Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Das Modell der Rhetorical Arena beschreibt Krisenkommunikation als multivokales Geschehen: Mit Ausbruch einer Krise öffnet sich eine rhetorische Arena, in der neben der betroffenen Organisation viele weitere Stimmen kommunizieren – Medien, Behörden, Expertinnen, Betroffene, Konkurrenten, Publikum (Frandsen & Johansen, 2017).
Einordnung
Die dänischen Forschenden Finn Frandsen und Winni Johansen entwickelten das Modell als Gegenentwurf zu senderzentrierten Zwei-Parteien-Modellen wie Image Repair und SCCT, die primär die Botschaften der Krisenorganisation betrachten. Das Modell hat zwei Ebenen: Das Makromodell erfasst die Arena – wer kommuniziert wann mit wem über wen. Das Mikromodell analysiert jeden einzelnen Kommunikationsprozess anhand von vier Parametern: Kontext, Medium, Genre und Text (Frandsen & Johansen, 2010, 2017). Die Botschaften der Akteure interagieren, verstärken oder widersprechen einander und formen gemeinsam die öffentliche Deutung der Krise – oft unabhängig davon, was die Organisation selbst kommuniziert.
Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
Das Arena-Modell ist die theoretische Begründung für den Analyseansatz des KMK-Systems: SCHNUFFI beobachtet die gesamte Medienarena statt nur der Organisationskommunikation, und FRAMI codiert die Frames aller Sprecher – einschliesslich der Akteurs- und Rollenzuschreibungen im normativen Framing. Für die Strategieentwicklung (EVI) folgt daraus, dass Botschaften stets als Züge in einer besetzten Arena geplant werden müssen, nie als Monolog.
Literatur
Frandsen, F., & Johansen, W. (2010). Crisis communication, complexity, and the cartoon affair: A case study. In W. T. Coombs & S. J. Holladay (Hrsg.), The handbook of crisis communication (S. 425–448). Wiley-Blackwell.
Frandsen, F., & Johansen, W. (2017). Organizational crisis communication: A multivocal approach. SAGE.
Coombs, W. T. (2014). Applied crisis communication and crisis management: Cases and exercises. SAGE.