Krisenmanagement und -kommunikation

Drs. A. Grynko & O. Baeriswyl


RS-B1 Botschaftsstrategien-Set

Ver­si­on 2.0 · Stand: 16.09.2026 · Mass­geb­li­che Fas­sung für KMK-Ana­ly­sen (KI-Abruf)

Ken­nung RS-B1 · Regal III Reper­toire und Dok­trin. Die­se Sei­te ist die mass­geb­li­che Fas­sung des Bot­schafts­stra­te­gien-Sets im KMK-Ana­ly­se­sy­stem. Sie führt acht­und­dreis­sig Stra­te­gien in sechs Grup­pen, jede mit Kurz­de­fi­ni­ti­on, Bei­spiel­for­mu­lie­rung und – wo eine Ent­spre­chung besteht – der Zuord­nung zur SCCT. EVI ver­wen­det sie als Stra­te­gie­re­per­toire. Wel­che Stra­te­gie situa­tiv ange­zeigt ist, ent­schei­det nicht die­se Sei­te, son­dern das Wenn-Dann-Regel­werk (RW-R2) zusam­men mit der SCCT. Die Grup­pie­rung folgt Band 5 des Handbuchs.

Aufbau und Lesart

Jede Zei­le beschreibt eine Stra­te­gie in sechs Spal­ten: Stra­te­gie-Code des KMK-Systems, die ent­spre­chen­de SCCT-Stra­te­gie, deren Clu­ster, ein Memo als Kurz­de­fi­ni­ti­on, eine Bei­spiel­for­mu­lie­rung und der Ver­weis auf den Enzy­klo­pä­die-Ein­trag. Die Codier­re­gel steht am Kopf jeder Grup­pe, weil sie inner­halb einer Grup­pe nicht variiert.

Die Arbeits­tei­lung zwi­schen Regel­werk und Reper­toire ist genau: RW-R2 führt von der Zuschrei­bung zum Clu­ster, die­se Sei­te vom Clu­ster zur aus­for­mu­lier­ten Stra­te­gie. Die Clu­ster­spal­te ist die Fuge zwi­schen bei­den und des­halb für jede Zei­le besetzt. Sie führt sechs Werte:

WertBedeu­tung
Denial (Verleugnung)SCCT-Clu­ster: Zurück­wei­sung von Verantwortung
Diminish (Mindern)SCCT-Clu­ster: Min­de­rung von Ver­ant­wor­tung oder Schaden
Rebuild (Wiederherstellung)SCCT-Clu­ster: Zuge­ständ­nis und Wiederaufbau
Bolstering (Stärkung)SCCT-Clu­ster: flan­kie­ren­de Stär­kung, nie allein einzusetzen
Basisreaktion (instructing und adjusting)Kein Clu­ster: bei Coombs die in jeder Kri­se geschul­de­te Grundreaktion
kein SCCT-ClusterKei­ne Ent­spre­chung in der SCCT – kom­mu­ni­ka­ti­ve Grund­hal­tung und der gröss­te Teil der emo­tio­na­len Rahmung

Ach­tung: Ein lee­res Feld in der Spal­te SCCT-Stra­te­gie bedeu­tet nicht, dass kei­ne Zuord­nung mög­lich wäre. Coombs führt nur neun benann­te Stra­te­gien; die übri­gen KMK-Codes sind über den Clu­ster ange­schlos­sen, nicht über eine Ein­zel­stra­te­gie. Die Kon­tra­in­di­ka­ti­on STR-K1 aus RW-R2 gilt unab­hän­gig davon: Bei gerin­ger oder star­ker Zuschrei­bung sind Deny-Stra­te­gien aus­ge­schlos­sen, und zwar nicht abwägbar.

Kommunikationsstrategie

Die kom­mu­ni­ka­ti­ve Grund­hal­tung der Orga­ni­sa­ti­on: ob, wie offen und mit wel­chem Ver­ant­wor­tungs­an­spruch über­haupt kom­mu­ni­ziert wird.

Codier­re­gel für die­se Grup­pe: nur eine Stra­te­gie pro Textelement.

