KMK-RESSOURCE KB-A1
Codiersystem kontextuelle Moderatoren
| Version | 2.0 |
|---|---|
| Stand | 05.10.2026 |
| Gilt ab | 15.08.2026 |
| Ersetzt | Version 1.0 vom 25.04.2026 |
| Modul | ADAM |
| Ebene | Kontext (nichtsituativ) |
| Geltungsart | Messvorschrift |
| Konventionen | KB-00 Codebuch-Konventionen |
| Systemversion | KMK 2.0 |
Massgebliche Fassung für KMK-Analysen (KI-Abruf). Bei jeder Analyse live abrufen, nie aus dem Cache.
1 Zweck
Der Bogen erfasst die nichtsituativen Faktoren einer Organisation – alles, was vor der Krise gilt und unabhängig von ihr besteht. Er wird ausschliesslich in ADAM ausgefüllt; FRAMI und EVI übernehmen die Ergebnisse, ohne sie nachzurechnen.
2 Faktoren
| Kategorie | Faktor | Codierung und Punkte | Geht ein in |
|---|---|---|---|
| 1 Deskriptiv | Branche und Risikoklasse | Hochrisiko (Chemie, Energie, Pharma, Behörde): +2 · Mittelrisiko (Industrie, Handel): +1 · Niedrigrisiko (Dienstleistung, NGO): 0 | FALLHOEHE |
| 1 Deskriptiv | Organisationsgrösse | Grossunternehmen oder national: +1 · KMU: 0 · lokal oder klein: −1 | FALLHOEHE |
| 1 Deskriptiv | Krisengeschichte (letzte 24 Monate) | Historientabelle mit den Pflichtspalten nach Abschnitt 4 (Datum, Vorfall, Krisentyp, Schwere 1–5, Sachgebiet, Ähnlichkeit mit Begründung, Bewältigungsqualität). Keine Vorfälle: −2 · 1–2 leichte: 0 · 3 und mehr oder schwere: +2 | FALLHOEHE und INT_HIST |
| 1 Deskriptiv | Marktstellung | Monopol oder Marktführerschaft: +1 · Nische: 0 · Marginalanbieter: −1 | FALLHOEHE |
| 1 Deskriptiv | Geografischer und kultureller Kontext | Primäre Krisenregion (Deutschschweiz / Romandie / Tessin / international / andere); weitere Sprachregionen betroffen ja/nein; kulturelle Sensitivität hoch / mittel / niedrig | SCHNUFFI (Sprachen), EVI (Strategie) |
| 2 Normativ | Transparenzerwartung | Hoch (Behörde, öffentliche Institution): +2 · mittel (börsennotiert, reguliert): +1 · niedrig (privat, nicht reguliert): 0 | FALLHOEHE |
| 2 Normativ | Sicherheitsnormen und Compliance | Strenge gesetzliche Auflagen: +1 · Branchenstandards: 0 · keine besonderen Normen: −1 | FALLHOEHE |
| 2 Normativ | Soziale Verantwortung (CSR, Ethik-Kodex) | Explizite CSR-Versprechen oder Ethik-Kodex: +1 (erhöht das Heuchelei-Risiko bei Diskrepanz) · keine expliziten Versprechen: 0 | EVI (Kohärenz-Check), TRAP_NORM_HYPO |
| 2 Normativ | Kernwerte und Werteversprechen | Kommunizierte Kernwerte (Claim, Mission) dokumentieren. Moralisch aufgeladen (Nachhaltigkeit, Fairness, Sicherheit): +1 · funktional (Effizienz, Preis): 0 | EVI (Kohärenz-Check), FRAMI (Auswertung NORM_HYPO_TEXT) |
| 3 Emotiv | Basis-Reputation (Sympathiewert vor der Krise) | Sehr positiv: −1 · positiv: 0 · neutral: 0 · negativ: +1 · sehr negativ: +2 | FALLHOEHE und INT_REP |
| 3 Emotiv | Branchen-Image | Hohes Vertrauen (NGO, Bildung): −1 · neutral: 0 · Skepsis vorhanden (Pharma, Banken): +1 · hohe Skepsis (Rüstung, Tabak): +2 | FALLHOEHE |
| 3 Emotiv | Bekanntheitsgrad | International oder national bekannt: +1 · regional bekannt: 0 · lokal oder wenig bekannt: −1 | FALLHOEHE |
| 4 Stakeholder | Wichtigste Anspruchsgruppen | Liste der relevantesten Stakeholder (Kundschaft, Mitarbeitende, Behörden, NGO, Investoren, Medien) | EVI und FRAMI (Stakeholderbezug der Prognose), SCHNUFFI |
