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Be Bo

Ver­si­on 1.0 · Stand: 15.08.2026

Die Orga­ni­sa­ti­on über­nimmt die Ver­ant­wor­tung für die Kri­se, ohne Aus­flüch­te und ohne Schuld­ab­wehr. Sie benennt ihre eige­ne Rol­le, bevor ande­re sie ihr zuschrei­ben, und stellt sich der Fra­ge nach den Kon­se­quen­zen, statt sie an Drit­te, an Umstän­de oder an ein lau­fen­des Ver­fah­ren weiterzureichen.

Abgrenzung: Verantwortung ist nicht Schuld

Die Stra­te­gie wird regel­mäs­sig mit dem Schuld­ein­ge­ständ­nis ver­wech­selt. Sie ist etwas ande­res. Schuld ist rück­wärts­ge­wandt und bezieht sich auf die Ver­ur­sa­chung; Ver­ant­wor­tung ist vor­wärts­ge­wandt und bezieht sich auf die Bewäl­ti­gung. Eine Orga­ni­sa­ti­on kann die Ver­ant­wor­tung für die Behe­bung eines Scha­dens über­neh­men, den sie nicht ver­ur­sacht hat – und genau das ist der prak­tisch häu­fig­ste Fall.

Die­se Unter­schei­dung ist auch juri­stisch von Belang: Sie erlaubt eine hoch akkom­mo­da­tive Kom­mu­ni­ka­ti­on, ohne die Haf­tungs­fra­ge zu prä­ju­di­zie­ren. Damit ist die Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me die Stra­te­gie, die den in der Pra­xis chro­ni­schen Kon­flikt zwi­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ab­tei­lung und Rechts­dienst am ehe­sten entschärft.

Einordnung in die SCCT

Die Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me liegt im Rebuild-Clu­ster der Situa­tio­nal Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on Theo­ry, ohne mit einer der bei­den dor­ti­gen SCCT-Stra­te­gien – Apo­lo­gy und Com­pen­sa­ti­on – zusam­men­zu­fal­len: Sie ist die Hal­tung, aus der bei­de her­vor­ge­hen. Empi­risch bemer­kens­wert ist der Befund von Coombs und Holl­aday (2008): Für die Repu­ta­ti­ons­wir­kung war es uner­heb­lich, ob die Orga­ni­sa­ti­on sich ent­schul­dig­te, ent­schä­dig­te oder Mit­ge­fühl aus­drück­te – deut­lich schlech­ter schnitt allein die rei­ne Sach­in­for­ma­ti­on ab. Es ist dem­nach die zuge­wand­te Hal­tung, die wirkt, nicht die spe­zi­fi­sche For­mel. Der Befund stammt aus einem Sze­na­rio mit gerin­ger bis mitt­le­rer Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung; für Kri­sen mit hoher Zuschrei­bung ist er nicht geprüft.

Geeignete Situationen

  • Kri­sen­typ: alle. Die Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me ist die ein­zi­ge Stra­te­gie des Sets, die in kei­nem Kri­sen­typ kon­tra­in­di­ziert ist – ihr Umfang vari­iert, nicht ihre Zulässigkeit.
  • Zeit­punkt: früh. Ihr Wert sinkt mit jedem Tag, an dem sie hät­te erfol­gen können.
  • Vor­aus­set­zung: die Fähig­keit, das Zuge­sag­te auch zu lei­sten. Eine über­nom­me­ne und danach nicht ein­ge­lö­ste Ver­ant­wor­tung ist schäd­li­cher als keine.
  • Framing: «Wir tra­gen die Ver­ant­wor­tung dafür, dass das nicht wie­der geschieht», nicht «Wir bedau­ern, dass es zu Unan­nehm­lich­kei­ten gekom­men ist».

Chancen und Gefahren

Chan­cen: Sie been­det die Zuschrei­bungs­de­bat­te, statt sie zu ver­län­gern, und ent­zieht der Bericht­erstat­tung ihren pro­duk­tiv­sten Stoff – den Ver­dacht des Aus­wei­chens. Sie ist die Vor­aus­set­zung jeder Erneue­rungs­er­zäh­lung (sie­he Dis­cour­se of Rene­wal). Und sie wirkt auf die eige­ne Orga­ni­sa­ti­on: Mit­ar­bei­ten­de lesen an ihr ab, ob die Füh­rung zu ihren Zusa­gen steht.

Gefah­ren: Recht­li­che Expo­si­ti­on, wenn Ver­ant­wor­tung als Schuld­an­er­kennt­nis for­mu­liert wird. Über­deh­nung, wenn eine Orga­ni­sa­ti­on Ver­ant­wor­tung für Vor­gän­ge über­nimmt, die sie nicht beein­flus­sen kann – das wirkt ent­we­der unglaub­wür­dig oder pro­du­ziert Zusa­gen, die schei­tern. Und Wir­kungs­lo­sig­keit ohne sicht­ba­res Han­deln: Ohne die Mass­nah­men, die ihr fol­gen müs­sen, bleibt sie eine Sprech­hand­lung und wird als sol­che erkannt.

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Zei­le 6 des Bot­schafts­stra­te­gien-Sets, Rebuild-Clu­ster. Sie ist mit den Zei­len 29 (Ent­schä­di­gung), 30 (tech­nisch-wirt­schaft­li­che Mass­nah­men) und 28 (Unter­su­chungs­gre­mi­um) eng ver­bun­den: Jene sind die Hand­lun­gen, auf die sich die hier erklär­te Hal­tung stüt­zen muss. Abgren­zung nach unten: Zei­le 24 (Mit­schuld ein­ge­ste­hen) und Zei­le 25 (Haupt­schuld ein­ge­ste­hen) spre­chen über die Ver­ur­sa­chung, Zei­le 6 über die Bewältigung.

Literatur

Coombs, W. T. (2007). Pro­tec­ting orga­nizati­on repu­ta­ti­ons during a cri­sis: The deve­lo­p­ment and appli­ca­ti­on of Situa­tio­nal Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on Theo­ry. Cor­po­ra­te Repu­ta­ti­on Review, 10(3), 163–176. https://doi.org/10.1057/palgrave.crr.1550049
Coombs, W. T., & Holl­aday, S. J. (2008). Com­pa­ring apo­lo­gy to equi­va­lent cri­sis respon­se stra­te­gies: Cla­ri­fy­ing apology’s role and value in cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on. Public Rela­ti­ons Review, 34(3), 252–257. https://doi.org/10.1016/j.pubrev.2008.04.001