Nr. · Stra­te­gie-CodeSCCT-Stra­te­gieClu­sterMemoBei­spielEnzy­klo­pä­die
1 · Pro­ak­ti­ve Kommunikationkein SCCT-ClusterFrüh­zei­ti­ges, akti­ves Kom­mu­ni­zie­ren gegen­über Öffentlichkeit/Medi­en.Wir möch­ten die Öffent­lich­keit sofort umfas­send informieren.Grund­mu­ster: pro­ak­ti­ve Informationsstrategie
2 · Zurück­hal­ten­de Kommunikationkein SCCT-ClusterDefen­si­ve, selek­ti­ve Kom­mu­ni­ka­ti­on, nur das Not­wen­dig­ste wird kommuniziert.Wir neh­men zur lau­fen­den Unter­su­chung kei­ne Stellung.Grund­mu­ster: ver­hal­te­ne Informationspolitik
3 · Réduit-Strategiekein SCCT-ClusterFokus auf einen engen Kreis von Stake­hol­dern; Öffent­lich­keit weit­ge­hend aus­schlies­sen. AbwartenWir rich­ten uns mit wei­te­ren Infor­ma­tio­nen aus­schliess­lich an unse­re Partner.Grund­mu­ster: Réduit-Strategie
4 · Ablenkungkein SCCT-ClusterKom­mu­ni­ka­ti­ve Stra­te­gie, die gezielt die Auf­merk­sam­keit von der Kri­se weg auf ande­re The­men lenkt (z. B. durch neue The­men oder Nach­rich­ten).Wir möch­ten an die­ser Stel­le auch unse­re neue Umwelt­in­itia­ti­ve vorstellen.Grund­mu­ster: Ablenkung
5 · No-Comment-Strategiekein SCCT-ClusterAkti­ves Schwei­gen; kei­ne Aus­kunft gegen­über Medi­en/Öffentlichkeit.Kein Kom­men­tar zur aktu­el­len Situation.Grund­mu­ster: No-Comment-Strategie
6 · VerantwortungsübernahmeRebuild (Wiederherstellung)Die Orga­ni­sa­ti­on über­nimmt Ver­ant­wor­tung für die Kri­se ohne Aus­flüch­te oder Schuldabwehr.Wir tra­gen die vol­le Ver­ant­wor­tung für das, was gesche­hen ist.Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me
8 · RechtfertigungJusti­fi­ca­ti­onDiminish (Mindern)Die Orga­ni­sa­ti­on recht­fer­tigt ihr Han­deln, etwa durch Ver­weis auf höhe­re Zie­le oder auf Nichtwissen.Wir haben nach bestem Wis­sen und im Inter­es­se der Sicher­heit gehandelt.sich recht­fer­ti­gen (gute Absichten)

Sofortkommunikation nach Krisenausbruch

Was in den ersten Stun­den geschul­det ist. Die­se Grup­pe ent­spricht bei Coombs der Basis­re­ak­ti­on aus ins­truc­ting und adju­sting infor­ma­ti­on und ist in jeder Kri­se ange­zeigt, unab­hän­gig vom Krisentyp.

Codier­re­gel für die­se Grup­pe: Mehr­fach­co­die­rung erlaubt.

Nr. · Stra­te­gie-CodeSCCT-Stra­te­gieClu­sterMemoBei­spielEnzy­klo­pä­die
9 · Empa­thie und Betrof­fen­heit zeigenBasisreaktion (instructing und adjusting)Aus­druck von Empa­thie für Betrof­fe­ne / Opfer.Unser tief­stes Mit­ge­fühl gilt den Betrof­fe­nen und ihren Familien.Empa­thie­ver­mitt­lung (Mit­ge­fühl zeigen)
10 · Über­prüf­ba­re Fak­ten kommunizierenBasisreaktion (instructing und adjusting)Kla­re, beleg­ba­re Infor­ma­tio­nen zum Vor­fall bereitstellen.Der Vor­fall ereig­ne­te sich um 12:00 Uhr, es gab drei Verletzte.Ins­truc­ting und Adju­sting Information
11 · Ver­hal­tens­emp­feh­lun­gen gebenBasisreaktion (instructing und adjusting)Prak­ti­sche Hin­wei­se zur Scha­dens­be­gren­zung oder Sicherheit.Bit­te mei­den Sie das betrof­fe­ne Gebiet aus Sicherheitsgründen.Ins­truc­ting und Adju­sting Information
12 · Kon­takt- und DialogangeboteBasisreaktion (instructing und adjusting)Infor­ma­tio­nen zu Hot­lines, Pres­se­kon­fe­ren­zen, Dark Site etc.Wei­te­re Infor­ma­tio­nen fin­den Sie auf unse­rer Krisenwebseite.Dark Site
13 · Trans­pa­renz zeigenBasisreaktion (instructing und adjusting)Hin­weis auf umfas­sen­de, ehr­li­che Auf­klä­rung und voll­stän­di­ge Information.Wir wer­den den Vor­fall lücken­los und trans­pa­rent untersuchen.Trans­pa­renz zeigen

