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Ver­si­on 2.0 · Stand: 18.07.2026

Der Halo-Effekt ist eine kogni­ti­ve Ver­zer­rung, bei der eine auf­fäl­li­ge posi­ti­ve oder nega­ti­ve Eigen­schaft einer Per­son, eines Pro­dukts oder einer Orga­ni­sa­ti­on die Wahr­neh­mung ihrer übri­gen Eigen­schaf­ten «über­strahlt» (Thorn­di­ke, 1920). Attrak­ti­ve Per­so­nen gel­ten als kom­pe­ten­ter, Pro­duk­te bekann­ter Mar­ken als hoch­wer­ti­ger – ohne dass es dafür Bele­ge braucht. Der Effekt spart kogni­ti­ve Res­sour­cen: Statt jede Eigen­schaft ein­zeln zu prü­fen, wird vom Auf­fäl­li­gen aufs Gan­ze geschlossen.

Bedeutung für die Krisenkommunikation

Der Halo-Effekt wirkt in der Kri­se in bei­de Rich­tun­gen: Eine star­ke Repu­ta­ti­on über­strahlt Nega­tiv­mel­dun­gen und puf­fert die Ver­ant­wor­tungs­zu­schrei­bung ab (Halo als Schutz­schild); ein nega­tiv auf­ge­la­de­nes Image färbt umge­kehrt jede neue Infor­ma­ti­on dun­kel ein. Coombs und Holl­aday spre­chen vom «Halo-Effekt» der Repu­ta­ti­on als Kri­sen­puf­fer – der aller­dings bei schwe­ren, ver­meid­ba­ren Kri­sen zerbricht.

Bedeutung im KMK-System

Der Effekt begrün­det die Basis-Repu­ta­ti­on als kon­tex­tu­el­len Mode­ra­tor im ADAM-Modul: Sehr posi­ti­ve Vor­kri­sen-Repu­ta­ti­on senkt die Fall­hö­he (Repu­ta­ti­ons­bo­nus), nega­ti­ve erhöht sie. Die Prü­fung der Kom­pe­tenz-Glaub­wür­dig­keits-Fal­le (Risi­ko­fal­len) fragt nach der Kehr­sei­te: Wo erzeugt das über­strah­len­de Selbst­bild Verwundbarkeit?

Literatur

Thorn­di­ke, E. L. (1920). A con­stant error in psy­cho­lo­gi­cal ratings. Jour­nal of Applied Psy­cho­lo­gy, 4(1), 25–29.
Coombs, W. T., & Holl­aday, S. J. (2006). Unpack­ing the halo effect: Repu­ta­ti­on and cri­sis manage­ment. Jour­nal of Com­mu­ni­ca­ti­on Manage­ment, 10(2), 123–137. https://doi.org/10.1108/13632540610664698 (Zote­ro-Grup­pe KMK)