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Ver­si­on 2.1 · Stand: 16.09.2026

Die Index­ing-Hypo­the­se besagt, dass Nach­rich­ten­me­di­en das Spek­trum ihrer Bericht­erstat­tung am Mei­nungs­spek­trum der poli­ti­schen Eli­te «inde­xie­ren»: Medi­en bil­den vor allem jene Posi­tio­nen ab, die in Regie­rung und insti­tu­tio­na­li­sier­ter Poli­tik ver­tre­ten sind – abwei­chen­de Stim­men fin­den erst Beach­tung, wenn der Eli­ten­kon­sens zer­bricht (Ben­nett, 1990).

Einordnung

W. Lan­ce Ben­nett ent­wickel­te die Hypo­the­se an der US-Aus­sen­po­li­tik­be­richt­erstat­tung; das klas­si­sche Bei­spiel ist die Kriegs­be­richt­erstat­tung, die über­wie­gend Per­spek­ti­ven von Regie­rung und Mili­tär spie­gelt, solan­ge die Oppo­si­ti­on schweigt. Ben­nett, Law­rence und Living­ston (2007) zeig­ten am Irak­krieg, wie die­se Eli­ten­ab­hän­gig­keit die Kon­troll­funk­ti­on der Pres­se schwächt. Gren­zen der Hypo­the­se: Bei Ereig­nis­sen mit star­ker Eige­nevi­denz (Bil­der, Leaks) und in der Platt­form­öf­fent­lich­keit, die Eli­ten­fil­ter umgeht, ver­liert das Index­ing an Kraft – teils wird es durch algo­rith­mi­sche Logi­ken ersetzt.

Für den deutsch­spra­chi­gen Raum liegt mit Völ­kers Unter­su­chung der Bericht­erstat­tung über das Bun­des­fi­nanz­mi­ni­ste­ri­um in der Finanz­kri­se 2008/09 eine empi­ri­sche Prü­fung vor, die das Index­ing in zwei Rich­tun­gen prä­zi­siert (2017, S. 279 ff.). Bestä­tigt wird, dass sta­tus­ho­he Akteu­re der Exe­ku­ti­ve in der aku­ten Pha­se gute Aus­gangs­be­din­gun­gen haben, den zen­tra­len Frame zu prä­gen: Sie han­deln, set­zen damit Anläs­se und stel­len die Begrif­fe bereit, an denen sich die Bericht­erstat­tung aus­rich­tet. Rela­ti­viert wird die Dau­er die­ses Vor­teils. Er hält nur, so lan­ge die Akteu­re Anläs­se lie­fern; ohne sol­che ver­la­gert sich die Debat­te, und ande­re Stim­men gewin­nen an Prä­senz. Zudem dringt nicht jede Deu­tung durch: Ein rein dia­gno­sti­scher Frame ohne kon­kre­te Mass­nah­me und ohne benann­te Ver­ant­wor­tung fand medi­al kaum Resonanz.

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Für poli­ti­sier­te Orga­ni­sa­ti­ons­kri­sen heisst Index­ing: Sobald sich Regie­rungs­stel­len, Auf­sichts­be­hör­den oder Par­la­men­ta­ri­er zur Kri­se äus­sern, über­neh­men die Medi­en deren Deu­tungs­rah­men – die Posi­tio­nie­rung der poli­ti­schen Akteu­re ent­schei­det mit über das Framing der Orga­ni­sa­ti­on. ADAM erfasst des­halb den poli­ti­schen Kon­text als Mode­ra­tor, und SCHNUFFI beob­ach­tet die Äus­se­run­gen poli­ti­scher Eli­ten als Früh­in­di­ka­tor für Framing-Wen­den (etwa den Kipp­punkt zum Focu­sing Event mit Regulierungsdebatte).

Literatur

Ben­nett, W. L. (1990). Toward a theo­ry of press-sta­te rela­ti­ons in the United Sta­tes. Jour­nal of Com­mu­ni­ca­ti­on, 40(2), 103–127. https://doi.org/10.1111/j.1460–2466.1990.tb02265.x
Ben­nett, W. L., Law­rence, R. G., & Living­ston, S. (2007). When the press fails: Poli­ti­cal power and the news media from Iraq to Kat­ri­na. Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Press.
Völ­ker, D. (2017). Kom­mu­ni­ka­ti­on im Kri­sen­mo­dus: Kon­zep­ti­on des Stra­te­gi­schen Framing am Bei­spiel der Finanz­kri­se 2008/09. Sprin­ger VS. https://doi.org/10.1007/978–3‑658–17357‑9