Deskriptives Framing

Wie Ursa­che und Scha­den dar­ge­stellt wer­den – der Anspruch auf Wahrheit.

Codier­re­gel für die­se Grup­pe: Mehr­fach­co­die­rung erlaubt.

Nr. · Stra­te­gie-CodeSCCT-Stra­te­gieClu­sterMemoBei­spielEnzy­klo­pä­die
14 · Pro­blem abstrei­ten / verleugnenDeni­alDenial (Verleugnung)Die Orga­ni­sa­ti­on bestrei­tet, dass der Sach­ver­halt besteht oder das ihm zuge­schrie­be­ne Aus­mass hat. Die Fra­ge der Ver­ant­wor­tung stellt sich damit nicht – sie wird in Zei­le 23 geführt.An der Dar­stel­lung ist nichts dran. Einen sol­chen Vor­fall hat es nicht gegeben.Pro­blem­e­xi­stenz abstrei­ten, verleugnen
15 · Pro­blem relativierenDiminish (Mindern)Ver­harm­lo­sen durch Ver­glei­che oder Kontextualisierung.Im Ver­gleich zu ähn­li­chen Fäl­len ist der Scha­den gering.Pro­blem relativieren
16 · Exter­ne sach­li­che Ursa­chen beto­nen (Umwelt)Excu­seDiminish (Mindern)Natur­er­eig­nis­se, exter­ne Fak­to­ren als Hauptursache.Das Hoch­was­ser war der Aus­lö­ser für den Produktionsausfall.Pro­ble­m­ur­sa­che auf äus­se­re Umstän­de zurückführen
17 · als Angriff von Aus­sen dar­stel­len (Fehl­ver­hal­ten extern)Denial (Verleugnung)Das Pro­blem als Angriff (z. B. Sabo­ta­ge) rahmen.Es han­delt sich um einen exter­nen Cyberangriff.Pro­blem auf Angriff von Aus­sen zurückführen
18 · als Inter­ner Unfall / Stö­rung (Zufall) darstellenDiminish (Mindern)Dar­stel­lung als inter­ner tech­ni­scher Feh­ler oder Unfall.Ein tech­ni­scher Defekt führ­te zum Stromausfall.Pro­blem als inter­nen Unfall oder inter­ne Stö­rung dar­stel­len (begrün­den)
19 · als Fehl­ver­hal­ten im Unter­neh­men dekla­rie­ren (Fehl­ver­hal­ten intern)Rebuild (Wiederherstellung)Ver­ant­wor­tung von Mit­ar­bei­ten­den oder Manage­ment nennen.Ein Feh­ler im Manage­ment hat zur Ver­zö­ge­rung bei­getra­gen. “Der Kapi­tän hat durch Fehl­be­rech­nung die Hava­rie verursacht”.Pro­blem auf Fehl­ver­hal­ten von Mit­ar­bei­tern zurückführen
20 · auf spä­te­re Ursa­chen­auf­klä­rung vertröstenkein SCCT-ClusterHin­weis auf lau­fen­de Unter­su­chun­gen, kei­ne Details.Wir klä­ren die Ursa­chen aktu­ell und wer­den informieren.Ver­trö­sten
21 · Scha­den ver­harm­lo­sen, relativierenJusti­fi­ca­ti­onDiminish (Mindern)Fol­gen wer­den heruntergespielt.Der finan­zi­el­le Scha­den ist marginal.Scha­den verharmlosen
22 · sich selbst als Opfer darstellenVic­ti­mageBolstering (Stärkung)Das Unter­neh­men als geschä­dig­te Par­tei inszenieren.Auch wir sind Opfer der Ereignisse.Unter­neh­men als Opfer darstellen

Normatives Framing

Wie die Ver­ant­wor­tungs­fra­ge beant­wor­tet wird – der Anspruch auf Richtigkeit.

