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Be Bo

Ver­si­on 1.0 · Stand: 15.08.2026

Orga­ni­sa­tio­nen zei­gen in der Kri­se nicht nur, was sie wis­sen und tun, son­dern auch, wie es ihnen damit geht. Die emo­tio­na­le Rah­mung ist die geziel­te Dar­stel­lung eines eige­nen Gefühls­zu­stands – Unsi­cher­heit, Erschüt­te­rung, Empö­rung, Zuver­sicht – oder die Adres­sie­rung des Gefühls­zu­stands ande­rer. Sie ist eine Bot­schafts­stra­te­gie wie jede ande­re: gewählt, dosiert und in ihrer Wir­kung abschätzbar.

Warum ein Sammeleintrag

Fünf Zei­len des Sets tra­gen emo­tio­na­le Rah­mun­gen, von denen kei­ne einen SCCT-Clu­ster hat – aus­ser der Hoff­nung, die zum Bol­ste­ring zählt. Der Grund ist syste­ma­tisch: Die SCCT beschreibt Reak­tio­nen auf die Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung; der emo­tio­na­le Aus­druck lässt sich die­ser Logik nicht zuord­nen, weil er quer zu ihr liegt. Er beglei­tet jede Stra­te­gie, statt eine zu sein.

Die fei­nen Unter­schei­dun­gen zwi­schen den fünf Aus­prä­gun­gen führt der Codier­bo­gen zur emo­tio­na­len Rah­mung. Die­ser Ein­trag beschreibt ihre gemein­sa­me Logik und die Bedin­gun­gen, unter denen sie tra­gen. Er ist von der Empa­thie (Zei­le 9 und 32) zu tren­nen: Jene rich­tet sich auf das Gefühl der Betrof­fe­nen und gehört zur Basis­re­ak­ti­on, hier geht es um das Gefühl der Organisation.

Die fünf Ausprägungen

Unsicherheit, Ungewissheit, Angst, Ohnmacht zeigen (Zeile 31)

Das Ein­ge­ständ­nis, die Lage selbst nicht zu über­blicken. Ehr­lich und in der Früh­pha­se oft zutref­fend, aber die ris­kan­te­ste der fünf: Anspruchs­grup­pen erwar­ten von der Orga­ni­sa­ti­on Ori­en­tie­rung, nicht Rat­lo­sig­keit. Trag­fä­hig nur, wenn sie mit dem ver­bun­den wird, was den­noch getan wird.

Schock und Sprachlosigkeit zum Ausdruck bringen (Zeile 33)

Die Bekun­dung der eige­nen Erschüt­te­rung. Sie signa­li­siert, dass das Gesche­he­ne auch für die Orga­ni­sa­ti­on ein Bruch ist, und wirkt am ehe­sten unmit­tel­bar nach dem Ereig­nis. Sie hat eine kur­ze Halb­werts­zeit: Nach weni­gen Tagen erwar­tet die Öffent­lich­keit Hand­lungs­fä­hig­keit, und die fort­ge­setz­te Fas­sungs­lo­sig­keit wird als Aus­wei­chen vor der Ursa­chen­fra­ge gelesen.

Empörung, Enttäuschung, Misstrauen zeigen (Zeile 34)

Die mora­li­sche Distan­zie­rung vom Fehl­ver­hal­ten – meist dem eines Part­ners, eines Lie­fe­ran­ten oder eige­ner Mit­ar­bei­ten­der. Sie ist die ein­zi­ge der fünf mit einer Adres­sa­tin aus­ser­halb der Orga­ni­sa­ti­on und liegt damit nahe an der Schuld­zu­wei­sung. Genau dar­in liegt ihr Risi­ko: Empö­rung über das eige­ne Per­so­nal wird rasch als Sün­den­bock­stra­te­gie gelesen.

Besänftigen (Zeile 35)

Die Beru­hi­gung, die Reduk­ti­on von Angst und Panik. Sie ist wirk­sam, solan­ge sie Sach­in­for­ma­ti­on ent­hält – «die Situa­ti­on ist unter Kon­trol­le» und der Grund, war­um das zutrifft. Ohne die­sen Grund ist sie eine blos­se Behaup­tung, und wenn sich die Lage danach ver­schlech­tert, ist sie die teu­er­ste Fehl­kom­mu­ni­ka­ti­on der Kri­se. Ihre Clu­ster­zu­ord­nung ist Aus­le­gung: Mit Sach­in­for­ma­ti­on wäre sie adju­sting infor­ma­ti­on, ohne sie ist sie keine. 🔴

Hoffnung zum Ausdruck bringen (Zeile 36)

Die Zuver­sicht, gestärkt aus der Kri­se her­vor­zu­ge­hen. Als ein­zi­ge der fünf im Bol­ste­ring-Clu­ster und die ein­zi­ge mit einer eige­nen theo­re­ti­schen Grund­la­ge: Sie ist der Kern des Dis­cour­se of Rene­wal. Ihre Bedin­gung ist der Zeit­punkt – vor der Auf­klä­rung geäus­sert, wirkt sie als Verharmlosung.

Die gemeinsame Bedingung: Glaubwürdigkeit des Ausdrucks

Alle fünf tei­len die­sel­be Ver­wund­bar­keit. Ein emo­tio­na­ler Aus­druck, der nicht gedeckt ist, rich­tet mehr Scha­den an als gar kei­ner – er wird als Kal­kül erkannt und dis­kre­di­tiert rück­wir­kend auch die sach­li­chen Tei­le der Bot­schaft. Drei Prüf­fra­gen vor dem Ein­satz: Deckt das gezeig­te Gefühl sich mit dem beob­acht­ba­ren Han­deln? Ist es dem Zeit­punkt ange­mes­sen? Und kommt es von einer Per­son, der man es abnimmt – oder aus einer Medienmitteilung?

Hin­zu kommt die Asym­me­trie der Erwar­tun­gen: Von Orga­ni­sa­tio­nen wird emo­tio­na­le Zurück­hal­tung erwar­tet, von Per­so­nen nicht. Die­sel­be For­mu­lie­rung trägt aus dem Mund einer Direk­to­rin, was sie im Namen einer Akti­en­ge­sell­schaft nicht trägt.

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Fünf Zei­len des Bot­schafts­stra­te­gien-Sets, davon vier ohne SCCT-Clu­ster. Für die Ana­ly­se gilt die Eben­en­tren­nung: Die emo­tio­na­le Rah­mung ist eine Eigen­schaft der Bot­schaft, nicht der Reak­ti­on dar­auf – die Emo­ti­on des Publi­kums wird auf der Rezep­ti­ons­ebe­ne erho­ben und darf nicht aus der Rah­mung abge­lei­tet wer­den. Mehr­fach­co­die­rung mit einer sach­li­chen Stra­te­gie ist der Regel­fall, nicht die Ausnahme.

Zur Ver­tie­fung: Kri­sen­frames und Emo­tio­nen, Ana­ly­se von Emo­tio­nen und das Inte­gra­ted Cri­sis Map­ping, das die Zuord­nung von Publi­kum­s­emo­tio­nen zu Kri­sen­ty­pen modelliert.

Literatur

Coombs, W. T., & Holl­aday, S. J. (2008). Com­pa­ring apo­lo­gy to equi­va­lent cri­sis respon­se stra­te­gies: Cla­ri­fy­ing apology’s role and value in cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on. Public Rela­ti­ons Review, 34(3), 252–257. https://doi.org/10.1016/j.pubrev.2008.04.001
Laza­rus, R. S. (1991). Emo­ti­on and adap­t­ati­on. Oxford Uni­ver­si­ty Press.