| 4 Stakeholder | Erwartungsniveau der Stakeholder | Hoch (Behörden, Medien): +1 · mittel: 0 · niedrig: −1 | EVI, FRAMI |
| 4 Stakeholder | Machtstellung der Stakeholder | Hohe Macht (Regulatoren, Grossabnehmer): +1 · mittlere Macht: 0 · geringe Macht: −1 | EVI (Strategie) |
Hinweis: Branche und Risikoklasse beziehen sich auf den Fall. Bewertet wird die Risikoklasse der Tätigkeit, um die es in der Krise geht, nicht die der Organisation als Ganzes. Bei einer Organisation mit mehreren Geschäftsfeldern zählt das betroffene Segment: Ein Nahrungsmittelkonzern erhält bei einer Krise um Säuglingsnahrung einen anderen Wert als bei der Enteignung einer Auslandsgesellschaft. Die Fallhöhe misst, was die Krise auf dem Spiel stehen lässt. Das bewertete Segment wird im ADAM-Bericht genannt; die übrigen Faktoren bleiben organisationsbezogen.
Hinweis: Basis-Reputation und Passung. Eine Schutzwirkung guter Vorreputation ist nur am oberen Rand belegt; positive und neutrale Vorreputation unterscheiden sich in ihrer Wirkung nicht, ungünstige schadet (Coombs & Holladay, 2002, 2006; Klein & Dawar, 2004). «Sehr positiv» trägt deshalb −1, «positiv» 0. NEU 28.09.2026
Der Bonus von −1 entfällt, wenn beide Bedingungen erfüllt sind:
- Die Organisation hat ein ausdrückliches moralisches Versprechen abgegeben: Kernwerte «moralisch aufgeladen» (+1) oder «explizite CSR-Versprechen oder Ethik-Kodex» (+1).
- Der Vorwurf der aktuellen Krise betrifft denselben Wertebereich (Integrität statt Leistung).
Für die zweite Bedingung wird der Vorwurf der aktuellen Krise bewertet, wie er im Auftrag und in den ersten Schlagzeilen steht; der Nachweis steht im ADAM-Bericht. Die übrigen Faktoren bleiben organisationsbezogen. Grenzfälle werden als Spanne ausgewiesen. Ein zusätzlicher Malus entfällt: Die verschärfende Wirkung einer verletzten Wertepassung läuft über
TRAP_NORM_HYPO(Sohn & Lariscy, 2015; Ammann, Matzinger & Krohmer, 2026). Stellt FRAMI im Korpus einen anderen Wertebereich fest, meldet es das als Befund an EVI;FALLHOEHEbleibt unverändert (MI-00, Kernregel 7).Erster Prüfstein. NEU 05.10.2026 In der Rückprobe Raiffeisen Schweiz / Vincenz 2018 vom 05.10.2026 waren beide Bedingungen erfüllt; der Bonus entfiel, das Band blieb hoch. Im Korpus wurde die verletzte Passung nur schwach aktiviert (
NORM_HYPO_TEXT4,8 Prozent, erst ab dem dritten Tag nach dem Auslöser). Ein Fall, nicht blind; die Regel bleibt unverändert.«Sehr positiv» wird nur mit Beleg codiert, etwa einer publizierten Reputationsmessung oder einem Ranking mit der Organisation in der Spitzengruppe; ohne Beleg höchstens «positiv». Der Beleg steht im ADAM-Bericht. NEU 28.09.2026 Massgeblich ist die Gesamtrangliste; als Spitzengruppe gilt das obere Fünftel der dort bewerteten Organisationen. Ranglisten einzelner Befragtengruppen – nach Alter, Sprachregion oder Kundensegment – werden im Bericht genannt, tragen die Ausprägung aber nicht. Die Grenze ist eine KMK-Setzung, 🔴 EST. NEU 03.10.2026
3 Reputations-Fallhöhe FALLHOEHE
Summe der Punkte der neun Faktoren, die in der Spalte «Geht ein in» mit FALLHOEHE bezeichnet sind.