Codier­re­gel für die­se Grup­pe: Mehr­fach­co­die­rung erlaubt.

Nr. · Stra­te­gie-CodeSCCT-Stra­te­gieClu­sterMemoBei­spielEnzy­klo­pä­die
23 · Schuld zurück­wei­sen, Ver­ant­wor­tung bestreitenDeni­alDenial (Verleugnung)Die Orga­ni­sa­ti­on bestrei­tet die eige­ne Ver­ant­wor­tung für einen Sach­ver­halt, des­sen Bestehen sie nicht in Abre­de stellt. Sie benennt kei­nen Ersatz­ver­ant­wort­li­chen und führt kei­ne ent­la­sten­de Ursa­che an.Die Vor­wür­fe gegen uns sind unbe­grün­det. Mit die­sem Vor­fall haben wir nichts zu tun.Schuld zurück­wei­sen, abstreiten
24 · Mit­schuld ein­ge­ste­hen (Fahr­läs­sig­keit)Diminish (Mindern)Orga­ni­sa­ti­on hät­te das Pro­blem ver­mei­den können.Die Fir­ma igno­rier­te jah­re­lang War­nun­gen der Fachabteilung.Mit­schuld ein­ge­ste­hen (Fahr­läs­sig­keit)
25 · Haupt­schuld ein­ge­ste­hen (Knie­fall)Apo­lo­gy (Ent­schul­di­gung)Rebuild (Wiederherstellung)Der Scha­den wur­de absicht­lich oder grob fahr­läs­sig herbeigeführt.Die Mani­pu­la­ti­on von Abgas­wer­ten war ein bewuss­ter Täuschungsversuch.Schuld ein­ge­ste­hen, um Ver­ge­bung bitten
26 · geziel­te Schuld­um­kehr (exter­nen Gegner/Angreifer beschuldigen)Scape­goatDenial (Verleugnung)Ver­ant­wort­lich­keit nach aus­sen ver­schie­ben; SchuldabwehrDie eigent­li­che Ursa­che liegt bei den inter­na­tio­na­len Zulieferern.ande­re orga­ni­sa­ti­ons­exter­ne (Gegner/Konkurrenten) beschul­di­gen (“exter­ne Sündenbockstrategie”)
27 · inter­ne Mit­ar­bei­ter, das Manage­ment beschuldigenScape­goa­tingDenial (Verleugnung)Ver­ant­wor­tung nach Innen abge­ben; Schuld­ab­wehr nach innenEin Mit­ar­bei­ter ist schuldorga­ni­sa­ti­ons­in­ter­ne Organe/Personen beschul­di­gen (ver­ant­wort­lich machen) (“Sün­den­bock” intern)
28 · über Gre­mi­um zur Abklä­rung der Ver­ant­wort­lich­keits­fra­ge informierenBasisreaktion (instructing und adjusting)Ver­weis auf externe/unabhängige Unter­su­chung, Beto­nung von TransparenzWir haben eine Exper­ten­kom­mis­si­on ein­ge­setzt, um die Vor­gän­ge aufzuarbeiten.über ein Gre­mi­um zur Abklä­rung informieren
29 · über Wie­der­gut­ma­chungs­ak­tio­nen, Ent­schä­di­gung von Opfern informierenCom­pen­sa­ti­onRebuild (Wiederherstellung)Signal der Ver­ant­wor­tung und VerantwortungsübernahmeWir wer­den alle Betrof­fe­nen schnell und unbü­ro­kra­tisch entschädigen.Opfer ent­schä­di­gen und über Wie­der­gut­ma­chung informieren
30 · über tech­nisch / wirt­schaft­li­che Mass­nah­men informierenRebuild (Wiederherstellung)Fokus auf sach­li­che Auf­ga­ben zur Schadensbegrenzung.Wir haben bereits ein neu­es Sicher­heits­sy­stem installiert.über Pro­blem­lö­sungs­mass­nah­men informieren

Abgrenzung der Zeile 23

Zei­le 23 codie­ren, wenn die Aus­sa­ge die Zurech­nung bestrei­tet und den Sach­ver­halt selbst unbe­strit­ten lässt: Der Man­gel, der Vor­fall, der Scha­den wird nicht geleug­net – die Ver­bin­dung zur Orga­ni­sa­ti­on wird geleugnet.

