A B C D E F G H I J K L M N O P R S T Ü V W X Z
An At Au

Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Emo­tio­nen spie­len in Kri­sen eine bedeu­ten­de Rol­le – ihre wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­se ist jedoch anspruchs­voll, sei es bei der Dar­stel­lung und Ver­mitt­lung von Emo­tio­nen (media­le Ebe­ne der Kri­sen­ver­laufs­kar­te) oder bei der Ver­ar­bei­tung emo­tio­na­ler Sti­mu­li auf der Ebe­ne der öffent­li­chen Wahr­neh­mung. Drei Model­le bie­ten sich für die inhalts­ana­ly­ti­sche Unter­su­chung an.

Variante 1: Empfundene (vermittelte) Emotionen (Baeriswyl, 2023)

Abbildung 1: Empfundene Emotionen nach Baeriswyl (2023)
Abbil­dung 1: Emp­fun­de­ne Emo­tio­nen nach Bae­ris­wyl (2023)

Für die qua­li­ta­ti­ve Ana­ly­se erge­ben sich vier Kate­go­rien: Schrecken/Überraschung · Angst/Ekel · Wut/Hass · Traurigkeit/Scham. Für Inhalts­ana­ly­sen im Rah­men des KMK-Systems wird die­ses Modell emp­foh­len, da es kon­gru­ent mit der Kri­sen­ver­laufs­kar­te ist und fall­über­grei­fen­de Ana­ly­sen ermöglicht.

Variante 2: Rad von Plutchik

Abbildung 2: Rad der Emotionen nach R. Plutchik (1958)
Abbil­dung 2: Rad der Emo­tio­nen nach R. Plut­chik (1958)

Für detail­lier­te­re, all­ge­mei­ne Emo­ti­ons­ana­ly­sen eig­net sich das Rad von Plut­chik. Ein ein­fa­ches Code­sy­stem für MAXQDA mit drei­stu­fi­ger Inten­si­tät: sach­lich (ohne Emo­ti­on) · Über­ra­schung (verwirrt–überrascht–erstaunt) · Erwar­ten (neugierig–aufmerksam–klar) · Ekel (gelangweilt–ablehnend–angewidert) · Ver­trau­en (akzeptierend–vertrauend–bewundernd) · Freu­de (gelassen–froh–begeistert) · Ärger (gereizt–verärgert–wütend) · Furcht (besorgt–ängstlich–erschrocken) · Trau­er (nachdenklich–traurig–betrübt).

Variante 3: Kategorisierung nach der Attributionstheorie

In Anleh­nung an die Attri­bu­ti­ons­theo­rie unter­schei­den Jin et al. drei Grup­pen von Emo­tio­nen: (a) kau­sal­at­tri­bu­ti­ons­un­ab­hän­gig (Angst, Sym­pa­thie), (b) mit exter­ner Kau­sal­at­tri­bu­ti­on ver­bun­den (Trau­rig­keit, Ekel, Ver­ach­tung), © mit inter­ner Kau­sal­at­tri­bu­ti­on ver­bun­den (Schuld, Scham).

Bedeutung im KMK-System

Das Codier­sy­stem emo­tio­na­le Rah­mung ope­ra­tio­na­li­siert die Emo­ti­ons­ana­ly­se für FRAMI (Codes mit Inten­si­tät 1–5); die emo­tio­na­le Anschluss­lo­gik der Wenn-Dann-Regeln über­setzt die Befun­de in Stra­te­gie (Angst → Instruk­ti­on; Wut/Empörung → Rebuild). Die Vari­an­ten 2 und 3 ste­hen für ver­tie­fen­de wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­sen zur Ver­fü­gung (MAX­Q­DA-Code­li­sten).

Weiterführend

Video: Emo­tio­nen­ana­ly­se und Mimik (You­Tube)

Literatur

Jin, Y., Pang, A., & Came­ron, G. T. (2010). The role of emo­ti­ons in cri­sis respon­ses: Inau­gu­ral test of the inte­gra­ted cri­sis map­ping (ICM) model. Cor­po­ra­te Com­mu­ni­ca­ti­ons, 15(4), 428–452. https://doi.org/10.1108/13563281011085529