| Score | Interpretation |
|---|---|
| −4 und tiefer | geringe Fallhöhe, Reputations-Bonus |
| −3 bis +3 | mittlere Fallhöhe |
| +4 und höher | hohe Fallhöhe, Reputations-Malus |
Achtung: Die Fallhöhe bedient die Konsequenzachse. Sie beantwortet, wie schwer eine gegebene Zuschreibung wiegt – nicht, wie stark zugeschrieben wird. Sie geht deshalb nicht in die Zuschreibungsrechnung ein. Krisengeschichte und Basis-Reputation stecken bereits in diesem Score; sie zusätzlich als Verstärker in dieselbe Gleichung zu geben, hiesse dieselben Fakten mehrfach zu verrechnen. Die beiden Achsen treffen erst in der Alarmstufe von EVI wieder aufeinander.
Hinweis: Wertebereich. Der Score reicht von −8 bis +14. Von den fünfzehn Faktoren tragen dreizehn Punkte, aber nur neun gehen in die Fallhöhe ein: massgeblich ist die Spalte «Geht ein in». Der geografische und kulturelle Kontext und die wichtigsten Anspruchsgruppen tragen gar keine Punkte; soziale Verantwortung, Kernwerte, Erwartungsniveau und Machtstellung der Stakeholder tragen Punkte, gehen aber an EVI, FRAMI und
TRAP_NORM_HYPOund nicht in den Score. Die Bänder sind deshalb nach unten und oben offen. Die Rohsumme wird immer mitausgewiesen.
Hinweis: Grenzfall an der Bandgrenze. Die Bandgrenzen sind Setzungen, und viele Faktoren beruhen auf Schätzung. Liegt die Rohsumme so nahe an einer Grenze, dass vertretbar andere Einstufungen sie auf die andere Seite bringen, wird das Band als Spanne ausgewiesen, etwa «mittel bis hoch», nicht als ein einziges Band. Geprüft wird so: Jeder Faktor, dessen Einstufung auf Schätzung beruht, wird um eine vertretbare Stufe in Richtung der nächsten Bandgrenze verschoben. Wechselt die Summe dadurch das Band, gilt die Spanne. Ausgewiesen werden immer die Rohsumme, der Abstand zur nächsten Bandgrenze und die Zahl der geschätzten Faktoren. Dasselbe Vorgehen gilt für
INT_HISTbei fehlender Schwere (Abschnitt 4). Welche Folge eine Spanne für die Alarmstufe hat, regelt RW-R2 in Abschnitt 9. Anlass: In den ersten fünf analysierten Fällen lag die Fallhöhe im Band «hoch», und der einzige Fall, in dem das Band über die Alarmstufe entschied, lag auf der Grenze. 🔴 EST Auf der Bonusseite der Basis-Reputation ist eine Verschiebung von «neutral» nach «positiv» wirkungslos, weil beide Stufen 0 Punkte tragen; vertretbar ist dort nur die Verschiebung nach «sehr positiv» oder in Gegenrichtung. NEU 28.09.2026
4 Attributionsverstärker INT_HIST, INT_REP, INT_SUM
Neu in Version 2.0. Zwei definierte Skalen statt einer unbestimmten «Anzahl Intensivierer», vollständig aus den oben erhobenen Werten ableitbar.