  • Gegen Zei­le 14 (Pro­blem abstrei­ten / ver­leug­nen): Zei­le 14 bestrei­tet, dass der Sach­ver­halt besteht oder das behaup­te­te Aus­mass hat («Es gab kei­nen Aus­tritt»). Zei­le 23 bestrei­tet die eige­ne Ver­ant­wor­tung dafür («Der Aus­tritt stammt nicht aus unse­rer Anla­ge»). Trägt eine Bot­schaft bei­des nach­ein­an­der vor, wer­den bei­de Zei­len codiert – die Aus­sa­gen lie­gen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen und sind kei­ne Dop­pel­zäh­lung der­sel­ben Aussage.
  • Gegen die Zei­len 26 und 27 (Schuld­um­kehr): Dort wird die Ver­ant­wor­tung einem benann­ten Drit­ten oder einer inter­nen Stel­le zuge­wie­sen. Sobald ein Ersatz­ver­ant­wort­li­cher benannt ist, gilt 26 oder 27, nicht 23.
  • Gegen Zei­le 16 (exter­ne sach­li­che Ursa­chen beto­nen, Excu­se): Dort wird eine ent­la­sten­de Ursa­che ange­führt, die Zurech­nung also inhalt­lich bestrit­ten. Zei­le 23 bestrei­tet sie ohne Anga­be einer Ursache.
  • Gegen Zei­le 37 (Glaub­wür­dig­keit von Medi­um, Zeu­gen, Dia­log­part­nern unter­gra­ben): Dort rich­tet sich die Aus­sa­ge gegen die Quel­le des Vor­wurfs, hier gegen den Vor­wurf selbst.

Regel­be­zug: STR-R11 (bei Gerüch­ten zuläs­sig), STR-K1 (bei gerin­ger und star­ker Zuschrei­bung ausgeschlossen).

Theoretische Einordnung der beiden Denial-Zeilen

Die Tren­nung ist nicht bloss eine Ord­nungs­fra­ge des Sets, sie bil­det eine Unter­schei­dung ab, die in den bei­den Bezugs­theo­rien ver­schie­den gefasst ist. Die SCCT ver­steht unter der Ein­zel­stra­te­gie Deni­al die Behaup­tung, es lie­ge kei­ne Kri­se vor (Coombs, 2010, S. 36) – das ent­spricht Zei­le 14. Die Deny-Hal­tung als Gan­zes reicht wei­ter: Ent­we­der hat die Kri­se nicht statt­ge­fun­den, oder jemand ande­res ist für sie ver­ant­wort­lich (Coombs, 2010, S. 40). Über die­se Hal­tung ist Zei­le 23 dem Clu­ster zuge­ord­net. Die Image-Repair-Theo­rie kennt zwei For­men der Ver­leug­nung, die ein­fa­che Ver­leug­nung und das Ver­schie­ben der Schuld auf ande­re (Benoit, 1997, S. 178 f.). Die ein­fa­che Ver­leug­nung ist dort weit gefasst: Bestrit­ten wer­den kann, dass die Tat geschah, dass die Orga­ni­sa­ti­on sie beging oder dass sie jeman­dem scha­de­te. Zei­le 14 deckt die erste Spiel­art ab und, soweit das Aus­mass bestrit­ten wird, die drit­te; Zei­le 23 ent­spricht der zwei­ten. Das Ver­schie­ben der Schuld ent­spricht den Zei­len 26 und 27.

