Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
KI für Analysen bezeichnet den Einsatz künstlicher Intelligenz – heute vor allem grosser Sprachmodelle (LLMs) – in der kommunikationswissenschaftlichen Analyse: von der Zusammenfassung über die Codierung von Texten (Sentiment, Frames, Akteure) bis zur Auswertung ganzer Medienkorpora.
Einordnung
Die Forschung zeigt, dass Sprachmodelle bei vielen Annotationsaufgaben mit menschlichen Codierern mithalten oder Crowd-Worker übertreffen (Gilardi, Alizadeh & Kubli, 2023). Etablierte QDA-Software wie MAXQDA integriert inzwischen KI-Assistenten für Zusammenfassungen und Codiervorschläge; daneben lassen sich Inhaltsanalysen direkt über strukturierte Prompts durchführen. Die Chancen liegen in Skalierung, Geschwindigkeit und Mehrsprachigkeit – die Grenzen bei Validität und Reliabilität: KI-Codierungen müssen wie menschliche Codierungen geprüft werden (Intercoder-Vergleich, Stichproben-Validierung), und die Kriterien der Inhaltsanalyse (Krippendorff, 2018) gelten unverändert. Hinzu kommen Bias-Risiken der Modelle und die eingeschränkte Nachvollziehbarkeit ihrer Entscheidungen.
Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
Das KMK-System ist selbst ein Anwendungsfall KI-gestützter Analyse: Die Module ADAM bis EVI operationalisieren Kontextanalyse, Medienrecherche, Frame-Codierung und Strategieableitung als KI-Workflows, wobei die Codierbögen (kontextuelle Moderatoren, deskriptives/normatives Framing, emotionale Rahmung) als präzise Codieranweisungen dienen. Der methodische Grundsatz gilt auch hier: KI beschleunigt die Analyse, ersetzt aber weder das Regelwerk noch die menschliche Validierung der Befunde.
Literatur
Gilardi, F., Alizadeh, M., & Kubli, M. (2023). ChatGPT outperforms crowd workers for text-annotation tasks. Proceedings of the National Academy of Sciences, 120(30), e2305016120. https://doi.org/10.1073/pnas.2305016120
Krippendorff, K. (2018). Content analysis: An introduction to its methodology (4. Aufl.). SAGE.
Thimm, C., Nehls, P., & Peters, Y. (2022). Digitale Methoden im Überblick. In N. Baur & J. Blasius (Hrsg.), Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung (S. 1267–1283). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978–3‑658–37985-8_86