INT_HIST – Krisenhistorie (aus Kategorie 1)
Gezählt werden nur ähnliche Vorfälle: Vorfälle desselben Krisentyps oder desselben Sachgebiets wie die aktuelle Krise, im 24-Monats-Fenster. Coombs knüpft die Verstärkung an frühere Krisen ähnlicher Art («similar crises»; Coombs, 2007, S. 173, Tabelle 3). Vorfälle anderer Art werden in der Historientabelle erfasst und ausgewiesen, gehen aber nicht in INT_HIST ein; wo sie das Ansehen belastet haben, wirken sie über INT_REP. NEU 23.09.2026
| Wert | Bedingung |
|---|---|
| 0 | keine ähnlichen Vorfälle in den letzten 24 Monaten |
| 1 | 1–2 leichte ähnliche Vorfälle (Schwere 1–3), oder ein schwerer ähnlicher Vorfall (Schwere 4–5) mit guter Bewältigungsqualität |
| 2 | 3 oder mehr ähnliche Vorfälle, oder ein schwerer ähnlicher Vorfall (Schwere 4–5) mit mittlerer bis schlechter Bewältigungsqualität |
Historientabelle. Pflichtspalten je Vorfall: Datum · Vorfall · Krisentyp (Scandal / Accident / Victim / Entscheid) · Schwere 1–5 · Sachgebiet · ähnlich ja/nein mit Begründung in einem Satz · Bewältigungsqualität (gut / mittel / schlecht). Fehlt die Schwere, ist die Stufe bei einem einzigen ähnlichen Vorfall nicht entscheidbar; dann wird INT_HIST als Band ausgewiesen (etwa «1 bis 2»), nicht als Zahl. NEU 23.09.2026
Zähleinheit und Krisentyp «Entscheid». Ein Vorfall ist ein öffentlich eigenständig berichtetes Ereignis mit eigenem Datum und eigener Zuschreibung. Hängt die Stufe daran, ob ein Ereignis als eigener Vorfall oder als Teil eines früheren zählt – etwa Kündigungen an einem Standort einige Wochen nach einer angekündigten Reorganisation –, wird INT_HIST ebenfalls als Band ausgewiesen und die strittige Zählung in der Historientabelle begründet. Der Krisentyp «Entscheid» bezeichnet einen angekündigten Unternehmensentscheid ohne belegtes Fehlverhalten, etwa einen Stellenabbau; Cluster und Sonderregeln stehen in KB-F1 Abschnitt 4.1. NEU 03.10.2026
| Schwere | Anhaltspunkt |
|---|---|
| 1 | lokal, kaum Berichterstattung, keine Folgen |
| 2 | regionale Berichterstattung, keine behördliche oder personelle Folge |
| 3 | nationale Berichterstattung von kurzer Dauer, ohne Verfahren |
| 4 | nationale Berichterstattung über mehrere Tage oder ein behördliches oder gerichtliches Verfahren oder eine personelle Konsequenz in der Leitung |
| 5 | anhaltende Krise mit Folgen für Führung, Geschäftsmodell oder Fortbestand |
Als schwer gilt ein Vorfall ab Schwere 4. Die Grenze und die Anhaltspunkte sind eine KMK-Setzung und als 🔴 EST zu kennzeichnen; SCCT nennt keine Skala der Schwere.
INT_REP – Vorreputation (aus Kategorie 3)
| Wert | Ausprägung |
|---|---|
| 0 | sehr positiv / positiv |
| 1 | neutral |
| 2 | negativ / sehr negativ |
INT_REP wird an der Ausprägung der Basis-Reputation abgelesen, nicht an ihren Punkten. Die Passungsregel (Abschnitt 2) ändert die Punkte für FALLHOEHE, nicht INT_REP. NEU 28.09.2026
INT_SUM = INT_HIST + INT_REP, Wertebereich 0–4
Das 24-Monats-Fenster ist eine KMK-Setzung und als 🔴 EST zu kennzeichnen (Evidenzgrad E3) – SCCT nennt für crisis history keine Frist. Die frühere Zusatzregel, nach der ein typgleicher Vorfall INT_HIST um eine Stufe anhob, entfällt: Die Ähnlichkeit ist jetzt Voraussetzung dafür, dass ein Vorfall überhaupt zählt.