Dass zwei Zei­len die­sel­be SCCT-Stra­te­gie tra­gen, ist im Set kein Son­der­fall: Die Zei­len 26 und 27 tei­len sich Scape­goat, unter­schie­den nach der Rich­tung der Zuwei­sung. Zei­le 14 und Zei­le 23 unter­schei­den sich ent­spre­chend nach dem Gegen­stand des Bestreitens.

Hin­weis: Am Ori­gi­nal­text geprüft am 16.09.2026: Benoit (1997) und Coombs (2010); die­sel­be Deni­al-Defi­ni­ti­on steht in Coombs’ Über­blick für das Insti­tu­te for Public Rela­ti­ons vom Okto­ber 2007. Der Auf­satz Coombs (2007) in der Cor­po­ra­te Repu­ta­ti­on Review lag nicht vor. Als Aus­le­gung bleibt, dass Zei­le 23 in der Spal­te SCCT-Stra­te­gie «Deni­al» führt: Coombs beschränkt die Ein­zel­stra­te­gie auf das Bestrei­ten der Kri­se, die Zei­le ist nur über die Deny-Hal­tung ange­schlos­sen. 🔴 EST

Emotionale Kommunikation

Wel­che Emo­ti­on die Orga­ni­sa­ti­on aus­drückt – der expres­si­ve Anspruch.

Codier­re­gel für die­se Grup­pe: Mehr­fach­co­die­rung erlaubt.

Nr. · Stra­te­gie-CodeSCCT-Stra­te­gieClu­sterMemoBei­spielEnzy­klo­pä­die
31 · Unsi­cher­heit / Unge­wiss­heit / Angst / Ohn­macht zeigenkein SCCT-ClusterUnsi­cher­heit, Angst oder Bedro­hungs­ge­füh­le (z. B. Verlustängste).Wir wis­sen im Moment selbst nicht, wie gross das Aus­mass ist.emo­tio­na­le Rah­mung: Unsicherheit
32 · Empa­thie / Mit­ge­fühl zeigenBasisreaktion (instructing und adjusting)Mit­ge­fühl und Anteil­nah­me gegen­über Betrof­fe­nen; emo­tio­na­le Zuwendung.Wir sind tief betrof­fen und unse­re Gedan­ken sind bei den Fami­li­en der Opfer.Empa­thie­ver­mitt­lung (Mit­ge­fühl zeigen)
33 · Schock und Sprach­lo­sig­keit zum Aus­druck bringenkein SCCT-ClusterFas­sungs­lo­sig­keit, Sprach­lo­sig­keit oder Erschüt­te­rung ange­sichts des Ereignisses.Wir sind fas­sungs­los über das Geschehene.emo­tio­na­le Rah­mung: Schock
34 · Empö­rung, Ent­täu­schung, Miss­trau­en zeigenkein SCCT-ClusterÄrger, Miss­trau­en oder mora­li­sche Empö­rung; emo­tio­na­le Distan­zie­rung von Fehlverhalten.Wir sind zutiefst ent­täuscht von den betei­lig­ten Partnern.emo­tio­na­le Rah­mung: Empörung
35 · Besänftigenkein SCCT-ClusterDees­ka­la­ti­on, Beru­hi­gung, Reduk­ti­on von Angst/PanikDie Situa­ti­on ist unter Kon­trol­le, es besteht kei­ne Gefahr mehr.emo­tio­na­le Rah­mung: Besänftigen
36 · Hoff­nung zum Aus­druck bringenBolstering (Stärkung)Zukunfts­ori­en­tie­rung, Zuver­sicht, Stär­kung der ResilienzWir sind zuver­sicht­lich, dass wir gestärkt aus die­ser Kri­se hervorgehen.emo­tio­na­le Rah­mung: Hoffnung

Kontextbezogene Strategien

Stra­te­gien, die nicht den Sach­ver­halt, son­dern das Umfeld der Bot­schaft bear­bei­ten: die Glaub­wür­dig­keit der Gegen­sei­te und die eigene.

Codier­re­gel für die­se Grup­pe: Mehr­fach­co­die­rung erlaubt.

