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Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Nach­rich­ten­fak­to­ren sind die Ein­fluss­fak­to­ren, die ent­schei­den, wel­che Nach­richt in den Mas­sen­me­di­en erscheint (Nach­rich­ten­wert-Theo­rie). In der Gate­kee­ping-For­schung sind es die Kri­te­ri­en, nach denen Jour­na­li­stin­nen und Jour­na­li­sten aus­wäh­len: «Sie beschrei­ben Merk­ma­le von Ereig­nis­sen und The­men, die für die Publi­ka­ti­on in jour­na­li­sti­schen Nach­rich­ten selek­tiert wer­den und je nach ihrer Quan­ti­tät, Inten­si­tät und Kom­bi­na­ti­on den Wert einer Nach­richt aus­ma­chen» (Dern­bach, Jour­na­li­sti­kon). Ein hoher Nach­rich­ten­wert erhöht die Publi­ka­ti­ons­wahr­schein­lich­keit und beein­flusst zugleich, wel­che Aspek­te her­vor­ge­ho­ben wer­den. Wäh­rend vie­le Fak­to­ren «Nice-to-have»-Werte sind, ist die Aktua­li­tät essen­zi­ell: Nach­rich­ten von gestern sind Geschichte.

Einordnung

Die Nach­rich­ten­wert-Theo­rie geht auf Gal­tung und Ruge (1965) zurück und wur­de für den deut­schen Sprach­raum mass­geb­lich von Schulz (1976) wei­ter­ent­wickelt. In der Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on ord­nen wir die Selek­ti­ons­kri­te­ri­en in vier Dimen­sio­nen (sie­he Sche­ma); Schenk (2007, S. 444) unter­schei­det sechs: Zeit (Dau­er, Kon­ti­nui­tät), Nähe (räum­lich, poli­tisch, kul­tu­rell), Sta­tus (Zen­tra­li­tät, Pro­mi­nenz), Dyna­mik (Über­ra­schung, Inten­si­tät), Valenz (Kon­flikt, Kri­mi­na­li­tät, Scha­den, Erfolg) und Iden­ti­fi­ka­ti­on (Per­so­na­li­sie­rung, Ethnozentrismus).

Schema Nachrichtenfaktoren in vier Dimensionen

Abbil­dung 1: Nach­rich­ten­fak­to­ren in vier Dimen­sio­nen (KMK-Sche­ma)

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Kri­sen sind nach­rich­ten­wert­star­ke Ereig­nis­se par excel­lence: Nega­ti­vi­tät, Scha­den, Kon­flikt, Über­ra­schung und Per­so­na­li­sie­rung trei­ben die Bericht­erstat­tung – das erklärt, war­um Kri­sen die Gate­kee­per-Schwel­le so leicht über­win­den und war­um Medi­en­wel­len ent­ste­hen. ADAM schätzt über die Nach­rich­ten­fak­to­ren das Eska­la­ti­ons­po­ten­zi­al eines Ereig­nis­ses ab; EVI nutzt die Gegen­rech­nung: Bot­schaf­ten ohne Nach­rich­ten­wert fin­den nicht statt – wer die Deu­tung mit­prä­gen will, muss Aktua­li­tät und Anschau­lich­keit liefern.

Weiterführend

Literatur

Gal­tung, J., & Ruge, M. H. (1965). The struc­tu­re of for­eign news. Jour­nal of Peace Rese­arch, 2(1), 64–91. https://doi.org/10.1177/002234336500200104
Kepp­lin­ger, H. M. (2011). Der Nach­rich­ten­wert der Nach­rich­ten­fak­to­ren. In H. M. Kepp­lin­ger, Jour­na­lis­mus als Beruf (S. 61–76). VS Ver­lag.
Schenk, M. (2007). Medi­en­wir­kungs­for­schung (3. Aufl.). Mohr Sie­beck.
Schulz, W. (1976). Die Kon­struk­ti­on von Rea­li­tät in den Nach­rich­ten­me­di­en. Alber.