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Ver­si­on 2.0 · Stand: 16.09.2026

Das Gerücht ist eine Form der Mit­tei­lung unge­si­cher­ter Infor­ma­ti­on: Es wird von vie­len geglaubt, obwohl nicht gewiss ist, ob die Aus­sa­ge zutrifft. Zur Nach­richt oder Infor­ma­ti­on wird es erst, «sobald eine ‹offi­zi­el­le› Bestä­ti­gung über sei­nen Inhalt vor­liegt» (Bruhn, 2004, S. 15).

Einordnung

Kenn­zeich­nend ist der Unge­wiss­heits­grad: Man weiss nicht, ob die Aus­sa­ge wahr ist, und meist kennt man auch die Ursprungs­quel­le nicht. Gerüch­te ent­ste­hen vor­wie­gend aus ein­zel­nen Indi­zi­en, die ins Gere­de kom­men und dabei fort­lau­fend mit neu­en Inhal­ten ange­rei­chert wer­den. Neu­gier­de und Kom­bi­na­ti­ons­freu­de schaf­fen dar­aus eine unge­wis­se, kon­stru­ier­te Wirk­lich­keit.

Die­se Wirk­lich­keit muss nicht – wie gemein­hin ange­nom­men – per se falsch sein. Ein Gerücht kann sich im Nach­hin­ein auch als rich­tig erwei­sen (Bruhn, 2004, S. 15). Es kann sich aber eben­so als Fake News her­aus­stel­len, wenn sich zeigt, dass es eine unwah­re Nach­richt war, die mit arg­li­sti­ger Absicht lan­ciert wor­den ist.

Meist bezieht sich ein Gerücht auf eine Per­son oder eine Per­so­nen­grup­pe; dann spricht man von Klatsch. Not­wen­dig ist die­ser Bezug nicht: «Es kann bei Gerüch­ten neben dem Per­so­nen­be­zug auch ein Objekt- oder Ereig­nis­be­zug vor­lie­gen» (Bruhn, 2004, S. 17).

Gerüchte in der internen Kommunikation

In der inter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on han­delt es sich um Nega­ti­vin­for­ma­tio­nen, die über infor­mel­le Kanä­le ver­brei­tet wer­den und viel­fach an Per­so­nen gebun­den sind. Sie wecken – auch wegen ihres unge­wis­sen Cha­rak­ters – Neu­gier­de, besit­zen einen hohen Unter­hal­tungs­wert und kön­nen sich intern wie über sozia­le Medi­en rasch ver­brei­ten (Piwin­ger, 2004, S. 251 ff.; sie­he Nach­rich­ten­wert).

Gerüch­te ver­brei­ten sich beson­ders in Situa­tio­nen, die von Unge­wiss­heit geprägt sind: in Kri­sen­zei­ten oder in einem schlech­ten Betriebs­kli­ma, in dem Unzu­frie­den­heit, Mob­bing, Rache, Belä­sti­gung und Füh­rungs­feh­ler vor­herr­schen. In die­sem Sin­ne sind sie Kri­sen­ver­stär­ker; sie kön­nen eine Kri­se auch selbst aus­lö­sen. Wie eine Kri­se lässt sich ein Gerücht nur schwer kon­trol­lie­ren – unter ande­rem, weil die betrof­fe­ne Per­son meist als Letz­te davon erfährt.

Ver­laufs­form von Gerüch­ten (nach Piwin­ger, 2004, S. 255)

Prävention

Vor­beu­gend wir­ken die Pfle­ge der Unter­neh­mens­kul­tur (Cor­po­ra­te Cul­tu­re) und eine trans­pa­ren­te, ver­trau­ens­för­dern­de Mit­ar­bei­ter­kom­mu­ni­ka­ti­on (sie­he Inter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on).

Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)

Das Gerücht ist einer der weni­gen Fäl­le, in denen die situa­ti­ve Kri­sen­kom­mu­ni­ka­ti­ons­theo­rie die Zurück­wei­sung aus­drück­lich vor­sieht (→ Coombs Situa­tio­nal Cri­sis Com­mu­ni­ca­ti­on Theo­ry). Die Vor­aus­set­zung dafür folgt aus der Defi­ni­ti­on: Weil sich ein Gerücht im Nach­hin­ein als rich­tig erwei­sen kann, trägt ein Demen­ti nur, wenn die Fak­ten­la­ge gesi­chert ist. Wer ein zutref­fen­des Gerücht zurück­weist, ver­wan­delt die Unge­wiss­heit in einen nach­weis­ba­ren Wider­spruch und schafft damit den Anlass für eine zwei­te Kri­se.

Literatur

Bruhn, M. (2004). Gerüch­te als Gegen­stand der theo­re­ti­schen und empi­ri­schen For­schung. In M. Bruhn & W. Wun­der­lich (Hrsg.), Medi­um Gerücht: Stu­di­en zu Theo­rie und Pra­xis einer kol­lek­ti­ven Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form (S. 11–39). Haupt.

Noch zu veri­fi­zie­ren 🔴: Piwin­ger (2004), im Text zitiert mit S. 251 ff. und S. 255; der voll­stän­di­ge Nach­weis fehlt.