Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Der Strei­sand-Effekt bezeich­net das Phä­no­men, dass der Ver­such, eine Infor­ma­ti­on zu unter­drücken, ihr erst recht Ver­brei­tung ver­schafft. Der Begriff geht auf 2003 zurück: Bar­bra Strei­sand ver­klag­te einen Foto­gra­fen, der im Rah­men eines Küsten­do­ku­men­ta­ti­ons­pro­jekts ein Luft­bild ihres Anwe­sens ver­öf­fent­licht hat­te. Vor der Kla­ge war das Bild sechs­mal her­un­ter­ge­la­den wor­den – danach über 400’000 Mal in einem Monat. Die Kla­ge wur­de abgewiesen.

Psychologischer Mechanismus

Der Effekt beruht auf Reak­tanz: Vor­ent­hal­te­ne Infor­ma­tio­nen wecken Inter­es­se. Zen­sur­ver­su­che signa­li­sie­ren zudem Bri­sanz – sonst wür­de nie­mand unter­drücken wollen.

Typische Auslöser

Abmah­nun­gen gegen Blog­ger oder klei­ne Medi­en · Löschungs­an­trä­ge bei Such­ma­schi­nen · einst­wei­li­ge Ver­fü­gun­gen gegen Bericht­erstat­tung · aggres­si­ve Take­down-Noti­ces. Orga­ni­sa­tio­nen tap­pen hin­ein, weil der juri­sti­sche Reflex domi­niert: Was durch­setz­bar ist, wird durch­ge­setzt – über­se­hen wird, dass das Inter­net den Zen­sur­ver­such selbst als Nach­richt behandelt.

Strategische Alternativen

Eige­ne Nar­ra­ti­ve set­zen statt frem­de bekämp­fen · igno­rie­ren, wenn die Reich­wei­te gering ist · Gegen­dar­stel­lung statt Löschung · Dia­log mit dem Urheber.

Bedeutung im KMK-System

Der Strei­sand-Effekt ist das Stan­dard-Gegen­ar­gu­ment zu juri­stisch getrie­be­nen Unter­drückungs­stra­te­gien: Das Basis-Pro­to­koll hält fest, dass juri­sti­sche Vor­sicht die Kom­mu­ni­ka­ti­on nicht blockie­ren darf – hier zeigt sich, dass juri­sti­sche Aggres­si­on sie sogar sabo­tie­ren kann. In der EVI-Abwä­gung gehört die Reak­tanz-Pro­gno­se zu jeder Lösch- oder Klageoption.