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Ver­si­on 2.2 · Stand: 21.09.2026

Ins­truc­ting Infor­ma­ti­on und Adju­sting Infor­ma­ti­on bezeich­nen die bei­den Infor­ma­ti­ons­ty­pen, die in der aku­ten Kri­sen­re­ak­ti­on Vor­rang haben: Anwei­sun­gen zum phy­si­schen Schutz der Betrof­fe­nen (ins­truc­ting) und Infor­ma­tio­nen, die die psy­chi­sche Bewäl­ti­gung unter­stüt­zen (adju­sting) (Stur­ges, 1994; Coombs, 2014).

Einordnung

Die Typo­lo­gie geht auf Stur­ges (1994) zurück, der drei Infor­ma­ti­ons­klas­sen unter­schied: Ins­truc­ting Infor­ma­ti­on (Was müs­sen Betrof­fe­ne tun, um sich zu schüt­zen? – Eva­kua­ti­on, Rück­ru­fe, Warn­hin­wei­se), Adju­sting Infor­ma­ti­on (Was hilft, das Gesche­hen zu ver­ar­bei­ten? – Anteil­nah­me, Stand der Din­ge, Kor­rek­tur­mass­nah­men, Hilfs­an­ge­bo­te) und Internalizing/Repu­ta­ti­on Infor­ma­ti­on (Was stützt das Bild der Orga­ni­sa­ti­on?). Coombs inte­grier­te die ersten bei­den als ethi­sche Basis­re­ak­ti­on in die SCCT: Sie sind unab­hän­gig vom Kri­sen­typ geschul­det und gehen jeder Repu­ta­ti­ons­stra­te­gie vor­aus (Coombs, 2007).

Die Basis­re­ak­ti­on ist geschul­det, aber sie ist kei­ne Stra­te­gie. Otter­pohl (2019) misst in einer Ana­ly­se der Bericht­erstat­tung über zwei Lebens­mit­tel­skan­da­le, dass Bei­trä­ge, in denen aus­schliess­lich Infor­ma­ti­ons­stra­te­gien the­ma­ti­siert wer­den, bei der ver­meid­ba­ren Kri­se mit deut­lich bela­sten­de­ren Dar­stel­lun­gen des betrof­fe­nen Unter­neh­mens ein­her­ge­hen (Kor­re­la­ti­on −0,48, Signi­fi­kanz­ni­veau 0,01); bei der Unfall­kri­se liess sich kein signi­fi­kan­ter Zusam­men­hang fest­stel­len (S. 287). Er hält zugleich fest, dass ins­truc­ting infor­ma­ti­on bei bei­den Kri­sen­ty­pen anzu­wen­den ist, um über die Kri­se umfas­send zu infor­mie­ren – sie genügt nur nicht, um die Repu­ta­ti­on zu schüt­zen (S. 287). Der Befund gilt für zwei Fäl­le einer Kri­sen­art in vier deut­schen Pres­se­leit­me­di­en und lässt kei­ne Aus­sa­ge über eine Wir­kungs­rich­tung zu.

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Im Bot­schafts­stra­te­gien-Set des KMK-Systems bil­den Ins­truc­ting und Adju­sting Infor­ma­ti­on die Basis­stra­te­gien, die den Repu­ta­ti­ons­stra­te­gien vor­ge­schal­tet sind. Die Wenn-Dann-Regeln machen dar­aus eine har­te Prio­ri­täts­re­gel: Bei Kri­sen mit Betrof­fe­nen gilt Opfer­ori­en­tie­rung vor Selbst­ver­tei­di­gung – eine Orga­ni­sa­ti­on, die zuerst ihre Repu­ta­ti­on ver­tei­digt, bevor Schutz- und Bewäl­ti­gungs­in­for­ma­tio­nen gesi­chert sind, ver­letzt die ethi­sche Basis­re­ak­ti­on und ris­kiert eine Sekun­där­kri­se (Dop­pel­kri­se).

Für die Lage­be­ur­tei­lung bedeu­tet das eine Vor­sichts­re­gel im Umgang mit der eige­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­bi­lanz: Dass umfas­send infor­miert wur­de, ist noch kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge, ob die Orga­ni­sa­ti­on auf die Kri­se reagiert hat. Wie die Infor­ma­ti­ons­stra­te­gien in der Bericht­erstat­tung ankom­men, beschreibt der Ein­trag Media­le Rah­mung von Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on.

Die hier genann­te Sekun­där­kri­se ist die sekun­dä­re Form der Dop­pel­kri­se: Sie erwächst aus der Sach­kri­se, weil zu spät, lücken­haft oder in der fal­schen Rei­hen­fol­ge infor­miert wur­de. Gera­de des­halb ist sie die Form, gegen die mehr und schnel­le­re Kom­mu­ni­ka­ti­on tat­säch­lich hilft – anders als bei der pri­mä­ren, in der eine Aus­sa­ge selbst der Aus­lö­ser ist und die­sel­be Reak­ti­on ver­schär­fend wirkt. Der Ein­trag zur Dop­pel­kri­se führt das aus.

Literatur

Coombs, W. T. (2007). Pro­tec­ting orga­nizati­on repu­ta­ti­ons during a cri­sis: The deve­lo­p­ment and appli­ca­ti­on of situa­tio­nal cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on theo­ry. Cor­po­ra­te Repu­ta­ti­on Review, 10(3), 163–176. https://doi.org/10.1057/palgrave.crr.1550049
Coombs, W. T. (2014). Applied cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on and cri­sis manage­ment: Cases and exer­cis­es. SAGE.
Otter­pohl, M. (2019). Die media­le Rah­mung von Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on: Eine theo­re­ti­sche und empi­ri­sche Unter­su­chung zu Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gien bei Lebens­mit­tel­skan­da­len und ihrer Reso­nanz in den Medi­en [Dis­ser­ta­ti­on, Freie Uni­ver­si­tät Ber­lin].
Stur­ges, D. L. (1994). Com­mu­ni­ca­ting through cri­sis: A stra­tegy for orga­nizatio­nal sur­vi­val. Manage­ment Com­mu­ni­ca­ti­on Quar­ter­ly, 7(3), 297–316. https://doi.org/10.1177/0893318994007003004