A B C D E F G H I J K L M N O P R S T Ü V W X Z

Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Die Kon­tin­genz­theo­rie (Con­tin­gen­cy Theo­ry of Accom­mo­da­ti­on) besagt, dass es kei­ne all­ge­mein­gül­tig beste Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie gibt: Die Hal­tung einer Orga­ni­sa­ti­on gegen­über ihren Publi­ka bewegt sich auf einem Kon­ti­nu­um zwi­schen Advo­ca­cy (kon­se­quen­te Inter­es­sen­ver­tre­tung) und Accom­mo­da­ti­on (Ent­ge­gen­kom­men) – und die jeweils ange­mes­se­ne Posi­ti­on hängt von der Situa­ti­on ab (Can­cel, Came­ron, Sal­lot & Mit­rook, 1997).

Einordnung

Ent­wickelt wur­de die Theo­rie von Glen T. Came­ron und Kol­le­gen als Kri­tik an nor­ma­ti­ven «One best way»-Modellen der PR-For­schung, ins­be­son­de­re an der sym­me­tri­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on der Excel­lence-Theo­rie. Ihr Leit­satz «It depends» wird durch einen umfang­rei­chen Kata­log von über 80 Ein­fluss­va­ria­blen kon­kre­ti­siert – inter­ne (Orga­ni­sa­ti­ons­merk­ma­le, Res­sour­cen, Hal­tung des Manage­ments) und exter­ne (Bedro­hungs­grad, Merk­ma­le der Anspruchs­grup­pen, regu­la­to­ri­sches Umfeld). Für die Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on wur­de der Ansatz von Pang, Jin und Came­ron (2010) wei­ter­ent­wickelt: Die Posi­ti­on auf dem Kon­ti­nu­um ver­schiebt sich im Kri­sen­ver­lauf dyna­misch, etwa wenn juri­sti­sche Risi­ken ein Ent­ge­gen­kom­men zunächst ver­bie­ten (Liti­ga­ti­on-PR-Kon­flikt).

Hin­weis zur Abgren­zung: Die Kon­tin­genz­theo­rie stammt nicht von Coombs; sie ist aber mit der SCCT ver­wandt, da bei­de die Stra­te­gie­wahl von Situa­ti­ons­merk­ma­len abhän­gig machen. Wäh­rend die SCCT mit weni­gen Varia­blen (Kri­sen­typ, Kri­sen­hi­sto­rie, Bezie­hungs­re­pu­ta­ti­on) ein pro­gno­sti­sches Modell anbie­tet, ver­steht sich die Kon­tin­genz­theo­rie als deskrip­tiv-ganz­heit­li­cher Rahmen.

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Das KMK-System ope­ra­tio­na­li­siert kon­tin­gen­tes Den­ken: Die kon­tex­tu­el­len Mode­ra­to­ren des ADAM-Moduls ent­spre­chen den Ein­fluss­va­ria­blen der Kon­tin­genz­theo­rie, und die Wenn-Dann-Regeln über­set­zen die «It depends»-Logik in prüf­ba­re Ent­schei­dungs­re­geln für die Stra­te­gie­wahl. Die Grund­sät­ze situa­ti­ver Kom­mu­ni­ka­ti­on auf krisenkom.ch for­mu­lie­ren die­sel­be Ein­sicht als Pra­xis­re­gel: Erst die Situa­ti­ons­dia­gno­se, dann die Botschaftsstrategie.

Literatur

Can­cel, A. E., Came­ron, G. T., Sal­lot, L. M., & Mit­rook, M. A. (1997). It depends: A con­tin­gen­cy theo­ry of accom­mo­da­ti­on in public rela­ti­ons. Jour­nal of Public Rela­ti­ons Rese­arch, 9(1), 31–63. https://doi.org/10.1207/s1532754xjprr0901_02
Pang, A., Jin, Y., & Came­ron, G. T. (2010). Con­tin­gen­cy theo­ry of stra­te­gic con­flict manage­ment: Direc­tions for the prac­ti­ce of cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on from a deca­de of theo­ry deve­lo­p­ment, dis­co­very, and dia­lo­gue. In W. T. Coombs & S. J. Holl­aday (Hrsg.), The hand­book of cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on (S. 527–549). Wiley-Black­well.
Coombs, W. T. (2014). Applied cri­sis com­mu­ni­ca­ti­on and cri­sis manage­ment: Cases and exer­cis­es. SAGE.