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Ver­si­on 2.0 · Stand: 27.07.2026

Als Pro­pa­gan­da bezeich­net man inter­es­sen­ge­lei­te­te per­sua­si­ve Kom­mu­ni­ka­ti­on zu poli­ti­schen, ideo­lo­gi­schen oder mili­tä­ri­schen Zwecken – wäh­rend PR, Lob­by­ing und Wer­bung zur per­sua­si­ven Kom­mu­ni­ka­ti­on für wirt­schaft­li­che Inter­es­sen gehö­ren (→ per­sua­si­ve Kom­mu­ni­ka­ti­on). Ursprüng­lich neu­tral im Sin­ne von «jeman­den über­zeu­gen», ist der Begriff heu­te – zumin­dest im deut­schen Sprach­raum – meist nega­tiv belegt: Er wird mit Mani­pu­lie­ren, unter­schwel­li­gem Beein­flus­sen und Ver­füh­ren ver­bun­den und «mit tota­li­tä­ren Regi­men asso­zi­iert und folg­lich nega­tiv wahr­ge­nom­men» (Sari­ma, 2020, S. 118); die Regime Hit­lers und Sta­lins haben die­se Kon­no­ta­ti­on in Euro­pa ver­fe­stigt. Mani­pu­la­ti­on setzt dabei eine «Inkon­gru­enz der Zie­le des Mani­pu­lie­ren­den mit den aktu­el­len Wün­schen und Zie­len des Mani­pu­lier­ten» vor­aus (Tsvas­man, 2006, S. 228).

Merkmale

Kon­zept­steue­rung und Absicht: Pro­pa­gan­da ist stra­te­gisch aus­ge­rich­te­te Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Ziel, Öffent­lich­keit oder Tei­löf­fent­lich­kei­ten zu beein­flus­sen – «eine beson­de­re Form der syste­ma­tisch geplan­ten Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on, die nicht infor­mie­ren oder argu­men­tie­ren, son­dern über­re­den oder über­zeu­gen möch­te» (Busse­mer, 2008). Sie will nicht pri­mär Wis­sen erwei­tern, son­dern auf Ein­stel­lungs­kom­po­nen­ten ein­wir­ken, um Ver­hal­ten und Ent­schei­de zu steu­ern. Kon­zept und Absicht blei­ben für die Ziel­pu­bli­ka im Ver­bor­ge­nen; zur Tar­nung kön­nen fal­sche Zie­le vor­ge­täuscht wer­den. Ziel­grup­pen: die brei­te Öffent­lich­keit oder Tei­löf­fent­lich­kei­ten, nicht ein­zel­ne Per­so­nen­grup­pen. Inhal­te: Die Wahr­heits­fra­ge ist zweit­ran­gig; Inhal­te wer­den ziel­kon­form kon­stru­iert – von wahr­heits­ge­treu über ver­zer­rend und ver­schwei­gend («hal­be Wahr­heit») bis zur Lüge. Täu­schung liegt vor, wenn Lügen und Halb­wahr­hei­ten als Wahr­hei­ten dekla­riert wer­den. Tech­ni­ken: Statt expli­zi­ter Hand­lungs­an­wei­sun­gen wirkt Pro­pa­gan­da indi­rekt über psy­chi­sche Gesetz­mäs­sig­kei­ten – Wie­der­ho­lung der Bot­schaft, insze­nier­te Glaub­wür­dig­keit, Arbeit mit Sym­bo­len, Bil­dern und Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gu­ren, Ein­fach­heit der Bot­schaf­ten, Wecken von Angst und Furcht (→ Iden­ti­fi­ka­ti­on, → Emotionalisierung).

Computational Propaganda

Von «com­pu­ta­tio­nal pro­pa­gan­da» spricht man, wenn Algo­rith­men, Auto­ma­ti­sie­rung und künst­li­che Intel­li­genz ein­ge­setzt wer­den, um Effek­ti­vi­tät und Effi­zi­enz von Pro­pa­gan­da-Kam­pa­gnen oder damit ver­bun­de­nen Cyber-Akti­vi­tä­ten zu stei­gern (Wool­ley & Howard, 2018) – etwa durch Social Bots, Micro­tar­ge­ting und KI-gene­rier­te Inhal­te (→ Fake News, → Deepf­akes).

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Für die Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on ist Pro­pa­gan­da in zwei Rich­tun­gen rele­vant: Erstens kön­nen Orga­ni­sa­tio­nen Ziel pro­pa­gan­di­sti­scher Angrif­fe wer­den – Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen und com­pu­ta­tio­nal pro­pa­gan­da sind eigen­stän­di­ge Kri­sen­aus­lö­ser mit Opfer­kri­sen-Cha­rak­ter, die schnel­le Rich­tig­stel­lung und Alli­ier­te erfor­dern. Zwei­tens mar­kiert der Pro­pa­gan­da-Vor­wurf eine rote Linie der eige­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on: Wer in der Kri­se mit ver­deck­ten Absich­ten, Halb­wahr­hei­ten oder insze­nier­ter Zustim­mung ope­riert, ris­kiert bei Auf­deckung die Dop­pel­kri­se (→ Dou­ble Cri­sis) und den Heu­che­lei-Vor­wurf (NORM_HYPO). Die KMK-Grund­sät­ze der Kom­mu­ni­ka­ti­on set­zen dem Wahr­haf­tig­keit und Trans­pa­renz entgegen.

Literatur

Busse­mer, T. (2008). Pro­pa­gan­da: Kon­zep­te und Theo­rien (2. Aufl.). VS Ver­lag.
Tsvas­man, L. R. (Hrsg.). (2006). Das gros­se Lexi­kon Medi­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ergon.
Wool­ley, S. C., & Howard, P. N. (Hrsg.). (2018). Com­pu­ta­tio­nal pro­pa­gan­da: Poli­ti­cal par­ties, poli­ti­ci­ans, and poli­ti­cal mani­pu­la­ti­on on social media. Oxford Uni­ver­si­ty Press.