Version 2.0 · Stand: 18.07.2026
Die Stakeholder-Analyse identifiziert die Anspruchsgruppen einer Organisation, ihre Erwartungen und ihre Einflussmöglichkeiten. Der Begriff stammt aus dem strategischen Management (Freeman, 1984); im Krisenmanagement gehört die Analyse – wie das Issues Management – zu den präventiven Daueraufgaben der Kommunikation.
Einordnung
Zur Priorisierung hat sich das Salience-Modell etabliert: Stakeholder werden nach Macht, Legitimität und Dringlichkeit ihrer Ansprüche gewichtet (Mitchell, Agle & Wood, 1997). Für den Krisenkontext formuliert Lintemeier (2013) die Leitfragen einer Stakeholder-Analyse:
- Wie sieht unser unternehmensspezifisches Risiko- und Krisenprofil aus (Krisenlandkarte)?
- Welche primären und sekundären Stakeholder können wir identifizieren?
- Welche Ansprüche erheben die Stakeholder uns gegenüber – gerade in Krisensituationen?
- Welche Einflussmöglichkeiten und welche Netzwerke untereinander haben sie?
- Welche Kommunikationsanforderungen stellen die jeweiligen Stakeholder?
- Wie werden die Stakeholder-Beziehungen intern gesteuert, mit welcher Vorgeschichte und nach welchen Richtlinien?
Bedeutung für die Krisenkommunikation (KMK-Bezug)
Krisen entscheiden sich an den Erwartungen der Stakeholder: Verletzte Erwartungen sind der Kern jeder Reputationskrise. Im KMK-System fliessen Stakeholder-Befunde als kontextuelle Moderatoren in ADAM ein und bestimmen in EVI die Adressierung der Botschaften – wer priorisiert informiert wird, in welcher Reihenfolge und mit welcher Strategie. Die Rhetorical-Arena-Perspektive ergänzt: Stakeholder sind in der Krise nicht nur Empfänger, sondern eigenständige Stimmen in der Arena.
Literatur
Freeman, R. E. (1984). Strategic management: A stakeholder approach. Pitman.
Lintemeier, K. (2013). Unternehmenskrisen und Stakeholder-Beziehungen. In A. Thiessen (Hrsg.), Handbuch Krisenmanagement (S. 53–67). Springer VS. https://doi.org/10.1007/978–3‑531–19367-0_4
Mitchell, R. K., Agle, B. R., & Wood, D. J. (1997). Toward a theory of stakeholder identification and salience: Defining the principle of who and what really counts. Academy of Management Review, 22(4), 853–886. https://doi.org/10.5465/amr.1997.9711022105