Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Eine kognitive Dissonanz nach Festinger entsteht, wenn zwei kognitive Elemente in dissonanter Beziehung stehen – offensichtlich dann, wenn das Verhalten dem eigenen Wissen widerspricht: der Raucher, der um die Schädlichkeit weiss; der Verschuldete, der ein Auto kauft (Schenk, 2007, S. 148 ff.). Dissonanz kann entspringen aus logischer Inkonsistenz, inkonsistenten kulturellen Sitten, dem Widerspruch zwischen spezieller und übergreifender Kognition sowie vergangener Erfahrung.
Dissonanzvermeidung und selektive Wahrnehmung
Der Mensch meidet Dissonanz und sucht sie zu verringern: Er umgeht Informationen, die seinen Prädispositionen und Gewohnheiten widersprechen (→ Wahrnehmung, selektive). Churchill: «Ein leidenschaftlicher Raucher, der immer wieder von der Gefahr des Rauchens liest, hört in den meisten Fällen auf – zu lesen.» Die klassische Zigarettenwerbung verringerte die Dissonanz Rauchen–Krankheit durch Überspielen mit Freiheits- und Abenteuerwerten; Antiraucher-Kampagnen verstärken sie gezielt.
Streben nach Konsonanz
Umgekehrt sucht der Mensch Informationen, die sein Weltbild bestätigen. In der informationsüberfluteten Gesellschaft ist das riskant: Das Web erleichtert die aktive Suche nach konformen Informationen und begünstigt Echokammern und verzerrte Weltbilder (→ Konsonanz).
Bedeutung im KMK-System
Die Dissonanztheorie begründet zentrale Grundsätze: Botschaften müssen an Prädispositionen anschliessen (Konsonanz schafft Resonanz), Inkonsistenzen der eigenen Kommunikation erzeugen Dissonanz und kosten Glaubwürdigkeit (Kohärenz-Check im EVI-Modul), und gefestigte Negativ-Voreinstellungen lassen entlastende Botschaften abprallen (ADAM: Basis-Reputation).
Literatur
Festinger, L. (1957). A theory of cognitive dissonance. Stanford University Press.
Schenk, M. (2007). Medienwirkungsforschung (3. Aufl.). Mohr Siebeck.