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Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Der Dis­cour­se of Rene­wal (Dis­kurs der Erneue­rung) ist eine Theo­rie der Nach­kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on: Statt Schuld abzu­weh­ren und Repu­ta­ti­on zu ver­tei­di­gen, deu­tet die Orga­ni­sa­ti­on die Kri­se pro­spek­tiv – als Anlass zu Ler­nen, Erneue­rung und Wachs­tum (See­ger & Ulmer, 2002; Ulmer, Sell­now & See­ger, 2019).

Einordnung

Die Theo­rie ent­stand aus Fall­stu­di­en zu Mal­den Mills und Cole Hard­woods, deren Füh­rungs­per­so­nen nach ver­hee­ren­den Brän­den sofort Wie­der­auf­bau und Ver­ant­wor­tung für die Beleg­schaft ins Zen­trum stell­ten (See­ger & Ulmer, 2002). Ulmer, See­ger und Sell­now (2007) nen­nen vier theo­re­ti­sche Bau­stei­ne: orga­ni­sa­tio­na­les Ler­nen aus der Kri­se, ethi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on auf Basis vor­be­stehen­der Wer­te und Stake­hol­der­be­zie­hun­gen, pro­spek­ti­ver statt retro­spek­ti­ver Fokus sowie eine wirk­sa­me orga­ni­sa­tio­na­le Rhe­to­rik, die eine opti­mi­sti­sche Zukunfts­vi­si­on glaub­wür­dig ver­mit­telt. Damit ist der Ansatz das Gegen­mo­dell zu den repu­ta­ti­ons­zen­trier­ten Theo­rien (Cor­po­ra­te Apo­lo­gia, Image Repair, SCCT).

AspektRepu­ta­ti­ons­zen­trier­te Ansät­zeDis­cour­se of Renewal
FokusSchuld­ab­wehr, SchadensbegrenzungLer­nen, Erneue­rung, Wachstum
Zeit­ho­ri­zontretro­spek­tiv (Was ist geschehen?)pro­spek­tiv (Wie geht es weiter?)
Emo­tio­na­le EbeneAbwehr, Ver­tei­di­gungHoff­nung, Zuversicht
Vor­aus­set­zungintak­te Repu­ta­ti­on und Stake­hol­der­be­zie­hun­gen vor der Kri­se

Der Ansatz ist vor­aus­set­zungs­reich: Er trägt nur, wenn die Orga­ni­sa­ti­on vor der Kri­se ethisch glaub­wür­dig war, und eig­net sich kaum für Kri­sen mit strit­ti­ger Schuld­fra­ge oder lau­fen­den Verfahren.

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Im Bot­schafts­stra­te­gien-Set des KMK-Systems bil­det die Erneue­rungs­rhe­to­rik eine eige­ne Stra­te­gie der Nach­kri­sen­pha­se. Die Wenn-Dann-Regeln knüp­fen sie an Bedin­gun­gen: Erneue­rungs­bot­schaf­ten sind erst trag­fä­hig, wenn Opfer­ver­sor­gung und Ursa­chen­klä­rung kom­mu­ni­ka­tiv abge­ar­bei­tet sind – vor­her wir­ken sie als Ablen­kung. Im nor­ma­ti­ven Framing zeigt sich gelin­gen­de Erneue­rung dar­an, dass Medi­en der Orga­ni­sa­ti­on die Kri­sen­rol­le der Ler­nen­den zuschreiben.

Literatur

See­ger, M. W., & Ulmer, R. R. (2002). A post-cri­sis dis­cour­se of rene­wal: The cases of Mal­den Mills and Cole Hard­woods. Jour­nal of Applied Com­mu­ni­ca­ti­on Rese­arch, 30(2), 126–142. https://doi.org/10.1080/00909880216578
Ulmer, R. R., See­ger, M. W., & Sell­now, T. L. (2007). Post-cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on and rene­wal: Expan­ding the para­me­ters of post-cri­sis dis­cour­se. Public Rela­ti­ons Review, 33(2), 130–134. https://doi.org/10.1016/j.pubrev.2006.11.015
Ulmer, R. R., Sell­now, T. L., & See­ger, M. W. (2019). Effec­ti­ve cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on: Moving from cri­sis to oppor­tu­ni­ty (4. Aufl.). SAGE.
Coombs, W. T. (2014). Applied cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on and cri­sis manage­ment: Cases and exer­cis­es. SAGE.