Nr. · Stra­te­gie-CodeSCCT-Stra­te­gieClu­sterMemoBei­spielEnzy­klo­pä­die
37 · Glaub­wür­dig­keit von Medi­um, Zeu­gen, Dia­log­part­nern untergrabenAttack the AccuserDenial (Verleugnung)Zwei­fel an der Ver­läss­lich­keit von Medi­en, Zeu­gen oder Dia­log­part­nern säen.Die Aus­sa­gen die­ses Infor­man­ten sind nicht belastbar.Glaub­wür­dig­keit von Kri­ti­kern, Zeu­gen, Medi­en und Dia­log­part­nern untergraben
38 · Auf ver­gan­ge­ne gute Taten der Orga­ni­sa­ti­on hinweisenRemin­dingBolstering (Stärkung)Ver­weis auf frü­he­re Lei­stun­gen und Ver­dien­ste der Organisation.Wir enga­gie­ren uns seit dreis­sig Jah­ren für die Region.auf ver­gan­ge­ne gute Taten hinweisen
39 · Glaub­wür­dig­keit der eige­nen Bot­schaft untermauernBolstering (Stärkung)Ver­weis auf Aus­sa­gen von Zeu­gen usw.Direk­te oder indi­rek­te Rede von Zeu­gen, ExpertenGlaub­wür­dig­keit

Verhältnis zum Enzyklopädie-Eintrag

Eine zusam­men­fas­sen­de Dar­stel­lung für Lese­rin­nen und Leser der Wis­sens­platt­form steht im Enzy­klo­pä­die-Ein­trag Bot­schafts­stra­te­gien: tabel­la­ri­sche Über­sicht. Bei Abwei­chun­gen gilt die Fas­sung auf die­ser Seite.