Hinweis: Fallhöhe und
INT_HISTzählen verschieden. Der Faktor «Krisengeschichte» in Abschnitt 2 bewertet fürFALLHOEHEweiterhin alle Vorfälle des Fensters, denn die Fallhöhe misst die gesamte Vorbelastung. FürINT_HISTzählen nur die ähnlichen. Beide Werte werden aus derselben Historientabelle abgeleitet; in der Tabelle ist je Vorfall zu vermerken, ob er ähnlich ist, mit einer Begründung in einem Satz.
Hinweis: Zurechnung bei verbundenen Organisationen. Ein Vorfall eines verbundenen Betriebs – einer Tochtergesellschaft, eines bundesnahen oder beaufsichtigten Unternehmens – zählt zur Historie der Krisenorganisation, wenn diese damals öffentlich als verantwortlich angesprochen wurde, etwa als Aufsicht, Eignerin oder Auftraggeberin. Massgeblich ist die damalige Zuschreibung, nicht die rechtliche Verbindung; der Nachweis steht im ADAM-Bericht. Fehlt er, wird der Vorfall ausgewiesen, aber nicht gezählt. NEU 23.09.2026
Achtung: «Human Error» ist kein Attributionsverstärker. Menschliches Versagen ist in SCCT ein Cluster-Kriterium: es verschiebt die Krise nach Preventable und wirkt bereits auf das Basisniveau. Es gehört zur Clusterbestimmung in FRAMI (
KB-F1), nicht inINT_SUM.
Hinweis: Neutrale Vorreputation ist kein Verstärker. Eine neutrale Vorreputation (
INT_REP= 1) fliesst inINT_SUMein, löst allein aber keine Eskalation aus:STR-R21greift nur, wennINT_HIST≥ 1 oderINT_REP= 2. Nach Coombs (2007, Tabelle 3, Leitlinien 3–5) verstärken nur Krisengeschichte und ungünstige Vorreputation.
5 Schnittstellen-Output
| An | Übergeben wird |
|---|---|
| SCHNUFFI | Suchbegriffe · Zeitraum · Sprachen · geografischer Fokus |
| FRAMI | Kernwerte · INT_HIST / INT_REP / INT_SUM · alle fünf TRAP_* mit erwarteter Frame-Signatur · FALLHOEHE zum Durchreichen · Stakeholder-Prioritäten |
| EVI | FALLHOEHE mit Interpretation · INT_SUM mit Teilwerten · Kernwerte · Stakeholder-Prioritäten · geografischer und kultureller Kontext |
Hinweis: Ohne die Stakeholder-Prioritäten kann FRAMI keine gruppendifferenzierte Prognose stellen – und eine Prognose ohne Stakeholderbezug ist wertlos. Bis Version 1.0 gingen sie nur an EVI.
6 Moderatoren der Verhaltensebene NEU 15.08.2026
Die folgenden Kontextmerkmale sind von ADAM zu erheben. Sie steuern die Verhaltensprognose in RW-R1 und sind keine Prognose, sondern Lagemerkmale.
| Merkmal | Ausprägungen | Leitfrage |
|---|---|---|
| Wahrnehmungsreichweite | flächendeckend / teilöffentlich / nicht öffentlich | Kommt die Lage bei den Anspruchsgruppen überhaupt an? |
| Konkretheit der Gefährdung | gegenständlich / abstrakt | Gibt es einen Gegenstand, an dem sich die Gefahr zeigt? |
| Träger der Gefahrenabwehr | Betroffene / Organisation / Drittinstanz / niemand | Wer wendet die Gefahr faktisch ab? |
| Handlungsangebot | Wirksamkeit, Rechtzeitigkeit, Vollständigkeit | Was können Betroffene tun, ab wann wissen sie es, und wo fragen sie nach? |
| Umsetzbarkeit des Verzichts | erkennbar / nicht erkennbar; Alternativen; Wechselkosten | Könnte man die Organisation überhaupt meiden? |
| Kapazität für Betroffenenrechte | vorhanden / nicht vorhanden | Kann die Organisation Auskunfts- und Löschbegehren bewältigen? |
| Bekannte reichweitenlose Vorwürfe | vorhanden / keine | Welche Altlast wartet auf einen reichweitenstarken Träger? |
Hinweis: Das letzte Merkmal stammt aus einer wiederkehrenden Beobachtung: In drei von neun geprüften Fällen lag die Offenlegung Jahre vor der Krise öffentlich vor und blieb ohne Wirkung. Die Frage der Früherkennung lautet nicht, ob etwas bekannt ist, sondern wer es aufgreifen könnte.
