Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Das KMK-System ver­wen­det den Begriff Stake­hol­der-Publics als neue Zusam­men­set­zung, die Stake­hol­der- und Publics-Aspek­te ver­eint (vgl. Grunig & Hunt, 1984 🔴 Voll­an­ga­be in Zote­ro nach­tra­gen; Coombs, 1995):

Stake­hol­der-Publics bezeich­nen jene Anspruchs­grup­pen, die gegen­über der Orga­ni­sa­ti­on Erwar­tun­gen und Wer­te ein­brin­gen, eine Kri­se wahr­neh­men und deu­ten und zugleich als kom­mu­ni­ka­ti­ve Öffent­lich­kei­ten han­deln. Ihre Betrof­fen­heit, Pro­blem­deu­tung und Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung bestim­men wesent­lich die Dyna­mik der Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on.

Einordnung

Stake­hol­der-Per­spek­ti­ve (orga­ni­sa­ti­ons­be­zo­gen): Kri­sen­wahr­neh­mung ist nicht abstrakt, son­dern immer im Bezug zur betrof­fe­nen Orga­ni­sa­ti­on. Damit bleibt klar, dass es sich um Akteu­re han­delt, die Ansprü­che, Erwar­tun­gen oder Inter­es­sen gegen­über die­ser Orga­ni­sa­ti­on haben (sie­he Stake­hol­der).

Publics-Per­spek­ti­ve (kom­mu­ni­ka­tiv und hand­lungs­be­zo­gen): Die Betrof­fe­nen sind nicht nur «Besit­zen­de von Ansprü­chen», son­dern auch kom­mu­ni­ka­tiv Han­deln­de, die im Dis­kurs und Ver­hal­ten (z. B. Pro­test, Boy­kott, Shits­torm) aktiv wer­den. Hier kommt Dew­eys Idee der Publics ins Spiel: Sie bil­den sich situa­tiv, sobald Men­schen Betrof­fen­heit wahr­neh­men und kol­lek­tiv reagieren.

Merkmale

Stake­hol­der-Publics zeich­nen sich durch die fol­gen­den Merk­ma­le aus:

  • Kri­sen-Betrof­fen­heit,
  • media­le Sichtbarkeit,
  • Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­ti­vi­tät,
  • Anspruchs­be­zug zur Organisation.

Bedeutung im KMK-System

Der Begriff schliesst die Lücke zwi­schen der Manage­ment-Sicht (Stake­hol­der als Anspruchs­trä­ger) und der kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­li­chen Sicht (Publics als situa­tiv ent­ste­hen­de Öffent­lich­kei­ten): Auf der Kri­sen­ver­laufs­kar­te sind Stake­hol­der-Publics die han­deln­den Instan­zen der Ebe­nen 3 und 4 – ihre Pro­blem­deu­tung und Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung ent­schei­den über den Kri­sen­ver­lauf und damit über die Wahl der Botschaftsstrategien.

Literatur

Coombs, W. T. (1995). Choo­sing the right words: The deve­lo­p­ment of gui­de­lines for the sel­ec­tion of the «appro­pria­te» cri­sis-respon­se stra­te­gies. Manage­ment Com­mu­ni­ca­ti­on Quar­ter­ly, 8(4), 447–476. https://doi.org/10.1177/0893318995008004003

🔴 Grunig, J. E., & Hunt, T. (1984). Mana­ging public rela­ti­ons. Holt, Rine­hart & Win­s­ton. (In Zote­ro nachtragen.)