 bis +3 | mittlere Fallhöhe |
| +4 und höher | hohe Fallhöhe, Reputations-Malus |
Achtung: Die Fallhöhe bedient die Konsequenzachse. Sie beantwortet, wie schwer eine gegebene Zuschreibung wiegt – nicht, wie stark zugeschrieben wird. Sie geht deshalb nicht in die Zuschreibungsrechnung ein. Krisengeschichte und Basis-Reputation stecken bereits in diesem Score; sie zusätzlich als Verstärker in dieselbe Gleichung zu geben, hiesse dieselben Fakten mehrfach zu verrechnen. Die beiden Achsen treffen erst in der Alarmstufe von EVI wieder aufeinander.
Hinweis: Wertebereich. Rechnerisch reicht der Score von −11 bis +18: 13 der 15 Faktoren tragen Punkte, der geografische und kulturelle Kontext und die wichtigsten Anspruchsgruppen gehen nicht ein. Die Bänder sind deshalb nach unten und oben offen. Die Rohsumme wird immer mitausgewiesen.
4 Attributionsverstärker INT_HIST, INT_REP, INT_SUM
Neu in Version 2.0. Zwei definierte Skalen statt einer unbestimmten «Anzahl Intensivierer», vollständig aus den oben erhobenen Werten ableitbar.
INT_HIST – Krisenhistorie (aus Kategorie 1)
| Wert | Bedingung |
|---|---|
| 0 | keine Vorfälle in den letzten 24 Monaten |
| 1 | 1–2 leichte Vorfälle, oder ein schwerer Vorfall mit guter Bewältigungsqualität |
| 2 | 3 oder mehr Vorfälle, oder ein schwerer Vorfall mit mittlerer bis schlechter Bewältigungsqualität |
INT_REP – Vorreputation (aus Kategorie 3)
| Wert | Punkte oben | Ausprägung |
|---|---|---|
| 0 | −2 / −1 | sehr positiv / positiv |
| 1 | 0 | neutral |
| 2 | +1 / +2 | negativ / sehr negativ |
INT_SUM = INT_HIST + INT_REP, Wertebereich 0–4
Zwei Zusatzregeln, beide als 🔴 EST zu kennzeichnen
(Evidenzgrad E3): Stimmt der Krisentyp eines Vorfalls aus der Historie mit dem aktuellen überein, steigt
INT_HIST um eine Stufe, höchstens auf 2. Und: Das 24-Monats-Fenster ist eine KMK-Setzung – SCCT
nennt für crisis history keine Frist.
Achtung: «Human Error» ist kein Attributionsverstärker. Menschliches Versagen ist in SCCT ein Cluster-Kriterium: es verschiebt die Krise nach Preventable und wirkt bereits auf das Basisniveau. Es gehört zur Clusterbestimmung in FRAMI (
KB-F1), nicht inINT_SUM.
Hinweis: Neutrale Vorreputation ist kein Verstärker. Eine neutrale Vorreputation (
INT_REP= 1) fliesst inINT_SUMein, löst allein aber keine Eskalation aus:STR-R21greift nur, wennINT_HIST≥ 1 oderINT_REP= 2. Nach Coombs (2007, Tabelle 3, Leitlinien 3–5) verstärken nur Krisengeschichte und ungünstige Vorreputation.
5 Schnittstellen-Output
| An | Übergeben wird |
|---|---|
| SCHNUFFI | Suchbegriffe · Zeitraum · Sprachen · geografischer Fokus |
| FRAMI | Kernwerte · INT_HIST / INT_REP / INT_SUM · alle fünf TRAP_* mit erwarteter Frame-Signatur · FALLHOEHE zum Durchreichen · Stakeholder-Prioritäten |
| EVI | FALLHOEHE mit Interpretation · INT_SUM mit Teilwerten · Kernwerte · Stakeholder-Prioritäten · geografischer und kultureller Kontext |
Hinweis: Ohne die Stakeholder-Prioritäten kann FRAMI keine gruppendifferenzierte Prognose stellen – und eine Prognose ohne Stakeholderbezug ist wertlos. Bis Version 1.0 gingen sie nur an EVI.
6 Moderatoren der Verhaltensebene NEU 15.08.2026
Die folgenden Kontextmerkmale sind von ADAM zu erheben. Sie steuern die Verhaltensprognose in RW-R1 und sind keine Prognose, sondern Lagemerkmale.
| Merkmal | Ausprägungen | Leitfrage |
|---|---|---|
| Wahrnehmungsreichweite | flächendeckend / teilöffentlich / nicht öffentlich | Kommt die Lage bei den Anspruchsgruppen überhaupt an? |
| Konkretheit der Gefährdung | gegenständlich / abstrakt | Gibt es einen Gegenstand, an dem sich die Gefahr zeigt? |
| Träger der Gefahrenabwehr | Betroffene / Organisation / Drittinstanz / niemand | Wer wendet die Gefahr faktisch ab? |
| Handlungsangebot | Wirksamkeit, Rechtzeitigkeit, Vollständigkeit | Was können Betroffene tun, ab wann wissen sie es, und wo fragen sie nach? |
| Umsetzbarkeit des Verzichts | erkennbar / nicht erkennbar; Alternativen; Wechselkosten | Könnte man die Organisation überhaupt meiden? |
| Kapazität für Betroffenenrechte | vorhanden / nicht vorhanden | Kann die Organisation Auskunfts- und Löschbegehren bewältigen? |
| Bekannte reichweitenlose Vorwürfe | vorhanden / keine | Welche Altlast wartet auf einen reichweitenstarken Träger? |
Hinweis: Das letzte Merkmal stammt aus einer wiederkehrenden Beobachtung: In drei von neun geprüften Fällen lag die Offenlegung Jahre vor der Krise öffentlich vor und blieb ohne Wirkung. Die Frage der Früherkennung lautet nicht, ob etwas bekannt ist, sondern wer es aufgreifen könnte.
Änderungsprotokoll
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 2.0 | 13.08.2026 | Abschnitt 4 neu: Berechnungsregel für INT_HIST, INT_REP und INT_SUM mit zwei E3-Zusatzregeln – damit ist die Nummerierungslücke der Vorfassung (5 auf 7) geschlossen. Klarstellung, dass die Fallhöhe die Konsequenzachse bedient und beide Attributionsverstärker bereits enthält. «Human Error» als Verstärker ausgeschlossen. Schnittstellen-Output an FRAMI um INT_SUM, alle fünf TRAP_* und die Stakeholder-Prioritäten erweitert. Offene Position zu den Interpretationsbändern vermerkt. Tippfehler «Deskritpiv» korrigiert. |
| 2.0 | 15.08.2026 | Nachtrag 15.08.: Abschnitt 6 «Moderatoren der Verhaltensebene» ergänzt (sieben Merkmale, die die Verhaltensregeln in RW-R1 steuern). |
| 2.0 | 16.09.2026 | Fallhöhe: Bänder nach unten und oben offen («−4 und tiefer», «+4 und höher»), rechnerischer Wertebereich −11 bis +18 ausgewiesen, offene Position aufgelöst. Abschnitt 4: Hinweis, dass neutrale Vorreputation allein keine Eskalation auslöst (STR-R21). |
Zitation: KMK-Analyse-System (2026): Codiersystem kontextuelle Moderatoren, Ressource KB-A1, Version 2.0. krisenkom.ch.
Verwandte Ressourcen: KB-A2 · MI-01 · MI-03 · MI-04 · RW-R2
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