Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Diffusion (lat. diffundere, «ausgiessen, verstreuen, ausbreiten») bezeichnet den Prozess, über den sich Informationen in einem sozialen System verbreiten und durch Interaktionen ihre Empfänger erreichen. Die Diffusionsforschung untersucht diesen Prozess ursprünglich an der Verbreitung und Akzeptanz von Innovationen (Rogers, 2003).
Einordnung
Nach Rogers (2003, S. 5 f.) ist Diffusion der Prozess, «in which an innovation is communicated through certain channels over time among the members of a social system». Vier Faktoren prägen den Verlauf: die Eigenschaften der Innovation bzw. der Nachricht (Newscharakter), der Kommunikationskanal, die Zeit und das soziale System. Die Verbreitung läuft dabei nicht allein über Massenmedien: Der Two-Step-Flow der Kommunikation zeigt, dass Meinungsführer die Weitergabe und Bewertung von Informationen vermitteln (Katz & Lazarsfeld, 1955; Schenk, 2007). In sozialen Medien übernehmen Influencer diese Multiplikatorenrolle – ergänzt um nichtmenschliche Akteure: Social Bots (Programme, die durch fingierte Reaktionen Reichweite und Akzeptanz von Inhalten manipulieren) und Trolle (Nutzer, die mit emotionalen Beiträgen Diskussionen anheizen oder stören).
Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
Krisennachrichten folgen einer Diffusionsdynamik: Ob eine Meldung in der Nische bleibt oder zur Empörungswelle wird, entscheiden Nachrichtenwert, Kanäle und Multiplikatoren – nicht die Organisation. SCHNUFFI beobachtet deshalb neben den Leitmedien die Diffusionswege (Meinungsführer, Influencer, auffällige Bot-/Troll-Aktivität), und die Krisenverlaufskarte bildet die Ausbreitungswellen ab. Für EVI gilt: Gegenbotschaften müssen die gleichen Diffusionswege nutzen wie die Vorwürfe, sonst erreichen sie das falsche Publikum.
Weiterführend
Literatur
Katz, E., & Lazarsfeld, P. F. (1955). Personal influence: The part played by people in the flow of mass communications. Free Press.
Rogers, E. M. (2003). Diffusion of innovations (5. Aufl.). Free Press.
Schenk, M. (2007). Medienwirkungsforschung (3. Aufl., S. 401–429). Mohr Siebeck.