Belege
- Ammann, C. L., Matzinger, J., & Krohmer, H. (2026). The double-edged power of brand purpose: How strong purpose helps and hurts brands facing criticism. Journal of Product & Brand Management. Advance online publication. https://doi.org/10.1108/JPBM-11-2025-6518
- Coombs, W. T., & Holladay, S. J. (2006). Unpacking the halo effect: Reputation and crisis management. Journal of Communication Management, 10(2), 123–137. https://doi.org/10.1108/13632540610664698 – Coombs & Holladay (2002) zitiert nach dieser Quelle.
- Klein, J., & Dawar, N. (2004). Corporate social responsibility and consumers’ attributions and brand evaluations in a product–harm crisis. International Journal of Research in Marketing, 21(3), 203–217. https://doi.org/10.1016/j.ijresmar.2003.12.003
- Sohn, Y. J., & Lariscy, R. W. (2015). A «buffer» or «boomerang?» – The role of corporate reputation in bad times. Communication Research, 42(2), 237–259. https://doi.org/10.1177/0093650212466891
Änderungsprotokoll
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 2.0 | 13.08.2026 | Abschnitt 4 neu: Berechnungsregel für INT_HIST, INT_REP und INT_SUM mit zwei E3-Zusatzregeln – damit ist die Nummerierungslücke der Vorfassung (5 auf 7) geschlossen. Klarstellung, dass die Fallhöhe die Konsequenzachse bedient und beide Attributionsverstärker bereits enthält. «Human Error» als Verstärker ausgeschlossen. Schnittstellen-Output an FRAMI um INT_SUM, alle fünf TRAP_* und die Stakeholder-Prioritäten erweitert. Offene Position zu den Interpretationsbändern vermerkt. Tippfehler «Deskritpiv» korrigiert. |
| 2.0 | 15.08.2026 | Nachtrag 15.08.: Abschnitt 6 «Moderatoren der Verhaltensebene» ergänzt (sieben Merkmale, die die Verhaltensregeln in RW-R1 steuern). |
| 2.0 | 16.09.2026 | Fallhöhe: Bänder nach unten und oben offen («−4 und tiefer», «+4 und höher»), rechnerischer Wertebereich −11 bis +18 ausgewiesen, offene Position aufgelöst. Abschnitt 4: Hinweis, dass neutrale Vorreputation allein keine Eskalation auslöst (STR-R21). |
| 2.0 | 21.09.2026 | Wertebereich der Fallhöhe auf −9 bis +14 berichtigt: In den Score gehen nur die neun Faktoren ein, die in der Spalte «Geht ein in» mit FALLHOEHE bezeichnet sind. Die bisherige Angabe −11 bis +18 summierte alle dreizehn punktetragenden Faktoren, auch jene, die an EVI, FRAMI und TRAP_NORM_HYPO gehen. |
| 2.0 | 23.09.2026 | Abschnitt 2: Faktor «Branche und Risikoklasse» fallbezogen – bewertet wird das von der Krise betroffene Segment (Entscheid vom 23.09.2026). Abschnitt 3: Summenregel auf die neun mit FALLHOEHE bezeichneten Faktoren präzisiert. |
| 2.0 | 23.09.2026 | Nachtrag 23.09., zweiter Teil: INT_HIST zählt nur ähnliche Vorfälle (desselben Krisentyps oder Sachgebiets) nach Coombs (2007); Zusatzregel «Typgleichheit hebt um eine Stufe» entfällt. Die Fallhöhe zählt weiterhin alle Vorfälle. Neue Zurechnungsregel für verbundene Organisationen nach der damaligen öffentlichen Zuschreibung. Historientabelle um Sachgebiet und Ähnlichkeit ergänzt. Anlass: Prüfauftrag am Fall Nestlé / Zwangsverwaltung Russland, Nachrechnung über vier Fälle. |