Änderungsprotokoll

Ver­si­onDatumÄnde­rung
2.016.09.2026Theo­re­ti­sche Ein­ord­nung der bei­den Deni­al-Zei­len am Ori­gi­nal­text geprüft und prä­zi­siert: Benoits ein­fa­che Ver­leug­nung umfasst auch das Bestrei­ten des Sach­ver­halts und nicht nur der eige­nen Tat; die Deny-Hal­tung nach Coombs (2010) ist ergänzt. Der Hin­weis­ka­sten ist auf den ver­blei­ben­den Aus­le­gungs­punkt ein­ge­grenzt, die SCCT-Stra­te­gie der Zei­le 23.
2.016.09.2026Ver­si­ons­be­zeich­nun­gen im Ände­rungs­pro­to­koll nach der Ver­si­ons­re­gel vom 05.09.2026 zurück­ge­führt: Die Ver­si­ons­num­mer bezeich­net den System­stand (KMK 2.0), das Datum die redak­tio­nel­le Ände­rung. Die zuvor als 2.1 bis 2.5 geführ­ten Zei­len tra­gen des­halb «2.0»; ihr Inhalt und ihre Daten blei­ben unver­än­dert. Kei­ne inhalt­li­che Änderung.
2.016.09.2026Selbst­be­schrei­bung berich­tigt: Die Res­sour­ce gehört zu EVI und dient dort als Stra­te­gie­re­per­toire. Der Hin­weis, FRAMI ver­wen­de sie als Codier­set, ist gestri­chen; FRAMI lädt RS-B1 nicht, und das Res­sour­cen­ver­zeich­nis in MI-00 weist sie allein EVI zu.
2.016.09.2026Zei­le 23 neu besetzt mit «Schuld zurück­wei­sen, Ver­ant­wor­tung bestrei­ten» (Deni­al). Die Zei­le schliesst die nor­ma­ti­ve Ska­la nach unten und bin­det den seit Juli bestehen­den Enzy­klo­pä­die-Ein­trag an das Set; Abgren­zung und theo­re­ti­sche Ein­ord­nung ste­hen unter der Grup­pe Nor­ma­ti­ves Framing. Memo und Bei­spiel der Zei­le 14 wur­den auf die Pro­blem­e­xi­stenz ein­ge­grenzt, weil bei­de Zei­len zuvor die­sel­be Aus­sa­ge abdeck­ten. Zahl der Stra­te­gien im Ein­lei­tungs­ab­satz auf acht­und­dreis­sig berich­tigt (Num­mern 1 bis 39, Num­mer 7 unbe­setzt). Dop­pel­te Aus­zeich­nung «Ach­tung:» im Hin­weis­ka­sten ent­fernt. Ach­tung: Codie­run­gen, die vor dem 03.09.2026 ent­stan­den sind, mei­nen mit «23» die am 03.09.2026 gestri­che­ne Zeile.
2.003.09.2026Zei­le 7 gestri­chen: Sie beschrieb mit Zei­le 26 den­sel­ben Sach­ver­halt – die Zuwei­sung der Ver­ant­wor­tung an exter­ne Drit­te –, trug den­sel­ben Clu­ster und ver­wies auf den­sel­ben Ein­trag; ein eige­ner Gehalt bestand nicht. Die Num­mer 7 bleibt unbe­setzt. In Zei­le 26 die SCCT-Stra­te­gie von «Attack the Accu­ser» auf «Scape­goat» berich­tigt: Die Zuwei­sung an einen Zulie­fe­rer ist Scape­goa­ting; der Angriff auf den Anklä­ger rich­tet sich gegen die Quel­le des Vor­wurfs, nicht gegen einen Drit­ten als Ver­ur­sa­cher. «Attack the Accu­ser» trägt damit nur noch Zei­le 37.
2.003.09.2026Num­me­rie­rung der Stra­te­gie­zei­len fest in die Spal­te Stra­te­gie-Code auf­ge­nom­men; die Num­mern sind damit nicht mehr posi­tio­nell und blei­ben bei künf­ti­gen Ände­run­gen gül­tig. Zei­le 23 gestri­chen: Bezeich­nung und Enzy­klo­pä­die-Ver­weis deck­ten den inter­nen Sün­den­bock ab (Zei­le 27), Memo und Bei­spiel den Angriff auf den Anklä­ger (Zei­le 37); ein eige­ner Gehalt bestand nicht. Die Num­mer 23 bleibt unbe­setzt, alle übri­gen Num­mern behal­ten ihre Bedeu­tung. Zei­le 28 von Rebuild auf Basis­re­ak­ti­on umge­stellt: Ein Unter­su­chungs­gre­mi­um ist cor­rec­ti­ve action und gehört bei Coombs zur adju­sting infor­ma­ti­on, nicht zu Com­pen­sa­ti­on und Apology.
2.015.08.2026Spal­te Enzy­klo­pä­die für fünf­zehn zuvor unbe­leg­te Zei­len besetzt: Zei­len 1 bis 5 ver­wei­sen mit Sprung­mar­ke auf die Grund­mu­ster (dort neu der Abschnitt Ablen­kung), Zei­le 7 auf die exter­ne Sün­den­bock­stra­te­gie, die Zei­len 6, 13, 24 und 28 auf neue Ein­trä­ge, die Zei­len 31 sowie 33 bis 36 mit Sprung­mar­ke auf den neu­en Sam­mel­ein­trag zur emo­tio­na­len Rah­mung. Zei­le 37 auf den zusam­men­ge­leg­ten Ein­trag umbenannt.
2.014.08.2026Von Tab­le­Press auf nati­ve Block­fas­sung umge­stellt; damit letz­te Plug­in-Abhän­gig­keit des Res­sour­cen­be­stands auf­ge­löst. Nach den sechs Grup­pen geglie­dert. Spal­te SCCT-Kri­sen­typ gestri­chen – sie war in jeder besetz­ten Zei­le eine stren­ge Funk­ti­on des Clu­sters und führ­te die von RW-R2 ver­wor­fe­ne Ter­mi­no­lo­gie fort. Clu­ster­spal­te für alle neun­und­dreis­sig Stra­te­gien besetzt, ergänzt um die Wer­te Basisreaktion und kein SCCT-Cluster. SCCT-Stra­te­gien Justification, Excuse, Victimage und Attack the Accuser nach­ge­tra­gen; damit ist STR-R13 auf­lös­bar, das zuvor auf ein in der Tabel­le nicht vor­han­de­nes Excu­se ver­wies. Codier­re­gel von der Spal­te in den Grup­pen­kopf ver­scho­ben. Schreib­feh­ler, ß‑Schreibungen und die ver­scho­be­nen Memo­fel­der der emo­tio­na­len Grup­pe korrigiert.
1.024.04.2026Erst­fas­sung als TablePress-Tabelle.