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Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Die Sen­ti­ment-Ana­ly­se (Stim­mungs- oder Tona­li­täts­ana­ly­se) erfasst die in münd­li­chen Aus­sa­gen und schrift­li­chen Tex­ten zum Aus­druck gebrach­te Stim­mungs­la­ge – etwa in Pro­dukt­be­wer­tun­gen, Kun­den­ge­sprä­chen oder Social-Media-Bei­trä­gen. Sie ist eine spe­zi­el­le Art der Inhalts­ana­ly­se: Unter­sucht wird nicht die Wir­kung eines Tex­tes auf die Stim­mung der Rezi­pi­en­ten, son­dern die im Text aus­ge­drück­te Stim­mung selbst.

Einordnung

Heu­te wer­den Sen­ti­ment-Ana­ly­sen meist auto­ma­ti­siert als Text-Mining durch­ge­führt: «Klas­si­sche Sen­ti­ment­ana­ly­sen basie­ren auf soge­nann­ten dic­tio­n­a­ries, wel­che bestimm­ten Wor­ten einen gewis­sen sen­ti­ment score zuwei­sen. In Bezug auf ihre Vali­di­tät fal­len die­se jedoch hin­ter Machi­ne Lear­ning-Ansät­zen und (bis­lang) vor allem hin­ter mensch­li­chen Kodie­rern zurück […]. Wäh­rend ein­fa­che Sen­ti­ment­ana­ly­sen vor allem zwi­schen nega­ti­ven und posi­ti­ven Sen­ti­ments in Tex­ten dif­fe­ren­zie­ren, wer­den zuneh­mend auch kom­ple­xe­re Sen­ti­ments wie bei­spiels­wei­se Angst, Wut oder Trau­er gemes­sen» (Thimm, Nehls & Peters, 2022, S. 1278). Der syste­ma­ti­sche Metho­den­ver­gleich von van Atte­veldt, van der Vel­den und Bou­kes (2021) bestä­tigt die­se Vali­di­täts­hier­ar­chie: manu­el­le Codie­rung vor Machi­ne Lear­ning vor Wör­ter­buch­an­sät­zen. Werk­zeu­ge wie MAXQDA inte­grie­ren Sen­ti­ment-Funk­tio­nen in die qua­li­ta­ti­ve Daten­ana­ly­se; dane­ben exi­stie­ren zahl­rei­che kom­mer­zi­el­le Platt­for­men, die Social-Media-Stim­mun­gen bis hin zu Finanz­markt­si­gna­len auswerten.

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Im KMK-System lie­fert die Sen­ti­ment-Ana­ly­se die Tona­li­täts­da­ten der SCHNUF­FI-Recher­che: Sie zeigt, ob und wie schnell die Stim­mung in Medi­en und Netz­öf­fent­lich­keit kippt (Kri­sen­ver­laufs­kar­te). Das Codier­sy­stem der emo­tio­na­len Rah­mung geht dabei über das ein­fa­che Posi­ti­v/­Ne­ga­tiv-Raster hin­aus und dif­fe­ren­ziert dis­kre­te Emo­tio­nen wie Wut, Angst oder Mit­leid – denn für die Stra­te­gie­wahl macht es einen ent­schei­den­den Unter­schied, ob ein Publi­kum wütend oder ängst­lich ist. Bei KI-gestütz­ten Aus­wer­tun­gen gilt der Vali­di­täts­vor­be­halt: Stich­pro­ben mensch­lich gegenprüfen.

Weiterführend

Video: Sen­ti­ment-Ana­ly­se von Influen­cer-Bei­trä­gen für Finanz­märk­te (Sen­ti­fi)

Literatur

Schenk, M. (2007). Medi­en­wir­kungs­for­schung (3. Aufl.). Mohr Sie­beck.
Thimm, C., Nehls, P., & Peters, Y. (2022). Digi­ta­le Metho­den im Über­blick. In N. Baur & J. Bla­si­us (Hrsg.), Hand­buch Metho­den der empi­ri­schen Sozi­al­for­schung (S. 1267–1283). Sprin­ger VS. https://doi.org/10.1007/978–3‑658–37985-8_86
van Atte­veldt, W., van der Vel­den, M. A. C. G., & Bou­kes, M. (2021). The vali­di­ty of sen­ti­ment ana­ly­sis: Com­pa­ring manu­al anno­ta­ti­on, crowd-coding, dic­tion­a­ry approa­ches, and machi­ne lear­ning algo­rith­ms. Com­mu­ni­ca­ti­on Methods and Mea­su­res, 15(2), 121–140. https://doi.org/10.1080/19312458.2020.1869198