| 2.0 | 23.09.2026 | Nachtrag 23.09., dritter Teil: Pflichtspalten der Historientabelle vollständig genannt; Schwere 1–5 mit Anhaltspunkten beschrieben, schwer ab Schwere 4 (🔴 EST). Ohne Schwere wird INT_HIST als Band ausgewiesen. Anlass: Nachtrag zum Fall F‑35, in dem die Stufe an der Schwere eines einzigen Vorfalls hing. |
| 2.0 | 25.09.2026 | Abschnitt 3: Hinweis «Grenzfall an der Bandgrenze» – Fallhöhe als Spanne, wenn vertretbar andere Einstufungen der geschätzten Faktoren das Band wechseln lassen; Pflichtangaben Rohsumme, Abstand zur nächsten Bandgrenze, Zahl der geschätzten Faktoren. Keine neue Bandgrenze. Anlass: Befund aus dem Projekt «KMK-Analysetool» vom 24.09.2026 (fünf Fälle, alle im Band «hoch», einer auf der Grenze). |
| 2.0 | 28.09.2026 | Abschnitt 2: Basis-Reputation neu sehr positiv −1, positiv 0 (bisher −2 / −1); Hinweis «Basis-Reputation und Passung» mit Passungsregel (Bonus entfällt bei moralischem Versprechen und Vorwurf im selben Wertebereich). Abschnitt 3: Wertebereich −8 bis +14; Satz zur Grenzfallprüfung auf der Bonusseite. Abschnitt 4: INT_REP nach Ausprägung statt nach Punkten, Werte unverändert. Belege ergänzt. Anlass: Literaturprüfung Halo- und Bumerang-Effekt vom 27.09.2026; Rückprobe über sieben Fälle ohne Band- oder Alarmstufenwechsel (KMK-Analysetool, 27.09.2026). |
| 2.0 | 28.09.2026 | Nachtrag nach der Abnahme durch das KMK-Analysetool: Abschnitt 2, «sehr positiv» nur mit Beleg (Entscheid vom 28.09.2026). Abschnitt 3, Anlasssatz im Hinweis «Grenzfall an der Bandgrenze» an die Bandbesetzung angepasst (seit dem 25./26.09.2026 zwei Fälle im Band «mittel»). DOIs als Link, damit die Website-Typografie die Bindestriche nicht in Halbgeviertstriche umwandelt. |
| 2.0 | 03.10.2026 | Abschnitt 4: Wertetabelle INT_HIST nennt in allen drei Stufen ausdrücklich «ähnliche» Vorfälle (bisher nur im Fliesstext und in MI-01). Historientabelle: Krisentyp «Entscheid» (angekündigter Unternehmensentscheid ohne Fehlverhalten, KB-F1 Abschnitt 4.1); Zähleinheit «Vorfall» bestimmt, Ausweis als Band auch bei strittiger Zähleinheit. Abschnitt 2, Basis-Reputation: «sehr positiv» nur über die Gesamtrangliste, Spitzengruppe = oberes Fünftel (🔴 EST), Teilgruppenranglisten nur nennend. Anlass: Rückprobe Manor / Stellenabbau 2020 vom 03.10.2026. |
| 2.0 | 05.10.2026 | Abschnitt 2, Hinweis «Basis-Reputation und Passung»: erster Prüfstein der Passungsregel vermerkt (Rückprobe Raiffeisen Schweiz / Vincenz 2018 vom 05.10.2026). Regel unverändert. |
Zitation: KMK-Analyse-System (2026): Codiersystem kontextuelle Moderatoren, Ressource KB-A1, Version 2.0. krisenkom.ch.
Verwandte Ressourcen: KB-A2 · MI-01 · MI-03 · MI-04 · RW-R2
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