15. September 2022, aktualisiert durch tabaeris/claude, 2. Februar 2026
Der Begriff geht auf einen Vorfall von 2003 zurück: Die Sängerin Barbara Streisand verklagte einen Fotografen, der im Rahmen eines Küstendokumentationsprojekts ein Luftbild ihres Anwesens in Malibu veröffentlicht hatte. Vor der Klage war das Bild sechsmal heruntergeladen worden – danach über 400’000 Mal innerhalb eines Monats. Die Klage wurde abgewiesen, Streisand musste die Prozesskosten tragen.
Psychologischer Mechanismus
Der Effekt beruht auf Reaktanz: Wenn Menschen das Gefühl haben, dass ihnen Informationen vorenthalten werden, steigt das Interesse daran. Zensurversuche signalisieren zudem, dass etwas «wichtig» oder «brisant» sein muss – sonst würde man es nicht unterdrücken wollen.
Typische Auslöser in der Krisenkommunikation
- Abmahnungen gegen Blogger oder kleine Medien
- Löschungsanträge bei Suchmaschinen
- Einstweilige Verfügungen gegen Berichterstattung
- Aggressive Takedown-Notices
Warum Organisationen trotzdem hineintappen
Oft dominiert der juristische Reflex: Was rechtlich durchsetzbar ist, wird durchgesetzt. Dabei wird übersehen, dass das Internet Zensurversuche als Nachricht behandelt – und diese Nachricht verbreitet sich schneller als der ursprüngliche Inhalt.
Strategische Alternativen
Eigene Narrative setzen, statt fremde zu bekämpfen
Ignorieren, wenn die Reichweite gering ist
Gegendarstellung statt Löschung
Dialog mit dem Urheber suchen