Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Kri­sen­aus­lö­ser sind pro­ble­ma­ti­sche Ereig­nis­se, Zustän­de oder Hand­lun­gen, die als Miss­stän­de wahr­ge­nom­men wer­den und eine Kri­se aus­lö­sen kön­nen (→ Kri­sen­bau­stei­ne). Mit ihnen befasst sich die qua­li­ta­ti­ve und quan­ti­ta­ti­ve Kri­sen­ur­sa­chen­for­schung (Kry­stek & Lenz, 2014, S. 38–40).

Abbildung 1: Krisenauslöser
Abbil­dung 1: Krisenauslöser

Vierfeldermatrix nach Reineke (1997)

Rei­ne­ke ord­net Kri­sen­ur­sa­chen nach Feld (intern/extern) und Wesen (immateriell/materiell): Intern-imma­te­ri­ell sind Füh­rungs- und Pla­nungs­feh­ler – inter­ne Pro­ble­me wie demo­ti­vier­te Mit­ar­bei­ten­de sind meist nur deren wahr­nehm­ba­re Fol­gen. Intern-mate­ri­ell sind Betriebs­un­fäl­le und Pro­dukt­feh­ler, über­wie­gend auf mensch­li­ches Fehl­ver­hal­ten zurück­zu­füh­ren (in Luft­fahrt, Medi­zin und Anlagen­tech­nik auf 60–80% geschätzt; Wil­mes, 2006, S. 20). Extern-imma­te­ri­ell sind gesell­schaft­li­che, poli­tisch-recht­li­che, wirt­schaft­li­che und tech­ni­sche Ver­än­de­run­gen – etwa der Wer­te­wan­del, der sich lang­sam voll­zieht und unbe­ach­tet zur schlei­chen­den Kri­se füh­ren kann. Extern-mate­ri­ell sind Natur­ka­ta­stro­phen, Krie­ge, Van­da­lis­mus, Ter­ror – und nach Rei­ne­ke auch Dieb­stahl und Hackerangriffe.

Abbildung 2: Vierfeldermatrix nach Reineke (1997, S. 13), ergänzt mit IT-Krisen
Abbil­dung 2: Vier­fel­der­ma­trix nach Rei­ne­ke (1997, S. 13), ergänzt mit IT-Krisen

Krisenursachen aus wirtschaftlicher Sicht (Hauschildt, 2006)

Die oft zitier­te inhalts­ana­ly­ti­sche Unter­su­chung von Hau­schildt et al. (72 «Missmanagement»-Porträts im Mana­ger Maga­zin 1972–1982, repli­ziert 1988 und 1992–2001) syste­ma­ti­siert vor­wie­gend inter­ne Ursa­chen in vier Grup­pen: per­so­nen­ge­präg­te (Per­son des Unter­neh­mers: Ein-Mann-Regi­ment, unkla­re Nach­fol­ge, Nepo­tis­mus; Füh­rung: Zen­tra­lis­mus, feh­len­de Kon­trol­le, Ent­schei­dungs­schwä­che), insti­tu­tio­nel­le (Stra­te­gie: über­ha­ste­te Expan­si­on, ver­pass­te Zeit­fen­ster; Orga­ni­sa­ti­on: Über-/Un­ter­or­ga­ni­sa­ti­on; Pla­nungs- und Kon­troll­sy­stem: defek­te Kosten­rech­nung, feh­len­de Finanz­pla­nung; Per­so­nal­we­sen), erfolgs­wirt­schaft­li­che (Absatz, Inve­sti­ti­on und Inno­va­ti­on, Pro­duk­ti­on, Beschaf­fung) und finanz­wirt­schaft­li­che (Eigen- und Fremdkapital).

Abbildung 3: Die zehn häufigsten Ursachen von Unternehmenskrisen (Hauschildt et al., 2006, S. 16)
Abbil­dung 3: Die zehn häu­fig­sten Ursa­chen von Unter­neh­mens­kri­sen (Hau­schildt et al., 2006, S. 16)

Fehlverhalten als Hauptursache

Nach Hau­schildt, Gra­pe und Schind­ler (2006) ist jede drit­te Unter­neh­mens­kri­se auf Füh­rungs­män­gel und 5% auf Unfä­hig­keit oder Uner­fah­ren­heit zurück­zu­füh­ren. Ver­steht man Manage­ment als Pla­nen, Steu­ern und Kon­trol­lie­ren, las­sen sich nahe­zu alle Aus­lö­ser als Miss­ma­nage­ment inter­pre­tie­ren (Bae­ris­wyl, 2018, S. 67).

Bedeutung im KMK-System

Die Aus­lö­ser-Syste­ma­tik speist die ADAM-Kon­text­ana­ly­se (Kri­sen­ge­schich­te, Bran­chen­ri­si­ko) und das deskrip­ti­ve Framing: Ob der Dis­kurs inter­ne oder exter­ne, mate­ri­el­le oder mensch­li­che Ursa­chen akzen­tu­iert, ent­schei­det über den SCCT-Clu­ster – und Fehl­ver­hal­ten als domi­nan­te rea­le Ursa­che erklärt, war­um die Pre­ven­ta­ble-Zuschrei­bung im Kri­sen­dis­kurs der Nor­mal­fall ist.

Literatur

Hau­schildt, J., Gra­pe, C., & Schind­ler, M. (2006). Typo­lo­gien von Unter­neh­mens­kri­sen im Wan­del. Die Betriebs­wirt­schaft, 66(1), 7–25. [in Zote­ro prä­zi­sie­ren]
Kry­stek, U., & Lenz, M. (2014). In A. Thies­sen (Hrsg.), Hand­buch Kri­sen­ma­nage­ment. Sprin­ger VS.
Rei­ne­ke, W. (1997). [in Zote­ro nach­zu­tra­gen]
Wil­mes, J. (2006). [in Zote­ro nachzutragen]