Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Emotionen spielen in Krisen eine bedeutende Rolle – ihre wissenschaftliche Analyse ist jedoch anspruchsvoll, sei es bei der Darstellung und Vermittlung von Emotionen (mediale Ebene der Krisenverlaufskarte) oder bei der Verarbeitung emotionaler Stimuli auf der Ebene der öffentlichen Wahrnehmung. Drei Modelle bieten sich für die inhaltsanalytische Untersuchung an.
Variante 1: Empfundene (vermittelte) Emotionen (Baeriswyl, 2023)

Für die qualitative Analyse ergeben sich vier Kategorien: Schrecken/Überraschung · Angst/Ekel · Wut/Hass · Traurigkeit/Scham. Für Inhaltsanalysen im Rahmen des KMK-Systems wird dieses Modell empfohlen, da es kongruent mit der Krisenverlaufskarte ist und fallübergreifende Analysen ermöglicht.
Variante 2: Rad von Plutchik

Für detailliertere, allgemeine Emotionsanalysen eignet sich das Rad von Plutchik. Ein einfaches Codesystem für MAXQDA mit dreistufiger Intensität: sachlich (ohne Emotion) · Überraschung (verwirrt–überrascht–erstaunt) · Erwarten (neugierig–aufmerksam–klar) · Ekel (gelangweilt–ablehnend–angewidert) · Vertrauen (akzeptierend–vertrauend–bewundernd) · Freude (gelassen–froh–begeistert) · Ärger (gereizt–verärgert–wütend) · Furcht (besorgt–ängstlich–erschrocken) · Trauer (nachdenklich–traurig–betrübt).
Variante 3: Kategorisierung nach der Attributionstheorie
In Anlehnung an die Attributionstheorie unterscheiden Jin et al. drei Gruppen von Emotionen: (a) kausalattributionsunabhängig (Angst, Sympathie), (b) mit externer Kausalattribution verbunden (Traurigkeit, Ekel, Verachtung), © mit interner Kausalattribution verbunden (Schuld, Scham).
Bedeutung im KMK-System
Das Codiersystem emotionale Rahmung operationalisiert die Emotionsanalyse für FRAMI (Codes mit Intensität 1–5); die emotionale Anschlusslogik der Wenn-Dann-Regeln übersetzt die Befunde in Strategie (Angst → Instruktion; Wut/Empörung → Rebuild). Die Varianten 2 und 3 stehen für vertiefende wissenschaftliche Analysen zur Verfügung (MAXQDA-Codelisten).
Weiterführend
Video: Emotionenanalyse und Mimik (YouTube)
Literatur
Jin, Y., Pang, A., & Cameron, G. T. (2010). The role of emotions in crisis responses: Inaugural test of the integrated crisis mapping (ICM) model. Corporate Communications, 15(4), 428–452. https://doi.org/10.1108/13563281011085529