Version 2.0 · Stand: 27.07.2026
Das Issues Management gehört zum präventiven Bereich des Krisenmanagements. Es ortet Reizthemen (→ Issue) und Krisenherde, beobachtet und analysiert sie kontinuierlich und stellt die relevanten Informationen einerseits der Unternehmenskommunikation, andererseits dem Risikomanagement zur Bewertung zur Verfügung (→ Risikomanagement). Merten definiert Issues Management als «strategisch geplante Entdeckung, Analyse und Behandlung von unvorhersehbar, aber laufend eintretenden Bedingungen mit latenten öffentlichen Wirkungspotenzialen in Form von neuen Schlagworten, Ideen, Themen, Ereignissen oder Problemen, die von den Medien thematisiert werden und in dem Mass soziale Wucht und temporäre Dynamik entfalten, in dem handlungsrelevante Bezüge zu Personen, Organisationen und Institutionen unterstellt werden» (Merten, 2001).
Scanning und Monitoring
Zentrale Tätigkeiten sind das Orten, Scannen und Monitoring von Reizthemen respektive potenziellen Krisenherden: Scanning bezeichnet die allgemeine Themenbeobachtung, Monitoring die gezielte Beobachtung eines bestimmten Reizthemas über einen Zeitraum hinweg (Steinke, 2014, S. 25–29). Für die Beobachtung im Internet haben sich Spezialdisziplinen etabliert: Social Listening, Social Media Monitoring und Sentiment-Analyse (→ Social Listening, → Social Media Monitoring, → Sentiment-Analyse).
Issues Management als eigenständige Kommunikationsdisziplin
Kommunikationsspezialisten wie Steinke (2014) und Autoren der Unternehmenskommunikation erweitern das Verständnis über den ganzheitlichen Kontext von Krystek oder Töpfer hinaus zu einer eigenständigen Disziplin, die Issues nicht nur identifiziert, sondern auch bewertet und Kommunikationsmassnahmen aufzeigt: «Issues Management ist ein Informationssystem, das Risiken bzw. Konflikte rechtzeitig erkennt, analysiert, bewertet und Handlungsoptionen aufzeigt. Issues werden so zu berechenbaren Faktoren für Unternehmen, die proaktiv und reaktiv gemanaged werden» (Mast, 2020, S. 107). Organisatorisch fällt das Issues Management in den Aufgabenbereich der Kommunikationsabteilung; der Kommunikationschef informiert das Management kontinuierlich über die Entwicklung der Issues (Thiessen, 2014).

Beispielvorlage zur Erfassung von Issues
Entscheidungsbaum als Beurteilungshilfe von Issues

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
Issues Management ist die vorgelagerte Frühwarnstufe der KMK-Analysekette: Was das Scanning als Issue identifiziert, kann mit den KMK-Modulen bereits vor dem Krisenausbruch analysiert werden – Kontext (ADAM), mediale Resonanz (SCHNUFFI) und Framing-Tendenzen (FRAMI). Je früher ein Issue erkannt wird, desto grösser die Chance, die Krise zu verhindern oder vorbereitet in sie einzutreten (→ Krisenvorbereitung). Fallstudien-Sammlung: Issue Management Council – Case Studies.
Literatur
Mast, C. (2020). Unternehmenskommunikation: Ein Leitfaden (8. Aufl.). UVK/utb.
Merten, K. (2001). Determinanten des Issues Managements. In U. Röttger (Hrsg.), Issues Management: Theoretische Konzepte und praktische Umsetzung (S. 41–57). Westdeutscher Verlag.
Steinke, L. (Hrsg.). (2014). Die neue Öffentlichkeitsarbeit: Wie gute Kommunikation heute funktioniert. Springer Gabler.
Thiessen, A. (Hrsg.). (2014). Handbuch Krisenmanagement (2. Aufl.). Springer VS.