Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Analysen sind im Krisenmanagement, was die Diagnose in der Medizin ist: die systematische Erfassung der Lage vor der Therapie. Vor der Krise dienen sie der Prävention und Vorbereitung (Issues Management, Risikoanalyse), während der Krise der Lagebeurteilung, nach der Krise der Evaluation und dem Lernen.
Einordnung
Je nach Situation und Ressourcen kommen unterschiedliche analytische Ansätze zum Einsatz:
| Analyseansatz | Erkenntnisinteresse |
|---|---|
| Issues- und Trendanalyse | Potenzielle Krisenherde und Themenkonjunkturen früh erkennen |
| Risikoanalyse | Eintretenswahrscheinlichkeit und Schadenspotenzial bewerten |
| Reputations- und Imageanalyse | Ansehen als Krisenkapital messen (Referenzlinie für Schadensmessung) |
| Stakeholder-Analyse | Anspruchsgruppen, Erwartungen und Einflusspotenziale identifizieren |
| SWOT-Analyse | Stärken/Schwächen sowie Chancen/Gefahren zusammenfassend beurteilen |
Methodisch stützen sich diese Ansätze auf das Repertoire der empirischen Sozialforschung: Befragungen und Interviews, quantitative und qualitative Inhaltsanalysen – darunter Bildanalyse, Sentiment-Analyse und Framing-Analyse –, Beobachtung und Experiment. Zunehmend werden diese Methoden KI-gestützt durchgeführt.
Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
Das KMK-System ist die Systematisierung dieses Analysegedankens für den Krisenfall: ADAM leistet die Kontextanalyse (Moderatoren), SCHNUFFI die Medienrecherche, FRAMI die Frame-Analyse – und EVI übersetzt die Befunde in Strategie. Der Grundsatz bleibt derselbe wie in der Prävention: keine Botschaftsstrategie ohne vorgängige Diagnose.
Literatur
Coombs, W. T. (2014). Applied crisis communication and crisis management: Cases and exercises. SAGE.
Raupp, J., & Vogelgesang, J. (2009). Medienresonanzanalyse: Eine Einführung in Theorie und Praxis. VS Verlag.
Thimm, C., Nehls, P., & Peters, Y. (2022). Digitale Methoden im Überblick. In N. Baur & J. Blasius (Hrsg.), Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung (S. 1267–1283). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978–3‑658–37985-8_86