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Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

«Kom­mu­ni­ka­ti­on der Kri­se ist schwie­rig. Auch bei einem Cyber­an­griff.» (Lukas Mäder, NZZ) – Cyber­an­grif­fe sind Angrif­fe auf die IT einer Orga­ni­sa­ti­on und gehö­ren über­wie­gend zur Cyber­kri­mi­na­li­tät. Die Angrei­fer – Cyber­kri­mi­nel­le, Betrü­ger, Hack­ti­vi­sten, Insi­der oder staat­li­che Akteu­re – han­deln aus finan­zi­el­len, poli­ti­schen, ideo­lo­gi­schen oder nicht bös­wil­li­gen Moti­ven (Stämpf­li, 2022); ein gros­ses Motiv ist zudem die Wirtschaftsspionage.

Ziele und Instrumente

Angrif­fe zie­len dar­auf, einer Orga­ni­sa­ti­on zu scha­den (stö­ren, zer­stö­ren, rächen), sie zu erpres­sen oder sie zu besteh­len bzw. aus­zu­spio­nie­ren. Instru­men­te: Mal­wa­re (Tro­ja­ner, Viren, Wür­mer), Ran­som­wa­re (Erpres­sung), Spy­wa­re (Dieb­stahl), Phis­hing, DDoS-Angrif­fe, CEO-Betrug sowie kom­ple­xe Hacker­an­grif­fe bis hin zu Cyber-Ter­ro­ris­mus und Cyber-Krieg.

Einfallstore und Häufigkeit

Nach der Sophos-Umfra­ge 2025 (3400 Ran­som­wa­re-Betrof­fe­ne) sind aus­ge­nutz­te Sicher­heits­lücken das wich­tig­ste Ein­falls­tor (welt­weit ein Drit­tel, Schweiz über 40%), gefolgt von kom­pro­mit­tier­ten Zugangs­da­ten (23%), bös­ar­ti­gen E‑Mails (19%) und Phis­hing (18%). Dreis­sig­acker et al. (2020) schät­zen, dass in Deutsch­land jähr­lich 40–50% der KMU (ab 10 Mit­ar­bei­ten­den) und 50–60% der Gross­un­ter­neh­men ange­grif­fen wer­den; KMU müs­sen etwa alle vier Jah­re mit einem Cyber­an­griff rech­nen (Pug­net­ti, 2021, S. 6).

Abbildung 1: Einfallstore für Ransomware (Sophos, 2025)
Abbil­dung 1: Ein­falls­to­re für Ran­som­wa­re (Sophos, 2025)

Insider und Home Office

Nicht alle Angrif­fe kom­men von aus­sen: Laut einer IBM-Stu­die sind 60% der Cyber­at­tacken Insi­der-Jobs von Ange­stell­ten oder Drit­ten mit System­zu­griff – die mei­sten absicht­lich, 15,5% durch Anwen­der­feh­ler oder mani­pu­lier­te Mit­ar­bei­ten­de; Pro­fi­hacker ver­ant­wor­ten 40% (Brandt, 2016). Das Home Office ver­viel­facht die Ein­tritts­punk­te in Unter­neh­mens­sy­ste­me (SWI swis­s­in­fo, 2022).

Abbildung 2: Verursacher von Cyberattacken (Statista/IBM)
Abbil­dung 2: Ver­ur­sa­cher von Cyber­at­tacken (Statista/IBM)

Cyberangriffe und künstliche Intelligenz

Mit gene­ra­ti­ver KI dürf­te die Zahl der Angrif­fe stei­gen: Das FBI warnt vor zuneh­men­den Angrif­fen auf Füh­rungs­kräf­te, For­schen­de und Inge­nieu­re von KI-Unter­neh­men – unab­hän­gi­ge wie staat­lich gestütz­te Akteu­re zie­len auf das gei­sti­ge Eigen­tum hin­ter den Sprach­mo­del­len (Insi­de IT, 2023).

Bedeutung im KMK-System

Der Cyber­an­griff ist der Pro­to­typ der attri­bu­tiv insta­bi­len Kri­se: for­mal Vic­tim-Clu­ster (Angriff von aus­sen), kippt die Zuschrei­bung aber in den Pre­ven­ta­ble-Clu­ster, sobald der Dis­kurs Sicher­heits­lücken, ver­schlepp­te Updates oder feh­len­de Schu­lung the­ma­ti­siert. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on muss des­halb früh die Ver­ant­wor­tungs­fra­ge adres­sie­ren (Frame-Kor­rek­tur) und die Instruk­ti­ons­in­for­ma­ti­on für Betrof­fe­ne prio­ri­sie­ren (→ Grundsätze/Empfehlungen Cyber­an­griff, → IT-Kri­se, → Social Engi­nee­ring).

Weiterführend

Liste bedeu­ten­der Cyber­vor­fäl­le (CSIS) · Cybero-Check für KMU · Sta­ti­sta · Insi­de IT

Literatur

Pug­net­ti, C., & Casián, C. (2021). Cyber­ri­si­ken und Schwei­zer KMU: Eine Unter­su­chung der Ein­stel­lun­gen von Mit­ar­bei­ten­den und ver­hal­tens­be­ding­ter Anfäl­lig­kei­ten. (Zote­ro-Grup­pe KMK)
Dreis­sig­acker, A., et al. (2020). [in Zote­ro nachzutragen]