Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Persuasive Kommunikation bezeichnet die gezielte Beeinflussung von Einstellungen, Überzeugungen oder Verhaltensdispositionen durch sprachliche, visuelle oder emotionale Mittel. Im Unterschied zur informierenden Kommunikation, die auf Klärung von Sachverhalten zielt, steht die intendierte Einstellungsänderung im Vordergrund (Perloff, 2020).
Einordnung
Die Tradition reicht bis zur aristotelischen Rhetorik mit ihren Überzeugungsmitteln Ethos (Glaubwürdigkeit des Sprechers), Pathos (Emotion) und Logos (Argument). Die moderne Persuasionsforschung – von den Yale-Studien Hovlands bis zu den Zwei-Prozess-Modellen – zeigt, dass Überzeugung auf zwei Wegen geschieht: über sorgfältige Argumentverarbeitung (zentrale Route) oder über periphere Hinweisreize wie Sympathie, Quellenprestige und Stimmung (Elaboration-Likelihood-Modell; Petty & Cacioppo, 1986). Welcher Weg wirkt, hängt von Motivation und Verarbeitungskapazität des Publikums ab. Typische Anwendungsfelder sind Werbung, politische Kommunikation, Public Relations – und, als abwertend konnotierter Grenzfall, Propaganda.
Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
Krisenkommunikation ist im Kern persuasive Kommunikation: Botschaftsstrategien sind Überzeugungsversuche, welche die Deutung der Krise, die Verantwortungszuschreibung und das Vertrauen der Anspruchsgruppen beeinflussen sollen. In der Krise sinkt allerdings die Wirksamkeit peripherer Reize – das Publikum prüft misstrauisch, und die Glaubwürdigkeit (Ethos) wird zur knappsten Ressource. Die Grundsätze allgemeiner Kommunikation im KMK-System ziehen daraus die Grenze: Persuasion ja, Täuschung nein – manipulative Persuasion, die aufgedeckt wird, erzeugt eine Doppelkrise.
Literatur
O’Keefe, D. J. (2016). Persuasion: Theory and research (3. Aufl.). SAGE.
Perloff, R. M. (2020). The dynamics of persuasion: Communication and attitudes in the 21st century (7. Aufl.). Routledge.
Petty, R. E., & Cacioppo, J. T. (1986). Communication and persuasion: Central and peripheral routes to attitude change. Springer.