A B C D E F G H I J K L M N O P R S T Ü V W X Z

Ver­si­on 2.0 · Stand: 27.07.2026

Der Nut­zen gene­ra­ti­ver KI für die Kom­mu­ni­ka­ti­on (→ KI für die Kom­mu­ni­ka­ti­on) hat eine Kehr­sei­te: Gefah­ren und Risi­ken, die von Qua­li­täts­pro­ble­men der Aus­ga­ben bis zu gesell­schaft­li­chen Fol­ge­wir­kun­gen rei­chen. Für Orga­ni­sa­tio­nen sind sie dop­pelt rele­vant – als Anwen­dungs­ri­si­ko im eige­nen Haus und als exter­nes Krisenrisiko.

Zentrale Risikofelder

Hal­lu­zi­na­ti­on und Ver­all­ge­mei­ne­rung: Sprach­mo­del­le erzeu­gen plau­si­bel klin­gen­de, aber fal­sche oder quel­len­lo­se Aus­sa­gen; bei Fall­ana­ly­sen lie­fern sie oft gene­ri­sche statt situa­ti­ons­be­zo­ge­ner Resul­ta­te (Ben­der et al., 2021). Kri­sen­spe­zi­fisch: KI-gene­rier­te Reak­ti­ons­stra­te­gien ähneln sich stark (Empa­thie – Ent­schul­di­gung – Anpas­sung) und erset­zen kei­ne situa­ti­ve Ana­ly­se. Urhe­ber- und Quel­len­pro­ble­me: Trai­nings­da­ten wer­den ohne Quel­len­an­ga­be ver­wer­tet; es dro­hen Pla­gi­ats- und Rechts­fra­gen. Ver­küm­mern des Den­kens: Schnel­le KI-Ant­wor­ten ver­drän­gen über­leg­tes Urtei­len in Situa­ti­ons­ana­ly­sen und Ent­scheid­pro­zes­sen; KI besitzt kei­ne emo­tio­na­le Intel­li­genz. Des­in­for­ma­ti­on: Gene­ra­ti­ve KI erzeugt gefälsch­te Nach­rich­ten, Bil­der und Vide­os, die kaum von ech­ten Inhal­ten zu unter­schei­den sind (→ Deepf­akes; → Fake News). Daten­schutz: Ein­ga­ben kön­nen sen­si­ble Daten und gei­sti­ges Eigen­tum preis­ge­ben. Arbeits­welt: Sub­sti­tu­ti­ons­äng­ste erzeu­gen Unsi­cher­heit, Demo­ti­va­ti­on und Gerüch­te in der Beleg­schaft – ein inter­nes Kommunikationsthema.

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

KI-Risi­ken wir­ken in zwei Rich­tun­gen auf die Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on. Erstens als Kri­sen­aus­lö­ser: Deepf­ake-Angrif­fe, Daten­lecks durch KI-Nut­zung oder öffent­lich gewor­de­ne KI-Pan­nen sind eigen­stän­di­ge Kri­sen­ty­pen mit hoher Kipp­ge­fahr von der Opfer- zur ver­meid­ba­ren Kri­se, wenn Sorg­falts­pflich­ten ver­letzt wur­den (→ Cyber­an­griff). Zwei­tens als Anwen­dungs­ri­si­ko der eige­nen Ana­ly­se: Das KMK-System begeg­net dem Hal­lu­zi­na­ti­ons­ri­si­ko mit Quel­len­prio­ri­tät (Regel­werk vor Web-Recher­che vor Schät­zung), trans­pa­ren­ter Kon­fi­denz­an­ga­be und der 🔴-EST-Mar­kie­rung für Schätz­wer­te. Jede KI-gestütz­te Ana­ly­se braucht mensch­li­che Vali­die­rung, bevor sie in Stra­te­gie­ent­schei­de einfliesst.

Literatur

Ben­der, E. M., Gebru, T., McMil­lan-Major, A., & Shmit­chell, S. (2021). On the dan­gers of sto­cha­stic par­rots: Can lan­guage models be too big? In Pro­ce­e­dings of the 2021 ACM Con­fe­rence on Fair­ness, Accoun­ta­bi­li­ty, and Trans­pa­ren­cy (S. 610–623). ACM. https://doi.org/10.1145/3442188.3445922
Flo­ridi, L., & Chi­riat­ti, M. (2020). GPT‑3: Its natu­re, scope, limits, and con­se­quen­ces. Minds and Machi­nes, 30, 681–694. https://doi.org/10.1007/s11023-020–09548‑1