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Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Die Bild­ana­ly­se unter­sucht, was Bil­der kom­mu­ni­zie­ren – ihre Bot­schaft, ihre Mach­art und ihre Wir­kung. Bil­der, ins­be­son­de­re Fotos, wer­den als Aus­schnit­te der Rea­li­tät wahr­ge­nom­men und wir­ken des­halb glaub­wür­dig; sie ver­mit­teln nicht nur Infor­ma­tio­nen, son­dern trans­por­tie­ren Emo­tio­nen. Zu den Bil­dern zäh­len Fotos, Col­la­gen, Kari­ka­tu­ren, Kunst­wer­ke und Zeichnungen.

Einordnung

Kri­sen wer­den in jour­na­li­sti­schen und sozia­len Medi­en mass­geb­lich über Bil­der the­ma­ti­siert und gefr­amt – pro­mi­nent etwa in Shits­torms wie Zara oder dem Adidas-«Slavery Shoe». Die Inter­net­kom­mu­ni­ka­ti­on hat die Bild­pro­duk­ti­on demo­kra­ti­siert: Nut­ze­rin­nen und Nut­zer foto­gra­fie­ren, bear­bei­ten und ver­brei­ten Bil­der in Echt­zeit. Eine Inhalts­ana­ly­se von Kri­sen­be­richt­erstat­tung soll­te des­halb die Bild­ebe­ne ein­schlies­sen. Metho­disch reicht das Spek­trum von bild­re­kon­struk­ti­ven, her­me­neu­ti­schen Ver­fah­ren (Bohn­sack, 2011) bis zu stan­dar­di­sier­ten visu­el­len Inhalts­ana­ly­sen für Fallstudien.

Vorgehen in drei Schritten

a) Beschrei­bung: Datum, Ort, Autor, Quel­le; was/wer mit wel­cher (tex­tu­el­len) Bot­schaft abge­bil­det ist.
b) Ana­ly­se nach Kri­te­ri­en: Kom­po­si­ti­on, Schwer­punkt, Design­ele­men­te, Far­ben, Form, Grös­se, Sym­bo­le, Stand­punkt des Betrach­ters (Frosch-/Vo­gel­per­spek­ti­ve, Nah-/Fern­sicht).
c) Inter­pre­ta­ti­on aus Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sicht: Wel­che Bot­schaft, wel­che «Sto­ry» erzählt das Bild? Wel­che Absicht steht dahin­ter – war­um die­ses Bild und nicht ein ande­res? Wie wirkt das Bild kogni­tiv und emo­tio­nal, im Kon­text des Ereig­nis­ses und der übri­gen Beiträge?

Typi­sche For­schungs­fra­gen: Wie wird die Kri­se mit­hil­fe der Bil­der in den jour­na­li­sti­schen Medi­en the­ma­ti­siert? Wel­che Bot­schaf­ten ver­mit­teln Nut­zer über Bil­der wäh­rend eines Shits­torms? Wie wir­ken die Bil­der auf bestimm­te Publi­ka (Expe­ri­ment, Fokusgruppe)?

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Bil­der sind Frame-Trä­ger: Sie trans­por­tie­ren deskrip­ti­ve Frames (Pro­blem­de­fi­ni­ti­on, Schuld­zu­wei­sung) und emo­tio­na­le Rah­mun­gen oft wirk­sa­mer als Text. In der SCHNUF­FI-Recher­che gehö­ren Schlüs­sel­bil­der des­halb zum Erhe­bungs­ma­te­ri­al, und FRAMI codiert ihre Bot­schaf­ten mit. Für die eige­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on gilt: Das gewähl­te (oder ver­wei­ger­te) Bild ist eine Bot­schafts­ent­schei­dung – Pres­se­bil­der, Sym­bol­bil­der und Auf­trit­te prä­gen die visu­el­le Deu­tung der Kri­se.

Literatur

Bohn­sack, R. (2011). Qua­li­ta­ti­ve Bild- und Video­in­ter­pre­ta­ti­on (2. Aufl.). Bud­rich.
Gei­se, S., & Lobin­ger, K. (Hrsg.). (2013). Visu­al Framing: Per­spek­ti­ven und Her­aus­for­de­run­gen der visu­el­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­schung. Her­bert von Halem.
Mül­ler, M. G. (2003). Grund­la­gen der visu­el­len Kom­mu­ni­ka­ti­on. UVK.